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Einleitung

Der DLA-NZ900 nutzt einen Laser als Lichtquelle und drei reflektierenden Flüssigkristall-Chips in nativer 4K-Auflösung, bei JVC D-ILA genannt. Er erreicht 3.300 ANSI-Lumen und ein natives Kontrastverhältnis von 150.000:1. Per Pixelversatz stellt er 8K-Auflösung dar; seine beiden HDMI-Eingänge nehmen 8K mit 60 Hz und 4K mit 120 Hz an.

Das Ganzglas-Objektiv zoomt von 1,35:1 bis 2,75:1 Projektionsverhältnis: Für ein 3 m breites Bild braucht der Projektor 4,05 bis 8,25 m Abstand zur Leinwand. Der motorisierte Lens-Shift verschiebt das Bild um bis zu 100 % der Bildhöhe, er muss deshalb nicht auf Höhe der Bildmitte hängen. Zoom, Fokus und Shift merkt er sich auf zehn Speicherplätzen, etwa für den Wechsel zwischen 16:9 und Cinemascope auf einer breiten Leinwand.

Die Highlights des DLA-NZ900 im Überblick

  • Helligkeit

    3.300 lm

    ANSI-Lumen

  • Auflösung

    Nativ

    4096 × 2160

    Dargestellt

    8192 × 4320

  • Lichtquelle

    Laser-Phosphor

  • Throw Ratio

    1,35 – 2,75

  • Kontrast

    Nativ

    150.000

    Dynamisch

    ∞ : 1

  • Bilddiagonale

    60 – 300 Zoll

  • Lens-Shift

    Vertikal

    ±100 %

    Horizontal

    ±43 %

  • HDR-Formate

    • HDR10
    • HDR10+
    • HLG
  • Gehäuse

    B × H × T

    500 mm234 mm528 mm

    Gewicht 25,3 kg

Technologien im DLA-NZ900

Was in den technischen Daten steckt — auf unseren Wissensseiten erklärt und vertieft.

Technische Daten

  • Bilderzeugung

    Projektionstechnologie
    D-ILA (LCoS)

    Technologie

    D-ILA

    D-ILA steht für Direct-drive Image Light Amplifier und bezeichnet ein reflektives Flüssigkristall-Panel: Die Bildpunkte sind spiegelnde Elektroden auf einem Siliziumsubstrat, die Ansteuerung liegt als eingebettete CMOS-Schaltung darunter, und darüber schaltet eine Flüssigkristallschicht das Licht, das durch sie hindurch- und nach der Reflexion wieder zurückläuft. Das Bauteil beantwortet dieselbe Frage wie jeder Bildwandler — wie wird Licht pro Bildpunkt dosiert? — mit einem Aufbau, der zwei Größen zugleich groß macht: den spiegelnden Anteil der Fläche und den Abstand zwischen Hell und Dunkel.

    Dieses Bauteil ist ein winziger Spiegel mit Millionen Feldern, und über jedem Feld liegt eine hauchdünne Schicht, die wie eine regelbare Sonnenbrille arbeitet: mal lässt sie das Licht zum Spiegel und zurück, mal sperrt sie es. Weil die ganze Elektronik unter dem Spiegel versteckt ist, ist fast die komplette Fläche Bild. Für Dich heißt das: ein sehr gleichmäßiges Bild ohne sichtbares Gitter — und ein Schwarz, das wirklich dunkel bleibt, wenn der Film dunkel ist. Vorausgesetzt, der Raum spielt mit: In einem hellen Zimmer verschenkst Du genau diese Eigenschaft.

    Das zugrunde liegende Problem

    Die Konstruktion eines Bildwandlers entscheidet zweierlei: wie viel der Panelfläche wirklich Bild ist und wie dunkel ein gesperrter Bildpunkt bleibt. Beim durchleuchteten Panel nimmt die Ansteuerung Bildfläche weg, und in jeder Flüssigkristall-Bauart bestimmt die Ruhelage der Kristalle, wie dicht das Ventil sperrt.

    Das zweite Problem ist das eigentliche Thema dieser Bauart. Ein Bildpunkt, der dunkel sein soll, ist selten wirklich dunkel: Ein Rest Licht findet fast immer einen Weg. Ob das auffällt, entscheidet sich an der Szene — an Sternen vor einem Nachthimmel, an einem Abspann, an einer Kerze im dunklen Raum. Beide Probleme haben dieselbe Antwort: die Ansteuerung unter die reflektierende Fläche legen und den Aufbau darüber so sauber wie möglich machen.

    Woher das Verfahren kommt

    Entwickelt wird das Bauteil seit 1993, in Serie gefertigt seit 1997, damals als 0,9-Zoll-Baustein mit 1,3 Megapixeln; heute reichen die Bausteine bis zur 8K-Auflösung. Entstanden ist die Technik bei der Victor Company of Japan, die inzwischen in der JVCKENWOOD Corporation aufgegangen ist.

    Ein Detail aus der eigenen Überlieferung ist erwähnenswert, weil es zeigt, wie belastbar Abkürzungen sind: Eine ältere, inzwischen zurückgezogene Herstellerseite löst dieselben Buchstaben als Digital Direct Drive Image Light Amplifier auf. Verbindlich ist die heutige Angabe des Konzerns; die abweichende ältere Fassung erklärt, warum in der Fachliteratur beide Schreibweisen kursieren.

    Die Abkürzung wirft außerdem eine berechtigte Frage auf: Warum „Amplifier", Verstärker — was verstärkt hier etwas? JVC löst die Buchstaben auf, erklärt den Namen auf seinen Technikseiten aber nicht.

    Funktionsweise

    Das Bauteil ist eine Ausführung des reflektiven Flüssigkristall-auf-Silizium-Prinzips, im Fachjargon LCoS (Liquid Crystal on Silicon).

    Die Pixelelektrode ist der Spiegel, die Schaltung liegt darunter. Auf dem Siliziumsubstrat sind spiegelartige Pixelelektroden angeordnet, in den Träger darunter sind die CMOS-Ansteuerschaltungen eingebettet; das Gegensubstrat ist Glas mit einer transparenten Elektrode. Eine ältere Herstellerseite beschreibt dieselbe Anordnung anschaulicher: Die Adressierschaltungen sitzen hinter der modulierenden Flüssigkristallschicht statt zwischen ihren Bildpunkten. Sie nannte einen Füllfaktor von 93 Prozent, die heutige Konzernseite nennt über 90 Prozent — bis an die Grenze dessen, was der Fertigungsprozess hergibt.

    Der Flüssigkristall steht senkrecht. Ohne Spannung stehen die Kristalle senkrecht zur Fläche, der Bildpunkt sperrt; erst die angelegte Spannung kippt sie und lässt Licht durch den Doppeldurchgang zum Spiegel und zurück. Die Ruhelage gibt eine hauseigene anorganische Orientierungsschicht vor — anorganisch, damit die hauchdünne Lage dem dauerhaften, intensiven Lichteinfall im Projektor standhält.

