- Tiefe
- Fortgeschritten
- Relevanz
- nur bei Kombination
- Phasen
- Detail
KonzeptphaseFrühe Klärung: Raum, Nutzung und Budget — noch ohne Detailplanung.
Integration mit TV und Heimkino
Wie wird das Heimkino eine Zone Deines Systems, ohne dass der Kinoton Kompromisse macht?
Fernseher und MultiRoom-System teilen sich in den meisten Häusern denselben Raum, und aneinander stoßen sie an genau einer Stelle: bei der Zeit. Damit Deine Zonen sauber zusammen spielen, hält ein MultiRoom-System den Ton einen Moment zurück, bevor es ihn ausgibt — und dieselbe Wartezeit liegt danach zwischen dem Bild auf dem Fernseher und dem Ton aus dem Lautsprecher. Für die Nachrichten, die in der Küche mitlaufen, ist das folgenlos. Im Raum mit dem Bildschirm ist es der Grund, warum Kinoton und Musiksystem verschiedene Wege gehen. Dieses Kapitel klärt, welcher Raum welchen Weg bekommt, wie beide Ketten im selben Wohnzimmer nebeneinander arbeiten, was es kostet, wenn MultiRoom-Lautsprecher Surroundkanäle übernehmen — und ab wann Du im Heimkino-Guide weiterliest.
Musik im ganzen Haus und Fernsehton im ganzen Haus klingen nach derselben Aufgabe, sind aber zwei verschiedene. Musik darf überall einen Wimpernschlag später ankommen, solange alle Räume dasselbe tun — beim Fernsehen siehst Du dagegen die Lippen dazu, und ein Wimpernschlag Unterschied fällt sofort auf. Deshalb lautet die wichtigste Frage in diesem Kapitel, aus welchen Räumen Du auf den Bildschirm sehen kannst. Räume ohne Sicht darauf bekommen den Fernsehton bequem über Dein Musiksystem. Für den Raum mit dem Bild und für alles, was man von dort aus sieht, gibt es einen eigenen Weg, und der braucht Kabel.
Drei Sorten Raum, und erst danach Geräte
Bevor irgendein Datenblatt aufgeschlagen wird, teilst Du Dein Zuhause in drei Gruppen ein. Die Einteilung entscheidet mehr als die Wahl der Marke, und sie hält sich auch dann, wenn die Geräte später einmal gewechselt werden.
Die Räume ohne Sicht auf ein Bild sind der einfache Fall: Bad, Schlafzimmer, Werkstatt, Garten. Dort läuft der Fernsehton über Dein MultiRoom-System mit, und dass er dem Bild im Wohnzimmer hinterherhinkt, merkt niemand — es gibt keine Vergleichsgröße im Raum. Für diese Räume ist die Verteilung des Fernsehtons über das System die richtige, bequemste und billigste Lösung.
Der Raum mit dem Bildschirm ist der Gegenpol. Hier zählt jede Millisekunde zwischen Bild und Ton, hier hängt der Ton an der Kinokette, und hier hat das MultiRoom-System eine andere Aufgabe als die Filmwiedergabe. Wie diese beiden Ketten in einem Zimmer nebeneinander arbeiten, klärt der übernächste Abschnitt.
Dazwischen liegen die Räume mit Sichtachse, und sie sind der Fall, den Planungen regelmäßig übersehen. Eine offene Küche, ein Essbereich, eine Galerie über dem Wohnzimmer: Von dort hörst Du den Ton aus der Zone und siehst gleichzeitig das Bild. Genau dort wird ein Versatz sichtbar, und dann hilft für diesen einen Raum nur noch ein anderer Weg. Weil moderne Grundrisse offen gebaut werden, ist diese mittlere Gruppe größer, als sie klingt — im selben Bereich liegen oft drei Zonen, und mindestens eine davon hat freie Sicht auf den Fernseher.
Welche technischen Wege es für die Verteilung gibt — über den AV-Receiver als Quelle der Plattform, über die Plattform der Soundbar oder über die verkabelte zweite Zone des Receivers —, führt die Seite Fernseh- und Heimkino-Ton in andere Zonen verteilen vollständig aus, mitsamt der unangenehmen Eigenschaft, dass die Antwort je nach Gerätegeneration verschieden ausfällt. Für die Planung folgt daraus eine Arbeitsregel: Gefragt wird immer nach dem einzelnen Gerät, und beantwortet wird die Frage am Handbuch seiner Baureihe.
