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Fortgeschritten

Reflexionsgrad im Bildnahbereich (Performance Level Licht)

Wie dunkel und wie matt müssen die Wände und die Decke neben der Leinwand sein — und was kostet mich eine helle Wand an Performance Level?

Diese Kategorie prüft, wie viel Licht die Flächen rund um die Leinwand zurückwerfen. Gemeint sind die Wände links und rechts der Bildfläche, die Decke davor und der Boden davor — der Bereich, den das Bildlicht zuerst trifft, wenn es an der Leinwand vorbeiläuft oder von ihr gestreut wird.

Anders als beim Restlicht geht es hier nicht um Fremdlicht von außen. Das Licht, um das es geht, kommt aus dem Bild selbst. Es verlässt die Leinwand, trifft eine helle Wand, kommt von dort zurück auf die Leinwand und legt sich als gleichmäßiger Schleier über das Bild. Nach dem Restlicht ist das die zweitschwerste Kategorie der Licht-Domäne; im Register läuft sie als LIC-REFL.

Ein weiß gestrichenes Zimmer wirkt bei derselben Lampe deutlich heller als ein dunkel gestrichenes. Die Wände leuchten nicht selbst, sie geben nur zurück, was auf sie fällt. Genau das passiert im Kino mit Deinem Filmbild: Helle Wände neben der Leinwand fangen das Licht des Films auf und werfen einen Teil davon zurück aufs Bild. Dunkle Szenen werden dadurch grau, Farben blasser — und zwar auch dann, wenn Dein Projektor tadellos arbeitet. Ein matter, dunkler Anstrich rund um die Leinwand ist deshalb eine der billigsten Verbesserungen, die Du an einem Heimkino vornehmen kannst.

Was gemessen wird

Gewertet wird der Reflexionsgrad der bildnahen Flächen: der Anteil des auftreffenden Lichts, den eine Fläche zurückwirft, angegeben in Prozent. Frisches Weiß liegt bei etwa 80 bis 90 %, ein mittleres Grau bei rund 20 %, ein tiefes Kinoschwarz bei wenigen Prozent.

Die Besonderheit steckt in der Statistik. Gewertet wird nicht der Durchschnitt aller Flächen, sondern der P90-Wert — der Wert, den 90 % der Messpunkte unterschreiten. Maßgeblich ist damit die hellste Zehnergruppe der gemessenen Flächen. Der Grund ist eine Grundregel des ganzen Level-Systems: Größe und Ausbau sollen kein Level kaufen können. Ein Mittelwert lässt sich durch viel dunkle Fläche schönrechnen — wer drei Wände schwarz streicht und die vierte weiß lässt, kommt im Schnitt gut weg, obwohl genau diese eine Wand das Bild verdirbt. Der P90-Wert lässt sich so nicht bearbeiten: Er zeigt auf die hellsten Stellen, und das sind die, die stören.

Zur Zahl kommt eine zweite Bedingung: der Glanzgrad. Zwei Flächen mit demselben Reflexionsgrad verhalten sich völlig verschieden, je nachdem, ob sie matt oder glänzend sind. Eine matte Fläche streut das Licht in alle Richtungen und schickt nur einen kleinen Teil zurück zur Leinwand. Eine glänzende Fläche wirft es gerichtet zurück — sie wird zum Spiegel und liefert im schlimmsten Fall ein sichtbares Abbild des Bildes an der Wand. Lackierte Türblätter, Glasvitrinen, gerahmte Bilder und Hochglanz-Sockelleisten fallen in diese Kategorie, auch wenn ihr Reflexionsgrad unauffällig ist.

Wie weit der Bildnahbereich reicht, ist inzwischen festgelegt: die Wandflächen bis 60 Grad seitlich vom Referenzsitz rund um das Bild herum, die Decke bis eine Bildhöhe oberhalb der Bildoberkante und der Boden vor der ersten Sitzreihe. Gemessen wird an mindestens fünf Stellen, darunter zwingend die ungünstigste helle Fläche — sonst ist die P90-Angabe nicht belastbar. Zum Einsatz kommt ein Reflektometer oder eine vergleichende Leuchtdichtemessung gegen eine Referenzkarte bei bekannter Beleuchtung.

