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AV-Prozessor, AV-Receiver und Endstufe
Was unterscheidet AV-Prozessor, AV-Receiver und Endstufe — und wann braucht eine Anlage getrennte Geräte?
In jeder Mehrkanalanlage fallen zwei verschiedene Arbeiten an: Das Tonsignal muss angenommen, dekodiert und für den Raum gerechnet werden, und die Lautsprecher müssen Leistung bekommen. Der AV-Prozessor erledigt die erste Arbeit und gibt Line-Signale aus, die Endstufe die zweite. Der AV-Receiver macht beides in einem Gehäuse.
Deine Anlage muss zwei ganz verschiedene Dinge können. Sie muss verstehen, was auf der Tonspur los ist, und für jeden Lautsprecher im Raum ausrechnen, wann er wie laut spielt. Und sie muss genug Kraft aufbringen, damit die Lautsprecher das auch schaffen. Für die meisten Wohnzimmer steckt beides in einem Gerät, dem Receiver. In größeren Kinos stehen zwei Geräte im Schrank, die sich die Arbeit teilen. Der Grund dafür ist meistens gar nicht der Klang: Der rechnende Teil veraltet mit jeder neuen Anschlussnorm, der kräftige Teil kann zwanzig Jahre stehen bleiben. Wer beides trennt, kann später die Hälfte tauschen statt alles.
Ausführliche Erklärung
Die Aufgabenteilung lässt sich an drei Fragen ablesen: Was kommt hinein, was passiert damit, was kommt heraus.
| AV-Prozessor | AV-Receiver | Endstufe | |
|---|---|---|---|
| Eingänge | HDMI, digitale und analoge Tonquellen, Netzwerk | dieselben, dazu meist ein Rundfunkempfänger | Line-Signale vom Prozessor oder Receiver |
| Was er macht | umschalten, dekodieren, Pegel, Verzögerungen, Bassmanagement, Raumkorrektur, Lautstärke | dasselbe, dazu die Verstärkung | Leistung liefern, sonst nichts |
| Ausgänge | Line-Signale je Kanal | Lautsprecherklemmen, meist zusätzlich Line-Ausgänge je Kanal | Lautsprecherklemmen |
| Was zusätzlich nötig ist | eine Endstufe je Kanalgruppe | nichts weiter | ein Prozessor oder Receiver davor |
Die Grenze zwischen den Klassen verläuft am Line-Pegel — jener kleinen Spannung, mit der Audiogeräte untereinander verkehren. Alles vor dieser Grenze arbeitet mit wenigen Volt und rechnet; alles dahinter arbeitet mit großen Strömen und rechnet nicht mehr. Wie sich diese Aufgaben in jeder Anlage wiederfinden, auch in der Stereokette und im Aktivlautsprecher, steht bei der Audiokette.
Die Bezeichnungen sind Hausnamen der Hersteller und keine genormten Klassen. Denon führt seine Mehrkanalgeräte als AVR und AVC und erklärt den Unterschied selbst: Ein AVR vereint Verstärker und Prozessor und kann Lautsprecher direkt antreiben, ein AVC hat keine eingebaute Verstärkung, arbeitet als Signalprozessor und Vorverstärker und verlangt eine externe Endstufe. Andere Häuser schreiben AVP, Pre/Pro, Vorstufe oder schlicht Prozessor für dasselbe Gerät. Wer eine Geräteliste liest, prüft deshalb die Ausgänge und nicht das Kürzel: Lautsprecherklemmen heißt Verstärkung an Bord, ausschließlich Line-Ausgänge heißt Endstufe getrennt.
Für die Planung wiegen drei Unterschiede.
Die Kanalzahl liegt beim Receiver fest. Ein Neun-Kanal-Receiver verstärkt neun Kanäle, und das bleibt so. Erweiterbar ist er nur über seine Line-Ausgänge: Sind sie für alle Kanäle vorhanden, lässt sich eine Endstufe danebenstellen und der Receiver arbeitet für diese Kanäle als Prozessor weiter. Fehlen sie, ist die Ausbaustufe mit dem Gerät entschieden.
Wärme und Platz verhalten sich verschieden. Endstufen setzen einen erheblichen Teil der aufgenommenen Leistung in Wärme um, Prozessoren kaum. Getrennte Geräte erlauben, die Wärme dorthin zu legen, wo sie abgeführt werden kann, und im Wohnraum nur das leise Gerät stehen zu lassen. Sie kosten dafür Höheneinheiten, eine Verkabelung mehr und eine zusätzliche Stelle, an der eine Brummschleife entstehen kann; das Einschalten läuft dann über einen 12-Volt-Trigger.
Die Erneuerungszyklen fallen weit auseinander. Der rechnende Teil veraltet mit den Anschlussnormen und den Tonformaten — HDMI-Fassungen, neue Höhenkanäle, neue Einmessverfahren. Eine Endstufe kennt keine Formate; sie verstärkt in zehn Jahren, was man ihr gibt. Wer beide Hälften trennt, kann die schnell alternde Hälfte tauschen und die langsam alternde behalten. Das ist der Grund, aus dem in großen Installationen fast immer getrennte Geräte stehen, und er wiegt schwerer als jedes Klangargument.
