Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

Restlicht an der Bildfläche (Performance Level Licht)

Wie dunkel muss mein Kinoraum werden — und wie wird der Verdunkelungsgrad für das Performance Level gemessen und bewertet?

Diese Kategorie prüft eine einzige Frage: Wie viel Fremdlicht liegt auf Deiner Bildfläche, wenn das Bildgerät aus ist? Alles, was dort ohne Zutun des Projektors leuchtet, kommt aus dem Raum — durch Fensterritzen, unter der Tür hindurch, von Standby-Leuchten, aus dem Nachbarzimmer. Bewertet wird deshalb der Raum als Lichtumgebung, unabhängig davon, was das Gerät anschließend leistet; im Register läuft die Kategorie als LIC-REST.

Unter allen Kategorien der Licht-Domäne ist das die schwerste: 40 % Gewicht, und als einzige der Domäne gilt sie als kritisch. Damit steht sie mit weitem Abstand vor der zweitplatzierten Kategorie, dem Reflexionsgrad im Bildnahbereich — zwei Fünftel der gesamten Licht-Note entscheiden sich an dieser einen Messung.

Die Verteilung der Domäne ist inzwischen vollständig festgelegt: 40 % Restlicht, 22 % Reflexionsgrad im Bildnahbereich, 19 % Betriebs- und Wegelicht, 12 % Bias-Licht und 7 % Kopplung von Licht und Betriebszustand, zusammen 100 %. Die vier kleineren Werte sind ein Arbeitsstand und werden mit der Kalibrierung geprüft; die 40 % dieser Kategorie stehen fest.

Stell Dich in Deinen Kinoraum, schalte alles aus und warte fünf Minuten, bis sich Deine Augen umgestellt haben. Was Du dann noch erkennst — die Umrisse der Leinwand, das Fenster, den hellen Streifen unter der Tür —, ist genau das Licht, das später Deinem Film im Weg steht. Es macht dunkle Szenen grau und flach, egal wie gut Dein Gerät ist. Diese Seite legt fest, wie dunkel es sein muss, damit ein Raum eine bestimmte Stufe erreicht. Und weil man einen zu hellen Raum später kaum noch heilen kann, entscheidet dieser Punkt mehr als jeder andere in der Licht-Bewertung.

Was gemessen wird

Gewertet wird die Leuchtdichte der Bildfläche bei ausgeschaltetem Gerät, angegeben in Candela pro Quadratmeter (cd/m²). Das Messgerät zielt also auf die Leinwand oder das Panel und erfasst, wie hell diese Fläche für den Zuschauer erscheint; die allgemeine Helligkeit im Raum bleibt dabei außen vor.

Naheliegender wäre die Beleuchtungsstärke im Raum in Lux — sie ist mit jedem Luxmeter zu erheben. Sie beschreibt aber das Licht, das irgendwo im Raum ankommt, und nicht das Licht, das der Zuschauer auf dem Bild sieht. Zwischen beiden liegt die Fläche selbst: Eine helle, stark reflektierende Leinwand macht aus derselben Lux-Zahl eine deutlich hellere Bildfläche als eine kontraststarke Tuchoberfläche. Die Lux-Messung bleibt trotzdem im Protokoll, aber als Planungs- und Ursachenwert — sie zeigt, wo das Licht herkommt, während die Leuchtdichte zeigt, was es anrichtet.

Gemessen wird zweimal: bei Tag und bei Nacht. Gewertet wird der ungünstigere der beiden Werte. Ein Raum, der nachts perfekt schwarz wird, mittags aber Streulicht durch die Rollladenkästen bekommt, wird also nach dem Mittagswert eingestuft. Das ist die härtere Regel, und sie ist bewusst so gewählt: Ein Kino, das nur nach Sonnenuntergang funktioniert, hat nicht die Eigenschaft, die hier bewertet wird.