Warum der Ton in der Zone dem Bild nachläuft
Der Grund für die Verzögerung ist eine bewusste Entscheidung der Systeme und kein Mangel eines Produkts. Ein MultiRoom-System sammelt den Ton vor der Ausgabe in einem Puffer, und dieser Vorrat ist es, der Aussetzer im Hausnetz abfängt und alle Zonen auf denselben Takt bringt. Worin sich diese gepufferte Welt von der Echtzeitübertragung unterscheidet, obwohl beide dasselbe Kabel benutzen, arbeitet Multiroom-Plattform oder Audio over IP auf. Für dieses Kapitel zählt die Folge: Ruhe im Netz und Gleichlauf zwischen den Zonen kosten Zeit, und diese Zeit fehlt gegenüber dem Bild.
Wie eng die Grenze sitzt, ist gemessen und richtungsabhängig. Ein Ton, der dem Bild nachläuft, kennt Dein Gehör aus der Natur — beim Gewitter kommt der Donner nach dem Blitz —, und deshalb hält es einiges davon aus. Ein Ton, der dem Bild vorauseilt, kommt in der Natur nicht vor und fällt entsprechend früher auf. Die Zahlen zu beiden Richtungen stehen bei der Zeitlage von Ton und Bild; der Netzwerkpuffer liegt eine Größenordnung darüber. Ein Plattformanbieter benennt den Anwendungsfall seiner Gruppen-Tonverzögerung deshalb selbst mit der Bedingung, dass es auf die Übereinstimmung von Ton und Bild gerade nicht ankommt.
Die zweite Eigenschaft jedes Wegs durchs Netz betrifft die Kanäle: Mehrkanalton kommt in den anderen Zonen zweikanalig an. Ein Hersteller beschreibt das für die eigene Plattform ausdrücklich, und es folgt schlicht daraus, dass in den Nebenräumen einzelne Stereo-Geräte stehen. Für Nachrichten, Sport und eine Serie im Hintergrund ist das genau richtig. Ein Spielfilm verliert auf diesem Weg das, was ihn ausmacht, und gewinnt nichts dazu — die Nachfrage, was der Kunde beim Wunsch „Ton im ganzen Haus" wirklich vorhat, spart später viel Enttäuschung.
Von beiden Eigenschaften gibt es eine Ausnahme, und sie hat einen Preis in Metern: die verkabelte zweite Zone eines AV-Receivers. Dort läuft kein Netzwerkpuffer mit, der Ton bleibt synchron zum Bild, und deshalb ist dieser Weg die Antwort für jeden Raum aus der mittleren Gruppe. Bezahlt wird er mit einer Leitung, die im Neubau günstig und im fertigen Haus teuer ist, mit einer Bedienung, die am Receiver hängt und nicht in der Musik-App auftaucht, und mit einer Quellenauswahl, die je nach Gerät eng ausfällt — welche Eingänge in die zweite Zone dürfen, legt der Hersteller fest. Wann diese Leitung gelegt sein muss, gehört zu Kapitel 14.
Der Wohnzimmerfall: zwei Ketten in einem Raum
Im Raum mit dem Bildschirm treffen zwei Systeme aufeinander, die beide Lautsprecher ansteuern wollen. Dafür gibt es zwei saubere Anordnungen, und beide sind in ihren jeweiligen Häusern richtig.
Zwei Ketten nebeneinander. Der Fernsehton läuft über Soundbar oder AV-Verstärker auf die Lautsprecher der Kinokette, und die MultiRoom-Zone des Raums hat eigene Lautsprecher, meist in der Decke. Musik und Film stören einander nie, jede Kette behält ihre Stärken, und die Zone lässt sich gruppieren wie jede andere im Haus. Der Preis sind zwei Bedienwelten in einem Zimmer. Die Kinokette schaltet sich über den Steuerkanal im HDMI-Kabel selbst zurecht — Fernseher, Zuspieler und Verstärker sagen einander, wer angeht und auf welchen Eingang, wie HDMI CEC beschreibt. Ein vernetzter Musikspieler hängt an keiner HDMI-Buchse und damit auch nicht an diesem Bus; er bekommt vom Umschalten nichts mit. Wer will, dass ein einziger Tastendruck den Film startet und die Musik ausmacht, braucht dafür eine Bedienebene über beiden Ketten — das ist Kapitel 15.
Eine gemeinsame Kette. Die Lautsprecher des Raums hängen am AV-Verstärker, und das MultiRoom-System speist ihn als Quelle über einen seiner Eingänge. Das spart Lautsprecher und macht die Bedienung im Raum einheitlich. Es hat aber zwei Folgen, die vor dem Einbau auf den Tisch gehören: Für Musik muss der Verstärker laufen und auf dem richtigen Eingang stehen, also geht im Zweifel ein großes Gerät für eine Playlist an. Und ob dieser Raum sich mit den übrigen Zonen gruppieren lässt, hängt daran, ob der Verstärker seinerseits als Mitglied des Musiksystems auftritt. Was hinter dieser Buchse mit dem Signal geschieht, wer die Lautstärke regelt und über welche Wege der Verstärker überhaupt angeht, wenn jemand in der App auf Start drückt, arbeitet Das MultiRoom-System als Quelle eines AV-Verstärkers im Einzelnen aus.
