Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

Referenzpegel (THX Reference Level)

Was ist der Referenzpegel — und was bedeutet die „0" am Lautstärkesteller?

Der Referenzpegel ist der Bezugspunkt, auf den Filmton gemischt und eine Wiedergabekette kalibriert wird. THX beziffert ihn mit 85 dB Schalldruck bei 20 dB Aussteuerungsreserve und legt ihn auf die Stellung „0" am Lautstärkesteller zertifizierter Geräte. Die Zahlen darunter — „−15", „−25" — sind kein Lautstärkemaß, sie zählen den Abstand zu diesem Bezugspunkt.

Filme werden nicht nach Gefühl abgemischt. Im Studio steht der Regler auf einem festgelegten Wert, und der Tonmeister hört genau die Lautstärke, die er Dir zugedacht hat. Damit Du dasselbe hören kannst, gibt es auf Deinem Gerät einen Punkt, der diesem Studiowert entspricht: die Null. Alles darunter ist leiser als im Studio, und die Zahl sagt Dir, um wie viel. Das ist keine Vorschrift — kaum jemand hört zu Hause auf Null, und das ist völlig in Ordnung. Der Wert ist dazu da, dass „leise" und „laut" eine nachvollziehbare Bedeutung bekommen, statt bei jeder Anlage etwas anderes zu heißen.

Ausführliche Erklärung

Zwei Angaben gehören zusammen, sonst ist die Zahl wertlos. Die erste ist der Pegel von 85 dB, mit dem im Mischatelier gearbeitet wird. Die zweite ist die Aussteuerungsreserve von 20 dB: Der Bezugspunkt liegt nicht an der Obergrenze, sondern 20 dB darunter, damit laute Momente Platz haben. Rechnerisch erreicht ein vollausgesteuertes Signal damit 105 dB je Kanal.

Im Kino ist derselbe Bezugspunkt genormt. SMPTE RP 200 empfiehlt für den normalen Kinobetrieb 85 dB, C-bewertet und mit der Zeitbewertung slow gemessen, und legt den elektrischen Bezugspegel 20 dB unter die Vollaussteuerung. Die vollständige Herleitung, die Trennung zwischen Norm und Rechnung und die Frage, was davon für Wohnräume überhaupt gilt, stehen bei Wie laut muss ein Heimkino sein? — diese Seite erklärt den Begriff, jene die Auslegung.

Praktisch wichtiger als jede dieser Zahlen ist, was die Skala am Gerät bedeutet. Sie ist relativ. „−20" heißt: zwanzig Dezibel unter dem Pegel, auf den dieses System kalibriert wurde. Ist es gar nicht kalibriert, sagt die Anzeige nur, wie weit der Regler aufgedreht ist, und zwei Geräte im selben Raum stehen bei derselben Zahl verschieden laut. Deshalb ist die Raummessung die Voraussetzung dafür, dass die Skala überhaupt etwas bedeutet.

Beim Einmessen begegnet Dir dann eine dritte Zahl, und sie ist die häufigste Quelle für Verwirrung: 75 dB. Das interne Rauschsignal eines THX-zertifizierten Receivers wird auf diesen Wert eingepegelt, nicht auf 85 — bei einer Testdisc können es je nach Abmischung 75 oder 85 dB sein. Am Messgerät stehen also 75 dB, und der Referenzpegel ist trotzdem erreicht, weil das Testsignal selbst leiser ist als ein vollausgesteuertes. Wer diese Zahlen vergleicht, ohne nach dem Testsignal zu fragen, hält seine Anlage für zehn Dezibel zu leise.

Dass kaum jemand zu Hause auf „0" hört, ist keine Abweichung von einer Vorschrift. THX baut selbst eine Technik dafür, das Hören unterhalb der Null zu unterstützen, weil dort Bass und Surroundanteile anders wahrgenommen werden — die Existenz dieser Funktion ist das ehrlichste Eingeständnis, dass die Null im Wohnzimmer die Ausnahme ist. Auch Kinos fahren im Alltag darunter.

Häufiges Missverständnis

Die populäre Erzählung macht aus dem Referenzpegel eine Note: Wer näher an der Null hört, hört „richtiger", und wer bei −30 bleibt, bekommt den Film nicht so zu hören, wie er gemeint war. Der erste Teil verwechselt eine Kalibriergröße mit einer Empfehlung. Der Bezugspunkt sorgt dafür, dass die Anzeige auf Deinem Gerät eine überprüfbare Bedeutung hat; über die richtige Abendlautstärke sagt er nichts, und die SMPTE-Dokumente nehmen die häusliche Wiedergabe ausdrücklich aus.

