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Kurzdistanz-Projektor (Short Throw)
Was ist ein Kurzdistanz-Projektor — und was ändert die kurze Distanz an Aufstellung, Montage und Leinwand?
Ein Kurzdistanz-Projektor wirft ein großes Bild aus wenigen Metern Abstand und steht deshalb vor den Sitzplätzen statt dahinter. Die englische Kurzform lautet short throw, abgekürzt ST; welche Geräte dazugehören, ist eine Konvention je Haus. AVITECT zieht die Linie über das Projektionsverhältnis und zählt die Werte von 0,35 bis 1,0 zur Kurzdistanz.
Die meisten Beamer hängen weit hinten an der Decke und werfen das Bild über die Köpfe hinweg nach vorn. Ein Kurzdistanz-Gerät steht viel näher an der Wand und schafft trotzdem ein großes Bild. Der Gewinn ist alltäglich: Niemand läuft mehr durch den Lichtstrahl, und wer aufsteht, wirft keinen Schatten aufs Bild. Dafür ist die Aufstellung enger gesteckt — das Gerät hat weniger Spielraum, wo genau es hängen darf, und die Leinwand sucht man sich passend dazu aus.
Ausführliche Erklärung
Wo die Familie anfängt, sagt jeder Hersteller anders
Es gibt keine Norm, die Kurzdistanz von klassischer Projektion trennt. Was es gibt, sind Festlegungen einzelner Hersteller, und die widersprechen einander — nachprüfbar in ihren eigenen Unterlagen:
- Christie zieht die Grenze über das Projektionsverhältnis und gibt für die eigene Reihe 0,5 bis 1:1 als Kurzdistanz an, darunter beginnt für dieses Haus die Ultrakurzdistanz.
- BenQ definiert über die Distanz statt über das Verhältnis: Wer aus weniger als drei Metern ein Bild von 100 Zoll erreicht, zählt für BenQ zur Kurzdistanz.
- Epson verkauft ein Zoomobjektiv unter dem Namen „Short Throw“, das je nach Gehäuse zwischen 0,46 und 0,78 landet.
Die letzte Zahl ist der Beweis, dass die Einteilung nicht allgemein gilt: Epsons Kurzdistanz-Objektiv erreicht an einem 4K-Gehäuse 0,46 — nach Christies Tabelle wäre das bereits Ultrakurzdistanz. Wer also Datenblätter zweier Häuser nebeneinanderlegt, vergleicht zwei verschiedene Linien.
Wo AVITECT die Linie zieht
Aus diesem Widerspruch folgt eine eigene Festlegung. Ohne sie hinge die Einordnung eines Geräts daran, wessen Prospekt gerade auf dem Tisch liegt. AVITECT sortiert deshalb über das Projektionsverhältnis, weil diese Zahl unabhängig von der Bildgröße gilt:
- Ultrakurzdistanz (Laser TV): Projektionsverhältnis unter 0,35
- Kurzdistanz: 0,35 bis 1,0
Diese beiden Zahlenpaare sind eine Festlegung dieses Hauses und keine Branchenangabe. Die Herstellerbänder oben bleiben davon unberührt; sie gelten weiter für die Geräte des jeweiligen Hauses und werden mit dessen Namen zitiert.
Im Gespräch vor Ort ist die Distanz die greifbarere Größe. Dafür gibt es eine Faustregel, und sie gilt bei einem Bild von 100 bis 120 Zoll: Ultrakurzdistanz unter etwa 0,80 Meter, Kurzdistanz bis etwa 2,20 Meter, gemessen von der Leinwandfläche bis zur wandseitigen Kante des Geräts. Diese Kante lässt sich im Raum mit dem Zollstock erreichen, während die Lage des Objektivs im Gehäuse aus dem Datenblatt kommt.
Die beiden Meterangaben sind aus den Verhältnisgrenzen gerechnet, und zwar für das kleinere der beiden Bilder; zu größeren Bildern hin sind sie vorsichtig gerundet. Was 0,35 und 1,0 bei einer bestimmten Bildbreite in Metern bedeuten, rechnet der Projektionsabstand aus.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens die Bildgröße: Dieselbe Distanz ergibt bei einem anderen Bild ein anderes Verhältnis, und je größer das Bild, desto eher ordnet die Distanzregel zu hoch ein — bei 150 Zoll bleibt ein Gerät auch aus einem Meter Abstand noch in der Ultrakurzdistanz. Jenseits von 120 Zoll zählt deshalb das Verhältnis.
