Beide Begriffe beantworten dieselbe Frage — wie das Bild auf die Fläche
passt —, aber auf verschiedenen Ebenen. Zoom verändert die Bildgröße
optisch, durch Verstellen des Objektivs. Overscan vergrößert das Bild
im Signalweg und schneidet dabei die Ränder ab.
Wenn ein Bild nicht genau auf die Fläche passt, gibt es zwei ganz
verschiedene Wege. Der eine verstellt das Objektiv, so wie bei einer
Kamera — das Bild wird größer oder kleiner, und es bleibt alles drauf.
Der andere vergrößert das Bild elektronisch und lässt die Ränder
einfach wegfallen. Der zweite Weg stammt aus der Zeit der
Röhrenfernseher, wo die Bildränder nicht sauber waren. Heute nimmt er
Dir nur noch Schärfe und ein paar Prozent Bildinhalt weg — und trotzdem
ist er bei vielen Geräten ab Werk eingeschaltet.
Ein Zoomobjektiv verändert seine Brennweite und damit die Bildgröße bei
gleichbleibendem Abstand. Angegeben wird der Bereich meist als Spanne des
Projektionsverhältnisses, etwa 1,3 bis 2,1 — die Zahlen sagen, das
Wievielfache der Bildbreite der Abstand betragen darf.
Ein großer Zoombereich macht die Aufstellung unkritisch und ist deshalb
im Wohnraum wertvoll, wo der Projektorplatz oft feststeht. Er hat aber
zwei Preise, und beide werden bei der Planung gern übersehen.
Am langen Ende kostet Zoom Licht. Bei maximaler Auszugsweite geben
viele Objektive spürbar weniger Lichtstrom ab als in der Mittelstellung.
Wer den Projektor weit hinten platziert und das Objektiv ans Ende fährt,
verliert damit Leuchtdichte auf der Leinwand — dieselbe Größe, um die es
bei der Auslegung ohnehin geht. Warum die beiden Enden des Zoomwegs
optisch ungleich sind und welche Zoomstellung die Lumenzahl des
Datenblatts beschreibt, führt der Eintrag zum Weitwinkel- und
Tele-Ende aus.
Die Zoomstellung begrenzt den Lens Shift. Objektiv und
Verschiebemechanik arbeiten zusammen, und am Rand des Zoombereichs
schrumpft der nutzbare Verstellbereich für den Bildversatz. Beide Angaben
im Datenblatt gelten also nicht gleichzeitig in voller Höhe; wer beide
ausreizen will, stellt fest, dass sie sich gegenseitig einschränken. Die
Einzelheiten dazu stehen beim Lens Shift; wie
sich Lichtstrom, Verstellbereich und Einfallswinkel auf der Leinwand um
dieselbe Objektivstellung streiten, führt Wurfweite, Lens Shift und
Einfallswinkel aus.
Ein praktischer Anwendungsfall verdient eigene Erwähnung: Manche
Projektoren speichern Objektivstellungen und fahren sie auf Knopfdruck an.
Damit lässt sich zwischen einem 16:9-Bild und einem breiteren Kinoformat
umschalten, ohne ein Vorsatzobjektiv zu verwenden — das Bild wird auf die
volle Leinwandbreite gezoomt, und die schwarzen Balken wandern über den
Leinwandrand hinaus. Der Nachteil bleibt: Die Bildpunkte der Balken
werden weiterhin angesteuert, ihr Restlicht landet oberhalb und unterhalb
der Leinwand.
Overscan vergrößert das ankommende Bild um einige Prozent und stellt nur
den mittleren Ausschnitt dar. Der Rest fällt über den Bildrand hinaus.
Der Ursprung liegt bei der Bildröhre. Deren Geometrie war nicht stabil —
sie änderte sich mit der Betriebsspannung, der Temperatur und dem Alter
des Geräts —, und die äußersten Zeilen enthielten oft Steuerinformationen
oder waren schlicht unsauber. Man strahlte deshalb absichtlich über den
sichtbaren Bereich hinaus, damit unter keinen Umständen ein unbeschriebener
Rand zu sehen war.