Der zweite Teil hat einen wahren Kern, der anders liegt, als er erzählt wird. Leiser zu hören verschiebt tatsächlich die Balance: Das Gehör bewertet tiefe Frequenzen bei geringem Pegel schwächer, weshalb ein Film bei −30 dünner und weniger umhüllend wirken kann. Der Zusammenhang zwischen Pegel und empfundener Klangbalance steht bei Menschliches Hören und Lautheit. Abhelfen kann eine pegelabhängige Korrektur; ein weiter aufgedrehter Regler löst etwas anderes.

Drittens gerät die Anlage in Verdacht: „referenzfähig" klinge nach einer Anforderung an das Gerät. Ob eine Kette den Referenzpegel im Raum erreicht, entscheidet sich am Zusammenspiel von Wirkungsgrad, Hörabstand und Verstärkerleistung — und die angegebene Zahl gilt je Kanal, während im Filmton mehrere Kanäle gleichzeitig gefordert sind.

Nicht zu verwechseln mit

  • Einmesspegel: die 75 dB, auf die das interne Testrauschen gezielt wird. Ein Messwert im Einrichtungsvorgang, kein Bezugspegel.
  • Kalibrierpegel eines Heimkinos: der Pegel, auf den diese eine Anlage tatsächlich eingestellt wurde. Dolby setzt für Heimkinos einen Korridor unterhalb des Kinowerts an — welchen und warum, steht bei Wie laut muss ein Heimkino sein?.
  • Vollaussteuerung (0 dBFS): die digitale Obergrenze des Signals. Sie liegt 20 dB über dem Bezugspegel; beide werden „null" genannt und meinen Verschiedenes. Wie analoge und digitale Skala aufeinander bezogen werden, steht bei Bezugspegel zwischen analoger und digitaler Skala.
  • Schalldruck: die physikalische Größe, in der der Referenzpegel angegeben wird. Der Referenzpegel ist ein bestimmter Wert davon, keine eigene Größe.
  • THX-Leistungsklassen: Select, Ultra und Dominus beschreiben, für welches Raumvolumen ein Produkt ausgelegt ist — welche Klasse was bedeutet, steht bei der THX-Zertifizierung.

In der Planung

Zwei Kunden sagen denselben Satz: „Ich höre bei minus zwanzig." Der eine meint einen eingemessenen Raum, der andere eine Zahl auf einem Gerät, das nie kalibriert wurde. Über die Lautstärke im Raum sagen die beiden Angaben nichts Gemeinsames.

Genau dafür ist der Begriff da: Er macht aus der Anzeige am Gerät eine überprüfbare Aussage — allerdings erst, nachdem eingemessen wurde. Vorher ist die Skala eine Reglerstellung, danach ein Abstand in Dezibel zu einem bekannten Punkt. Wer das auseinanderhält, kann zwei Anlagen überhaupt erst vergleichen und einem Kunden erklären, warum dieselbe Anzeige zweimal etwas anderes bedeutet.

Auf welchen Pegel ein bestimmtes Kino eingemessen wird und welche Reserve darüber gebraucht wird, ist die Auslegungsfrage; sie beantwortet Wie laut muss ein Heimkino sein?. Nach unten begrenzt der Grundgeräuschpegel des Raums, was von der Skala nutzbar bleibt: Was unter dem Ruhepegel des Raums liegt, ist nicht mehr zu hören, gleichgültig, welche Zahl am Gerät steht.

Verknüpfte Inhalte

Die Auslegungsfrage — wie laut ein Heimkino können muss und warum die Reserve zählt und nicht der Dauerpegel — steht bei Wie laut muss ein Heimkino sein?. Was ein Prüfsiegel an Elektronik und Lautsprecher fordert, klärt die THX-Zertifizierung. Für die Größen selbst: Schalldruck, Dezibel und Dynamikumfang; warum der LFE-Kanal mit eigenem Pegelversatz arbeitet, steht dort.

Quellen

Die Bezifferung mit 85 dB Schalldruck bei 20 dB Aussteuerungsreserve, die Zuordnung zur Stellung „0" und der Einmesswert von 75 dB stammen von THX selbst. Der Kinowert von 85 dBC samt Messvorschrift und der elektrische Bezugspegel 20 dB unter Vollaussteuerung stehen in SMPTE RP 200 in der Fassung von 2012.

Tastaturkürzel