Die Entscheidung fällt je Raum und nicht fürs ganze Haus. Ein Wohnzimmer, in dem abends Filme laufen und tagsüber Musik, ist mit zwei Ketten meist besser bedient; ein Fernsehzimmer, in dem Musik nur nebenher läuft, kommt mit einer aus.
Wenn MultiRoom-Lautsprecher Surroundkanäle werden
Viele Plattformen erlauben es, zwei ihrer Lautsprecher als hintere Kanäle an ein Heimkino-Gerät derselben Marke zu binden. Das ist verlockend, weil im Regal ohnehin zwei passende Geräte stehen — und es hat eine Folge, die im Prospekt selten auftaucht.
Gebundene Geräte verhalten sich nach außen wie ein einziges Gerät. Der Hersteller einer großen Plattform sagt das in seiner Entwicklerdokumentation ausdrücklich: Ein Stereopaar, ein Subwoofer und ein Surround-Satz sind für das System je ein logischer Teilnehmer. In der Planungssprache heißt das: Aus zwei Zonen wird eine, und die gehört ab sofort dem Fernseher. Die beiden Lautsprecher stehen dem Haus nicht mehr als eigene Zone zur Verfügung — sie lassen sich weder getrennt bedienen noch einzeln in eine Gruppe nehmen. Wenn dieselben Geräte vorher das Gästezimmer beschallt haben, ist das ein Verlust und keine Zugabe.
Dazu kommt eine harte Bindung an die Marke. Welche Geräte überhaupt Surroundkanäle werden dürfen, an welches Hauptgerät und ab welchem Softwarestand, legt der Hersteller fest; über Plattformgrenzen hinweg geht es gar nicht. Von der Kinoseite her gibt es dafür eigene Wege — Funk-Sets mit einer Mehrkanalübertragung wie WiSA oder die Rücklautsprecher, die zu einer Soundbar gehören. Welcher davon zu Deinem Raum passt, entscheidet der Heimkino-Guide, und zwar an der Bildseite zuerst.
Typische Missverständnisse
„Ich nehme eine Soundbar meiner MultiRoom-Marke, dann ist das Wohnzimmer erledigt." Für den Fernsehton in diesem einen Raum stimmt das, und bequem ist es auch: eine App, ein Konto, keine zusätzliche Verkabelung. Zwei Fragen bleiben trotzdem offen. Wie gut die Bar Film kann, entscheidet sich an ihrem Raum und ihrer Bestückung und nicht an der Plattform — das ist eine Heimkino-Frage. Und der Ton, den sie in andere Zonen weitergibt, ist derselbe verzögerte Stereo-Ton wie bei jedem anderen Weg durchs Netz.
„Wenn der Fernsehton überall läuft, kann ich auch überall Fußball schauen." Überall hören ja, überall sehen nein. Sobald in einem zweiten Raum ein Bildschirm steht oder von dort aus der erste sichtbar ist, hörst Du den Jubel messbar vor oder nach dem Tor. Räume mit Bild bekommen deshalb einen eigenen Weg, und diese Liste schreibst Du beim Planen der Zonen auf, nicht bei der Inbetriebnahme.
„Mein Fernseher kann eARC, also kommt Atmos in alle Zonen." Hier werden zwei Fragen an einem Kabel verwechselt. eARC und ARC entscheiden, welches Tonformat vom Fernseher zurück zum Verstärker kommt — die ältere Stufe kann so viel wie eine S/PDIF-Verbindung, die neuere lässt auch die verlustfreien Formate durch. Das betrifft ausschließlich den Raum mit dem Bildschirm. Der Weg von dort in die anderen Zonen ist eine zweite Strecke mit eigenen Regeln, und auf ihr wird zu Stereo gemischt, gleichgültig wie gut der Ton am Verstärker angekommen ist.
Grenzen und Sonderfälle
Drei Fälle liegen dicht an diesem Kapitel und gehören woanders hin.
Ab wann es kein MultiRoom mehr ist. Über die Grenze entscheidet die Aufgabe der Lautsprecher; ihre Zahl sagt darüber nichts. Eine Zone ist ein Bereich, den Du unabhängig bedienst — eigene Quelle, eigene Lautstärke, eigenes Ein und Aus. Ein Kanalverbund ist eine einzige Wiedergabe, verteilt auf Front, Center, Surround und Höhe, die im Zeitverhalten auf Mikrosekunden zusammenpassen muss. Sobald ein Raum das braucht, planst Du ein Heimkino und liest im Heimkino-Guide weiter, der Raum, Bild, Layout und Kalibrierung in der richtigen Reihenfolge durchgeht; welche Bar zu Deinem Zimmer passt, prüft dort das Kapitel Soundbar auswählen. Dieses Kapitel bleibt bei der Frage, wie das Ergebnis danach mit dem Rest des Hauses zusammenarbeitet. Wann eine Zone überhaupt zwei Lautsprecher braucht, klärt Kapitel 7.
