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Seitenverhältnis

Was bedeutet Seitenverhältnis — und welche Bildformate kommen im Heimkino vor?

Das Seitenverhältnis ist das Verhältnis der Bildbreite zur Bildhöhe. Es sagt, welche Form ein Bild hat — und sonst nichts: weder wie groß es ist noch aus wie vielen Bildpunkten es besteht.

Bilder sind unterschiedlich breit. Ein altes Fernsehbild ist fast quadratisch, ein Kinofilm ist ein langer Streifen, und dazwischen liegt das Format, das Du von Fernseher und Handy kennst. Das Seitenverhältnis ist die Zahl, die diese Form beschreibt — wie bei einem Bilderrahmen die Angabe „13 mal 18", nur ohne Zentimeter: Sie sagt die Form, nicht die Größe. Wichtig wird sie, sobald ein Bild auf eine Fläche kommt, die eine andere Form hat. Dann bleibt oben und unten oder links und rechts ein schwarzer Streifen übrig, und je nach Film ist der mal kaum sichtbar und mal so breit, dass ein Viertel der Leinwand leer bleibt.

Ausführliche Erklärung

Geschrieben wird das Verhältnis auf zwei Arten, und beide meinen dasselbe. Die Schreibweise mit zwei ganzen Zahlen — 16:9, 4:3 — kommt aus der Fernsehtechnik. Die Schreibweise mit der Höhe als Eins — 1,78:1, 2,39:1 — kommt aus dem Kino und lässt sich leichter vergleichen: Die Zahl vor dem Doppelpunkt ist unmittelbar der Faktor, um den das Bild breiter als hoch ist. 16:9 und 1,78:1 sind dieselbe Form, 16 geteilt durch 9 ergibt 1,7778.

Zwei Größen hängen ausdrücklich nicht daran. Die Bildgröße nicht: Ein Handydisplay und eine sechs Meter breite Leinwand können dasselbe Verhältnis haben. Und die Auflösung nicht: 1920 × 1080 und 3840 × 2160 sind beide 16:9, mit dem vierfachen Unterschied in der Punktzahl.

Die Formate, die im Wohnzimmer vorkommen

Die dritte Spalte beantwortet die Frage, die in der Beratung als erste kommt: Was bleibt von einer 16:9-Fläche übrig, wenn dieses Material darauf läuft? Bei allem, was schmaler als 16:9 ist, liegen die Balken links und rechts; bei allem Breiteren oben und unten.

VerhältnisWoher es kommtBalken auf einer 16:9-Fläche
1,33:1 (4:3)Fernsehen bis in die 1990er-Jahre, dazu der weitaus größte Teil des Filmmaterials bis in die 1950er-Jahre25,0 %
1,43:1IMAX auf 15/70-Film und die wenigen Säle mit den größten Bildwänden19,6 %
1,60:1 (16:10)Rechnerdisplays und Datenprojektoren, etwa in der Auflösung 1920 × 120010,0 %
1,78:1 (16:9)HDTV, Blu-ray, Streaming, Fernsehen, Spielkonsolen; 1984 von dem Fernsehingenieur Kerns H. Powers als Kompromiss zwischen den europäischen und amerikanischen Kinoformaten vorgeschlagen — der Bezugswert dieser Spalte0 %
1,85:1eines der beiden verbreiteten Projektionsformate amerikanischer Kinos, im Sprachgebrauch „Flat"3,9 %
1,90:1IMAX in seinen digitalen Sälen; praktisch dieselbe Form wie das Digital-Cinema-Verhältnis 256:1356,4 %
2,00:11998 von dem Kameramann Vittorio Storaro und seinem Sohn Fabrizio als Univisium für Kino und Fernsehen zugleich vorgeschlagen, seit den späten 2010er-Jahren in Eigenproduktionen der Streaminganbieter verbreitet11,1 %
2,35:1das Anamorphformat der Jahre 1957 bis 1971, im Sprachgebrauch bis heute das Wort für „Cinemascope"24,3 %
2,37:1 (64:27)die Bildschirmwelt: der Wert, den die Schnittstellennorm hinter der Verkaufsbezeichnung „21:9" festlegt25,0 %
2,39:1das heutige Anamorphformat der 35-mm-Kinoprojektion, im Sprachgebrauch „Scope"25,6 %
2,40:1dieselbe Sache gerundet; die Form, in der die Kinoindustrie das Format angibt und in der Breitbildflächen bemaßt werden25,9 %

Was die Balken kosten — und wie sich das nachrechnen lässt

Die Prozentwerte der dritten Spalte sind eine einzige Division. Ein Bild wird immer so groß dargestellt, wie es vollständig auf die Fläche passt, und begrenzend ist dabei die Richtung, in der es dem Rand zuerst nahe kommt. Daraus folgt: Der genutzte Flächenanteil ist das kleinere der beiden Verhältnisse geteilt durch das größere, der Balkenanteil ist der Rest auf hundert Prozent.

