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THX-Zertifizierung

Was sagt ein THX-Siegel über ein Gerät aus — und was sagt es ausdrücklich nicht?

THX ist kein Tonformat, keine Bauweise und keine Klangfarbe, sondern ein Prüfsiegel. Die THX Ltd. misst fertige Geräte und Lautsprecher im eigenen Labor und vergibt bei bestandener Prüfung eine Leistungsklasse; bei Lautsprechern sind das Compact, Select, Ultra und Dominus. Diese Klasse sagt Dir, für welche Raumgröße und welchen Sitzabstand das Produkt ausgelegt wurde — sie ist eine Auslegungsangabe und keine Rangliste. Und sie gehört THX: Ein Hersteller lässt einzelne Produkte prüfen, er erwirbt damit weder das Siegel noch die Marke.

Ein Heizkörper für ein großes Zimmer ist nicht besser als einer für ein kleines — er ist größer, weil er mehr Raum warm bekommen muss. Bei THX ist es genauso: Die Stufen heißen Compact, Select, Ultra und Dominus, und jede steht für eine Zimmergröße und einen Sitzabstand. Ein Prüflabor sieht sich die Lautsprecher an und bestätigt, dass sie einen Raum dieser Größe wirklich füllen, ohne dass der Ton dabei rau wird. Für Dich heißt eine höhere Stufe deshalb nicht „klingt schöner", sondern „ist für ein größeres Zimmer gedacht".

Wem das Siegel gehört

THX geht auf zwei Personen zurück. Der Filmemacher George Lucas und der Toningenieur Tomlinson Holman stellten nach „Das Imperium schlägt zurück" fest, dass sich die Aufnahme- und Wiedergabetechnik im Film stark verbessert hatte, niemand aber steuerte, was im Mischatelier und im Kinosaal daraus wurde. Aus den Mischräumen, die daraufhin entstanden, wurde Skywalker Sound, und aus der Idee, Leistungsanforderungen an einen Saal überprüfbar zu machen, wurde 1983 zum Start von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter" das erste THX-Kinoprogramm.

Heute firmiert das Unternehmen als THX Ltd. Am 17. Oktober 2016 hat der Gaming-Zubehörhersteller Razer die Mehrheit seiner Vermögenswerte übernommen und die Belegschaft mit; THX arbeitet seither nach eigener Darstellung als eigenständige Einheit unter eigener Leitung weiter. THX und die THX-Logos sind eingetragene Marken der THX Ltd.

Warum das mehr als eine Firmengeschichte ist: Wenn ein Lautsprecher „THX Certified Ultra" heißt, sagt das etwas über eine bestandene Prüfung bei einem Dritten aus — nicht über eine Entwicklung des Herstellers. Das ist der praktische Wert des Siegels und zugleich seine Grenze.

Was geprüft wird

Bei Lautsprechern nennt THX drei Kernprüfungen:

  • Axialer Frequenzgang. Gemessen wird auf der Hauptachse, also direkt vor dem Lautsprecher. THX verlangt einen ausgeglichenen, flachen Verlauf.
  • Ausgangspegel gegen Verzerrung. Der Lautsprecher muss die Pegel erreichen, die für den THX-Referenzpegel nötig sind, ohne dabei hörbar zu verzerren.
  • Vertikale und horizontale Abstrahlung. Geprüft wird auch abseits der Achse: Der Verlauf soll dort gleichmäßig bleiben, ohne hörbare Kammfiltereffekte. Der erklärte Zweck ist, dass nicht nur der mittlere Platz gut versorgt wird.

Der Bezugspunkt dieser Messungen ist der THX Reference Level — der Pegel, mit dem im Mischatelier gearbeitet wird. THX beziffert ihn mit 85 dB Schalldruck bei 20 dB Aussteuerungsreserve; Spitzen erreichen also 105 dB. Auf einem THX-zertifizierten AV-Receiver entspricht die Stellung „0" am Lautstärkesteller genau diesem Pegel. Beim Einmessen mit dem internen Rauschsignal zielt THX auf 75 dB je Kanal.

