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Lautsprecheranschlüsse
Welche Lautsprecheranschlüsse gibt es — und wann ist welche Terminierung die richtige?
Lautsprecheranschlüsse sind die Klemmen und Steckverbinder, über die eine Endstufe ihre Leistung an einen passiven Lautsprecher abgibt: Binding Post, Bananenstecker, Gabelschuh, Federklemme, Schraubklemme und der verriegelnde Speakon. Hier zählen Strom und Kontaktdruck, dazu die Frage, ob eine Verbindung sich später wieder lösen lassen soll.
Am Ende jeder Kette steht die Frage, wie das Kabel an den Lautsprecher kommt. Dafür gibt es ein paar Bauformen: Klemmen zum Festschrauben, Stecker zum Hineinschieben und einen Stecker, der einrastet und sich nicht von allein löst. Am Klang ändert diese Wahl praktisch nichts. Sie entscheidet darüber, ob die Verbindung in zehn Jahren noch fest sitzt, ob Du ein Gerät zum Service ausbauen kannst, ohne alles neu zu verkabeln, und ob jemand aus Versehen zwei Adern gegeneinander kurzschließen kann.
Ausführliche Erklärung
Buchse und Terminierung sind zwei verschiedene Dinge
Die erste Ordnung, ohne die das Thema unübersichtlich bleibt: Der Binding Post ist die Buchse am Gerät oder am Lautsprecher. Was von der Kabelseite hineingeht, ist die Terminierung: blanke Litze, ein Gabelschuh, ein Stift oder ein Bananenstecker. Wer sagt „ich nehme Bananen", hat damit eine Aussage über sein Kabel getroffen, nicht über den Lautsprecher.
Der Binding Post wird häufig als Fünf-Wege-Klemme geführt, weil er all diese Terminierungen aufnimmt und zusätzlich die Doppelbanane — zwei Stifte in einem starren Gehäuse mit rund 19 Millimetern Abstand (einem Dreiviertelzoll). An diesem Abstand hängt, warum die beiden Pole eines Terminals so regelmäßig gleich weit auseinandersitzen: Die Doppelbanane passt sonst nicht.
Was die Bauformen tatsächlich leisten
Der Bananenstecker ist die schnellste lösbare Verbindung. Er wird gesteckt, nicht geschraubt, hält über Federkraft und lässt sich beliebig oft wieder abziehen. Das ist sein Vorteil und zugleich seine Grenze: Er hält nichts fest. Ein Zug am Kabel zieht ihn heraus, und die Kontaktfläche ist kleiner als bei jeder geklemmten Verbindung.
Der Gabel- oder Kabelschuh liegt unter dem vollen Klemmdruck der Schraube und hat damit die größte und die definierteste Kontaktfläche. Er muss allerdings ordentlich aufgecrimpt sein: Ein Kabelschuh, der auf der Litze nur aufgesteckt wurde, verlagert das Problem lediglich um zwei Zentimeter nach hinten.
Blanke Litze ist der Normalfall. Klemmen an Lautsprechern, Verstärkern und Installationsgeräten sind dafür gebaut, und elektrisch ist an einer sauber eingelegten, festgezogenen Litze nichts auszusetzen. Zulässig bleibt sie überall dort, wo drei Bedingungen zusammenkommen: Die Klemme ist für feindrähtige Leiter freigegeben, die Verbindung wird nach dem Anschließen nicht mehr bewegt, und kein Einzeldraht steht ab.
Der dritte Punkt ist der, an dem es in der Praxis scheitert: Ein einziger abstehender Draht zwischen Plus und Minus schaltet die Endstufe ab oder zerstört sie, je nach Gerät. In Schraub- und Federklemmen mit engem Polabstand gehört deshalb eine Aderendhülse an die Litze. Verzinnte Litzenenden gehören dort nicht hinein: Lot fließt unter Dauerdruck langsam weg, die Klemmung lockert sich, und der Kontakt wird über Jahre schlechter, ohne dass jemand etwas bemerkt.
Speakon: aus einer Sicherheitsanforderung entstanden
Der verriegelnde Lautsprecherstecker speakON kam 1987 vom Steckverbinderhersteller Neutrik auf den Markt. Ausgelöst hat ihn eine Sicherheitsanforderung: Verbindungen, an denen mehr als 50 Volt anliegen können, müssen gegen unbeabsichtigtes Berühren geschützt sein. Bei Bananenstecker und Klinke liegt spannungsführendes Metall frei, sobald der Stecker gezogen ist. Der speakON verlegt die Kontakte ins Innere des Gehäuses und verriegelt zusätzlich mechanisch.
Die Bauform gibt es zwei-, vier- und achtpolig (NL2, NL4, NL8). Die Polzahl zählt Kanäle: Zwei Pole versorgen einen Lautsprecher, vier zwei Wege oder zwei Kanäle über ein Kabel, acht entsprechend vier. Aktiv angesteuerte Mehrwegesysteme und Kinolautsprecher, bei denen Tief- und Hochtonzweig getrennt aus dem Rack kommen, sind der klassische Fall für NL4 und NL8.
Die Belastbarkeit liegt weit über allem, was im Wohnraum vorkommt: Neutrik gibt für die vierpolige Ausführung 37 Ampere bei 250 Volt an, für die achtpolige 30 Ampere je Kontakt.
Wo Lautsprecher an einer Leitung mit angehobener Spannung hängen, also an der 100-Volt-Technik, wird der Berührungsschutz zur Voraussetzung. Die Klemme, an der man mit dem Finger an blankes Metall kommt, scheidet dort aus.