    Drei Stellschrauben für den Kontrast. JVC nennt die Ebnung der Pixeloberfläche, die Verkleinerung der Zwischenräume und die genaue Kontrolle des Zellabstands — also der Dicke der Flüssigkristallschicht über jedem Punkt der Fläche. Alle drei zielen auf dasselbe: Streulicht im Bauteil gar nicht erst entstehen zu lassen.

    Die Ansteuerung ist analog. Für weiche Abstufungen arbeitet das Bauteil mit einer hochgenauen analogen Ansteuerung; die ältere Herstellerseite beschreibt dazu eine S-förmige Kennlinie, die dunkle Bildbereiche rauschärmer abbildet. Daneben gibt es ein digitales Frame-Scan-Verfahren, das für Pixelversatz und 3D gebraucht wird.

    Die Zahlen dazu dokumentiert JVC an seinen aktuellen Bausteinen: Öffnungsraten über 92 beziehungsweise über 94 Prozent bei Pixelzwischenräumen von 0,15 beziehungsweise 0,2 µm — von der Panelfläche ist also fast alles Spiegel, die Fugen zwischen den Bildpunkten sind Bruchteile eines Mikrometers. Im Heimkino-Projektor arbeiten drei dieser Panels, eines je Grundfarbe; die aktuelle Palette führt je Gerät drei native 4K-Bausteine mit 0,69 Zoll Diagonale. Farbteilung davor und Zusammenführung dahinter entsprechen dem Konzept der anderen Dreipanel-Verfahren.

    Warum dieser Aufbau auf Schwarz zielt

    Zwei der dokumentierten Konstruktionsentscheidungen zahlen auf dieselbe Größe ein. Die vertikale Orientierung macht den gesperrten Zustand zum Grundzustand: Ein Bildpunkt ist dunkel, solange nichts anliegt, und Restfehler der Ansteuerung hellen das Schwarz nicht auf. Und die präzise Kontrolle des Zellabstands hält dieses Sperrverhalten über das ganze Panel gleichmäßig. JVC benennt genau diese beiden Punkte als Grundlage des Kontrasts, den das Haus als einen der höchsten der Branche bezeichnet.

    Was belegt ist — und was nicht

    Bei dieser Technologie ist die Unterscheidung wichtiger als bei den drei anderen, weil die Belegdecke ungleich verteilt ist.

    Belegt ist der Aufbau. Träger, Elektroden, Lage der Schaltung, Öffnungsverhältnis, Flüssigkristallmodus, Orientierungsschicht, Ansteuerung und das Fertigungsjahr stehen in der Technologiedarstellung des Konzerns, in zwei Sprachfassungen übereinstimmend. Dass drei Bauteile je Gerät arbeiten und welche Bilddiagonale sie haben, steht in der Produktübersicht.

    Nicht beziffert ist die Leistung des Bauteils. Zum Kontrast sagt JVC auf der Technologieseite nur, er gehöre zur Spitzenklasse der Branche — ohne Zahl, ohne veröffentlichte Messreihe. Bezifferte Kontrastwerte nennt der Hersteller ausschließlich auf Geräteebene: Für jedes Projektormodell weist er den nativen Kontrast aus, den Hell-Dunkel-Abstand ohne nachregelnde Blende, und führt diese Größe damit als Kenngröße seiner Konstruktion. Was die Angabe bedeutet und wo ihre Grenzen liegen, steht beim Kontrastverhältnis.

    Nicht vom Hersteller stammt der Oberbegriff. In der Fachliteratur wird das Bauteil durchgehend der LCoS-Familie zugerechnet — reflektiver Flüssigkristall auf Silizium. JVC selbst verwendet diesen Begriff auf seinen Technikseiten nicht und spricht vom reflektiven Flüssigkristall-Bauteil. Die Einordnung stützt sich deshalb auf die Strukturbeschreibung des Herstellers, die genau diesen Aufbau schildert, und darauf, dass ein anderes Haus derselben Bauteilfamilie den Begriff ausdrücklich für sich verwendet.

    Abgrenzung

    Gegen SXRD. SXRD ist die Ausführung desselben reflektiven Prinzips durch ein anderes Haus. Beide setzen auf anorganische Orientierungsschichten, vertikal orientierten Flüssigkristall und sehr kleine Pixelzwischenräume; die Details der Fertigung, der Ansteuerung und der Abstimmung im Gerät unterscheiden sich. Ein Sieger folgt daraus nicht: Was im Raum ankommt, hängt an Lichtquelle, Optik, Bildverarbeitung, am Raum selbst und daran, worauf der Betrachter Wert legt.

    Gegen das durchleuchtete Panel und gegen DLP. Bei 3LCD läuft das Licht durch das Panel hindurch und die Ansteuerung sitzt neben dem Bildpunktfenster; beim DMD kippen Aluminiumspiegel ganz ohne Flüssigkristallschicht. D-ILA kombiniert Spiegelfläche und Flüssigkristall-Ventil in einem Bauteil.

    Gegen das Versatzverfahren und gegen die Lichtquelle. Zwei Techniken aus denselben Geräten gehören nicht zu diesem Bauteil: das Verfahren, das Bildpunkte zwischen Teilbildern versetzt, um die sichtbare Auflösung über die native zu heben, und die Laserlichtquelle vor dem Panel. Was auf einer Verpackung als sehr hohe Bildpunktzahl steht, kann aus dem Versatz stammen und nicht aus dem Bauteil.

    Grenzen

    Die Stärke dieser Bauart ist an den Raum gebunden. Ein Bildwandler, dessen Stärke der Hell-Dunkel-Abstand ist, zeigt diese Stärke nur in einem Raum, der sie nicht auffrisst — dunkle Oberflächen, kontrolliertes Restlicht. Wer ein solches Gerät ohne dunkle Wände, dunkle Decke und Streulichtkontrolle einsetzt, kauft eine Eigenschaft, die er nicht abholt. Diese Kopplung von Bauteilwahl und Raumausbau ist auf der Markenseite des Herstellers ausgeführt und gilt für jedes Gerät mit diesem Panel.

    Hin- und Rückweg teilen sich den Platz. Wie jedes reflektive Panel wird D-ILA von vorn beleuchtet und von vorn abgebildet; die Trennung beider Wege und die Kontrolle des Streulichts liegen im Gerät, und jeder Fehler dort kostet genau die Eigenschaft, für die das Panel konstruiert ist.

    Bauteilkontrast, Gerätekontrast und Raumwirkung sind drei Größen. Die Kette wird bei jedem Schritt kürzer, und die Zahl aus dem Datenblatt beschreibt immer nur ihr erstes Glied.

    Licht und Wärme wirken dauerhaft auf das Bauteil. JVC begründet seine anorganische Orientierungsschicht ausdrücklich mit der Zuverlässigkeit unter Dauerlast, nennt aber keine Standzeit und keine zulässige Drift.

    Öffentliche Bauteildaten und Gerätedaten liegen auseinander. Die dokumentierten Bausteine der Technologieseiten (IL-Reihe) sind Industrieprodukte; für die 0,69-Zoll-Panels der Heimkino-Geräte gibt es keine eigenen Datenblätter. Gerätebezogene Zahlen gehören deshalb in die Produktdaten.

