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Einleitung

Epson QL-Serie — 10.000 lm 4K-Laserprojektor (ohne Objektiv)

Eignet sich der EH-QL7000 für Dich?

Cinema to Go

Mobiles Kino für unterwegs.

Nicht geeignet
Grey Cinema

Multifunktionsraum mit Heimkino.

Sehr gut geeignet

Perfekt für Dich, wenn …

  • Du einen Projektor mit großzügigem Lens-Shift brauchst.
  • Du Dir keine Gedanken über Regenbogen-Effekte machen möchtest.
  • Dein Raum Restlicht hat oder Du eine große Leinwand planst.
  • der Projektor ein weißes Gehäuse haben soll.
  • Du gelegentlich auch Videospiele spielen möchtest.
  • Du kein separates Netzteil am Gerät möchtest.
  • Du etablierten Projektor-Herstellern mit Installations-Erfahrung vertraust.

Eher nicht für Dich, wenn …

  • Du ein natives 4K-Panel suchst.
  • Du Smart-TV-Funktionen und eingebaute Lautsprecher erwartest.
  • Du den Beamer transportieren oder flexibel umstellen willst.
  • Du ein Black Cinema auf Referenz-Niveau bauen möchtest.

Die Highlights des EH-QL7000 im Überblick

  • Helligkeit

    10.000 lm

    ISO-Lumen (ISO 21118)

  • Auflösung

    Nativ

    1920 × 1080

    Dargestellt

    3840 × 2160

  • Lichtquelle

    Laser-Phosphor

  • Throw Ratio

    0,34 – 7,16

  • Kontrast

    5.000.000:1

  • Garantie

    5 Jahre oder 12.000 h

  • Bilddiagonale

    50 – 1.000 Zoll

  • Lens-Shift

    Vertikal

    ±64 %

    Horizontal

    ±16 %

  • HDR-Formate

    • HDR10
    • HLG
  • Gehäuse

    B × H × T

    568 mm181 mm568 mm

    nur Korpus · Gewicht 21,1 kg

Technologien im EH-QL7000

Was in den technischen Daten steckt — auf unseren Wissensseiten erklärt und vertieft.

QL Serie

Technische Daten

  • Bilderzeugung

    Projektionstechnologie
    3LCD

    Technologie

    3LCD

    3LCD ist ein Projektionsverfahren mit drei durchleuchteten Flüssigkristall-Panels: Das weiße Licht der Quelle wird in Rot, Grün und Blau zerlegt, jede Grundfarbe durchläuft ihr eigenes Panel, und ein Prisma setzt die drei Teilbilder wieder zu einem zusammen. Alle drei Farben stehen dadurch in jedem Moment gleichzeitig im Bild. Das Verfahren beantwortet damit die Frage, wie ein Panel, das nur Helligkeit steuern kann, ein farbiges Bild liefert — mit Parallelarbeit statt mit einer zeitlichen Farbfolge.

    Stell Dir vor, an einem Bild malen drei Maler gleichzeitig: Einer malt nur die roten Anteile, einer die grünen, einer die blauen — und alle drei malen auf dieselbe Leinwand, exakt übereinander. So arbeitet ein 3LCD-Projektor: Drei kleine Bildfenster erzeugen je eine Farbe, ein Glasblock legt die drei Bilder übereinander. Für Dich heißt das: Die Farben sind immer alle gleichzeitig da, und es gibt keine Momente, in denen das Auge farbige Blitzer sieht.

    Das zugrunde liegende Problem

    Ein Flüssigkristall-Panel ist ein steuerbares Lichtventil: Jeder Bildpunkt lässt mehr oder weniger Licht durch. Farbe kennt es nicht. Ein einzelnes Panel könnte Farbe nur über winzige Farbfilter je Bildpunkt erzeugen — dann schluckt jeder Filter zwei Drittel des Lichts — oder über eine zeitliche Farbfolge, die andere sichtbare Folgen hat. Die dritte Antwort ist die teuerste im Aufbau und die einfachste im Ergebnis: das Licht erst nach Farben sortieren, dann je Farbe ein eigenes Panel durchleuchten, dann alles wieder zusammensetzen. Genau das ist 3LCD.

    Woher der Aufbau kommt

    Die Seiko Epson Corporation, 1985 aus der Verschmelzung von Suwa Seikosha und Epson Corporation hervorgegangen und mit Wurzeln bei der 1942 am Ufer des Suwa-Sees gegründeten Daiwa Kogyo, arbeitet seit den 1980er-Jahren an durchleuchteten Flüssigkristall-Panels. Im Januar 1989 kam mit dem VPJ-700 der erste Projektor mit drei solchen Panels; bis zum 10. Dezember 2014 waren nach eigener Angabe hundert Millionen dieser Panels ausgeliefert.

