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Preset
Was ist ein Preset — und was genau speichert es?
Ein Preset ist ein gespeicherter Betriebszustand eines AV-Prozessors oder Receivers: der vollständige Satz an Einstellungen, der aus Lautsprechern und Raum ein eingemessenes System macht. Umschalten zwischen zwei Presets dauert einen Tastendruck — neu gemessen wird dabei nichts.
Wenn Deine Anlage eingerichtet wird, entstehen dabei sehr viele kleine Entscheidungen: Wie laut ist jeder einzelne Lautsprecher, wie lange muss er warten, ab welcher Tonhöhe übernimmt der Basslautsprecher, wie soll es am Ende klingen. All das zusammen kann das Gerät als Paket speichern — wie ein Sitzprofil im Auto, das Lehne, Höhe und Spiegel gemeinsam merkt. Zwei solche Pakete sind praktisch, wenn Dein Raum zwei Zustände hat, etwa mit ausgefahrener Leinwand und ohne. Was so ein Paket nicht kann: Deine Lautsprecher oder Deine Couch verschieben. Alles, was an ihrer Stellung liegt, bleibt in jedem Paket gleich.
Ausführliche Erklärung
Was in einem Preset steckt, sagen die Hersteller selbst ziemlich genau, und die Listen ähneln sich. Ein verbreiteter Mehrkanalreceiver speichert je Preset das Lautsprecher-Layout, die Abstände, die Pegel, die Trennfrequenzen, die Einstellungen zum Subwoofer-Ausgang und zum Tiefpass sowie die Ergebnisdaten der Einmessung — bei ihm wahlweise aus zwei verschiedenen Einmesssystemen. Ein Prozessor der oberen Klasse speichert dasselbe und darüber hinaus die Signalführung, also welcher Eingang auf welchen Ausgang läuft, dazu Zielkurven, Pegelversätze und die Parameter des Bassmanagements.
Der gemeinsame Kern sind damit fünf Dinge:
- Kanäle und Zuordnung — welche Lautsprecher es gibt und welcher Ausgang sie versorgt,
- Pegel und Verzögerungen je Kanal, aus Abständen oder aus der Messung,
- Trennfrequenzen und Bassmanagement, also die Aufteilung zwischen Lautsprechern und Subwoofern,
- Korrekturfilter der Raumkorrektur,
- die Zielkurve, an der die Korrektur gemessen wird.
Ein Preset ist damit die gespeicherte Antwort auf eine Einmessung, und es speichert Ergebnisse, keine Messdaten. Das erklärt eine Eigenschaft, die im Alltag zählt: Ein Preset lässt sich in aller Regel duplizieren und abwandeln, ohne neu zu messen — solange kein Lautsprecher dazukommt oder wegfällt. Genau daraus entsteht die saubere Arbeitsweise, ein unangetastetes Referenz-Preset zu behalten und alle Versuche an einer Kopie zu machen.
Warum es überhaupt mehrere gibt, hat drei belegbare Gründe. Der Raum kann zwei Zustände haben — mit ausgefahrener Leinwand vor den Lautsprechern und ohne, was die Hersteller selbst als Beispiel führen. Es können zwei Einmessverfahren nebeneinander vorliegen, deren Ergebnisse sich vergleichen lassen sollen. Und die Nutzung kann sich unterscheiden: der Filmabend zu zweit gegen den vollen Raum, mit verschiedenen Auslegungen für dieselben Lautsprecher. Der dritte Fall ist der planerisch interessanteste, und er steht ausführlich bei Sweet Spot vergrößern — was der Begriff Sweet Spot selbst meint, klärt sein eigener Eintrag.
Wichtig ist die Ebene, auf der ein Preset sitzt. Darunter liegt der Eingang mit seiner eigenen Konfiguration — welche Quelle, welches Bildformat, welche Verarbeitung. Darüber liegt die Steuerungsebene mit ihren Szenen und Makros, die Geräte einschalten, Licht dimmen und Leinwände fahren. Das Preset sitzt dazwischen und beschreibt ausschließlich, wie das System den Ton in den Raum bringt. Geräte verbinden die Ebenen durchaus miteinander — ein Eingang kann ein bestimmtes Preset erzwingen, eine Szene kann eines aufrufen —, aber gleichgesetzt werden sie dadurch nicht.