Bei Elektronik verschiebt sich der Prüfumfang: Für AV-Receiver misst THX Ausgangsleistung, Frequenzgang, Störabstand und Bassmanagement. Eine Anforderung daraus ist für die Planung unmittelbar greifbar — im Einrichtungsmenü muss eine Trennfrequenz von 80 Hz wählbar sein, damit der Subwoofer den Tiefton übernimmt und die Hauptlautsprecher davon frei bleiben. Das Bassmanagement ist damit kein Zubehör, sondern Teil der Prüfung.

Der Grund für diesen Zuschnitt steht in den Erläuterungen von THX selbst: Das Programm normiert die elektrischen Werte und die Ausgangspegel so, dass sich zertifizierte Lautsprecher und Receiver verschiedener Hersteller miteinander betreiben lassen. Nicht der einzelne, besonders gute Lautsprecher ist der Zweck, sondern die Kombinierbarkeit.

Die Klassen sagen etwas über den Raum

Im Lautsprecherprogramm führt THX vier Leistungsklassen, und jede ist über zwei Größen definiert: das Raumvolumen und den Betrachtungsabstand zur Bildwand. Der Raumgrößen-Leitfaden stellt ihnen mit Multimedia noch eine fünfte Größenordnung voran — Systeme für den Schreibtisch, bei denen es keine Surroundkanäle und kein Raumvolumen gibt.

KlasseRaumvolumen bisBetrachtungsabstand
MultimediaSchreibtisch, kein Raumwert genanntrund 0,9 m
Compactrund 28 m³rund 2,4 m
Selectrund 57 m³rund 3 m
Ultrarund 85 m³rund 3,7 m
Dominus184 m³6 m

Dominus ist die größte und jüngste Klasse; THX hat sie am 19. Oktober 2020 eingeführt, um die Lücke zwischen großen Heimkinolautsprechern und der Technik im öffentlichen Kino zu schließen. Sie ist auf zwei bis drei Sitzreihen ausgelegt, und THX gibt für Dominus-Systeme 6 dB mehr Ausgangspegel an als für Ultra-Systeme. Von den Prüfschwellen veröffentlicht THX ausgerechnet hier Zahlen: Dominus-Lautsprecher werden bei 120 dB Schalldruck auf Verzerrung geprüft, und der geforderte Kennschalldruck von 92 dB ist der höchste aller THX-Lautsprecherklassen.

Die Abstände zwischen den Klassen sind ungleich. Von Select zu Ultra kommen rund 28 m³ Raum und etwa 0,7 m Sitzabstand dazu. Von Ultra zu Dominus wächst das Volumen dagegen auf mehr als das Doppelte, der Abstand auf gut das Anderthalbfache. Wer im Katalog von Ultra auf Dominus schaut, vergleicht deshalb keine benachbarten Stufen, sondern zwei recht verschiedene Auslegungsziele.

Was eine Klasse nicht sagt

Hier sitzt das Missverständnis, das in Beratungsgesprächen am häufigsten auftaucht: dass die Klassen eine Rangfolge der Klangqualität bilden und ein Dominus-Lautsprecher deshalb in jedem Raum die bessere Wahl wäre.

Das ist er nicht. Die Klasse beschreibt, welches Volumen ein Produkt mit Referenzpegel versorgen kann. In einem 40 m³ großen Raum wird die Reserve, für die ein Dominus-Lautsprecher gebaut wurde, nie ausgereizt — er läuft dort weiter unterhalb seiner Grenzen, was für sich genommen ein Vorteil ist. Nur steht dem etwas gegenüber, das die Klasse ebenso mit sich bringt: Gehäusevolumen, Membranfläche, Gewicht und ein Aufstellbedarf, der in einem kleinen Raum schwerer wiegt als der Gewinn an Reserve. Eine Klasse zu hoch gewählt heißt also nicht „mehr Qualität", sondern „für diesen Raum falsch dimensioniert".

Drei weitere Grenzen gehören dazu.