    Die Größenordnung hilft bei der Einordnung: 3LCD ist eine seit Jahrzehnten in Serie gebaute Anordnung und keine Konzeptstudie — und die Panelfertigung liegt beim selben Haus wie die Geräteentwicklung, was Abstimmung zwischen Bauteil und Gerät ohne Zulieferergrenze erlaubt.

    Funktionsweise

    Zerlegen. Zwei dichroitische Spiegel teilen das weiße Licht — „dichroitisch" heißt: eine hauchdünne Beschichtung auf dem Trägerglas reflektiert nur Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs und lässt den Rest passieren. So zweigt der erste Spiegel eine Grundfarbe ab, der zweite trennt die verbleibenden beiden, und am Ende laufen Rot, Grün und Blau auf getrennten Wegen durch das Gerät. Weil die Trennung über Beschichtungen und nicht über Farbfilter läuft, wird das Licht umgelenkt statt geschluckt.

    Ausrichten. Ein Flüssigkristall-Panel arbeitet nur mit Licht einer bestimmten Schwingungsrichtung. Eine Lampe liefert alle Richtungen gemischt, also sitzt vor den Panels ein Wandler, der den unbrauchbaren Anteil dreht, statt ihn zu verwerfen. Epson beziffert den Gewinn daraus mit etwa dem Anderthalbfachen an Helligkeit.

    Schalten. Dann durchleuchtet jede Grundfarbe ihr eigenes Panel. Dort steuert die Flüssigkristallschicht für jeden Bildpunkt, wie viel von dieser Farbe durchkommt — das rote Panel formt das Rot-Teilbild, die anderen entsprechend. Hinter jedem Bildpunkt sitzt ein eigener Dünnschichttransistor. Wie ein durchleuchtetes Panel im Innern arbeitet, erklärt das transmissive LCD; 3LCD ist die Dreipanel-Architektur, die auf diesem Prinzip aufsetzt.

    Zusammenführen. Zuletzt vereint ein dichroitisches Prisma die drei Teilbilder. Es besteht aus vier verkitteten Dreikant-Elementen, deren innere Flächen Rot und Blau reflektieren und Grün durchlassen; hinter dem Prisma verlassen alle drei Teilbilder das Gerät als ein einziges Bild durch dasselbe Objektiv. Die Verkittung ist der kritische Punkt: Sind die spiegelnden Flächen gegeneinander versetzt, entstehen dunkle Linien und Doppelbilder. Die Fertigungspräzision dieses Glasblocks ist also keine Nebensache, sondern Bedingung für ein sauberes Bild.

    Das HTPS-Panel

    Das Panel selbst heißt HTPS-Panel, nach dem Material seiner Ansteuerung: Hochtemperatur-Polysilizium (englisch high-temperature polysilicon). Epson fertigt diese Panels seit den 1980er-Jahren im eigenen Haus und hat sich dabei ausdrücklich für die durchleuchtete gegenüber der reflektiven Bauart entschieden.

    Zwei Zahlen ordnen den Aufwand ein, der in diesen Panels steckt. Der Anteil der Fläche, durch den überhaupt Licht kann, wird durch Leiterbahnen, Transistoren und die abdeckende Schwarzmatrix begrenzt; an einem 0,76-Zoll-Panel hat Epson diesen Anteil in den ersten fünf Jahren ab 2005 um über 30 Prozent und in zehn Jahren um über 50 Prozent gesteigert. Zusätzlich sitzt über jedem Bildpunkt eine Mikrolinse, die Licht von den undurchlässigen Stellen in die Öffnung lenkt; eine doppelte Anordnung davon bringt nach Herstellerangabe 30 Prozent mehr Lichtausbeute.

    Was aus dem Aufbau folgt

    Farbe. Weil alle drei Grundfarben gleichzeitig im Bild stehen, gibt es keine zeitliche Farbfolge — und damit keinen Regenbogeneffekt, der bei Einchip-DLP aus genau dieser Folge entsteht. Diese Aussage folgt zwingend aus dem Aufbau und braucht keine Messung. Aus demselben Grund gibt es kein Weiß-Segment, das die Weiß-Helligkeit über die Farb-Helligkeit hebt: Weiß entsteht hier immer aus Rot, Grün und Blau zusammen, die Farbhelligkeit läuft mit der Weißhelligkeit mit.