    Verknüpfte Inhalte

    Das herstellerneutrale Prinzip steht unter LCoS, die Einordnung der Kontrastangaben beim Kontrastverhältnis. Warum das Auge im dunklen Raum anders urteilt als im hellen, erklärt die Helligkeitswahrnehmung; zum Umgang mit hohen Helligkeitsumfängen siehe HDR und Tonwertabbildung. Zu den anderen Bildwandlern führen DLP, 3LCD und SXRD.

    Quellen

    Auflösung der Abkürzung, Aufbau, Orientierungsschicht, Öffnungsraten, Pixelzwischenräume, Ansteuerung und Fertigungsgeschichte stammen von der englischen und der japanischen Konzern-Technologieseite sowie von der japanischen Profiseite des Herstellers. Der Füllfaktor von 93 Prozent, die Formulierung „hinter statt zwischen" und die S-förmige Kennlinie stammen von einer älteren, zurückgezogenen Seite des professionellen Geschäftsbereichs, die über einen Archivschnappschuss gelesen wurde; dieselbe Seite löst die Abkürzung abweichend auf. Die Dreipanel-Bestückung der Geräte und die Ausweisung des nativen Kontrasts stammen von der Heimkino-Produktseite. Die Kontrasteinstufung „einer der höchsten der Branche" ist eine Herstellerangabe ohne veröffentlichte Messreihe; die Zuordnung zur LCoS-Bauteilfamilie ist eine Ableitung aus der Strukturbeschreibung und im Text als solche gekennzeichnet; die Namensherkunft ist nur sekundär erzählt und ebenfalls markiert. Datenstand 2026-08-08.

    Native Auflösung
    4096 × 2160

    Lichtquelle

    Lichtquelle
    Laser-Phosphor
  • Helligkeit

    Helligkeit
    3.300 lm

    Kontrast

    Glossar

    Kontrastverhältnis

    Das Kontrastverhältnis ist das Verhältnis der Leuchtdichte einer weißen Fläche zu der einer schwarzen, angegeben als Verhältniszahl wie 2.000:1. Die Zahl allein sagt wenig, denn ihr Wert hängt fast vollständig daran, unter welchen Bedingungen die beiden Leuchtdichten gemessen wurden.

    Ein Bild wirkt plastisch, wenn Hell und Dunkel weit auseinander liegen. Genau das beschreibt der Kontrast: wie viel heller das Weiß ist als das Schwarz. Auf Datenblättern stehen dafür riesige Zahlen, oft Millionen zu eins — die kommen aber zustande, indem das Gerät bei einem komplett schwarzen Bild einfach das Licht abdreht. In einer echten Szene mit hellen und dunklen Stellen nebeneinander bleibt davon nur ein Bruchteil übrig. Und in einem hellen Zimmer entscheidet am Ende nicht der Projektor, sondern das Licht im Raum.

    Ausführliche Erklärung

    Drei Angaben kursieren unter demselben Wort, und sie beschreiben verschiedene Dinge.

    Nativer Kontrast, auch sequenzieller oder On/Off-Kontrast: Gemessen wird ein vollflächig weißes Bild und danach ein vollflächig schwarzes, ohne dass das Gerät nachhelfen darf; eine vorhandene Blende bleibt dabei in fester Stellung. Diese Zahl beschreibt, was Optik und Bildwandler von sich aus leisten — wie viel Restlicht sie im schwarzen Bild durchlassen und wie sauber die Optik arbeitet. Sie ist die ehrlichste Geräteangabe, beschreibt aber einen Zustand, den ein Film nie zeigt: ein Bild, das ganz hell oder ganz dunkel ist.

    Dynamischer Kontrast: Hier darf das Gerät die Lichtquelle mitregeln — über eine Autoblende, über das Dimmen von Laser oder Lampe. Im schwarzen Bild fährt es die Helligkeit herunter, und aus dem Verhältnis der beiden Extremwerte entstehen die sechs- und siebenstelligen Angaben auf der Verpackung. Der Gewinn ist nicht eingebildet, er wirkt zwischen den Szenen: Ein dunkler Filmabschnitt wird tatsächlich dunkler. Innerhalb eines Bildes leistet er nichts, denn die Lichtquelle kann nur für das ganze Bild gleichzeitig hell oder dunkel sein.

    Hersteller benennen dieses Dimmen mit eigenen Namen. XGIMI etwa führt es als DBLE und senkt dafür den Strom der Laserlichtquelle; andere Häuser regeln eine Blende im Lichtweg. Für die Messgröße macht das keinen Unterschied — entscheidend bleibt, dass das Gerät während der Messung nachregeln durfte.

    Genau hier liegt eine Fallgrube beim Datenblattvergleich: Wird eine Blendenstellung in den Messaufbau einbezogen, kann ein Wert als nativer Kontrast ausgewiesen sein, der nach der obigen Abgrenzung keiner ist. Wo das vorkommt, steht es bei der jeweiligen Technologie — für ein aktuelles Beispiel siehe Dual Iris.

    In-Bild-Kontrast, meist ANSI-Kontrast genannt: Gemessen wird an einem Schachbrettmuster aus sechzehn Feldern, hell und dunkel gleichzeitig auf der Fläche. Das Verfahren geht auf eine Festlegung des American National Standards Institute zurück, daher der Name. Weil beide Zustände nebeneinander stehen, schlägt hier alles durch, was im Gerät und im Raum Licht verteilt: Streulicht in der Optik, Reflexionen im Gehäuse und das Licht, das von den hellen Feldern über Wände und Decke zurück auf die Bildfläche fällt. Das Ergebnis liegt deutlich unter dem nativen Wert — wie weit darunter, hängt stark an der Bauart. Es ist zugleich der Wert, der dem Seheindruck einer realen Szene am nächsten kommt.

    Im Wohnraum zählt keine dieser Zahlen allein, denn zwischen Gerät und Auge liegt der Raum. Wie Fremdlicht den Schwarzwert anhebt, führt der Eintrag zur ALR-Leinwand aus; für den Kontrast kommt eine zweite Quelle dazu, die leicht übersehen wird. Es ist das Licht des Projektors selbst: Es verlässt die Leinwand, trifft weiße Wände, eine helle Decke, einen hellen Boden, und ein Teil davon landet wieder auf der Bildfläche. Dieser Rückweg lässt sich nicht abdunkeln wie ein Fenster, er hängt an den Flächen im Raum. In einem hellen Wohnzimmer bricht der erreichte Kontrast deshalb weit unter jede Geräteangabe ein, und zwar unabhängig davon, wie gut das Gerät ist. In einem dunklen, dunkel ausgekleideten Raum wird die Geräteangabe dagegen zur begrenzenden Größe — dort lohnt der Blick auf den nativen und den In-Bild-Wert.

    Bei Wechseloptik entscheidet auch das Objektiv mit

    Bisher stand hier der Kontrast als Eigenschaft des Geräts. Bei Projektoren mit Wechselobjektiv stimmt das nur zur Hälfte: Zum selben Gehäuse gehören verschiedene Optiken, und sie liefern verschiedene Kontrastwerte.