Die Leiter L1 bis L5

Die Stufen unterscheiden sich darin, wie dunkel die hellsten bildnahen Flächen höchstens sein dürfen. Wie beim Restlicht gilt: je kleiner die Zahl, desto besser.

StufeReflexionsgrad bildnaher Flächen (P90)
L5höchstens 5 % ◦, dazu so wenig Glanz, dass vom Referenzsitz keine Spiegelung des Bildes auf einer bildnahen Fläche sichtbar ist
L4höchstens 10 % ◦
L3höchstens 20 % ◦
L2höchstens 40 % ◦
L1über 40 % ◦, unbehandelt helle Flächen im Bildnahbereich oder nicht gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

In Räumen, wie es sie gibt, heißt das: Eine weiße Wohnzimmerwand verfehlt mit ihren 80 bis 90 % schon die L2-Schwelle um mehr als das Doppelte und liegt damit in L1. Ein mittleres Grau, wie es in Wohnräumen als Kompromissanstrich häufig gewählt wird, landet bei L3. Die oberen beiden Stufen verlangen ein dunkles Grau bis Schwarz mit stumpfmatter Oberfläche — und zwar für alle bildnahen Flächen, die Decke eingeschlossen. Genau daran scheitern die meisten sonst gut geplanten Räume: Wände werden dunkel gestrichen, die weiße Decke bleibt.

Keine dieser Zahlen steht in einer Norm; sie werden derzeit geprüft. Am belastbarsten sind die mittleren Stufen mit 20 und 10 %; die oberste und die unterste Stufe stehen am weitesten offen.

Warum diese Kategorie als wichtigste Kalibrieraufgabe gilt

Ein Punkt gilt in dieser Kategorie als sicher: Der Reflexionsgrad der bildnahen Flächen hängt eng mit dem ANSI-Kontrast des Bildes zusammen. Wie eng genau, wird gerade untersucht — es ist die wichtigste offene Messfrage der ganzen Licht-Domäne.

Der ANSI-Kontrast ist die Messgröße der Bild-Kategorie Kontrast. Gemessen wird er mit einem Schachbrettmuster aus hellen und dunklen Feldern, das gleichzeitig auf der Leinwand steht — anders als beim Sequenzkontrast, bei dem ein Vollweiß- und ein Vollschwarzbild nacheinander gemessen werden. Der Schachbrettkontrast bildet die Situation des echten Films ab, in dem helle und dunkle Bildteile immer gleichzeitig zu sehen sind.

Und genau hier greift der Raum ein. Das Licht der weißen Schachfelder verlässt die Leinwand, trifft die Wände, kommt zurück und landet teilweise in den schwarzen Feldern. Die schwarzen Felder werden dadurch heller, der gemessene Kontrast sinkt. Das Gerät hat sich nicht verändert — der Raum hat den Messwert verschlechtert. Deshalb misst ein und derselbe Projektor im dunklen Kinoraum ein Vielfaches des Kontrastwerts, den er im weiß gestrichenen Wohnzimmer erreicht, und deshalb sagen Kontrastangaben aus dem Datenblatt über das Bild in Deinem Raum wenig aus. Die Kontrastkategorie der Bild-Domäne wird folgerichtig in-situ gemessen, also im fertigen Raum.

Die Kalibrieraufgabe besteht darin, diesen Zusammenhang zu beziffern: Um wie viel sinkt der gemessene ANSI-Kontrast, wenn der Reflexionsgrad der bildnahen Flächen von 5 auf 20 % steigt? Erst mit dieser Kurve lassen sich die Schwellen beider Kategorien so aufeinander abstimmen, dass sie dieselbe Wirkung beschreiben und nicht zweimal dieselbe Sache bestrafen.

Wie sicher die Zahlen sind

Sicher ist die Einordnung: Die Kategorie gilt als nicht kritisch, und die Kopplung an den Kontrast ist ihr zentraler Punkt. Ihr Gewicht ist neu auf 22 % der Licht-Domäne festgelegt; die frühere Spanne von 20 bis 25 % ist damit aufgelöst, und die fünf Kategorien der Domäne summieren sich mit 40, 22, 19, 12 und 7 % auf 100. Der Wert ist ein Arbeitsstand und wird bis zur Kalibrierung an Projekten geprüft, ebenso die Schwellenwerte selbst.