    Justage. Drei Teilbilder müssen auf der Bildfläche deckungsgleich stehen, dauerhaft und auf Bruchteile eines Bildpunkts genau. Jede Abweichung zeigt sich als Farbsaum an Kanten, am ehesten am Bildrand. Die Deckung wird in der Fertigung eingestellt und muss Erschütterung, Transport und Jahre von Wärmezyklen überstehen — ein Aufwand, den ein Verfahren mit nur einem Bildwandler nicht hat. Wichtig für die Praxis: Der Panelabgleich, in der Fachsprache Konvergenz, hängt nicht allein an Fertigung und Transport; er ist an vielen Geräten nachjustierbar. Ein Farbsaum ist damit ein Prüfpunkt bei der Abnahme und kein endgültiger Befund.

    Wärme. Die Panels stehen mitten im Lichtweg, und ein durchleuchtetes Panel hält dem Licht Polarisationsfilter und Schaltstrukturen entgegen. Was dort nicht durchgelassen wird, wird zu einem erheblichen Teil im Bauteil zu Wärme — genau dort, wo das empfindlichste Bauteil sitzt. Epson beschreibt seinen Weg dorthin offen: Bei lichtstarken Geräten wird der optische Block gegen Staub gekapselt, was die Wärme einschließt, und die eingeschlossene Wärme wird über einen Flüssigkeitskreislauf zu einem Wärmetauscher gebracht; gekühlt werden dabei auch Leuchtstoffrad und Laserquelle.

    Für die Planung folgen daraus zwei Dinge. Erstens ist die Kühlung dieser Geräte ein Thema für den Raum und nicht nur für das Gehäuse — Zuluft, Abluft und Geräusch gehören in dieselbe Planung. Zweitens ist die Kapselung des optischen Blocks eine Wartungsfrage: Sie entscheidet darüber, ob irgendwann Staubflecken im Bild auftauchen.

    Farbhelligkeit — was der Hersteller beansprucht und wie es belegt ist

    Neben dem Weißlichtstrom stellt Epson einen zweiten Wert heraus, den Farblichtstrom, und beansprucht dafür bis zum Dreifachen gegenüber ausgewählten Einchip-Geräten. Die Fußnoten nennen die Bedingungen mit: hellster Bildmodus, Messung nach IDMS 15.4 durch ein Drittlabor, Vergleichsgeräte nach Verkaufszahlen der Jahre 2015 und 2016. Das ist deutlich mehr Offenlegung als üblich — es bleibt trotzdem eine Auswahl des Herstellers, und der Vergleichsstand ist inzwischen ein Jahrzehnt alt. Texas Instruments veröffentlicht spiegelbildliche Aussagen zugunsten der eigenen Bauart; eine unabhängige Messreihe, die beide Bauarten unter denselben Bedingungen gegeneinanderstellt, ist öffentlich nicht auffindbar.

    Was von der Größe „Farbhelligkeit" unabhängig davon bleibt, ist ihr praktischer Nutzen: Ein Gerät, dessen Farblichtstrom deutlich unter seinem Weißlichtstrom liegt, wirkt bei farbigem Bild dunkler, als die Datenblattzahl verspricht. Nach beiden Werten zu fragen, lohnt sich deshalb bei jeder Bauart.

    Abgrenzung

    Gegen das LCD im Fernseher. Gleicher Wortstamm, anderes Bauteil: Ein Fernseher zeigt sein Panel direkt an, groß wie der Bildschirm und von hinten flächig beleuchtet. Ein Projektionspanel ist wenige Zentimeter klein, wird von einer sehr starken Quelle durchleuchtet, und sichtbar ist nur sein projiziertes Bild. Erfahrungen mit Fernseher-LCDs lassen sich deshalb in keine Richtung auf Projektoren übertragen.

    Gegen die reflektiven Flüssigkristall-Verfahren. Bei SXRD und D-ILA liegt die Flüssigkristallschicht auf einer spiegelnden Siliziumfläche; das Licht läuft hindurch, wird reflektiert und läuft zurück, und die Ansteuerung sitzt unter dem Spiegel statt neben dem lichtdurchlässigen Teil des Bildpunkts. Beide Familien nutzen Flüssigkristalle und eine Farbteilung mit drei Panels — der Unterschied liegt im Panel, nicht im Farbkonzept.

    Gegen DLP. Dort kippen Spiegel und lenken Licht um, während hier Flüssigkristalle über die Drehung der Schwingungsrichtung schalten; Farbe entsteht je nach Bauform gleichzeitig oder nacheinander. Details auf der DLP-Seite. Welches Bild am Ende besser aussieht, entscheidet die Bauweise nicht allein: Optik, Lichtquelle, Bildverarbeitung, der Raum und die persönliche Vorliebe entscheiden mit.