    Christie führt zu denselben Projektoren drei Objektivfamilien — High Brightness, High Contrast und Ultra-High Contrast — und beziffert den Tausch im Objektivleitfaden (Ausgabe Juli 2026). Bezugsgröße ist dort die lichtstärkste Familie: Gegenüber einer HB-Optik braucht die HC-Reihe nach Herstellerangabe rund zehn Prozent mehr Projektorhelligkeit, die UHC-Reihe rund dreißig Prozent, um dieselbe Mindestleuchtdichte von 14 Footlambert auf der Leinwand zu halten. Als Gewinn nennt Christie für die HC-Reihe bis zu zehn Prozent mehr Kontrast an Xenon-Geräten und bis zu zwanzig Prozent an RGB-Laser-Projektoren, für die UHC-Reihe bis zu dreihundert Prozent — die gibt es allerdings nur für RGB-Laser-Modelle und nicht für Xenon. Alle diese Zahlen sind Herstellerangaben ohne unabhängige Messung. Belastbar ist an ihnen vor allem die Richtung, denn Christie beziffert den Preis in Helligkeit ebenso wie den Gewinn an Kontrast.

    Für die Planung folgt daraus zweierlei. Die Kontrastangabe eines Geräts mit Wechseloptik gilt für eine bestimmte Optik, und welche das war, steht selten im Datenblatt. Und wer Kontrast über die Objektivwahl gewinnt, zahlt dafür mit Licht — was auf die Helligkeitsangabe und über sie auf die Leinwandgröße zurückwirkt.

    Häufiges Missverständnis

    Zwei Datenblätter, 1.000.000:1 gegen 20.000:1 — der Schluss auf ein fünfzigfach besseres Bild liegt nahe und ist falsch. Die beiden Zahlen stammen in aller Regel aus verschiedenen Messarten, die eine mit Dimmung, die andere ohne. Hersteller nennen die Bedingung häufig gar nicht, und ohne sie sind die Werte nicht vergleichbar. Wer Geräte gegeneinander stellen will, braucht dieselbe Messart auf beiden Seiten oder einen Test, der sie selbst erhebt.

    Der zweite Trugschluss ist hartnäckiger, weil er die Reihenfolge der Planung umdreht: dass ein Gerät mit hohem Kontrastwert ein dunkles Zimmer ersetzt. Das Verhältnis ist umgekehrt. Ein guter Projektor in einem hellen Raum liefert weniger Kontrast als ein durchschnittlicher in einem dunklen, denn die Grundhelligkeit im Raum addiert sich zum Schwarz und lässt sich durch keine Bildeinstellung wieder abziehen. Deshalb steht bei AVITECT die Lichtkontrolle vor der Gerätewahl — nicht aus Prinzip, sondern weil sie der größere Hebel ist.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Leinwand-Gain: Eine Helligkeitsangabe im Verhältnis zur weißen Referenzfläche. Eine graue Leinwand mit niedrigem Gain kann den wahrgenommenen Kontrast unter Restlicht heben, ist aber selbst keine Kontrastangabe.
    • Schwarzwert: Die absolute Leuchtdichte der dunkelsten Stelle, gemessen in Candela je Quadratmeter. Zwei Geräte können dasselbe Verhältnis erreichen und dabei unterschiedlich tief schwarz sein.
    • Dynamikumfang des Bildmaterials: HDR beschreibt, welchen Helligkeitsbereich die Aufnahme transportiert. Was ein Gerät davon im Raum zeigen kann, entscheidet der Kontrast.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer mit weißen Wänden und heller Decke, gesehen wird abends bei geschlossenen Rollos. Der Kunde bringt eine Geräteliste mit, sortiert nach Kontrastangabe.

    Wie weit lässt sich der Raum verdunkeln, und was passiert mit dem Licht, das der Projektor selbst in den Raum schickt? Bei weißen Flächen ringsum kehrt ein erheblicher Teil davon zurück auf die Bildfläche, und das begrenzt den Kontrast schon, bevor über Technik gesprochen wird. Der Raum wird deshalb in dieser Reihenfolge bearbeitet: erst die Verdunkelung, dann die Flächen im direkten Umfeld der Bildfläche dunkel und matt halten, dann die Leinwandentscheidung — eine leicht graue Oberfläche oder eine winkelselektive, je nachdem, wie viel Restlicht bleibt. Das Gerät steht am Ende dieser Reihe, und dann zählt sein In-Bild-Kontrast, nicht die größte Zahl auf dem Karton.

    Verknüpfte Inhalte

    Wie eine Leinwand das Licht verteilt, statt es zu vermehren, steht beim Leinwand-Gain; wie eine Oberfläche Fremdlicht nach Richtung unterscheidet, bei der ALR-Leinwand. Warum Ultrakurzdistanz-Geräte eine eigene Leinwandfamilie brauchen, erklärt der Laser TV, die Aufstellgeometrie dahinter das Projektionsverhältnis. Wie weit sich Restlicht im Wohnraum überhaupt beherrschen lässt, behandelt das Guide-Kapitel zur Lichtkontrolle.

    Quellen

    Die Beschreibung der drei Messarten folgt der Festlegung des American National Standards Institute für den In-Bild-Kontrast sowie Herstellerunterlagen; die Reihenfolge Lichtkontrolle vor Gerätewahl der AVITECT-Praxis. Die Zahlen zum Objektivtausch stammen aus dem Christie Cinema Projector Lens Guide in der Ausgabe vom Juli 2026, am 2026-09-05 im Volltext gelesen; sie sind Herstellerangaben.

    Kontrast (nativ)
    150.000
  • Projektionsgeometrie

    Throw Ratio

    Glossar

    Projektionsverhältnis

    Das Projektionsverhältnis — englisch throw ratio — ist der Abstand zwischen Objektiv und Bildfläche, geteilt durch die Bildbreite. Ein Wert von 1,5 bedeutet: Für ein zwei Meter breites Bild steht der Projektor drei Meter entfernt.

    Je weiter ein Projektor von der Wand weg steht, desto größer wird sein Bild. Wie schnell es größer wird, hängt am Objektiv, und genau dafür gibt es eine Zahl. Sie sagt Dir, wie viele Meter Abstand Du für einen Meter Bildbreite brauchst. Das klingt nach einer Nebensache, entscheidet aber darüber, ob das Gerät an der Decke hängt, hinten im Regal steht oder direkt unter der Bildfläche — und damit über einen großen Teil der Planung.

    Ausführliche Erklärung

    Bezugsgröße ist immer die Bildbreite, nicht die Diagonale. Das ist die häufigste Fehlerquelle beim Nachrechnen, weil Leinwände über die Diagonale verkauft werden — im Format 16:9 stellt man das Gerät damit rund 15 Prozent zu weit weg. Bei breiteren Kinoformaten fällt der Fehler kleiner aus, weil die Breite näher an der Diagonale liegt, ganz verschwindet er aber nie. Was er in Zentimetern kostet, welcher Faktor zu welchem Seitenverhältnis gehört und wie er sich in der Rückrechnung umdreht, rechnet der Projektionsabstand vor.

