Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

ALR-Leinwand

Was ist eine ALR-Leinwand — und was leistet sie im hellen Raum?

ALR steht für „ambient light rejecting", also lichtabweisend. Die Oberfläche einer solchen Leinwand ist so aufgebaut, dass sie unterscheidet, aus welcher Richtung Licht kommt: Was vom Projektor kommt, wirft sie zum Publikum; was von der Decke, vom Fenster oder von der Seite kommt, absorbiert oder lenkt sie ins Leere.

Wenn Du bei Tageslicht auf einen Beamer schaust, wirkt das Bild blass — das Licht im Raum legt sich wie ein grauer Schleier darüber. Eine Leinwand kann sich dagegen wehren, indem ihre Oberfläche gezielt in eine Richtung arbeitet: Das Licht des Projektors kommt bei Dir an, das Licht der Deckenlampe nicht. Ganz ersetzt das die Vorhänge nicht, aber es holt einen guten Teil des Kontrasts zurück, den ein heller Raum sonst kostet.

Ausführliche Erklärung

Eine gewöhnliche Mattleinwand ist ein diffuser Streuer: Sie wirft Licht gleichmäßig in alle Richtungen zurück, und sie tut das mit dem Projektorlicht genauso wie mit dem Licht der Stehlampe. Beides landet in Deinem Auge, und weil sich Helligkeit addiert, hebt das Fremdlicht vor allem den Schwarzwert an. Genau dort entsteht der graue Schleier — das dunkle Bild wird hell, das helle Bild kaum heller, und der Kontrast schrumpft.

Die ALR-Oberfläche greift an dieser Stelle ein, indem sie richtungsabhängig arbeitet. Realisiert wird das über feine optische Strukturen in mehreren Lagen: reflektierende Facetten, die zum Sitzbereich zeigen, kombiniert mit absorbierenden Zonen dazwischen. Aus der einen Richtung ist die Leinwand also hell, aus den anderen dunkel. Der Kontrastgewinn ist real und im Wohnzimmer deutlich sichtbar.

Bezahlt wird er mit drei Einschränkungen, und die stärkste kommt zuletzt. Erstens ist der nutzbare Sitzbereich enger: Wer weit außen sitzt, sieht ein dunkleres Bild, und über die Bildfläche hinweg kann die Helligkeit ungleichmäßig werden. Zweitens haben viele dieser Oberflächen eine sichtbare Struktur, die sich bei hellen Flächen als feines Glitzern zeigt. Dieselbe Mikrostruktur wirft an einem Projektor mit drei Lasern eine eigene Frage auf, weil sie das Licht gerichtet zurückschickt und zugleich das Restlicht abweist, das die feine Körnung sonst überdeckt — was daraus im Wohnraum folgt, führt ALR-Leinwand mit RGB-Laser: Glitzern im Wohnraum aus. Und drittens ist die Winkelselektivität immer auf eine bestimmte Projektionsgeometrie gebaut — passt der Projektor nicht zu dieser Geometrie, arbeitet die Leinwand gegen ihn statt für ihn. Der häufigste Fall dieser Art im Heimkino ist ein weit ausgereizter Lens Shift — was dabei passiert und wie die Planung darauf reagiert, führt Wenn der Lens Shift gegen die ALR-Leinwand arbeitet aus. Wie steil das Licht bei einem geplanten Aufbau auf der Bildmitte ankommt, zeigt der Einfallswinkel des Projektorlichts an der Bildmitte.

CLR: die Sonderform für Ultrakurzdistanz

Der letzte Punkt führt direkt zur wichtigsten Unterform. CLR steht für „ceiling light rejecting" und meint eine Leinwand, deren Sägezahnstruktur so geneigt ist, dass sie Licht von unten aufnimmt und Licht von oben verschluckt. Das passt exakt zur Ultrakurzdistanz-Projektion, bei der das Gerät dicht unter der Bildfläche steht und steil nach oben projiziert — deshalb gehört zum Laser TV in aller Regel eine CLR-Leinwand, oft gleich als Teil des Pakets. Für diesen Einsatzzweck gibt es neben der lentikularen Sägezahnstruktur noch eine zweite, kontraststärkere Bauart mit ringförmiger Struktur; sie führt der eigene Eintrag zur Fresnel-Leinwand aus.