    Grenzen

    Der Füllfaktor ist die Stellgröße des Prinzips. Bei einem durchleuchteten Panel muss die Ansteuerung jedes Bildpunkts neben dessen lichtdurchlässigem Fenster Platz finden; der undurchsichtige Anteil begrenzt, wie viel der Panelfläche wirklich Bild ist. Auf der Leinwand wird dieser Rahmen als dunkler Rand um jeden Bildpunkt sichtbar — das ist der Fliegengittereffekt, und ob er im Raum auffällt, hängt an Bildbreite, Auflösung und Sitzabstand. Deutlich entschärft hat ihn der Pixelversatz: Wo ein Gerät die Bildpunkte zwischen Teilbildern verschiebt, fallen die versetzten Punkte in die Zwischenräume des Rasters und füllen es optisch auf. Wie sich der Füllfaktor über die Panelgenerationen entwickelt hat, lässt sich beim transmissiven LCD nachlesen.

    Kontrast ist Systemarbeit. Ein Flüssigkristall-Ventil sperrt nie vollständig; der erreichbare Schwarzwert hängt an Panelgeneration, Polarisationsoptik und einer eventuellen dynamischen Blende oder Lichtquellenregelung des Geräts. Aus dem Verfahren allein folgt keine Kontrastzahl — die Angabe im Datenblatt gehört zum Gerät und ist beim Kontrastverhältnis einzuordnen.

    Licht und Wärme altern das Bauteil. Panels im Strahlengang stehen dauerhaft unter Licht- und Wärmelast, und verändert sich einer der drei Lichtwege gegenüber den anderen — durch Staub, Alterung oder Wärmeverzug —, wandert die Farbbalance. Epson beschreibt seine Gegenmaßnahmen ausführlich, nennt aber weder eine Standzeit noch eine Grenze für zulässige Abweichungen.

    Verknüpfte Inhalte

    Das Panel-Prinzip erklärt das transmissive LCD, die Einordnung von Kontrastangaben das Kontrastverhältnis, die Helligkeitsplanung die Zielleuchtdichte und den darstellbaren Farbumfang der Farbraum. Das sichtbare Punktraster und was Bildpunktversatz dagegen ausrichtet, führt der Fliegengittereffekt aus. Die drei anderen Bauarten stehen unter DLP, SXRD und D-ILA.

    Quellen

    Der Lichtweg — Zerlegung über zwei dichroitische Spiegel, Polarisationswandler, drei HTPS-Panels, Zusammenführung im Prisma samt dessen Toleranzgrenze — stammt aus der von Epson betriebenen 3LCD-Darstellung und der Konzern-Technologieseite zu Mikrodisplays; von dort kommen auch Öffnungsverhältnis, Mikrolinsen und die Wahl der durchleuchteten Bauart. Die thermische Auslegung samt Flüssigkeitskühlung und Kapselung beschreibt eine weitere Konzern-Technologieseite. Panelmaterial, Fertigungsgeschichte und Stückzahlen stammen aus einer Epson-Pressemitteilung, Firmierung und Unternehmensgeschichte aus der Konzernchronik. Die Aussagen zu Farbhelligkeit, Farbumfang und Marktführerschaft sind Herstellerangaben und mit ihren Messbedingungen wiedergegeben; von der dort genannten Messnorm IDMS 15.4 ist am 6. September 2026 die ICDM-Seite bei der SID gelesen — das Normdokument selbst nicht. Zu Konvergenztoleranzen, Standzeit und Drift veröffentlicht Epson nichts; die entsprechenden Ableitungen sind im Text markiert. Drei Konzernseiten weisen automatisierte Abrufe ab und wurden über Schnappschüsse des Internet Archive gelesen. Datenstand 2026-08-08.

    Native Auflösung
    1920 × 1080

    Lichtquelle

    Lichtquelle
    Laser-Phosphor
  • Helligkeit

    Helligkeit
    10.000 lm
  • Projektionsgeometrie

    Throw Ratio

    Glossar

    Projektionsverhältnis

    Das Projektionsverhältnis — englisch throw ratio — ist der Abstand zwischen Objektiv und Bildfläche, geteilt durch die Bildbreite. Ein Wert von 1,5 bedeutet: Für ein zwei Meter breites Bild steht der Projektor drei Meter entfernt.