    Die meisten Projektoren nennen keinen festen Wert, sondern eine Spanne, weil ihr Objektiv einen Zoombereich hat — etwa 1,3 bis 2,1. Diese Spanne ist der eigentliche Planungsspielraum: Sie sagt, in welchem Abstandsbereich ein bestimmtes Bild überhaupt darstellbar ist. Ein großer Zoombereich macht die Aufstellung unkritisch, kostet aber am langen Ende Licht — bei maximalem Zoom verlieren viele Objektive spürbar an Helligkeit — und an den Enden des Bereichs Randschärfe, weshalb die Mitte des Bereichs die bessere Auslegung ist. Welche Anforderungen dabei an derselben Objektivstellung gegeneinander ziehen, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus.

    Aus dem Zahlenwert folgen die geläufigen Gerätekategorien. Klassische Projektoren liegen deutlich über 1,0 und stehen entsprechend weit hinten, meist an der Decke über den Sitzplätzen. Kurzdistanzgeräte liegen darunter und kommen mit wenigen Metern aus. Die Ultrakurzdistanz beginnt bei sehr kleinen Werten und erlaubt eine Aufstellung dicht unter der Bildfläche — das ist die Bauform, auf der der Laser TV aufsetzt.

    Wo die Grenzen zwischen diesen drei Kategorien liegen, legt keine Norm fest, und die Hersteller ziehen die Linie an verschiedenen Stellen: Christie gibt für die eigene Reihe 0,5 bis 1,0 als Kurzdistanz an, BenQ definiert sie über die Distanz statt über das Verhältnis, und Epson führt ein Objektiv namens „Short Throw“, das je nach Gehäuse bei 0,46 landet. AVITECT legt die Einteilung deshalb selbst fest: Werte unter 0,35 sind Ultrakurzdistanz, Werte von 0,35 bis 1,0 Kurzdistanz. Diese beiden Zahlenpaare sind eine Festlegung dieses Hauses und keine Branchenangabe. Was aus der Einordnung für Aufstellung, Montage und Leinwand folgt — samt der Faustregel in Metern, die an die Bildgröße gebunden ist —, steht beim Kurzdistanz-Projektor.

    Wichtig für die Praxis ist, was das Projektionsverhältnis nicht regelt: die Höhe des Bildes gegenüber dem Gerät. Dafür ist der Lens-Shift-Bereich zuständig, der das Bild optisch verschiebt, ohne den Abstand zu ändern. Fehlt dieser Spielraum, muss das Gerät genau in der Höhe montiert werden, die sein Objektiv zur Bildfläche vorgibt — oder das Bild wird elektronisch entzerrt, was Auflösung kostet und im Heimkino nichts zu suchen hat.

    Häufiges Missverständnis

    Am häufigsten wird das Verhältnis auf die Bilddiagonale bezogen. Weil die Diagonale größer ist als die Breite, ergibt das zu große Abstände — und im Ergebnis ein Bild, das größer wird als geplant, oder einen Projektor, der nicht mehr in den Raum passt. Wer mit Herstellerrechnern arbeitet, sollte deshalb prüfen, welche Größe dort eingetragen wird.

    Weniger offensichtlich ist der zweite Fehlschluss, und er betrifft die Ultrakurzdistanz. Weil das Gerät dicht an der Fläche steht, wird angenommen, die Aufstellung sei besonders unkritisch. Das Gegenteil ist der Fall: Bei sehr kleinen Werten verändern wenige Zentimeter Abstand die Bildgröße erheblich, und schon eine leichte Schrägstellung oder eine nicht ganz plane Bildfläche wird als Verzeichnung sichtbar. Ein Laser TV verlangt deshalb einen festen, justierbaren Standort und eine sehr gerade Leinwand.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Lens Shift: Verschiebt das Bild nach oben, unten oder zur Seite, ohne den Abstand zu verändern. Beantwortet die Frage „wo darf das Gerät hängen", nicht „wie weit weg".
    • Bilddiagonale: Die Verkaufsgröße einer Leinwand. Für das Projektionsverhältnis zählt die Breite.
    • Sitzabstand: Ergibt sich aus Bildgröße und gewünschtem Sichtwinkel und hat mit der Optik des Projektors nichts zu tun.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer, in dem die Bildbreite mit 2,60 Metern feststeht, weil mehr nicht zwischen die Fenster passt. Zu entscheiden ist zuerst, wo das Gerät sitzen darf — an der Decke, im Sideboard oder gar nicht sichtbar.

    Steht die Antwort fest, ergibt sich daraus der zulässige Bereich für das Projektionsverhältnis, und der grenzt die Gerätekategorie ein. Soll der Projektor im Sideboard unter der Bildfläche stehen, ist es ein Ultrakurzdistanz-Gerät, und diese Entscheidung zieht die Leinwandwahl nach sich, weil zur Ultrakurzdistanz eine passend ausgelegte Oberfläche gehört. Hängt er dagegen an der Decke, ist der Zoombereich das entscheidende Kriterium: Er muss den vorhandenen Abstand in seiner Mitte abdecken, nicht an seinem Rand. Über konkrete Modelle wird zuletzt gesprochen — und dann mit einer Zahl aus der Planung im Blick, nicht mit der Angabe auf dem Karton.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Rechnung dazu — Abstand aus Verhältnis und Bildbreite, beide Umstellungen, das Abstandsfenster eines Zoomobjektivs und die Empfindlichkeit kleiner Verhältnisse — steht beim Projektionsabstand. Warum die Ultrakurzdistanz eine eigene Gerätefamilie hervorgebracht hat, steht beim Laser TV; welche Leinwandoberfläche dazu passt, bei der ALR-Leinwand. Wie groß das Bild für einen gegebenen Sitzabstand überhaupt sein soll, klärt der Sichtwinkel. Wo das Gerät bei festliegender Bildlage montiert werden darf, beantwortet der Lens Shift.

    Quellen

    Die Definition und die Angaben zu Zoom- und Lens-Shift-Bereichen folgen Herstellerunterlagen. Die drei zitierten Einteilungen stammen aus den Technologie- und Produktseiten von Christie, BenQ und Epson; die AVITECT-Grenzwerte sind eine eigene Festlegung ohne Fremdquelle.

    1,35 – 2,75
    Optischer Zoom

    Glossar

    Zoom und Overscan

    Beide Begriffe beantworten dieselbe Frage — wie das Bild auf die Fläche passt —, aber auf verschiedenen Ebenen. Zoom verändert die Bildgröße optisch, durch Verstellen des Objektivs. Overscan vergrößert das Bild im Signalweg und schneidet dabei die Ränder ab.

    Wenn ein Bild nicht genau auf die Fläche passt, gibt es zwei ganz verschiedene Wege. Der eine verstellt das Objektiv, so wie bei einer Kamera — das Bild wird größer oder kleiner, und es bleibt alles drauf. Der andere vergrößert das Bild elektronisch und lässt die Ränder einfach wegfallen. Der zweite Weg stammt aus der Zeit der Röhrenfernseher, wo die Bildränder nicht sauber waren. Heute nimmt er Dir nur noch Schärfe und ein paar Prozent Bildinhalt weg — und trotzdem ist er bei vielen Geräten ab Werk eingeschaltet.