Zweitens der Bezugspunkt: Das Projektionsverhältnis rechnet ab Objektiv, die Faustregel misst bis zur Gehäusekante. Bei einer Bauform für die Ultrakurzdistanz sitzt das Objektiv hinter dieser Kante, die gemessene Strecke ist also kürzer als die optische Wurfweite. Die Faustregel gibt damit eine Einordnung und keine Umrechnung — wer aus einem Aufstellmaß ein Projektionsverhältnis gewinnen will, braucht die Wurfweite aus dem Datenblatt. Ob die Abstandsangaben der Hersteller durchgehend ab Gehäusekante gemessen sind, ist bislang nicht belegt; solange das offen ist, sind zwei Aufstellabstände aus zwei Häusern nicht direkt vergleichbar.
Was der kurze Abstand am Aufstellort ändert
Die Position wandert nach vorn, und daran hängt fast alles Weitere.
Der Lichtstrahl kreuzt keine Sitzplätze und keinen Durchgang mehr. Beide Hersteller nennen das als Zweck: Christie führt den Rückgang der Verschattung ausdrücklich für Kurz- und Ultrakurzdistanz-Geräte an, BenQ beschreibt dasselbe als Gerät, das vor dem Publikum sitzt. Für die Planung zählt daraus zweierlei: Wer aufsteht, wirft keinen Schatten ins Bild, und Deckenspots über den Sitzreihen dürfen dort bleiben, wo sie hingehören, statt einem Strahlengang auszuweichen.
Der Deckenauslass wandert mit. Die klassische Aufstellung braucht Strom und Signal über den Sitzplätzen, ein Kurzdistanz-Gerät braucht beides ein gutes Stück weiter vorn — je nach Bildbreite auch nah genug an der Leinwand, dass Halterung und Anschlussdose in den Bereich geraten, in dem später die Leinwandkassette oder eine Blende sitzt. Das ist eine Frage, die in die Detailplanung gehört und nicht auf die Baustelle: Auslass, Halterungspunkt und Leinwandaufhängung konkurrieren um dieselben Zentimeter Decke.
Die Leitungswege werden kürzer, aber nicht unbedingt einfacher. Steht das Gerät vorn, liegt es weiter von der Elektronik entfernt, wenn die im Rack hinten steht — und näher dran, wenn das Rack ohnehin neben der Bildwand geplant ist. Diese Entscheidung fällt am besten zusammen mit der Aufstellung und nicht danach.
Was der kurze Abstand kostet
Kürzere Objektive haben weniger Spielraum, und das steht in Datenblättern statt in Erfahrungsberichten. Panasonic gibt die Werte für dasselbe Gehäuse je montiertem Objektiv an; beim kürzesten Objektiv der Reihe sieht der Vergleich zum Standardobjektiv so aus:
| Spielraum | Standardobjektiv | kürzestes Objektiv |
|---|---|---|
| Lens Shift horizontal | ±20 % | ±12 % |
| Lens Shift vertikal | ±55 % | einseitig nach oben |
| Trapezkorrektur horizontal | ±40° | 0° |
| Trapezkorrektur vertikal | ±45° | +5° |
| kleinste Bilddiagonale | 1,78 m | 3,05 m |
Drei Punkte daraus zählen für die Planung. Der seitliche Versatz fällt um vier Zehntel, die Halterung muss also deutlich genauer über der Bildmitte sitzen. Die horizontale Trapezkorrektur fällt auf null — ein seitlicher Montagefehler lässt sich hier auch elektronisch nicht mehr kaschieren, was im Heimkino ohnehin die schlechtere Lösung wäre. Und die kleinste darstellbare Bilddiagonale steigt: Mit dem kürzesten Objektiv sind kleine Bilder gar nicht mehr möglich. Wer ein Gerät dieser Familie wählt, entscheidet sich damit zugleich für eine Mindestbildgröße.
Die Leinwand wird Teil der Entscheidung
Je schräger das Licht auf die Fläche fällt, desto stärker hängt das Ergebnis von der Oberfläche ab. Panasonic setzt unter die Spezifikation seines kürzesten Objektivs eine ungewöhnlich offene Warnung: Je nach Leinwandtyp könne es zu Fokusproblemen kommen oder zu ausgeprägten Hotspots — hellen Flecken, gegen die der Rest der Fläche sichtbar abfällt.
Das ist die Begründung dafür, Gerät und Fläche gemeinsam auszuwählen statt nacheinander. Welche Oberfläche zu welcher Aufstellung passt, klärt die ALR-Leinwand; ihre Sonderform CLR („ceiling light rejecting“, also gegen Licht von der Decke gerichtet) ist auf Licht von unten ausgelegt und damit auf die Ultrakurzdistanz, nicht auf ein Gerät, das von vorn oben wirft.