    Je weiter ein Projektor von der Wand weg steht, desto größer wird sein Bild. Wie schnell es größer wird, hängt am Objektiv, und genau dafür gibt es eine Zahl. Sie sagt Dir, wie viele Meter Abstand Du für einen Meter Bildbreite brauchst. Das klingt nach einer Nebensache, entscheidet aber darüber, ob das Gerät an der Decke hängt, hinten im Regal steht oder direkt unter der Bildfläche — und damit über einen großen Teil der Planung.

    Ausführliche Erklärung

    Bezugsgröße ist immer die Bildbreite, nicht die Diagonale. Das ist die häufigste Fehlerquelle beim Nachrechnen, weil Leinwände über die Diagonale verkauft werden — im Format 16:9 stellt man das Gerät damit rund 15 Prozent zu weit weg. Bei breiteren Kinoformaten fällt der Fehler kleiner aus, weil die Breite näher an der Diagonale liegt, ganz verschwindet er aber nie. Was er in Zentimetern kostet, welcher Faktor zu welchem Seitenverhältnis gehört und wie er sich in der Rückrechnung umdreht, rechnet der Projektionsabstand vor.

    Die meisten Projektoren nennen keinen festen Wert, sondern eine Spanne, weil ihr Objektiv einen Zoombereich hat — etwa 1,3 bis 2,1. Diese Spanne ist der eigentliche Planungsspielraum: Sie sagt, in welchem Abstandsbereich ein bestimmtes Bild überhaupt darstellbar ist. Ein großer Zoombereich macht die Aufstellung unkritisch, kostet aber am langen Ende Licht — bei maximalem Zoom verlieren viele Objektive spürbar an Helligkeit — und an den Enden des Bereichs Randschärfe, weshalb die Mitte des Bereichs die bessere Auslegung ist. Welche Anforderungen dabei an derselben Objektivstellung gegeneinander ziehen, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus.

    Aus dem Zahlenwert folgen die geläufigen Gerätekategorien. Klassische Projektoren liegen deutlich über 1,0 und stehen entsprechend weit hinten, meist an der Decke über den Sitzplätzen. Kurzdistanzgeräte liegen darunter und kommen mit wenigen Metern aus. Die Ultrakurzdistanz beginnt bei sehr kleinen Werten und erlaubt eine Aufstellung dicht unter der Bildfläche — das ist die Bauform, auf der der Laser TV aufsetzt.

    Wo die Grenzen zwischen diesen drei Kategorien liegen, legt keine Norm fest, und die Hersteller ziehen die Linie an verschiedenen Stellen: Christie gibt für die eigene Reihe 0,5 bis 1,0 als Kurzdistanz an, BenQ definiert sie über die Distanz statt über das Verhältnis, und Epson führt ein Objektiv namens „Short Throw“, das je nach Gehäuse bei 0,46 landet. AVITECT legt die Einteilung deshalb selbst fest: Werte unter 0,35 sind Ultrakurzdistanz, Werte von 0,35 bis 1,0 Kurzdistanz. Diese beiden Zahlenpaare sind eine Festlegung dieses Hauses und keine Branchenangabe. Was aus der Einordnung für Aufstellung, Montage und Leinwand folgt — samt der Faustregel in Metern, die an die Bildgröße gebunden ist —, steht beim Kurzdistanz-Projektor.

    Wichtig für die Praxis ist, was das Projektionsverhältnis nicht regelt: die Höhe des Bildes gegenüber dem Gerät. Dafür ist der Lens-Shift-Bereich zuständig, der das Bild optisch verschiebt, ohne den Abstand zu ändern. Fehlt dieser Spielraum, muss das Gerät genau in der Höhe montiert werden, die sein Objektiv zur Bildfläche vorgibt — oder das Bild wird elektronisch entzerrt, was Auflösung kostet und im Heimkino nichts zu suchen hat.

    Häufiges Missverständnis

    Am häufigsten wird das Verhältnis auf die Bilddiagonale bezogen. Weil die Diagonale größer ist als die Breite, ergibt das zu große Abstände — und im Ergebnis ein Bild, das größer wird als geplant, oder einen Projektor, der nicht mehr in den Raum passt. Wer mit Herstellerrechnern arbeitet, sollte deshalb prüfen, welche Größe dort eingetragen wird.