    Zoom: die optische Seite

    Ein Zoomobjektiv verändert seine Brennweite und damit die Bildgröße bei gleichbleibendem Abstand. Angegeben wird der Bereich meist als Spanne des Projektionsverhältnisses, etwa 1,3 bis 2,1 — die Zahlen sagen, das Wievielfache der Bildbreite der Abstand betragen darf.

    Ein großer Zoombereich macht die Aufstellung unkritisch und ist deshalb im Wohnraum wertvoll, wo der Projektorplatz oft feststeht. Er hat aber zwei Preise, und beide werden bei der Planung gern übersehen.

    Am langen Ende kostet Zoom Licht. Bei maximaler Auszugsweite geben viele Objektive spürbar weniger Lichtstrom ab als in der Mittelstellung. Wer den Projektor weit hinten platziert und das Objektiv ans Ende fährt, verliert damit Leuchtdichte auf der Leinwand — dieselbe Größe, um die es bei der Auslegung ohnehin geht. Warum die beiden Enden des Zoomwegs optisch ungleich sind und welche Zoomstellung die Lumenzahl des Datenblatts beschreibt, führt der Eintrag zum Weitwinkel- und Tele-Ende aus.

    Die Zoomstellung begrenzt den Lens Shift. Objektiv und Verschiebemechanik arbeiten zusammen, und am Rand des Zoombereichs schrumpft der nutzbare Verstellbereich für den Bildversatz. Beide Angaben im Datenblatt gelten also nicht gleichzeitig in voller Höhe; wer beide ausreizen will, stellt fest, dass sie sich gegenseitig einschränken. Die Einzelheiten dazu stehen beim Lens Shift; wie sich Lichtstrom, Verstellbereich und Einfallswinkel auf der Leinwand um dieselbe Objektivstellung streiten, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus.

    Ein praktischer Anwendungsfall verdient eigene Erwähnung: Manche Projektoren speichern Objektivstellungen und fahren sie auf Knopfdruck an. Damit lässt sich zwischen einem 16:9-Bild und einem breiteren Kinoformat umschalten, ohne ein Vorsatzobjektiv zu verwenden — das Bild wird auf die volle Leinwandbreite gezoomt, und die schwarzen Balken wandern über den Leinwandrand hinaus. Der Nachteil bleibt: Die Bildpunkte der Balken werden weiterhin angesteuert, ihr Restlicht landet oberhalb und unterhalb der Leinwand.

    Overscan: die Signalseite

    Overscan vergrößert das ankommende Bild um einige Prozent und stellt nur den mittleren Ausschnitt dar. Der Rest fällt über den Bildrand hinaus.

    Der Ursprung liegt bei der Bildröhre. Deren Geometrie war nicht stabil — sie änderte sich mit der Betriebsspannung, der Temperatur und dem Alter des Geräts —, und die äußersten Zeilen enthielten oft Steuerinformationen oder waren schlicht unsauber. Man strahlte deshalb absichtlich über den sichtbaren Bereich hinaus, damit unter keinen Umständen ein unbeschriebener Rand zu sehen war.

    Bei einem Gerät mit fester Bildpunktmatrix ist diese Begründung entfallen, die Voreinstellung aber vielerorts geblieben. Zwei Nachteile folgen daraus.

    Bildinhalt geht verloren. Fünf Prozent Overscan bedeuten, dass rundum je rund zweieinhalb Prozent der Bildbreite und -höhe fehlen. Bei Film fällt das selten auf; bei Untertiteln am Bildrand, bei eingeblendeten Anzeigen und bei allem, was von einem Rechner oder einer Spielkonsole kommt, sehr wohl.

    Die Schärfe leidet. Damit ein vergrößerter Ausschnitt auf die Bildpunktmatrix passt, muss das Bild neu berechnet werden. Ein Signal, das exakt zur Auflösung des Geräts passt und ohne Overscan eins zu eins abgebildet würde, wird dadurch skaliert — jeder Bildpunkt entsteht neu aus Nachbarwerten. Der Verlust ist gering und bei feinen Strukturen sichtbar.

    Wie die Kette es aushandelt

    Auch hier verständigen sich die Geräte über den AVI-InfoFrame. Ein Feld im ersten Datenbyte sagt, ob das Bild bereits überabgetastet vorliegt oder vollständig übertragen wird.

    Ist das Feld nicht gesetzt, greift dieselbe Fallunterscheidung wie beim Signalwertebereich: Bei einem CE-Videoformat — den Fernseh- und Filmauflösungen — soll der Empfänger overscannen, bei einem IT-Videoformat, also den PC-Auflösungen, nicht. Das erklärt eine Beobachtung, die sonst rätselhaft wirkt: Derselbe Projektor schneidet bei der einen Quelle Ränder ab und bei der anderen nicht, ohne dass jemand etwas umgestellt hätte.

    Die Menübezeichnungen sind so vielfältig wie beim Wertebereich. „Just Scan", „Pixel-für-Pixel", „1:1", „Vollbild", „Bildgröße" und schlicht „Overscan" meinen dieselbe Einstellung, und welcher Wert davon Overscan abschaltet, ist ohne Testbild nicht zu erraten.

    So findet man es

    Ein Testbild mit einem Rahmen genau auf dem äußersten Bildpunkt zeigt es sofort: Ist der Rahmen vollständig und an allen vier Seiten sichtbar, läuft das Gerät ohne Overscan. Fehlt er ganz oder teilweise, wird beschnitten. Testbilder mit einer Skala am Rand zeigen zusätzlich, wie viel Prozent fehlen.

    Die Prüfung gehört je Eingang und je Quelle einzeln gemacht, weil die Einstellung oft eingangsbezogen gespeichert wird und die Vorgabe je nach Bildformat wechselt.

    Häufiges Missverständnis

    „Overscan brauche ich, damit das Bild die Leinwand ganz ausfüllt." Dafür ist die Aufstellung zuständig — Abstand, Zoom und Lens Shift. Das Bild an die Fläche anzupassen und Bildinhalt wegzuschneiden sind zwei verschiedene Vorgänge, die nur zufällig ähnlich aussehen. Wer Overscan dafür einsetzt, verliert Auflösung und Bildinhalt, ohne das eigentliche Problem — eine nicht passende Aufstellung — zu lösen.

    „Am Projektor ist etwas Überstrahl doch gut, dann ist die Leinwand ganz gefüllt." Das ist die teuerste Variante dieses Irrtums, und sie kostet Schwarzwert. Licht, das über die Leinwandkante hinaus auf die Wand fällt, macht die Wand ringsum zu einer großflächigen Lichtquelle direkt neben der Bildfläche — sie strahlt auf die Leinwand zurück und hebt Schwarz an. Ein Projektor gehört so eingerichtet, dass er innerhalb der Leinwand bleibt; die Einzelheiten stehen beim Schwarzwert.

    „Digitaler Zoom ist auch Zoom." Er skaliert das Signal, statt das Objektiv zu verstellen. Damit kostet er Auflösung wie Overscan und gewinnt keinen Lichtstrom — die Lichtmenge verteilt sich weiterhin auf dieselbe Fläche. Als Notbehelf bei ungünstiger Aufstellung ist er brauchbar, als Ersatz für ein passendes Objektiv nicht.