Häufiges Missverständnis
Die verbreitete Erzählung lautet: Getrennte Geräte klingen besser, ein Receiver ist der Kompromiss für alle, die sich das nicht leisten wollen. Der technische Kern daran ist die Trennung von sehr kleinen Spannungen und sehr großen Strömen — sie in verschiedene Gehäuse zu legen, erspart Aufwand bei Abschirmung, Masseführung und Netzteil. Die Bauform allein sagt aber nichts über das Ergebnis: THX führt AV-Receiver, Vorverstärker und Endstufen als drei zertifizierbare Klassen nebeneinander, mit demselben Ziel für alle drei, nämlich den Referenzpegel ohne hörbare Verzerrung. Und Dolby knüpft die empfohlene Leistung an die Raumgröße — 50 bis 100 Watt je Kanal in kleinen Räumen, mindestens 100 bis 150 Watt in großen —, ohne danach zu fragen, in welchem Gehäuse diese Watt entstehen.
Der zweite Kurzschluss geht in die andere Richtung: Ein Prozessor sei ein Receiver ohne Verstärker und damit die sparsamere Wahl. Beim Kauf stimmt das Gegenteil, denn zum Prozessor kommt die Endstufe dazu. Was Du bekommst, ist auch nicht „dasselbe minus Verstärker", sondern in aller Regel ein Gerät mit mehr Kanälen, freierer Kanalzuordnung und aufwendigerer Einmessung.
Am zähesten hält sich die Vorstellung, ein kräftigerer Verstärker mache den Ton lauter und damit besser. Die Verstärkerleistung entscheidet über die Reserve für laute Momente, während der erreichbare Pegel im Raum ebenso am Wirkungsgrad und an der Impedanz der Lautsprecher hängt — die Rechnung dazu steht bei der Verstärkerleistung.
Nicht zu verwechseln mit
- Vollverstärker: Vorstufe und Endstufe in einem Gehäuse, aber für Stereo und ohne Dekodierung von Mehrkanalformaten. Der Receiver ist gewissermaßen sein Mehrkanal-Gegenstück.
- Vorverstärker im Stereobetrieb: wählt die Quelle und regelt die Lautstärke, dekodiert aber nichts und verteilt keinen Bass.
- Aktivlautsprecher: Hier sitzt die Endstufe im Lautsprechergehäuse. Ein solcher Lautsprecher braucht Line-Signale und damit einen Prozessor oder eine Vorstufe davor, keinen Verstärker.
- Soundbar: erledigt Dekodierung, Verstärkung und Wiedergabe in einem Gerät. Sie bündelt damit alle drei Klassen und die Lautsprecher gleich mit.
- Kinoprozessor: das entsprechende Gerät im gewerblichen Kino, mit eigenen Formaten, eigener Kalibrierung und eigenen Schnittstellen zur Vorführtechnik.
- Videomatrix: verteilt Bildsignale auf mehrere Senken. Sie schaltet, verstärkt aber keinen Ton und ersetzt keinen Prozessor.
In der Planung
Ein Kunde möchte im ersten Schritt 7.2.4 hören und in einigen Jahren auf zusätzliche Höhenkanäle gehen. Die Frage kommt als Gerätefrage an: „Reicht ein guter Receiver, oder brauche ich Prozessor und Endstufe?"
Beantwortbar ist sie erst nach der Konzeptfrage. Wie viele Kanäle soll die Anlage am Ende führen, und stehen die Lautsprecher fest? Bleibt es bei elf verstärkten Kanälen und passiven Lautsprechern, ist ein Receiver mit vollständigen Line-Ausgängen der ehrlichere Weg — er lässt den Ausbau offen, ohne ihn heute zu bezahlen.
Dann kommt der Ort: Wo steht die Technik, und wie kommt die Wärme weg? Ein geschlossener Schrank im Wohnraum verträgt einen Prozessor gut und mehrere Endstufen schlecht. Sitzt die Technik in einem eigenen Raum, verliert dieser Punkt sein Gewicht, und dafür gewinnt die Verkabelung: Zwischen Prozessor und Endstufe laufen so viele Leitungen, wie es Kanäle gibt.
Erst zum Schluss kommen die Geräte. Wer die Reihenfolge umdreht und mit einem Gerätewunsch beginnt, entscheidet die Kanalzahl über den Prospekt — und stellt Jahre später fest, dass die Erweiterung an zwei fehlenden Line-Ausgängen scheitert.
Verknüpfte Inhalte
Die fünf Aufgaben, die jede Anlage erfüllt, und die vier verbreiteten Bündelungen im Wohnbereich stehen bei der Audiokette; diese Seite führt davon nur die Mehrkanal-Ausprägung aus. Was der rechnende Teil im Einzelnen tut, klären Bassmanagement, Raumkorrektur und Delay; wie sich mehrere Betriebszustände speichern lassen, der Eintrag Preset. Was die Ziffern in 7.2.4 zählen, steht bei der Kanal-Notation, und welche Anforderungen ein Prüfsiegel an Elektronik stellt, bei der THX-Zertifizierung.
Quellen
Die Abgrenzung zwischen einem Gerät mit eingebauter Verstärkung und einem reinen Prozessor folgt der Erklärung, die Denon zu den eigenen Produktklassen veröffentlicht. Dass Receiver, Vorverstärker und Endstufen als drei Klassen nebeneinanderstehen, ist den Zertifizierungsunterlagen von THX entnommen; die Zuordnung von Verstärkerleistung zu Raumgröße dem Heimkino-Leitfaden von Dolby.