    Weniger offensichtlich ist der zweite Fehlschluss, und er betrifft die Ultrakurzdistanz. Weil das Gerät dicht an der Fläche steht, wird angenommen, die Aufstellung sei besonders unkritisch. Das Gegenteil ist der Fall: Bei sehr kleinen Werten verändern wenige Zentimeter Abstand die Bildgröße erheblich, und schon eine leichte Schrägstellung oder eine nicht ganz plane Bildfläche wird als Verzeichnung sichtbar. Ein Laser TV verlangt deshalb einen festen, justierbaren Standort und eine sehr gerade Leinwand.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Lens Shift: Verschiebt das Bild nach oben, unten oder zur Seite, ohne den Abstand zu verändern. Beantwortet die Frage „wo darf das Gerät hängen", nicht „wie weit weg".
    • Bilddiagonale: Die Verkaufsgröße einer Leinwand. Für das Projektionsverhältnis zählt die Breite.
    • Sitzabstand: Ergibt sich aus Bildgröße und gewünschtem Sichtwinkel und hat mit der Optik des Projektors nichts zu tun.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer, in dem die Bildbreite mit 2,60 Metern feststeht, weil mehr nicht zwischen die Fenster passt. Zu entscheiden ist zuerst, wo das Gerät sitzen darf — an der Decke, im Sideboard oder gar nicht sichtbar.

    Steht die Antwort fest, ergibt sich daraus der zulässige Bereich für das Projektionsverhältnis, und der grenzt die Gerätekategorie ein. Soll der Projektor im Sideboard unter der Bildfläche stehen, ist es ein Ultrakurzdistanz-Gerät, und diese Entscheidung zieht die Leinwandwahl nach sich, weil zur Ultrakurzdistanz eine passend ausgelegte Oberfläche gehört. Hängt er dagegen an der Decke, ist der Zoombereich das entscheidende Kriterium: Er muss den vorhandenen Abstand in seiner Mitte abdecken, nicht an seinem Rand. Über konkrete Modelle wird zuletzt gesprochen — und dann mit einer Zahl aus der Planung im Blick, nicht mit der Angabe auf dem Karton.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Rechnung dazu — Abstand aus Verhältnis und Bildbreite, beide Umstellungen, das Abstandsfenster eines Zoomobjektivs und die Empfindlichkeit kleiner Verhältnisse — steht beim Projektionsabstand. Warum die Ultrakurzdistanz eine eigene Gerätefamilie hervorgebracht hat, steht beim Laser TV; welche Leinwandoberfläche dazu passt, bei der ALR-Leinwand. Wie groß das Bild für einen gegebenen Sitzabstand überhaupt sein soll, klärt der Sichtwinkel. Wo das Gerät bei festliegender Bildlage montiert werden darf, beantwortet der Lens Shift.

    Quellen

    Die Definition und die Angaben zu Zoom- und Lens-Shift-Bereichen folgen Herstellerunterlagen. Die drei zitierten Einteilungen stammen aus den Technologie- und Produktseiten von Christie, BenQ und Epson; die AVITECT-Grenzwerte sind eine eigene Festlegung ohne Fremdquelle.

    0,34 – 7,16

    Lens-Shift

    Glossar

    Lens Shift

    Lens Shift verschiebt das projizierte Bild gegenüber der optischen Achse, indem das Objektiv quer zu dieser Achse bewegt wird. Das Gerät bleibt dabei gerade ausgerichtet, der Abstand zur Bildfläche ändert sich nicht, und es geht kein Bildpunkt verloren.

    Ein Projektor wirft sein Bild geradeaus. Wenn er nicht genau auf Höhe der Leinwand sitzt, landet das Bild zu hoch oder zu tief — und ihn einfach schräg zu stellen macht aus dem Rechteck ein Trapez. Lens Shift löst das anders: Im Inneren wird die Linse ein Stück versetzt, und das Bild wandert mit, ohne schief zu werden. Wie weit es wandern darf, sagt Dir, wo das Gerät hängen oder stehen kann.

    Ausführliche Erklärung

    Angegeben wird der Bereich als Prozentsatz der Bildgröße: vertikal bezogen auf die Bildhöhe, horizontal auf die Bildbreite. In der üblichen Lesart bedeutet eine Angabe von 60 Prozent vertikal, dass die Bildmitte um 60 Prozent der Bildhöhe über oder unter der Objektivachse liegen darf — verbindlich ist das nicht, denn die Bezugsgröße wird nicht einheitlich gehandhabt. Der Wert beschreibt also eine Montagetoleranz: Er sagt, wie weit die Bildmitte von der Objektivachse abweichen darf, und damit, welche Montagepositionen für ein bestimmtes Bild überhaupt in Frage kommen.

    Drei Einschränkungen gehören zur Angabe dazu.