Bei einem Gerät mit fester Bildpunktmatrix ist diese Begründung
entfallen, die Voreinstellung aber vielerorts geblieben. Zwei Nachteile
folgen daraus.
Bildinhalt geht verloren. Fünf Prozent Overscan bedeuten, dass rundum
je rund zweieinhalb Prozent der Bildbreite und -höhe fehlen. Bei Film
fällt das selten auf; bei Untertiteln am Bildrand, bei eingeblendeten
Anzeigen und bei allem, was von einem Rechner oder einer Spielkonsole
kommt, sehr wohl.
Die Schärfe leidet. Damit ein vergrößerter Ausschnitt auf die
Bildpunktmatrix passt, muss das Bild neu berechnet werden. Ein Signal,
das exakt zur Auflösung des Geräts passt und ohne Overscan eins zu eins
abgebildet würde, wird dadurch skaliert — jeder Bildpunkt entsteht neu
aus Nachbarwerten. Der Verlust ist gering und bei feinen Strukturen
sichtbar.
Auch hier verständigen sich die Geräte über den
AVI-InfoFrame. Ein Feld im ersten Datenbyte sagt,
ob das Bild bereits überabgetastet vorliegt oder vollständig übertragen
wird.
Ist das Feld nicht gesetzt, greift dieselbe Fallunterscheidung wie beim
Signalwertebereich: Bei einem
CE-Videoformat — den Fernseh- und Filmauflösungen — soll der Empfänger
overscannen, bei einem IT-Videoformat, also den PC-Auflösungen, nicht.
Das erklärt eine Beobachtung, die sonst rätselhaft wirkt: Derselbe
Projektor schneidet bei der einen Quelle Ränder ab und bei der anderen
nicht, ohne dass jemand etwas umgestellt hätte.
Die Menübezeichnungen sind so vielfältig wie beim Wertebereich. „Just
Scan", „Pixel-für-Pixel", „1:1", „Vollbild", „Bildgröße" und schlicht
„Overscan" meinen dieselbe Einstellung, und welcher Wert davon Overscan
abschaltet, ist ohne Testbild nicht zu erraten.
Ein Testbild mit einem Rahmen genau auf dem äußersten Bildpunkt zeigt es
sofort: Ist der Rahmen vollständig und an allen vier Seiten sichtbar,
läuft das Gerät ohne Overscan. Fehlt er ganz oder teilweise, wird
beschnitten. Testbilder mit einer Skala am Rand zeigen zusätzlich, wie
viel Prozent fehlen.
Die Prüfung gehört je Eingang und je Quelle einzeln gemacht, weil die
Einstellung oft eingangsbezogen gespeichert wird und die Vorgabe je nach
Bildformat wechselt.
„Overscan brauche ich, damit das Bild die Leinwand ganz ausfüllt."
Dafür ist die Aufstellung zuständig — Abstand, Zoom und Lens Shift. Das
Bild an die Fläche anzupassen und Bildinhalt wegzuschneiden sind zwei
verschiedene Vorgänge, die nur zufällig ähnlich aussehen. Wer Overscan
dafür einsetzt, verliert Auflösung und Bildinhalt, ohne das eigentliche
Problem — eine nicht passende Aufstellung — zu lösen.
„Am Projektor ist etwas Überstrahl doch gut, dann ist die Leinwand ganz
gefüllt." Das ist die teuerste Variante dieses Irrtums, und sie kostet
Schwarzwert. Licht, das über die Leinwandkante hinaus auf die Wand
fällt, macht die Wand ringsum zu einer großflächigen Lichtquelle direkt
neben der Bildfläche — sie strahlt auf die Leinwand zurück und hebt
Schwarz an. Ein Projektor gehört so eingerichtet, dass er innerhalb der
Leinwand bleibt; die Einzelheiten stehen beim
Schwarzwert.