Die Kehrseite folgt aus derselben Geometrie: Ein klassischer Projektor unter der Decke steht für eine CLR-Leinwand genau dort, woher das unerwünschte Licht kommt. Sein Bild wird also abgewiesen. CLR und Deckenprojektor sind keine Kombination, die man optimieren könnte — sie widersprechen sich im Aufbau der Oberfläche.

Häufiges Missverständnis

Die verbreitetste Erwartung ist, eine ALR-Leinwand mache die Verdunkelung überflüssig. Das dreht die Reihenfolge um. Sie gewinnt Kontrast zurück, den Restlicht kostet — sie erzeugt keinen dunklen Raum. In der Planung steht deshalb immer erst die Lichtkontrolle, und die ALR-Leinwand kommt für das Restlicht dazu, das sich nicht sinnvoll beseitigen lässt.

Daraus folgt eine Umkehrung, die viele überrascht: Im wirklich dunklen Kinoraum ist eine ALR-Leinwand meist die schlechtere Wahl. Ohne Fremdlicht bleibt von ihren Vorteilen nichts übrig, und ihre Nachteile bleiben — engerer Sitzbereich, Struktur, ungleichmäßige Ausleuchtung. Dort liefert eine gute weiße oder leicht graue Mattleinwand das sauberere Bild.

Nicht zu verwechseln mit

  • Graue Leinwand: Sie senkt Weiß und Schwarz gleichermaßen und hebt so den wahrgenommenen Kontrast, unterscheidet aber nicht nach Lichtrichtung. Gegen eine Deckenlampe hilft sie kaum.
  • Gain: Eine reine Helligkeitsangabe im Verhältnis zur weißen Referenzfläche. Hoher Gain macht das Bild heller, nicht richtungsselektiv — der eigene Eintrag zum Leinwand-Gain führt das aus.
  • Verdunkelung: Vorhänge, Rollos und dunkle Flächen entfernen das Fremdlicht, statt es abzuweisen — der wirksamere Hebel, wenn er baulich möglich ist.

Aus der Praxis

Ein Wohnzimmer mit großer Fensterfront nach Süden, gesehen wird abends und am Wochenende auch tagsüber. Alles hängt an einer Zeitangabe: Wann soll das Bild überzeugen? Für den Filmabend nach Sonnenuntergang reicht Lichtkontrolle allein; wer sonntagnachmittags Sport schauen will, braucht zusätzlich eine Oberfläche, die mit Restlicht umgehen kann.

Danach arbeitest Du in dieser Reihenfolge: erst die Verdunkelung so weit treiben, wie es der Wohncharakter zulässt, dann die Projektionsgeometrie festlegen — und erst daraus ergibt sich der Leinwandtyp. Wie Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel bei dieser Festlegung zusammenspielen, führt Wurfweite, Lens Shift und Einfallswinkel aus. Fällt die Wahl auf einen Laser TV im Sideboard, ist es eine CLR-Leinwand; bleibt es beim Deckenprojektor, kommt eine ALR-Variante für Frontprojektion in Frage, niemals eine CLR. Welches Modell es am Ende wird, ist die letzte Frage, nicht die erste.

Verknüpfte Inhalte

Warum die CLR-Variante zum Ultrakurzdistanz-Gerät gehört, steht bei Laser TV; was die Projektionsgeometrie dahinter genau beschreibt, beim Projektionsverhältnis. Die Helligkeitsangabe, gegen die sich die Winkelselektivität abgrenzt, behandelt der Eintrag zum Leinwand-Gain, und warum eine ALR-Oberfläche und eine schalldurchlässige Bildfläche sich weitgehend ausschließen, der Eintrag zur akustisch transparenten Leinwand. Wie weit sich Restlicht im Wohnraum überhaupt beherrschen lässt, behandelt das Guide-Kapitel zur Lichtkontrolle; die Auswahl der Leinwand hat ein eigenes Kapitel.

Quellen

Die Beschreibung der Oberflächenaufbauten folgt Herstellerangaben und ist als solche gekennzeichnet.

Tastaturkürzel