Der offene Wohnbereich, der zum Kinoraum gehört. Wenn ein angrenzender Bereich zeitgleich zum Bild spielen soll, weil er akustisch derselbe Raum ist, gehört er nicht auf eine Multiroom-Plattform. Dafür braucht es eine Übertragung mit gemeinsamer Uhr und festgelegter, kurzer Verzögerung, wie sie Audio over IP beschreibt — oder schlicht Lautsprecherkabel vom Verstärker im Kinoraum.
Wer wem den Ton wegschaltet. Startet jemand den Film, während im Bad Radio läuft, ist das eine Frage von Rechten und Gewohnheiten und keine Frage der Verkabelung. Kapitel 11 behandelt sie für das ganze Haus, und was beim Gruppieren mit der laufenden Quelle passiert, steht in Kapitel 12.
Kurz gefasst — und wie es weitergeht
Am Anfang steht die Zeitfrage: Der Puffer, mit dem ein MultiRoom-System seine Zonen zusammenhält, liegt danach zwischen Bild und Ton — Fernsehton im ganzen Haus funktioniert, lippensynchron ist er außerhalb des Fernsehraums nicht. Daraus folgt die Aufteilung, die Du vor jedem Gerät vornimmst: Räume ohne Sicht aufs Bild bekommen den Ton über das System, der Raum mit dem Bildschirm hängt an der Kinokette, und die Räume mit Sichtachse brauchen einen Weg ohne diesen Puffer — die verkabelte zweite Zone des Receivers oder eine Übertragung mit gemeinsamer Uhr. Und dazu kommt eine Warnung: Werden MultiRoom-Lautsprecher zu Surroundkanälen, hören sie auf, eigene Zonen zu sein; das Haus tauscht damit, statt zu erweitern.
Damit steht der nächste Schritt fest. Das Kapitel Integration mit HiFi nimmt sich die andere Nachbarwelt vor: die Stereoanlage, die eine Zone werden soll, ohne dass das konzentrierte Hören darunter leidet.
Verknüpfte Inhalte
Die Reihenfolge aller Schritte zeigt der MultiRoom-Audio-Guide. Die technischen Wege des Fernsehtons in andere Räume und ihre Abhängigkeit von der Gerätegeneration führt Fernseh- und Heimkino-Ton in andere Zonen verteilen aus; warum eine Multiroom-Plattform großzügig puffert und eine Echtzeitübertragung nicht, klären Multiroom-Plattform oder Audio over IP und Audio over IP. Die Schwellen, ab denen ein Versatz zwischen Ton und Bild auffällt, beziffert die Zeitlage von Ton und Bild, das technische Gegenmittel beschreibt Delay. Was über das HDMI-Kabel zurück zum Verstärker kommt, hängt an eARC und ARC; wie sich die Geräte einer Kinokette gegenseitig schalten, an HDMI CEC. Die Gerätegattung im Wohnzimmer beschreibt Soundbar, die drahtlose Mehrkanalübertragung zu Lautsprechern WiSA; wo eine Zone aufhört und ein Kanalverbund anfängt, sagt Zone. Wie eine Plattform gebundene Geräte behandelt, steht bei Sonos, und was ein AV-Verstärker als Endstufe einer Zone aus dem Signal macht, Das MultiRoom-System als Quelle eines AV-Verstärkers. Für die Bildseite und alles, was zum Kino gehört, ist der Heimkino-Guide zuständig.
Quellen
Die Einteilung in drei Sorten Raum und die beiden Anordnungen für den Wohnzimmerfall sind AVITECT-eigene Setzungen aus der Planungspraxis. Belegt auf den verlinkten Seiten sind dagegen die Aussagen, an denen das Kapitel hängt: dass Mehrkanalton für die anderen Räume auf Stereo heruntergemischt wird und dass ein Plattformanbieter den Anwendungsfall seiner Gruppen-Tonverzögerung selbst an die Bedingung knüpft, die Übereinstimmung von Ton und Bild sei nicht entscheidend — beides Herstellerdokumentation. Ebenfalls herstellerbelegt sind die Fähigkeitsgrenzen von ARC und eARC, der Steuerkanal CEC im HDMI-Kabel und der Umstand, dass gebundene Geräte einer Plattform sich nach außen wie ein einziges verhalten. Die Schwellen für den Versatz zwischen Ton und Bild stammen aus einer Empfehlung der Internationalen Fernmeldeunion und stehen mit Zahlen auf der Glossarseite.