Ein Kinofilm in 2,39:1 auf einer 16:9-Fläche nutzt also 1,7778 geteilt durch 2,39, das sind 74,4 Prozent — 25,6 Prozent der Fläche bleiben in den beiden waagerechten Balken. Eine alte Fernsehaufnahme in 4:3 nutzt 1,3333 geteilt durch 1,7778, das sind 75 Prozent, und die fehlenden 25 Prozent liegen diesmal links und rechts. Beide Extreme kosten die Fläche ungefähr gleich viel, und beide sind der Grund, warum eine Fläche im Fernsehformat als Kompromiss beschrieben wird.

Zwei Werte in der Tabelle fallen glatt aus, und das hat einen Grund. 2,37:1 ist 64:27, und 64:27 ist 16:9 noch einmal mit 4:3 multipliziert — deshalb bleibt dort genau ein Viertel übrig, ebenso wie bei 4:3 selbst. Dasselbe gilt für 1,90:1, wo die verwandte Zahl 256:135 exakt 6,25 Prozent ergibt.

2,35, 2,39 und 2,40 — dieselbe Sache in drei Zahlen

Diese drei Werte stehen nebeneinander in Prospekten, Datenblättern und Kundengesprächen, und sie beschreiben kein Nebeneinander von drei Formaten. Sie sind zwei Filmaperturen und eine Rundung.

Das anamorphotische 35-mm-Verfahren speichert ein horizontal gestauchtes Bild auf dem Filmstreifen und dehnt es bei der Vorführung wieder auseinander; das Verhältnis auf der Leinwand ist deshalb die zweifache Breite des Filmfensters geteilt durch seine Höhe. Die Höhe hat sich im Lauf der Zeit zweimal geändert:

  • Die Norm von 1957 für die anamorphotische Kopie mit Lichttonspur gibt 0,839 × 0,715 Zoll an. Das ergibt 2,35 — die Zahl, die eine ganze Generation von Zuschauern gelernt hat.
  • Ein Vorschlag vom September 1970, veröffentlicht als Norm im Oktober 1971, verkleinert das Fenster auf 0,838 × 0,700 Zoll, ausdrücklich um das Aufblitzen der Klebestellen am oberen Bildrand zu unterdrücken. Das ergibt 2,39.
  • Die Zusammenführung von 1993 bringt 0,825 × 0,690 Zoll und damit wiederum 2,39.

2,40:1 ist keine eigene Apertur. Es ist 2,39 auf zwei Nachkommastellen gerundet, und in dieser Form geben die Kinoindustrie und die Leinwandhersteller das Format an. Praktisch bedeutsam wird der Unterschied erst am Rahmenmaß: Bei 3,00 Metern Bildbreite ist eine Fläche in 2,35:1 rund 1,277 Meter hoch und eine in 2,40:1 rund 1,250 Meter — die knapp drei Zentimeter entscheiden darüber, ob ein Scope-Film exakt bis an die Kante läuft oder ein schmaler Streifen offen bleibt.

Für AVITECT ist der Wert festgelegt: Wer „Cinemascope" oder „21:9" bestellt, bekommt eine Fläche in 2,40:1. „21:9" ist dabei ein Verkaufsname für einen Formbereich und kein Maß — ausgerechnet ergibt er 2,333, und mit dieser Zahl lässt sich keine Leinwand bestellen. Geplant und bemaßt wird deshalb 2,40:1; 2,35:1 bleibt das historische Maß der Apertur bis 1971 und kommt nur dort vor, wo ein Datenblatt es ausdrücklich so angibt.

Was die Schnittstelle kennt

Zwischen Zuspieler und Anzeigegerät ist die Formatfrage enger geregelt, als der Blick auf die Tabelle vermuten lässt. Die Schnittstellennorm der Unterhaltungselektronik legt für das übertragene Bild genau fünf Verhältnisse fest: 4:3, 16:9, 64:27, 256:135 und 32:9. Alles andere kommt als eines dieser fünf über das Kabel, mit den Balken bereits im Bild.

Zwei Folgerungen daraus stehen quer zur Alltagssprache. Erstens ist ein Kinofilm in 2,39:1 auf einer Blu-ray oder im Stream ein 16:9-Signal, in dem oben und unten schwarze Zeilen mitübertragen werden — das Verhältnis 2,39:1 existiert an dieser Stelle als Bildinhalt und nicht als Signalformat. Zweitens fehlt 16:10 in dieser Aufzählung. Es kommt in derselben Norm nur bei den Kennungen für Monitorauflösungen vor und gehört damit zur Rechnerwelt; Datenprojektoren führen es aus dieser Herkunft heraus weiter.

Häufiges Missverständnis

„21:9 ist das Kinoformat." Der Ausdruck steht auf Fernsehern, Monitoren und in Testberichten und wirkt wie das dritte Glied einer Reihe neben 4:3 und 16:9. Ausgerechnet ergibt 21 geteilt durch 9 den Wert 2,333 — und in keiner Formatliste der Kinotechnik steht dieser Wert. Die beiden Formate in seiner Nähe sind 2,35:1 und 2,39:1, und beide sind eine andere Zahl. Auch die Schnittstelle kennt es nicht: Sie legt an dieser Stelle 64:27 fest, also 2,370, und führt „21:9" ausschließlich als informelle Beschriftung neben dem festgelegten Wert. Der Ausdruck ist eine Verkaufsbezeichnung für einen Formbereich, keine Angabe, mit der sich eine Leinwand bestellen lässt.