Gemessen wird an mindestens drei Stellen: in der Bildmitte und an zwei Randbereichen in Richtung der vermuteten Lecks. Der Raum steht dabei im vereinbarten Filmbetrieb — Verdunkelung geschlossen, Lichtszene so geschaltet, wie sie für den Filmabend zugesichert ist. Ein anderer Zustand ergibt eine andere Zahl, und dann beschreibt die Messung nicht mehr die Anlage, die abgenommen wird.

Die Tagmessung zählt erst, wenn draußen an der Fassade mindestens 10 000 Lux anliegen; dieser Außenwert wird mitgemessen und ins Protokoll geschrieben. Bei bedecktem Himmel oder tief stehender Sonne wird die Messung also wiederholt, statt einen zu günstigen Wert festzuhalten.

Eine Feldmessung streut um rund zehn bis zwanzig Prozent; die Stufen liegen mit dem Faktor 1,7 bis 3 deutlich darüber und lassen sich damit auseinanderhalten. Unterhalb von 0,01 cd/m² braucht es ein Messgerät mit entsprechender Auflösung; fehlt es, gilt der Wert als nicht verifizierbar, und es wird keine Zahl geschätzt.

Die Leiter L1 bis L5

Die Stufen unterscheiden sich allein darin, wie dunkel die Bildfläche bei ausgeschaltetem Gerät sein muss. Anders als bei den meisten Kennwerten gilt hier: je kleiner die Zahl, desto besser.

StufeLeuchtdichte der Bildfläche, Gerät aus
L5höchstens 0,01 cd/m² (Review-Room-Klasse), dazu kein örtlich begrenzter heller Fleck auf der Bildfläche
L4höchstens 0,03 cd/m² (Theater-Klasse)
L3höchstens 0,05 cd/m² ◦
L2höchstens 0,15 cd/m² ◦
L1über 0,15 cd/m² ◦, unkontrolliertes Tageslicht auf der Bildfläche oder nicht gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Die Zusatzbedingung auf L5 zielt auf Standby-Leuchtdioden, Türspalte, Lüftungsauslässe und Notlichter — alles, was einen begrenzten Bereich der Fläche aufhellt. Sie steht dort, weil 0,01 cd/m² nahe an der Auflösungsgrenze üblicher Feldmesstechnik liegt; die örtliche Gleichmäßigkeit trennt die oberste Stufe zuverlässiger als eine weitere Nachkommastelle.

Inzwischen stützt ein zweites Dokument diese Bedingung: Das Bulletin CEB23-B der Verbände CTA und CEDIA verlangt für das Heimkino, dass Umgebungslicht gerichtet und blendfrei bleibt und keinen hellen Fleck auf der Bildfläche erzeugt. Dasselbe Dokument nennt dazu eine Vorprüfung, die ohne Messgerät auskommt: ein weißes Vollfeld auf die Fläche geben und hinsehen. Sind darin Wandfarben zu erkennen oder spiegelt sich etwas, ist das Restlichtproblem sichtbar, bevor das Spotmeter ausgepackt wird. Zahlenwerte für die vier Stufen enthält CEB23-B keine — dafür bleiben SMPTE RP 431-2 und die eigene Ausarbeitung die Grundlage.

Der Abstand zwischen den Stufen ist groß: Von L2 zu L5 liegt ein Faktor 15. Das entspricht der Sache — Verdunkelung verbessert sich in Größenordnungen, selten in Prozentschritten. Die weitesten Sprünge liegen an den Enden der Leiter: Von L2 auf L3 und von L4 auf L5 ist das verbleibende Fremdlicht jeweils zu dritteln, dazwischen genügt gut ein Drittel weniger. Oben sind die letzten Hundertstel dabei die schwierigsten, weil sie fast immer aus zwei, drei sehr konkreten Lecks kommen: Türspalt, Fensterlaibung, Lüftungsauslass, Geräte-Leuchtdioden.

Zur Einordnung: Das Schwarz eines guten Projektors auf der Leinwand liegt in derselben Größenordnung wie diese Schwellen. Sobald das Restlicht des Raums den Schwarzwert des Geräts erreicht oder überschreitet, bestimmt der Raum, wie dunkel Dein Bild werden kann — das Gerät hat seine Grenze dann längst erreicht.