THX prüft das Produkt, nicht Deinen Raum. Die Klasse ist eine Auslegungsangabe aus dem Labor. Ob der Lautsprecher bei Dir funktioniert, entscheiden Aufstellung, Wandabstand, Raummoden und Nachhallzeit — nichts davon steht im Prüfstand zur Verfügung. Ein Ultra-Lautsprecher in einem akustisch unbehandelten Raum klingt schlechter als ein Select-Lautsprecher in einem geplanten.

Die Prüfung schließt aus, sie wählt nicht aus. Geprüft wird gegen Toleranzen: flacher Frequenzgang, Pegel ohne hörbare Verzerrung, gleichmäßige Abstrahlung. Wer diese Toleranzen einhält, besteht. Eine Aussage darüber, welcher von zwei bestandenen Lautsprechern Dir besser gefällt, macht das Verfahren nicht und will es auch nicht machen.

Kein Siegel ist kein Negativurteil. Die Zertifizierung ist ein freiwilliges Partnerprogramm, das der Hersteller beantragt und durchläuft. Viele hervorragende Lautsprecher haben kein THX-Logo, weil ihr Hersteller den Weg nicht geht — nicht, weil sie durchgefallen wären. Wer aus dem fehlenden Siegel einen Mangel abliest, liest etwas hinein, das dort nicht steht.

Wofür eine Zertifizierung gilt

Der Geltungsbereich ist enger, als die Formulierung „Marke X ist THX-zertifiziert" vermuten lässt. Drei Ebenen sind zu trennen.

Das einzelne Produkt in einer geprüften Konfiguration. Zertifiziert ist, was im Labor stand. Wie eng das gefasst sein kann, zeigt die Kinoserie Cinergy von Monitor Audio: Die THX-Stufe Ultra gilt für ein System, das ein Paar der zugehörigen Subwoofer und mindestens eine passende Endstufe enthält. Ein einzelner dieser Subwoofer erfüllt die Bedingung nicht. Wer eine Anlage plant, muss deshalb wissen, worauf sich das Siegel im konkreten Fall bezieht.

Die Produktkategorie. THX zertifiziert im Audiobereich Endstufen, Vorstufen, AV-Receiver, Lautsprecher, Komplettsysteme, Soundbars, Multimediasysteme, Kopfhörer, Mobilgeräte und Fahrzeugaudio; dazu kommen Videoprogramme für Bildgeräte. Jede Kategorie hat ihren eigenen Prüfumfang. Ein Kopfhörer mit THX-Logo und ein Standlautsprecher mit THX-Logo haben unterschiedliche Prüfungen bestanden.

Der Raum — aber nur in eigenen Programmen. Für Lichtspielhäuser, Mischateliers und Vorführräume gibt es getrennte Zertifizierungen mit ganz anderen Kriterien: Schallschutz gegen den Nachbarsaal, Nachhallsteuerung, Projektionsgeometrie und ein Grundgeräusch, das NC-30 in keinem Oktavband überschreiten darf. Ein Wohnzimmer voller THX-zertifizierter Lautsprecher wird davon nicht berührt. Das Siegel am Gerät und das Siegel am Raum sind zwei Programme, und nur eines davon kannst Du kaufen.

THX Certified, Tuned by THX, Approved by THX

Drei Bezeichnungen mit demselben Namen darin, aber unterschiedlicher Bedeutung. THX grenzt sie selbst ab:

BezeichnungWas dahintersteht
THX CertifiedDas Produkt hat die Prüfungen des jeweiligen Programms bestanden und die Toleranzen eingehalten.
Tuned by THXTHX-Ingenieure haben ein vorhandenes Gerät abgestimmt und kalibriert — bei Bildgeräten auf professionelle Zielwerte, bei Audiogeräten über Filter. Ein Bestehen der Zertifizierungsprüfungen ist damit nicht ausgesagt.
Approved by THXEin Bauteil, nicht ein Gerät. Ein Programm für Auftragsentwickler und -fertiger, die Zulieferteile prüfen lassen, aus denen später zertifizierungsfähige Geräte entstehen sollen.