„Ein breiteres Format heißt ein größeres Bild." Auf einer festen Fläche gilt eher das Gegenteil. Wird die Bildhöhe von der Fläche vorgegeben, wächst mit dem Verhältnis nur die Breite; wird die Breite vorgegeben, schrumpft mit dem Verhältnis die Höhe, und die Bildfläche nimmt ab. Auf einer 16:9-Leinwand erscheint ein Kinofilm in 2,39:1 deshalb kleiner als die Nachrichtensendung davor, obwohl dasselbe Format im Lichtspielhaus für das größte Bild des Abends sorgt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Projektionsverhältnis: das Verhältnis von Projektionsabstand zu Bildbreite. Es beschreibt die Aufstellung des Geräts im Raum, das Seitenverhältnis dagegen die Form des Bildes. Beide Zahlen sehen ähnlich aus und beantworten verschiedene Fragen.
  • Auflösung: die Zahl der Bildpunkte, etwa 3840 × 2160. Aus ihr lässt sich das Seitenverhältnis ableiten, solange die Bildpunkte quadratisch sind — umgekehrt sagt das Seitenverhältnis über die Auflösung nichts.
  • Pixelseitenverhältnis: die Form eines einzelnen Bildpunkts. Wo sie von 1:1 abweicht, weicht das Bildseitenverhältnis vom Verhältnis der Punktzahlen ab; genau darauf beruht die anamorphotische Speicherung.
  • Bildwandlerformat: die Form des Chips im Projektor. Sie ist bei Heimkinogeräten fast immer 16:9 und bleibt es auch dann, wenn ein Breitbild auf die Leinwand kommt.

In der Planung

Ein Kunde bringt einen Ausdruck mit: 2,35:1, Leinwandbreite 3,20 Meter, motorische Maskierung. Bevor irgendein Maß bestellt wird, will die Frage darunter beantwortet sein — was läuft in diesem Raum überwiegend? Nennt der Kunde Kinofilme, ist die konstante Bildhöhe der richtige Bezug, und das Breitbildformat ergibt sich daraus. Nennt er Sport, Serien und Fernsehen, ist 16:9 die richtige Wahl, und der Ausdruck beschreibt einen Wunsch, den der Raum nicht einlöst.

Steht die Richtung fest, kommt das Verfahren. Ein Breitbildformat formatfüllend auf eine breite Fläche zu bringen, ist eine eigene Entscheidung mit eigenen Kosten — die Wege dorthin führt die anamorphe Projektion aus, den Umgang mit dem ungenutzten Rand die Maskierung der Bildfläche. Erst danach werden Zahlen zu Maßen: das Hausmaß 2,40:1, Rahmenmaß, Fahrweg der Blenden, und ob der Projektor die Formate über einen Objektivspeicher umschalten kann.

Ein Sonderfall gehört dazu, weil er die Formatfrage aufhebt: Eine rahmenlose Leinwand gibt kein Bildformat vor, weil ihr die Kante fehlt, an der ein Format ablesbar wäre. Das projizierte Bild bestimmt dort seine eigene Begrenzung.

Verknüpfte Inhalte

Welches Leinwandformat zu einem konkreten Raum passt, entscheidet die Wissensseite Welches Leinwandformat passt zu Dir; diese Seite hier nennt die Werte, jene wägt sie ab. Wie ein Breitbildfilm formatfüllend auf eine breite Fläche kommt, führt die anamorphe Projektion aus; was mit dem ungenutzten Rand geschieht, die Maskierung der Bildfläche. Die Bedienhilfe für den Formatwechsel am Gerät ist der Objektivspeicher. Welche Bauformen eine Bildfläche annehmen kann, klären die Leinwandbauformen, und der Fall ohne Formatvorgabe steht bei der rahmenlosen Leinwand. Woher der Kinocontainer mit 4096 × 2160 Bildpunkten in 1,90:1 kommt, klären DCI und Digital Cinema Package. Im Guide fällt die Formatentscheidung im Kapitel Leinwand auswählen.

Quellen

Die Zahlenwerte der gängigen Formate und ihre Herkunft stammen aus zwei Dokumenten der Unterhaltungselektronik-Normung: aus der Empfehlung zur Heimkino-Bildplanung die Angaben zu 4:3, 1,78:1, 1,85:1, 2,40:1 und zur Liste der historischen Kinoformate, aus der Schnittstellennorm die fünf festgelegten Bildseitenverhältnisse, die Einordnung von 64:27 und 256:135 sowie die Behandlung von 16:10. Die Aperturmaße der anamorphotischen 35-mm-Normen und der Grund für die Änderung von 1971 stammen aus einer technikgeschichtlichen Darstellung der Filmformate. Die IMAX-Werte und die Herkunft von 2,00:1 sind über benannte, datierte Fachbeiträge belegt. Die Prozentwerte der Balkenfläche und die Verhältnisse aus den Aperturmaßen sind eigene Rechnungen; ihr Weg steht im Text.

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