Keine Stufe steht in einer Norm. Die Größenordnung ist trotzdem robust, weil der Schritt von Stufe zu Stufe den Reflexionsgrad halbiert und Materialtoleranzen und Alterung darunter bleiben.

Für Projektion und Display gilt dieselbe Reihe. Der Bildnahbereich und die P90-Statistik wirken bei beiden Bauarten gleich: Ein Display beleuchtet die Wand daneben genauso wie eine Leinwand, nur mit geringerer Reichweite.

Die Zahlenreihe und die Abgrenzung des Bildnahbereichs werden derzeit geprüft. Was davon hält, zeigen die ersten Messungen — und ihre wichtigste Aufgabe ist die Korrelation zum Kontrast.

Was daraus für die Planung folgt

Die Reihenfolge beginnt beim Zuschnitt: Wie viel Wandfläche steht überhaupt nah am Bild? Ein Raum, in dem die Leinwand mit Abstand vor einer breiten Wand hängt, hat mehr störende Fläche als einer, in dem sie in eine Nische einrückt. An dieser Stelle lässt sich am meisten gewinnen, und zwar ohne Materialkosten.

Dann folgt die Oberflächenwahl — Farbe und Glanzgrad zusammen, nicht nacheinander. Ein tiefes Grau in seidenglänzender Ausführung kann schlechter abschneiden als ein helleres Grau in stumpfmatt. Wo eine dauerhaft dunkle Wand nicht gewollt ist, sind textile Lösungen der übliche Weg: Molton-Bahnen oder Akustikstoff über den bildnahen Flächen lösen die Licht- und die Akustikaufgabe in einem Zug.

Erst danach kommt das Gerät ins Spiel, und hier lohnt eine Warnung: Der Reflex, gegen einen flauen Raum mit mehr Projektorleistung anzugehen, verschlimmert die Lage. Mehr Licht auf der Leinwand heißt mehr Licht auf den Wänden und damit mehr Rückwurf ins Bild. Der Kontrast wird dadurch schlechter, nicht besser. Dasselbe gilt für eine Leinwand mit hohem Gain: Sie erhöht die Helligkeit auf Kosten der Gleichmäßigkeit und ändert am Rückwurf der Wände nichts.

So lässt sich das planen

Der Planungseingang liegt hier bereits auf dem Tisch: die Materialliste der Flächen rund um das Bild. Jede RAL-, NCS- oder Herstellerfarbkarte nennt zu ihrem Ton den Hellbezugswert in Prozent, und dieser Wert geht unverändert auf die Leiter. Für schwarze Wandbespannung gilt die Herstellerangabe, meist unter fünf Prozent. Gewertet wird die ungünstigste helle Fläche und nicht der Mittelwert über den Raum. Auch die Bedingung der obersten Stufe steht im Datenblatt: Sie verlangt eine stumpfmatte Ausführung.

Damit gehört diese Kategorie zu den wenigen, die vollständig am Reißbrett entschieden werden. Sie ist leicht planbar, und die Vorhersage kennt keine Obergrenze — auch L5 lässt sich zusagen, weil die Abnahme später denselben Zahlen nachgeht. Steht die Materialwahl noch nicht fest, fehlt allerdings der Eingang, und die Kategorie bleibt im Profil ohne Stufe.

Auch der Nachweis ist wohlfeil: ein Reflektometer oder eine vergleichende Messung gegen eine Referenzkarte, an mindestens fünf Stellen. Die Abnahme ist im Standardumfang enthalten und erscheint im Kurzprotokoll bei der Übergabe. Der Normalweg ist die geplante Einstufung; die gemessene folgt auf Kundenwunsch.

Verknüpfte Inhalte

Was Reflexion physikalisch ist und wie sich gerichtete und diffuse Rückwürfe unterscheiden, klärt der Eintrag zur Reflexion. Warum das Auge Helligkeit immer im Vergleich zur Umgebung beurteilt, erklärt der Simultankontrast; die Messgrößen des Kontrasts selbst stehen beim Kontrastverhältnis.

Wo diese Kategorie neben dem Restlicht und den drei übrigen Licht-Kennwerten steht, vergleicht Performance Level: Bild & Licht. Dass AVITECT die Anlagenqualität überhaupt in Stufen misst, begründet Performance Level.

Quellen

Messgröße, Statistik, Schwellenwerte und Gewichtung stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Für keine der Stufen liegt ein Normtext vor.

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