    „Zoom kostet nichts." Optischer Zoom kostet keine Auflösung, aber am langen Ende Lichtstrom und Verstellbereich beim Lens Shift. Bei der Auslegung eines Projektors ist das kein Nebeneffekt, sondern eine der Größen, die über die Bildbreite mitentscheiden.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Trapezkorrektur: Eine Geometriekorrektur für schräge Aufstellung, die ebenfalls Bildpunkte kostet, siehe Trapezkorrektur.
    • Lens Shift: Verschiebt das Bild, ohne seine Größe zu ändern, siehe Lens Shift.
    • Projektionsverhältnis: Das Verhältnis von Abstand zu Bildbreite; der Zoombereich ist die Spanne, in der es einstellbar ist, siehe Projektionsverhältnis.
    • Bildformatanpassung: Schwarze Balken bei abweichendem Seitenverhältnis sind kein Overscan — dort geht kein Bildinhalt verloren.

    Bei der Einrichtung

    Bei der Spielkonsole ist die Anzeige am oberen Bildrand angeschnitten, während Filme von der Disc einwandfrei aussehen. Der erste Verdacht fällt auf die Konsole.

    Beide Beobachtungen passen zu einem eingeschalteten Overscan, der je nach Bildformat unterschiedlich greift. Filme bringen ihre wichtigen Inhalte nicht bis an den Rand, eine Spieloberfläche schon — derselbe Beschnitt fällt deshalb nur bei der einen Quelle auf.

    Der Weg dorthin ist ein Testbild mit Randmarkierung, an jedem Eingang einzeln. Zeigt es fehlende Ränder, wird die Bildgrößeneinstellung des Projektors auf die Stellung ohne Skalierung gebracht — wie sie heißt, verrät erst das Testbild. Bleibt danach ein Rest, lohnt der Blick auf die Quelle: Auch Zuspieler und Konsolen haben eigene Einstellungen dafür, und zwei aufeinanderfolgende Beschnitte addieren sich.

    Erst wenn das Bild ungeschnitten ankommt, wird die optische Seite eingerichtet — Abstand, Zoom, Lens Shift —, und zwar so, dass die Bildkante innerhalb der Leinwand bleibt. Diese Reihenfolge lohnt sich, weil eine optische Einrichtung, die auf ein beschnittenes Bild ausgelegt wurde, nach dem Abschalten des Overscans erneut gemacht werden muss.

    Verknüpfte Inhalte

    Wie weit ein Projektor von der Leinwand entfernt stehen muss, klärt das Projektionsverhältnis; wie sich das Bild ohne Größenänderung versetzen lässt, der Lens Shift. Warum eine schräge Aufstellung Bildpunkte kostet, führt die Trapezkorrektur aus. Wie die Kette ihre Betriebsart aushandelt, steht beim InfoFrame, die Parallele beim Signalwertebereich. Warum Überstrahl über die Leinwandkante den Schwarzwert kostet, gehört zum Schwarzwert.

    Quellen

    Die Signalisierung der Abtastung im AVI-InfoFrame, die Bedeutung der Feldwerte und die Vorgabe je Formatart stammen aus CTA-861-G, das für diese Seite in einer texterkannten Volltextfassung am Objekt gelesen wurde. Die optischen Zusammenhänge — Zoombereich als Spanne des Projektionsverhältnisses, Lichtverlust am langen Ende, Abhängigkeit des Lens-Shift-Bereichs von der Zoomstellung — sind im Bestand bereits auf den Einträgen zum Projektionsverhältnis und zum Lens Shift geführt und dort an Herstellerunterlagen gebunden.

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    Lens-Shift

    Glossar

    Lens Shift

    Lens Shift verschiebt das projizierte Bild gegenüber der optischen Achse, indem das Objektiv quer zu dieser Achse bewegt wird. Das Gerät bleibt dabei gerade ausgerichtet, der Abstand zur Bildfläche ändert sich nicht, und es geht kein Bildpunkt verloren.

    Ein Projektor wirft sein Bild geradeaus. Wenn er nicht genau auf Höhe der Leinwand sitzt, landet das Bild zu hoch oder zu tief — und ihn einfach schräg zu stellen macht aus dem Rechteck ein Trapez. Lens Shift löst das anders: Im Inneren wird die Linse ein Stück versetzt, und das Bild wandert mit, ohne schief zu werden. Wie weit es wandern darf, sagt Dir, wo das Gerät hängen oder stehen kann.

    Ausführliche Erklärung

    Angegeben wird der Bereich als Prozentsatz der Bildgröße: vertikal bezogen auf die Bildhöhe, horizontal auf die Bildbreite. In der üblichen Lesart bedeutet eine Angabe von 60 Prozent vertikal, dass die Bildmitte um 60 Prozent der Bildhöhe über oder unter der Objektivachse liegen darf — verbindlich ist das nicht, denn die Bezugsgröße wird nicht einheitlich gehandhabt. Der Wert beschreibt also eine Montagetoleranz: Er sagt, wie weit die Bildmitte von der Objektivachse abweichen darf, und damit, welche Montagepositionen für ein bestimmtes Bild überhaupt in Frage kommen.

    Drei Einschränkungen gehören zur Angabe dazu.

    Erstens sind vertikaler und horizontaler Versatz nicht unabhängig voneinander. Wer den vertikalen Bereich voll ausreizt, hat horizontal kaum noch Spielraum. Hersteller bilden das meist als Diagramm ab, und die beiden Maximalwerte aus dem Datenblatt gelten jeweils nur, wenn die andere Achse in der Mitte steht.

    Zweitens hängt der nutzbare Bereich an der Zoomstellung. Objektiv und Verschiebemechanik arbeiten zusammen, und der verfügbare Versatz ändert sich, wenn Du zoomst. In welche Richtung, lässt sich nicht allgemein sagen: Konstruktionsunterlagen der Objektivhersteller beschreiben beide Fälle — Rechnungen, bei denen der Versatz am Weitwinkel-Ende einbricht, weil der Bildkreis dort klein ist, und ebenso Rechnungen, die im Weitwinkel gerade mehr Versatz zulassen. Das ist eine Eigenschaft des einzelnen Objektivs, keine der Bauart.

    Praktisch wichtig wird das, weil eine zweite Regel in dieselbe Stellschraube greift: Ein Zoomobjektiv gibt am Weitwinkel-Ende mehr Licht ab als am Tele-Ende, weshalb für die Bildhelligkeit eine möglichst weitwinklige Stellung empfohlen wird — siehe Zoom und Overscan. Wer nun zugleich den Shift ausreizt, stellt zwei Anforderungen an dieselbe Objektivstellung. Ob ein Gerät beides gleichzeitig kann, steht im Shift-Diagramm, abgelesen bei genau der Zoomstellung, die der geplante Aufbau braucht. Die beiden Maximalwerte des Datenblatts reichen dafür nicht aus. Bei einer winkelselektiven Leinwand kommt eine dritte Anforderung an dieselbe Objektivstellung dazu; wie sie sich zu den beiden anderen verhält, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus, und die Rechnung dahinter steht beim Einfallswinkel des Projektorlichts an der Bildmitte.