    Erstens sind vertikaler und horizontaler Versatz nicht unabhängig voneinander. Wer den vertikalen Bereich voll ausreizt, hat horizontal kaum noch Spielraum. Hersteller bilden das meist als Diagramm ab, und die beiden Maximalwerte aus dem Datenblatt gelten jeweils nur, wenn die andere Achse in der Mitte steht.

    Zweitens hängt der nutzbare Bereich an der Zoomstellung. Objektiv und Verschiebemechanik arbeiten zusammen, und der verfügbare Versatz ändert sich, wenn Du zoomst. In welche Richtung, lässt sich nicht allgemein sagen: Konstruktionsunterlagen der Objektivhersteller beschreiben beide Fälle — Rechnungen, bei denen der Versatz am Weitwinkel-Ende einbricht, weil der Bildkreis dort klein ist, und ebenso Rechnungen, die im Weitwinkel gerade mehr Versatz zulassen. Das ist eine Eigenschaft des einzelnen Objektivs, keine der Bauart.

    Praktisch wichtig wird das, weil eine zweite Regel in dieselbe Stellschraube greift: Ein Zoomobjektiv gibt am Weitwinkel-Ende mehr Licht ab als am Tele-Ende, weshalb für die Bildhelligkeit eine möglichst weitwinklige Stellung empfohlen wird — siehe Zoom und Overscan. Wer nun zugleich den Shift ausreizt, stellt zwei Anforderungen an dieselbe Objektivstellung. Ob ein Gerät beides gleichzeitig kann, steht im Shift-Diagramm, abgelesen bei genau der Zoomstellung, die der geplante Aufbau braucht. Die beiden Maximalwerte des Datenblatts reichen dafür nicht aus. Bei einer winkelselektiven Leinwand kommt eine dritte Anforderung an dieselbe Objektivstellung dazu; wie sie sich zu den beiden anderen verhält, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus, und die Rechnung dahinter steht beim Einfallswinkel des Projektorlichts an der Bildmitte.

    Drittens kostet die Ausnutzung Bildqualität. Ein Objektiv ist um seine Achse herum am besten korrigiert; je weiter das Bild aus der Mitte geschoben wird, desto eher zeigen sich Unschärfe zu den Ecken hin, Helligkeitsabfall am Rand und Farbsäume. Hersteller sagen das in ihren Anleitungen auch offen — Epson weist die Anwender darauf hin, dass das Bild in der Grundstellung des Objektivs am klarsten ist. Für die Planung heißt das: Ein Aufbau, der den Bereich etwa zur Hälfte nutzt, steht besser da als einer, der ihn ausschöpft.

    Lens Shift und die elektronische Trapezkorrektur greifen an verschiedenen Stellen an. Lens Shift arbeitet optisch: Es bewegt Licht, und das Signal bleibt unangetastet. Die Trapezkorrektur arbeitet im Signal. Sie rechnet das Bild so um, dass es auf der schräg getroffenen Fläche wieder rechteckig erscheint — und dafür muss sie es neu abtasten.

    Das lässt sich am Bildpunkt nachvollziehen. Der Projektor hat eine feste Anzahl physikalischer Bildpunkte in festem Raster. Die Trapezkorrektur schiebt und staucht das Bild so, dass ein Bildpunkt des Signals nun zwischen zwei physikalischen Bildpunkten zu liegen kommt. Weil er dort nicht dargestellt werden kann, wird sein Helligkeits- und Farbwert auf die benachbarten Bildpunkte aufgeteilt. Aus einer scharfen Kante werden so zwei halbhelle Punkte. Weil das Bild außerdem in die Fläche des Rasters hineingestaucht wird, bleiben am Rand Bildpunkte ungenutzt: Die tatsächlich dargestellte Auflösung liegt unter der des Geräts. Sichtbar wird beides als weicheres Bild und als unruhige Diagonalen und Schriftkanten.

    Wird die Trapezkorrektur nötig, ist das eine Aussage über die Montage und nicht über das Gerät: Die Position stimmt nicht. Für den mobilen Einsatz ist die Funktion trotzdem sinnvoll gebaut — im Besprechungsraum, im Klassenzimmer, beim Projektor, der abends auf den Tisch gestellt wird, ist ein leicht weiches Bild allemal besser als ein schiefes. Im geplanten Heimkino gilt das nicht. Dort steht die Montageposition zur Disposition, solange gebaut wird, und ein Aufbau, der ohne Trapezkorrektur nicht rechteckig wird, ist nicht fertig geplant. Die Antwort ist dann eine andere Halterung, ein anderer Montagepunkt oder ein Gerät mit größerem Shift-Bereich.

