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ALLM (Auto Low Latency Mode)
Was ist ALLM — und wer schaltet dabei eigentlich wen?
ALLM ist eine Funktion der HDMI-Schnittstelle, mit der eine Quelle dem Bildgerät mitteilt, dass sie jetzt einen Modus mit möglichst geringer Verzögerung braucht. Der Fernseher oder Projektor schaltet daraufhin selbst um und kehrt zurück, sobald die Quelle das Signal zurücknimmt. Eingeführt wurde die Funktion mit HDMI 2.1.
Wenn Du an einer Konsole spielst, soll das Bild so schnell wie möglich auf dem Schirm sein — jede Verzögerung zwischen Knopfdruck und Bild stört. Dafür haben Fernseher einen Spielmodus, den man sonst im Menü suchen und danach wieder ausschalten muss. Diese Funktion nimmt Dir das ab: Die Konsole sagt dem Fernseher Bescheid, der schaltet allein um, und wenn Du danach einen Film startest, geht er von selbst zurück. Du musst nichts einstellen — wenn beide Geräte mitspielen.
Ausführliche Erklärung
Die Richtung ist eindeutig: Die Quelle schaltet die Senke. Eine Konsole, ein Rechner oder ein anderes Zuspielgerät sendet das Signal an das Bildgerät, und dieses wechselt in seine Betriebsart mit niedriger Verzögerung. Braucht die Quelle den Modus nicht mehr — etwa beim Wechsel auf einen Film —, nimmt sie das Signal zurück, und das Bildgerät kehrt in seine vorherige Einstellung zurück. Umgekehrt fordert ein Fernseher nichts an; er meldet lediglich, dass er die Funktion beherrscht.
Übertragen wird es als ein einzelnes Bit. Die Quelle setzt es in einem Zusatzdatenpaket, das die HDMI-Verbindung neben dem Bild überträgt; die Senke hinterlegt ihre Fähigkeit dazu in den Kenndaten, die sie beim Verbinden ausliest. Der Normtext dazu ist kostenpflichtig und nicht öffentlich — die Stelle im Datenpaket ist über zwei unabhängige Implementierungen aus dem Treiberumfeld belegt, nicht über die Spezifikation selbst.
Was umgeschaltet wird, entscheidet das Bildgerät. Die öffentliche Merkmalsbeschreibung sagt nur, dass Verarbeitungsschritte entfallen können. Welche das sind, wie tief die Verzögerung dabei sinkt und ob der Modus als eigener Bildmodus oder als Zusatz zu jedem Bildmodus arbeitet, legt der Hersteller fest. Eine Zahl nennt die Spezifikation nicht.
Ein einheitlicher Name fehlt. Es gibt kein Logo und keine vorgeschriebene Menübezeichnung; jedes Haus benennt die Funktion, wie es möchte. Wer sie im Menü sucht, findet sie unter wechselnden Namen.
Häufiges Missverständnis
„HDMI 2.1 heißt ALLM." Das ist der verbreitetste Kurzschluss zu diesem Begriff, und er stimmt nicht. Sämtliche mit HDMI 2.1 eingeführten Merkmale sind optional — die HDMI Licensing Administrator hat das ausdrücklich für ALLM bestätigt. Ein Gerät darf einen HDMI-2.1-Anschluss ausweisen, ohne ALLM zu beherrschen, und muss dann angeben, welche Merkmale es tatsächlich unterstützt. Auch der Kabelhersteller hilft hier nicht weiter: ALLM überträgt ein einzelnes Bit und braucht dafür keine zusätzliche Bandbreite.
„ALLM macht das Bild schneller." Es erzeugt keine niedrige Verzögerung, es ruft die vorhandene Betriebsart des Bildgeräts auf. Wie schnell ein Gerät danach ist, hängt allein an diesem Gerät — ein träges Bildgerät bleibt auch mit ALLM träge.
Nicht zu verwechseln mit
- VRR (Variable Refresh Rate): lässt die Quelle Einzelbilder liefern, so schnell sie kann, statt in einem festen Takt. Betrifft die Bildwiederholrate, nicht die Bildverarbeitung.
- QFT (Quick Frame Transport): überträgt ein Einzelbild schneller über das Kabel und verkürzt so die Zeit zwischen fertigem Bild in der Quelle und vollständiger Darstellung. Betrifft die Leitung, nicht das Gerät.
- QMS (Quick Media Switching): lässt die schwarze Pause entfallen, wenn eine Quelle ihr Videoformat wechselt. Nutzt denselben Mechanismus wie VRR.
- Spielmodus: die Betriebsart im Bildgerät selbst. ALLM ist der Fernbefehl dorthin, nicht die Betriebsart.
- Eingangsverzögerung: die messbare Größe, die der aufgerufene Modus senken soll. ALLM ist der Schalter, nicht der Wert.
Alle vier HDMI-Funktionen sind einzeln optional. Ein Gerät kann VRR beherrschen und ALLM nicht — oder umgekehrt.
In der Planung
Jedes Glied der Kette muss mitspielen. Quelle und Bildgerät müssen ALLM beherrschen; sitzt ein AV-Receiver oder eine Soundbar dazwischen, muss dieses Gerät das Signal durchreichen.
Die Abschaltung ist nicht immer vollständig. Auf der PlayStation 5 wird eine abgeschaltete ALLM-Einstellung im VRR-Betrieb überstimmt; wer den Modus sicher vermeiden will, muss auch VRR abschalten. Ähnliche Kopplungen sind bei anderen Quellen möglich.
Für Filmwiedergabe ist der Modus nicht gedacht. Der Spielmodus kostet Farbtreue und Verarbeitungsschritte. Genau deshalb ist die automatische Rücknahme der eigentliche Gewinn: Sie verhindert, dass ein einmal von Hand eingeschalteter Spielmodus dauerhaft im Betrieb bleibt.
Verknüpfte Inhalte
Die Schnittstelle selbst samt ihrer Versionsgeschichte erklärt HDMI. Die Größe, auf die der aufgerufene Modus wirkt, beschreibt die Eingangsverzögerung.
Quellen
Definition, Wirkbeschreibung, Signalrichtung und die Rücknahme durch die Quelle stammen von der öffentlichen Merkmalsseite der HDMI Licensing Administrator; die Einführung mit HDMI 2.1 aus der Pressemitteilung des HDMI Forum vom 2017-11-28; die Definitionen von VRR, QMS und QFT von den zugehörigen Merkmalsseiten. Der Übertragungsweg als Bit in einem Zusatzdatenpaket ist über zwei Implementierungsquellen aus dem Treiberumfeld belegt, weil der Normtext kostenpflichtig ist. Die Optionalität aller HDMI-2.1-Merkmale gibt eine Auskunft der HDMI Licensing Administrator wieder, die über einen Fachartikel vom 2021-12-13 zugänglich ist. Die Kopplung von ALLM an VRR stammt aus der PS5-Hilfe des Herstellers. Die Aussage zur Durchreichung durch Audiogeräte stammt aus einem Fachartikel vom 2024-08-08 und ist im Text als solche gekennzeichnet. Datenstand 2026-08-27.