„Digitaler Zoom ist auch Zoom." Er skaliert das Signal, statt das
Objektiv zu verstellen. Damit kostet er Auflösung wie Overscan und
gewinnt keinen Lichtstrom — die Lichtmenge verteilt sich weiterhin auf
dieselbe Fläche. Als Notbehelf bei ungünstiger Aufstellung ist er
brauchbar, als Ersatz für ein passendes Objektiv nicht.
„Zoom kostet nichts." Optischer Zoom kostet keine Auflösung, aber am
langen Ende Lichtstrom und Verstellbereich beim Lens Shift. Bei der
Auslegung eines Projektors ist das kein Nebeneffekt, sondern eine der
Größen, die über die Bildbreite mitentscheiden.
- Trapezkorrektur: Eine Geometriekorrektur für schräge Aufstellung,
die ebenfalls Bildpunkte kostet, siehe
Trapezkorrektur.
- Lens Shift: Verschiebt das Bild, ohne seine Größe zu ändern, siehe
Lens Shift.
- Projektionsverhältnis: Das Verhältnis von Abstand zu Bildbreite;
der Zoombereich ist die Spanne, in der es einstellbar ist, siehe
Projektionsverhältnis.
- Bildformatanpassung: Schwarze Balken bei abweichendem
Seitenverhältnis sind kein Overscan — dort geht kein Bildinhalt
verloren.
Bei der Spielkonsole ist die Anzeige am oberen Bildrand angeschnitten,
während Filme von der Disc einwandfrei aussehen. Der erste Verdacht
fällt auf die Konsole.
Beide Beobachtungen passen zu einem eingeschalteten Overscan, der je nach
Bildformat unterschiedlich greift. Filme bringen ihre wichtigen Inhalte
nicht bis an den Rand, eine Spieloberfläche schon — derselbe Beschnitt
fällt deshalb nur bei der einen Quelle auf.
Der Weg dorthin ist ein Testbild mit Randmarkierung, an jedem Eingang
einzeln. Zeigt es fehlende Ränder, wird die Bildgrößeneinstellung des
Projektors auf die Stellung ohne Skalierung gebracht — wie sie heißt,
verrät erst das Testbild. Bleibt danach ein Rest, lohnt der Blick auf die
Quelle: Auch Zuspieler und Konsolen haben eigene Einstellungen dafür, und
zwei aufeinanderfolgende Beschnitte addieren sich.
Erst wenn das Bild ungeschnitten ankommt, wird die optische Seite
eingerichtet — Abstand, Zoom, Lens Shift —, und zwar so, dass die
Bildkante innerhalb der Leinwand bleibt. Diese Reihenfolge lohnt sich,
weil eine optische Einrichtung, die auf ein beschnittenes Bild ausgelegt
wurde, nach dem Abschalten des Overscans erneut gemacht werden muss.
Wie weit ein Projektor von der Leinwand entfernt stehen muss, klärt das
Projektionsverhältnis; wie sich das
Bild ohne Größenänderung versetzen lässt, der
Lens Shift. Warum eine schräge Aufstellung
Bildpunkte kostet, führt die
Trapezkorrektur aus. Wie die Kette ihre
Betriebsart aushandelt, steht beim InfoFrame, die
Parallele beim Signalwertebereich. Warum
Überstrahl über die Leinwandkante den Schwarzwert kostet, gehört zum
Schwarzwert.
Die Signalisierung der Abtastung im AVI-InfoFrame, die Bedeutung der
Feldwerte und die Vorgabe je Formatart stammen aus CTA-861-G, das für
diese Seite in einer texterkannten Volltextfassung am Objekt gelesen
wurde. Die optischen Zusammenhänge — Zoombereich als Spanne des
Projektionsverhältnisses, Lichtverlust am langen Ende, Abhängigkeit des
Lens-Shift-Bereichs von der Zoomstellung — sind im Bestand bereits auf
den Einträgen zum Projektionsverhältnis und zum Lens Shift geführt und
dort an Herstellerunterlagen gebunden.