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Glanzgrad

Was ist der Glanzgrad einer Oberfläche?

Der Glanzgrad beschreibt, wie gerichtet eine Oberfläche Licht zurückwirft: spiegelnd auf der einen Seite, diffus streuend auf der anderen. Er sagt nichts darüber, wie viel Licht zurückkommt — das ist der Reflexionsgrad. Beide Größen sind unabhängig voneinander, und genau deshalb braucht eine Oberfläche zwei Angaben, wenn man ihr Verhalten im Raum beurteilen möchte.

Stell Dir zwei Wände in genau demselben Grauton vor. Die eine ist stumpf gestrichen, die andere lackiert. Beide sind gleich hell — und trotzdem siehst Du in der lackierten Wand die Lampe als hellen Punkt, in der stumpfen nicht. Die stumpfe Wand verteilt das Licht in alle Richtungen, die lackierte schickt es gebündelt weiter, wie ein schwacher Spiegel. Im Heimkino ist das der Unterschied zwischen einer Wand, die im Dunkeln einfach da ist, und einer, in der Dein Filmbild als blasses Zweitbild auftaucht.

Ausführliche Erklärung

Trifft Licht auf eine Fläche, verteilt sich der zurückgeworfene Anteil irgendwo zwischen zwei Extremen. Eine ideal matte Fläche streut ihn gleichmäßig in alle Richtungen: Aus jedem Blickwinkel sieht sie gleich hell aus. Eine ideal glatte Fläche wirft ihn in genau eine Richtung zurück, im Ausfallswinkel gleich dem Einfallswinkel — das ist der Spiegelfall. Reale Oberflächen liegen dazwischen, und der Glanzgrad sagt, wo.

Für die Planung zählt vor allem eines: Diese Verteilung ist von der Menge unabhängig. Zwei Wände können denselben Reflexionsgrad von 20 % haben und sich trotzdem völlig verschieden verhalten. Die matte Wand gibt ihre 20 % in die gesamte Halbkugel vor sich ab, sodass an jeder Stelle nur ein kleiner Bruchteil ankommt. Die glänzende Wand konzentriert einen großen Teil derselben 20 % in eine Richtung. Wer zufällig in dieser Richtung sitzt, sieht einen deutlich helleren Fleck, als die gemittelte Prozentzahl vermuten lässt.

Gemessen wird der Glanz mit einem Reflektometer, das die Fläche unter einem festgelegten Winkel anstrahlt und misst, wie viel Licht im Spiegelwinkel zurückkommt. Das Ergebnis steht in Glanzeinheiten (engl. gloss units, GU); der gebräuchlichste Messwinkel ist 60°, für sehr matte und sehr glänzende Oberflächen kommen abweichende Winkel zum Einsatz. Stumpfmatte Anstriche liegen am unteren Ende der Skala, Hochglanzlacke am oberen.

Warum der Glanzgrad neben der Leinwand zählt

Im Heimkino entscheidet der Glanzgrad über den erreichbaren Kontrast. Das Licht des Bildes verlässt die Leinwand, trifft die Flächen daneben und kommt zum Teil zurück auf die Bildfläche. Wie stark das den Kontrast drückt, hängt an beiden Größen zusammen.

Eine matte Wand mit 20 % Reflexionsgrad verteilt ihren Rückwurf über den ganzen Raum; nur ein kleiner Anteil findet den Weg zurück zur Leinwand, und er legt sich dort gleichmäßig als schwacher Schleier über das Bild. Eine glänzende Wand mit denselben 20 % bündelt ihren Rückwurf. Sie kann punktuell viel heller werden als der Mittelwert und im ungünstigen Fall ein sichtbares Abbild heller Bildpartien an die Wand werfen — dort, wo im dunklen Raum das Auge ohnehin jede Aufhellung bemerkt. Der gemessene In-Bild-Kontrast fällt entsprechend unterschiedlich aus, obwohl die Prozentangabe auf dem Farbeimer dieselbe ist.

Deshalb werden Farbe und Oberfläche zusammen entschieden. Ein tiefes Grau in seidenglänzender Ausführung kann schlechter abschneiden als ein helleres Grau in stumpfmatt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Reflexionsgrad: Der Anteil des auftreffenden Lichts, den eine Fläche insgesamt zurückwirft, in Prozent. Er beantwortet „wie viel", der Glanzgrad „in welche Richtung".
  • Leinwand-Gain: Eine Helligkeitsangabe der Bildfläche im Verhältnis zur weißen Referenz. Auch dahinter steckt ein Richtungsverhalten, aber gemeint und gemessen ist etwas anderes.
  • Farbton und Helligkeit: Ein Anstrich wird nach Farbe und nach Oberfläche bestellt. Beide Angaben stehen unabhängig voneinander im Datenblatt und lassen sich frei kombinieren.

In der Planung

Ein Raum ist rundum in dunklem Grau gestrichen, der Reflexionsgrad passt zum angestrebten Level. Trotzdem zeigt sich bei hellen Szenen ein Lichtfleck seitlich der Leinwand. Die Ursache steckt meist in den glatten Teilen der Wandfläche: lackierte Türblätter, Glasvitrinen, gerahmte Bilder mit Glasscheibe, Hochglanz-Sockelleisten. Ihr Reflexionsgrad ist unauffällig, ihr Glanzgrad nicht.

Zähl deshalb zuerst die glatten Flächen, die im Bildnahbereich überhaupt bleiben müssen. Danach hast Du drei Mittel — entspiegeln, textil abdecken oder in stumpfmatter Ausführung ersetzen; Molton und Akustikstoff lösen die Licht- und die Akustikaufgabe in einem Zug. Erst zuletzt geht es um konkrete Produkte, und dort steht die Oberflächenangabe gleichberechtigt neben dem Farbton in der Bestellung.

Verknüpfte Inhalte

Wie der Glanzgrad in die Bewertung eingeht und welche Reflexionsgrade zu welcher Stufe gehören, steht bei Performance Level: Reflexionsgrad. Was Reflexion physikalisch ist, klärt der Eintrag zur Reflexion; welche Kontrastangaben es gibt und warum der In-Bild-Kontrast im Raum entschieden wird, das Kontrastverhältnis.

Quellen

Die Rolle des Glanzgrads als zweite Messgröße neben dem Reflexionsgrad folgt dem internen Register der Performance-Level-Kategorien und dem Licht-Abschnitt der AVITECT-Level-Matrix v0.6. Beide sind Arbeitsdokumente im Kalibrierstand.

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