Häufiges Missverständnis
Die verbreitete Erzählung lautet: Ein kleines Projektionsverhältnis ist der Fortschritt, und je kleiner, desto besser. Das dreht die Sache um. Der kurze Abstand löst ein Aufstellproblem — einen Raum, in dem hinten kein Platz ist, eine Decke, die man nicht öffnen will, einen Durchgang mitten im Strahlengang. Wo dieses Problem nicht besteht, bringt die kurze Distanz nichts und nimmt Spielraum weg, den ein Standardobjektiv mitbringt. Die Frage ist also, welcher Abstand zum Raum passt, und nicht, wie klein der Wert werden kann.
Schief liegt auch, wer der Aufschrift glaubt. „Short Throw“ auf einem Objektiv oder in einem Prospekt ist ein Produktname und keine Klassenzugehörigkeit. Dasselbe Objektiv liefert an verschiedenen Gehäusen verschiedene Projektionsverhältnisse; Epson gibt für sein Kurzdistanz-Zoom je nach Gehäuseklasse 0,65 bis 0,78, 0,48 bis 0,57 oder 0,46 bis 0,56 an. Der Name bleibt derselbe, die Aufstellung ändert sich.
Nicht zu verwechseln mit
- Laser TV: Die Ultrakurzdistanz ist eine eigene Bauform. Bei AVITECT heißt sie Laser TV, und „Ultrakurzdistanz-Projektor“ wie „UST-Projektor“ meinen dasselbe Gerät. Es steht dicht unter der Bildfläche, meist auf einem Sideboard, und wirft von unten nach oben. Ein Kurzdistanz-Projektor steht weiter weg und hängt an der Decke oder auf einem Möbel vor den Sitzplätzen. Die Linie zwischen beiden zieht AVITECT bei einem Projektionsverhältnis von 0,35; ein Normwerk dafür gibt es nicht.
- Klassische Deckenprojektion: Das Gerät hängt hinter oder über den Sitzplätzen und wirft über die Köpfe hinweg. Es hat mehr Spielraum bei Montagepunkt und Bildgröße, verlangt aber Platz in der Raumtiefe und einen freien Strahlengang.
- Lens Shift: Beantwortet, wo ein Gerät bei gegebenem Abstand hängen darf. Die Kurzdistanz beantwortet, wie weit es entfernt steht — und engt den Shift-Bereich dabei ein.
- Elektronische Trapezkorrektur: Rechnet ein schief geworfenes Bild gerade und kostet dabei Auflösung. Gerade bei den kürzesten Objektiven steht sie kaum noch zur Verfügung.
In der Planung
Ein Wohnzimmer von 4,20 Metern Tiefe, die Sitzgruppe steht mit dem Rücken zur Fensterfront, hinter ihr führt der Weg zur Küche vorbei. Die Decke ist Beton mit einer abgehängten Ebene nur im vorderen Drittel.
Welche Bildbreite braucht dieser Sitzplatz, und wo darf die Fläche überhaupt hängen? Ist das geklärt, geht es ans Wie — und hier gibt der Raum die Antwort schon halb vor. Hinter der Sitzgruppe ist keine abgehängte Ebene, ein klassischer Deckenprojektor müsste in den Beton und hätte den Weg zur Küche im Strahlengang. Ein Gerät im vorderen Drittel löst beides auf einmal, weil Auslass und Halterung dort liegen, wo die Abhängung ohnehin schon ist.
Das Gerät steht am Ende dieser Kette und muss zwei Prüfungen bestehen. Passt der Montagepunkt in der Breite ins Shift-Fenster des Objektivs, das für diesen Abstand gebraucht wird? Und liegt die gewünschte Bildgröße oberhalb der kleinsten Diagonale, die diese Kombination noch darstellt? Beides steht in den Objektivdaten des jeweiligen Gehäuses und wird vor der Bestellung geprüft, nicht danach. Die Leinwand wird im selben Schritt mitentschieden, weil ihre Oberfläche zum flachen Einfallswinkel passen muss.
Verknüpfte Inhalte
Warum diese Größe die Gerätefamilien überhaupt sortiert, klärt das Projektionsverhältnis; wie weit ein Projektor für eine bestimmte Bildbreite entfernt stehen muss, rechnet der Projektionsabstand aus. Wo ein Gerät bei gegebenem Abstand hängen darf, steht beim Lens Shift. Die Bauform mit noch kürzerem Abstand beschreibt der Laser TV, die passende Oberfläche die ALR-Leinwand.
Quellen
Die Herstellerbänder und die genannten Zwecke der Bauform sind Angaben von Christie und BenQ aus deren Technologie- und Verkaufstexten; die Zahlen zu Shift, Trapezkorrektur und Bildgröße stammen aus den Spezifikationen von Panasonic und Epson.