Der Deckel auf die Bild-Domäne — und seine Grenze

Licht und Bild sind zwei getrennte Domänen mit jeweils eigenem Gewicht. An einer Stelle greift die Licht-Domäne trotzdem in die Bild-Bewertung ein: Das Restlicht deckelt die Bild-Domäne insgesamt, also auch SDR-Luminanz, Kontrast und Schwarzwert. Ein Raum mit zu viel Restlicht begrenzt also die Bildstufe, egal was das Gerät misst.

Warum? Weil die beiden Größen im dunklen Filmbild dasselbe Ergebnis bestimmen. Die Helligkeitsbewertung des Bildes setzt voraus, dass die dunklen Bildanteile auch dunkel sind. Liegt auf der Fläche ein Grundleuchten, hebt es jeden Schwarzwert an; die Nachtszene, in der jemand durch einen Wald läuft, wird milchig, Konturen verschwinden in einem gleichmäßigen Grau. Das Gerät liefert weiterhin seine gemessene Helligkeit — der Zuschauer sieht sie nur nicht mehr, weil ihm der dunkle Bezugspunkt fehlt. Eine Bild-Bestnote in einem hellen Raum wäre in diesem Moment eine Note für etwas, das im Kinosessel nicht ankommt.

Der Deckel gilt für den Filmbetrieb mit überwiegend dunklem Material — den Zustand, in dem die Anlage abgenommen wird. Bei hellem Bildinhalt ist das Auge auf ein höheres Helligkeitsniveau eingestellt, und ein schwaches Grundleuchten fällt dort kaum ins Gewicht. Ein zweites Profil für helle Inhalte wird nach den ersten Projekten geprüft.

Wie sicher die Zahlen sind

Gewicht und Einstufung als kritisch sind so eindeutig wie bei kaum einer anderen Kategorie: 40 % und „kritisch" stehen fest, ebenso die Messgröße Leuchtdichte.

Die beiden oberen Schwellenwerte stehen in einer Norm. SMPTE RP 431-2 nennt für das Umgebungslicht auf der Leinwand bei ausgeschaltetem Projektor eine Theater-Klasse unter 0,03 cd/m² und eine strengere Review-Room-Klasse unter 0,01 cd/m²; L4 übernimmt den Theater-Wert, L5 den Review-Room-Wert. Beide sind am Originaltext gelesen. L2 und L3 hängen dagegen an keiner Norm und werden derzeit geprüft — sie sollen die Verdunkelung ernst nehmen, ohne ordentlich verdunkelte Wohnräume reihenweise auf L1 zu drücken.

Der Review-Room-Wert deckt sich mit dem Referenzschwarzwert, den ITU-R BT.2035 für seine Studioumgebung nennt — beide liegen unter 0,01 cd/m². Dahinter steht derselbe Gedanke: Restlicht wird erst unkritisch, wenn es unter das Eigenschwarz eines guten Geräts fällt. Beide Normen beschreiben allerdings Vorführ- und Studioräume; ob dieselben Zahlen für einen Wohnraum die richtige Härte haben, wird gerade untersucht.

Zur Einordnung der Härte: Dieselben Anforderungen in Lux ausgedrückt und auf eine mattweiße Leinwand zurückgerechnet, kämen auf rund 1,4/0,29/0,09/0,03 cd/m² für L2 bis L5. Die hier geltende Reihe ist also die deutlich strengere Lesart.

Was daraus für die Planung folgt

Die Reihenfolge ist bei dieser Kategorie besonders unerbittlich, weil Restlicht sich nachträglich nur mit Bauarbeiten beheben lässt. Am Anfang steht die Raumwahl: Ein innenliegender Raum ohne Fenster erreicht die oberen Stufen mit geringem Aufwand, ein Wohnzimmer mit Fensterfront braucht dafür eine Verdunkelungslösung, die im Zweifel teurer wird als der Projektor.