Häufiges Missverständnis
Die verbreitete Vorstellung setzt Preset und Klangprogramm gleich: „Movie", „Music", „Direct", „Stadium". Diese Programme greifen in etwas ganz anderes ein — sie ändern die Aufbereitung des Signals, etwa das Hochrechnen auf mehr Kanäle oder eine Klangfärbung, und lassen die Einmessung unberührt. Ein Preset ist umgekehrt der eingemessene Zustand, in dem jedes Klangprogramm läuft. Wer im Menü „Movie" wählt, hat kein Preset gewechselt; wer das Preset wechselt, hört danach dieselbe Tonspur mit anderen Pegeln, Filtern und Trennfrequenzen.
Der zweite Irrtum wiegt in der Planung schwerer: dass sich mit einem zweiten Preset ein schwieriger Raum lösen ließe. Ein Preset ändert Einstellungen, keine Positionen. Was aus der Geometrie folgt — Auslöschungen im Bass, eine wandernde Abbildung, frühe Reflexionen — steht in jedem Preset gleich da. Eine Korrektur kann eine Auslöschung am Hörplatz nicht auffüllen, weil dort keine Energie ankommt, die sich anheben ließe. Presets beantworten verschiedene Nutzungen desselben gelösten Raums.
Nicht zu verwechseln mit
- Klangprogramm (Sound Mode): ändert die Aufbereitung des Signals, nicht die Einmessung. Läuft innerhalb des aktiven Presets.
- Eingangs- oder Quellenprofil: gehört zur Quelle und hält fest, was an diesem Eingang anliegt und wie es behandelt wird. In den Geräten ist das ein eigener Bereich neben den Presets.
- Szene, Aktivität, Makro: Begriffe der Steuerungsebene. Sie schalten Geräte, Licht und Leinwand und können ein Preset aufrufen — sie sind aber keines.
- DSP-Kurve eines Lautsprechers: ein abgespeicherter Filtersatz für ein bestimmtes Modell in einer bestimmten Einbausituation, im Lautsprecher oder seiner Endstufe hinterlegt. Was sie tut, steht bei DSP.
- Zone: ein weiterer Hörbereich mit eigenem Signalweg. Presets können Zonen mit einbeziehen, beschreiben aber nicht dasselbe.
- Sicherung der Konfiguration: die vollständige Datei des Gerätezustands für den Ausfall. Sie stellt wieder her, statt im Betrieb umzuschalten.
In der Planung
Ein Wohnzimmer soll beides sein: Kinoraum mit akustisch transparenter Leinwand vor den Frontlautsprechern und Fernsehzimmer mit hochgefahrener Leinwand und freiem Blick auf denselben Lautsprechern.
Erst die Nutzung klären: Sind das wirklich zwei, oder ist es eine mit einer Bequemlichkeit? Wird die Leinwand nur zweimal im Jahr eingefahren, lohnt der doppelte Aufwand nicht.
Dann die Verfahrensfrage. Eine Leinwand vor den Lautsprechern dämpft frequenzabhängig und reflektiert einen Teil zurück; sobald sie hochfährt, fällt beides weg. Der Zustand des Raums ändert sich damit messbar, und zwei Zustände verlangen zwei Einmessungen mit zwei Ergebnissen. Gemessen wird also zweimal, jeweils in dem Zustand, den das Preset abbilden soll — ein gemittelter Kompromiss dazwischen beschreibt keinen der beiden.
Die Anforderung an das Gerät steht damit fest, und sie ist knapp: Es muss zwei vollständige Einmessungen halten und zwischen ihnen umschalten können, ohne dass jemand ins Menü steigt. Steht eine Steuerung im Haus, ruft die Szene „Kino" das passende Preset gleich mit auf.
Verknüpfte Inhalte
Wann ein zweites Preset die bessere Antwort ist als ein weiterer Eingriff am Raum — und was die beiden Auslegungen jeweils kosten —, steht beim Sweet Spot vergrößern. Was in einem Preset gespeichert wird, klären Raumkorrektur, Zielkurve, Bassmanagement, Übergangsfrequenz und Delay im Einzelnen. Welches Gerät die Presets überhaupt hält, steht bei AV-Prozessor, AV-Receiver und Endstufe.
Quellen
Die Liste dessen, was ein Preset speichert, stammt aus der Bedienungsanleitung eines Mehrkanalreceivers und aus der Wissensbasis eines Prozessorherstellers; beide führen den Umfang ausdrücklich auf. Von dort stammen auch die beiden belegten Anwendungsfälle — der Raum mit und ohne ausgefahrene Leinwand sowie der Vergleich zweier Einmesssysteme — und der Hinweis, dass sich Presets ohne neue Messung duplizieren lassen.