Für die Kaufentscheidung ist vor allem der mittlere Fall wichtig. „Tuned by THX" auf einem Fernseher oder einer Soundbar ist eine Abstimmungsleistung und kein bestandener Prüflauf. Beide Kennzeichnungen tragen das THX-Zeichen, und beide sind ehrlich gemeint — sie sagen nur nicht dasselbe.

Was THX nicht offenlegt

Öffentlich stehen die Raumvolumina, die Betrachtungsabstände und die Prüfbereiche. Die Schwellenwerte dahinter stehen dort nicht.

Ebenfalls unveröffentlicht ist, ob und wie oft nachgeprüft wird, wenn ein Hersteller ein zertifiziertes Modell im Laufe seiner Bauzeit ändert. Für eine Serie, die über Jahre läuft, ist das die Frage, die man gern beantwortet hätte.

Was das für die Planung heißt

Die Klasse ist ein brauchbarer erster Filter und keine Auslegung. Sie sagt Dir, in welcher Größenordnung ein Produkt gedacht ist, und sie sortiert damit schnell aus, was für einen 150 m³ großen Kinoraum von vornherein zu klein ist. Was sie nicht ersetzt, ist die Rechnung: Pegelbedarf am Sitzplatz, Abstand, Anzahl der Plätze und die Frage, was der Raum akustisch selbst dazutut.

Verknüpfte Inhalte

Die Serie, an der sich die Bedingungen einer Systemzertifizierung praktisch zeigen, ist Monitor Audio Cinergy. Die erste Lautsprecherfamilie in der Stufe Dominus kam von Perlisten.

Für die Begriffe, die auf dieser Seite vorkommen: der Kennschalldruck als Maß dafür, wie viel Pegel ein Lautsprecher aus einer gegebenen Leistung macht; der Schalldruck und der Dynamikumfang als die Größen, in denen der Referenzpegel formuliert ist; das Bassmanagement und die Übergangsfrequenz für die 80-Hz-Anforderung an Receiver; die Bewertungskurven für Grundgeräusch für NC-30 im Kinoprogramm. Wo Kinolautsprecher hinter der Bildwand sitzen, gehören die akustisch transparente Leinwand und die Baffle Wall dazu.

Quellen

  1. THX, THX Certified Loudspeakers — die drei Kernprüfungen und die vier Lautsprecherklassen mit Raumvolumen und Abstand.
  2. THX, Room Size Guide — dieselben Klassen samt Multimedia; Dominus als größte und neueste Klasse, zwei bis drei Sitzreihen, 6 dB über Ultra.
  3. THX, THX Certification — Programmübersicht und Trennung in Audio-, Video- und Live-Programme.
  4. THX, THX Certified Audio — Liste der zertifizierbaren Produktkategorien.
  5. THX, THX Certified AV Receivers — Prüfumfang der Elektronik, 80-Hz-Vorgabe im Einrichtungsmenü.
  6. THX, FAQ — Referenzpegel 85 dB mit 20 dB Reserve, Einmesspegel 75 dB, erklärter Zweck der Kombinierbarkeit, NC-30 und die Raumprogramme.
  7. THX, Tuned by THX — Abgrenzung zwischen Zertifizierung und Abstimmung.
  8. THX, Approved by THX Components — Bauteilprogramm.
  9. THX, About — George Lucas, Tomlinson Holman, erstes THX-Kino 1983.
  10. THX, Dominate the home theater space with THX Certified Dominus (19.10.2020) — 184 m³, 6 m, 120 dB Prüfpegel, 92 dB Kennschalldruck.
  11. THX, THX acquired by Razer (17.10.2016) — Eigentümerwechsel.
  12. THX, Monitor Audio Group unveils Cinergy (04.05.2022) — Bedingung der Systemzertifizierung, Markenrechtshinweis.

Alle Angaben stammen vom Anbieter des Siegels selbst; eine unabhängige Nachprüfung der Prüfschwellen ist mangels veröffentlichter Anforderungen nicht möglich. Die metrischen Werte für Compact, Select und Ultra sind aus den von THX genannten Kubikfuß- und Fuß-Angaben umgerechnet und auf zwei beziehungsweise eine signifikante Stelle gerundet; nur für Dominus nennt THX die metrischen Werte selbst.

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