Danach folgt die Dichtheit der Hülle — Türen, Fensterkästen, Lüftungsdurchlässe, Kabelöffnungen. Erst an dritter Stelle kommen Geräte, und zwar in beide Richtungen: Sie sind hier nicht nur Empfänger des Problems, sondern selbst Verursacher. Standby-Leuchtdioden, Displaybeleuchtungen und beleuchtete Bedienelemente im Raum liefern messbares Restlicht und sind der billigste Punkt der Liste.

Bleibt Restlicht unvermeidbar, verschiebt sich die Lösung auf die Bildfläche: Eine ALR-Leinwand nimmt Licht aus bestimmten Einfallsrichtungen gezielt zurück. Sie ersetzt keine Verdunkelung, verschiebt aber den erreichbaren Wert — und ist damit die typische Antwort im Wohnraum, wo die bauliche Lösung ausscheidet.

So lässt sich das planen

Die Vorhersage läuft über eine Umrechnung, die im Kern aus einer Division besteht: Beleuchtungsstärke auf der Bildfläche in Lux, mal Gain der Leinwand, geteilt durch π. Heraus kommt das Restlicht in cd/m² — dieselbe Größe, die später das Spotmeter abliest. Nötig sind dafür drei Angaben: der Lichtdurchlass der Verdunkelung aus dem Datenblatt, die geplante Beleuchtungsstärke des Wegelichts auf der Bildfläche und der Gain der Leinwand.

Drei Beispiele zeigen die Spannweite. Ein fensterloser Raum mit 0,1 Lux Wegelicht auf der Bildfläche und einer neutralen Leinwand landet bei 0,03 cd/m² und damit auf L4. Derselbe Rechenweg für ein Wohnzimmer am Abend mit 2 Lux ergibt 0,64 cd/m² und damit L1. Nimmt dort eine ALR-Leinwand neun Zehntel des Restlichts zurück, bleiben rund 0,05 cd/m², also L2 hart an der Schwelle zu L3 — mit Vorbehalt, weil die Unterdrückungsangabe vom Hersteller stammt und keiner Norm folgt.

Zwei dieser Eingänge sind belastbar, einer ist es selten: Lux und Gain stehen in Lichtplanung und Leinwand-Datenblatt, der Lichtdurchlass der Verdunkelung dagegen fehlt oft. Fehlt er, steht statt einer Stufe eine Spanne, und in die Rechnung des Licht-Levels geht deren Untergrenze. Fehlt zusätzlich die Lichtplanung, gibt es gar keinen Wert, und die Kategorie bleibt ohne Vorhersage. Mittel planbar wie sie ist, kommt die Prognose ohnehin nicht über L4 hinaus; darüber zählt allein die Doppelmessung bei Tag und bei Nacht.

Diese Messung ist die einfachste der ganzen Licht-Domäne — Spotmeter auf die dunkle Bildfläche, drei Punkte, zwei Tageszeiten. Sie gehört zum Standardumfang und steht im Kurzprotokoll der Übergabe. Regelfall ist die Vorhersage, Sonderfall die beauftragte Messung.

Verknüpfte Inhalte

Die physikalische Grundlage der Messgröße steht im Eintrag zur Leuchtdichte; wie das Auge sich auf verschiedene Helligkeitsniveaus einstellt, erklärt die Umfeldleuchtdichte. Warum der Schwarzwert des Geräts und das Restlicht des Raums sich addieren, gehört zum Kontrastverhältnis.

Womit sich die 40 % dieser Kategorie in der Lichtnote verrechnen und welche vier Kategorien den Rest ausmachen, nennt Performance Level: Bild & Licht. Wie ein Deckel über Domänengrenzen hinweg im Rechenmodell wirkt, steht bei Performance Level.

Quellen

Messgröße, Schwellenwerte, Gewichtung und die Deckelregel stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Die beiden oberen Stufen sind zusätzlich durch SMPTE RP 431-2 am Original belegt; ITU-R BT.2035 und CTA/CEDIA-CEB23-B sind ebenfalls am Original gelesen.

Tastaturkürzel