    Drittens kostet die Ausnutzung Bildqualität. Ein Objektiv ist um seine Achse herum am besten korrigiert; je weiter das Bild aus der Mitte geschoben wird, desto eher zeigen sich Unschärfe zu den Ecken hin, Helligkeitsabfall am Rand und Farbsäume. Hersteller sagen das in ihren Anleitungen auch offen — Epson weist die Anwender darauf hin, dass das Bild in der Grundstellung des Objektivs am klarsten ist. Für die Planung heißt das: Ein Aufbau, der den Bereich etwa zur Hälfte nutzt, steht besser da als einer, der ihn ausschöpft.

    Lens Shift und die elektronische Trapezkorrektur greifen an verschiedenen Stellen an. Lens Shift arbeitet optisch: Es bewegt Licht, und das Signal bleibt unangetastet. Die Trapezkorrektur arbeitet im Signal. Sie rechnet das Bild so um, dass es auf der schräg getroffenen Fläche wieder rechteckig erscheint — und dafür muss sie es neu abtasten.

    Das lässt sich am Bildpunkt nachvollziehen. Der Projektor hat eine feste Anzahl physikalischer Bildpunkte in festem Raster. Die Trapezkorrektur schiebt und staucht das Bild so, dass ein Bildpunkt des Signals nun zwischen zwei physikalischen Bildpunkten zu liegen kommt. Weil er dort nicht dargestellt werden kann, wird sein Helligkeits- und Farbwert auf die benachbarten Bildpunkte aufgeteilt. Aus einer scharfen Kante werden so zwei halbhelle Punkte. Weil das Bild außerdem in die Fläche des Rasters hineingestaucht wird, bleiben am Rand Bildpunkte ungenutzt: Die tatsächlich dargestellte Auflösung liegt unter der des Geräts. Sichtbar wird beides als weicheres Bild und als unruhige Diagonalen und Schriftkanten.

    Wird die Trapezkorrektur nötig, ist das eine Aussage über die Montage und nicht über das Gerät: Die Position stimmt nicht. Für den mobilen Einsatz ist die Funktion trotzdem sinnvoll gebaut — im Besprechungsraum, im Klassenzimmer, beim Projektor, der abends auf den Tisch gestellt wird, ist ein leicht weiches Bild allemal besser als ein schiefes. Im geplanten Heimkino gilt das nicht. Dort steht die Montageposition zur Disposition, solange gebaut wird, und ein Aufbau, der ohne Trapezkorrektur nicht rechteckig wird, ist nicht fertig geplant. Die Antwort ist dann eine andere Halterung, ein anderer Montagepunkt oder ein Gerät mit größerem Shift-Bereich.

    Häufiges Missverständnis

    Lens Shift und Keystone werden regelmäßig für dasselbe gehalten, weil beide das Bild an die richtige Stelle bringen. Unterscheiden lassen sie sich an ihrem Preis: Lens Shift kostet keine Auflösung, die Trapezkorrektur kostet welche. Wer die Wahl hat, nimmt deshalb den optischen Weg; wer sie nicht hat, ändert besser die Montage, statt elektronisch zu korrigieren.

    Hartnäckiger ist die Vorstellung, der Bereich sei ein Qualitätsmerkmal: viel Shift, gutes Gerät. Er sagt nur, wie tolerant die Aufstellung sein darf. Ausgereizt wird er zum Nachteil, und bei Ultrakurzdistanz-Geräten gibt es ihn oft gar nicht — dort steht die Position fest, und die Feinjustage passiert über die Aufstellfläche selbst. Bei dieser Bauform folgt der fehlende Lens Shift aus der Geometrie und zählt deshalb nicht als Schwäche des Geräts.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Projektionsverhältnis: Beantwortet, wie weit das Gerät für eine bestimmte Bildbreite entfernt stehen muss — also den Abstand entlang der Blickachse. Lens Shift beantwortet die zweite Hälfte der Montagefrage: wie weit das Gerät quer dazu daneben oder darüber sitzen darf, ohne dass das Bild seine Lage verliert.
    • Trapezkorrektur: Elektronische Entzerrung eines schief geworfenen Bildes. Sie kostet Auflösung und Schärfe, der optische Versatz nicht.
    • Offset: Der fest eingebaute Versatz, den der Konstrukteur festgelegt hat. Er bestimmt die Grundstellung; der Lens Shift ist der Bereich, in dem sich das Bild von dort aus noch bewegen lässt. Bei Geräten mit beidem wird zuerst der Offset bereinigt und erst danach der Shift angesetzt.
    • Zoom: Verändert die Bildgröße bei gleichem Abstand, nicht ihre Lage.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer mit Deckenbalken, der Projektor soll an die Decke. Die Bildoberkante liegt bei 2,10 Metern, die Decke bei 2,60, und der einzige tragfähige Punkt für die Halterung liegt seitlich versetzt neben der Bildmitte.

    Zuerst die Konzeptfrage: Steht die Bildlage fest, oder darf sie sich bewegen? Ist sie gesetzt — und im Heimkino ist sie das meistens, weil sie am Sitzabstand und am Sichtwinkel hängt —, wird daraus die Verfahrensfrage: Welcher Montagepunkt liegt innerhalb des Shift-Fensters, das ein Gerät mitbringt? Der seitliche Versatz und der Höhenunterschied müssen gemeinsam hineinpassen, nicht einzeln, denn beide Achsen begrenzen sich. Dann erst das Modell — eines mit Reserve im Bereich statt auf eines, das den Punkt gerade eben erreicht.

    Verknüpfte Inhalte

    Ist eine ALR-Leinwand geplant, engt sie die Montagepositionen stärker ein als der Shift-Bereich selbst — die Begründung steht bei Wenn der Lens Shift gegen die ALR-Leinwand arbeitet. Der fest eingebaute Gegenpart ist der Offset — er legt fest, wo das Bild ohne jeden Shift liegt, und ist der häufigste Grund für falsch gerechnete Montagehöhen. Wie weit ein Projektor für eine bestimmte Bildbreite entfernt stehen muss, klärt das Projektionsverhältnis; warum bei Ultrakurzdistanz-Geräten die Aufstellung besonders empfindlich ist, der Laser TV und die ALR-Leinwand. Wie groß das Bild für einen gegebenen Sitzabstand sein soll, steht beim Sichtwinkel. Dass motorisierte Geräte eine eingestellte Objektivlage samt Zoom und Fokus speichern und wieder abrufen können, beschreibt der Objektivspeicher.

    Quellen

    Die Angaben zu Bereichen, Diagrammen und zum Zusammenspiel mit dem Zoom folgen Herstellerunterlagen.

    Lens-Shift vertikal +
    100 %
    Lens-Shift vertikal −
    100 %
    Lens-Shift horizontal +
    43 %
    Lens-Shift horizontal −
    43 %
  • HDR & 3D

    HDR-Formate
    • HDR10

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • HDR10+

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • HLG
  • Gehäusemaße

    Höhe
    234 mm
    Breite
    500 mm
    Tiefe
    528 mm

    Gehäusemaße

    Gewicht
    25,3 kg

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