    Häufiges Missverständnis

    Lens Shift und Keystone werden regelmäßig für dasselbe gehalten, weil beide das Bild an die richtige Stelle bringen. Unterscheiden lassen sie sich an ihrem Preis: Lens Shift kostet keine Auflösung, die Trapezkorrektur kostet welche. Wer die Wahl hat, nimmt deshalb den optischen Weg; wer sie nicht hat, ändert besser die Montage, statt elektronisch zu korrigieren.

    Hartnäckiger ist die Vorstellung, der Bereich sei ein Qualitätsmerkmal: viel Shift, gutes Gerät. Er sagt nur, wie tolerant die Aufstellung sein darf. Ausgereizt wird er zum Nachteil, und bei Ultrakurzdistanz-Geräten gibt es ihn oft gar nicht — dort steht die Position fest, und die Feinjustage passiert über die Aufstellfläche selbst. Bei dieser Bauform folgt der fehlende Lens Shift aus der Geometrie und zählt deshalb nicht als Schwäche des Geräts.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Projektionsverhältnis: Beantwortet, wie weit das Gerät für eine bestimmte Bildbreite entfernt stehen muss — also den Abstand entlang der Blickachse. Lens Shift beantwortet die zweite Hälfte der Montagefrage: wie weit das Gerät quer dazu daneben oder darüber sitzen darf, ohne dass das Bild seine Lage verliert.
    • Trapezkorrektur: Elektronische Entzerrung eines schief geworfenen Bildes. Sie kostet Auflösung und Schärfe, der optische Versatz nicht.
    • Offset: Der fest eingebaute Versatz, den der Konstrukteur festgelegt hat. Er bestimmt die Grundstellung; der Lens Shift ist der Bereich, in dem sich das Bild von dort aus noch bewegen lässt. Bei Geräten mit beidem wird zuerst der Offset bereinigt und erst danach der Shift angesetzt.
    • Zoom: Verändert die Bildgröße bei gleichem Abstand, nicht ihre Lage.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer mit Deckenbalken, der Projektor soll an die Decke. Die Bildoberkante liegt bei 2,10 Metern, die Decke bei 2,60, und der einzige tragfähige Punkt für die Halterung liegt seitlich versetzt neben der Bildmitte.

    Zuerst die Konzeptfrage: Steht die Bildlage fest, oder darf sie sich bewegen? Ist sie gesetzt — und im Heimkino ist sie das meistens, weil sie am Sitzabstand und am Sichtwinkel hängt —, wird daraus die Verfahrensfrage: Welcher Montagepunkt liegt innerhalb des Shift-Fensters, das ein Gerät mitbringt? Der seitliche Versatz und der Höhenunterschied müssen gemeinsam hineinpassen, nicht einzeln, denn beide Achsen begrenzen sich. Dann erst das Modell — eines mit Reserve im Bereich statt auf eines, das den Punkt gerade eben erreicht.

    Verknüpfte Inhalte

    Ist eine ALR-Leinwand geplant, engt sie die Montagepositionen stärker ein als der Shift-Bereich selbst — die Begründung steht bei Wenn der Lens Shift gegen die ALR-Leinwand arbeitet. Der fest eingebaute Gegenpart ist der Offset — er legt fest, wo das Bild ohne jeden Shift liegt, und ist der häufigste Grund für falsch gerechnete Montagehöhen. Wie weit ein Projektor für eine bestimmte Bildbreite entfernt stehen muss, klärt das Projektionsverhältnis; warum bei Ultrakurzdistanz-Geräten die Aufstellung besonders empfindlich ist, der Laser TV und die ALR-Leinwand. Wie groß das Bild für einen gegebenen Sitzabstand sein soll, steht beim Sichtwinkel. Dass motorisierte Geräte eine eingestellte Objektivlage samt Zoom und Fokus speichern und wieder abrufen können, beschreibt der Objektivspeicher.

    Quellen

    Die Angaben zu Bereichen, Diagrammen und zum Zusammenspiel mit dem Zoom folgen Herstellerunterlagen.

    Lens-Shift vertikal +
    64 %
    Lens-Shift vertikal −
    64 %
    Lens-Shift horizontal +
    16 %
    Lens-Shift horizontal −
    16 %
  • HDR & 3D

    HDR-Formate
    • HDR10

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • HLG
  • Gehäusemaße

    nur Korpus
    Höhe
    181 mm
    Breite
    568 mm
    Tiefe
    568 mm

    Gehäusemaße

    Gewicht
    21,1 kg

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