Die genormte Belegung
Unter den Lautsprecheranschlüssen hat nur der speakON eine Zuordnung, die über ein einzelnes Gerät hinaus gilt:
| Kontakt | Belegung |
|---|---|
| 1+ | erster Kanal, Pluspol |
| 1− | erster Kanal, Rückleiter |
| 2+ und 2− | zweiter Kanal oder zweiter Weg |
Drei Dinge hängen daran. Die Polarität ist Teil der Belegung: Ein einzeln verpolter Lautsprecher richtet elektrisch keinen Schaden an, fällt aber im Bass auf, weil sich benachbarte Quellen dort gegenseitig auslöschen. Der Rückleiter gehört zu genau seinem Kanal und ist kein Masseweg — führt man zwei Kanäle auf einen gemeinsamen Rückleiter, zerstört das an Endstufen in Brückenschaltung und an vielen Digitalendstufen die Ausgangsstufe. Und ein zweipoliger Stecker greift in einer vierpoligen Buchse nur 1+ und 1− ab: Bleiben 2+ und 2− an der Endstufe beschaltet, liegt dort weiter ein Ausgang an, auch wenn der Lautsprecher ihn nicht nutzt.
Festgelegt ist diese Zuordnung in keiner Norm. Sie stammt aus der veröffentlichten Spezifikation des Urhebers Neutrik, und Hersteller kompatibler Ausführungen haben sie übernommen. Was eine bestimmte Endstufe auf 2+ und 2− ausgibt und ob ein Lautsprecher beide Wege getrennt erwartet, steht im jeweiligen Handbuch.
Binding Post, Bananenstecker, Kabelschuh, Feder- und Schraubklemme haben keine Belegung im gleichen Sinn: Sie führen zwei Pole, und welcher davon der positive ist, sagt die Farb- oder Zeichenmarkierung am Gerät.
Die Entscheidung in drei Fragen
Drei Fragen entscheiden, welcher Anschluss an welche Stelle gehört. Die Marke steht in keiner davon.
Erstens: Muss die Verbindung im Betrieb wieder gelöst werden? Ein Lautsprecher, der hinter einer Bespannwand verschwindet und dort zwanzig Jahre bleibt, braucht keine steckbare Verbindung — er braucht eine, die man nicht mehr anfassen muss. Ein Gerät im Rack, das zum Service herauskommt, braucht das Gegenteil.
Zweitens: Wie viel Zug und Bewegung liegt an? An einer Wanddose in Kniehöhe reicht die geklemmte Litze; an einem Kabel, das über eine Traverse läuft oder an dem jemand hängen bleiben kann, gehört eine Verbindung mit Zugentlastung ans Ende.
Und drittens, das Kriterium, das die anderen beiden aussticht, sobald es greift: Kann an der offenen Verbindung eine berührungsgefährliche Spannung anliegen? Dann ist die Bauform vorgegeben, und die übrigen Argumente treten zurück.
Wo die Schwelle heute genau liegt, sagt die Sicherheitsnorm für Audio- und Videogeräte allerdings anders, als die verbreitete Zahl vermuten lässt: Für Audiosignale gilt in IEC 62368-1 ein eigener Maßstab, und der setzt erst bei 71 Volt an. Die Einordnung samt Folgen für die Planung steht bei Lautsprecherleitungen als Leistungsweg.
Häufiges Missverständnis
„Den Übergangswiderstand des Steckers hört man." In der Rechnung geht das nicht auf. Ein zusätzlicher Widerstand von wenigen Milliohm steht einer Lautsprecherimpedanz von vier bis acht Ohm gegenüber; der Pegelunterschied liegt weit unterhalb dessen, was im Hörvergleich überhaupt zugänglich ist.
Was man tatsächlich hört, ist ein Kontakt, der seine Aufgabe nicht mehr erfüllt: oxidiert, gelockert, mit knisterndem Übergang oder zeitweise ganz weg. Am ersten Tag nehmen sich die Bauformen deshalb wenig; sie unterscheiden sich darin, wie zuverlässig sie diesen Widerstand über Jahre halten.
Das zweite Missverständnis begegnet einem beim Auspacken europäischer Geräte: „Bananenstecker sind in Europa verboten." Verboten ist der Stecker nicht. Die Sicherheitsnorm für Audio- und Videogeräte verlangt lediglich, dass ein Anschluss, der kein Netzanschluss ist, sich nicht in eine Netzsteckdose stecken lässt. Genau daran scheitert die Doppelbanane: Ihr starrer Stiftabstand entspricht dem Kontaktabstand einer europäischen Steckdose.
Hersteller verschließen die Bohrungen ihrer Klemmen für den europäischen Markt deshalb mit einem Kunststoffstopfen. Betroffen ist damit die Buchse am Gerät, während der Stecker als Zubehör weiter im Regal liegt.
Nicht zu verwechseln mit
- Binding Post gegen Bananenstecker und Kabelschuh: Das eine ist die Buchse, das andere sind Terminierungen des Kabels. Sie werden getrennt ausgewählt und passen in unterschiedlichen Kombinationen zusammen.
- Speakon gegen XLR: Beide verriegeln und sind rund, führen aber Grundverschiedenes — der eine Leistung, der andere Kleinspannung. Dass sie sich nicht ineinanderstecken lassen, ist Absicht.
- Euroblock: Steckbare Klemmenblöcke an Installationsverstärkern und Einbaulautsprechern führen ebenfalls Lautsprecherleistung, gehören aber zu einer eigenen Familie mit eigener Systematik.
In der Planung
Ein dedizierter Kinoraum mit elf Kanälen, alle Endstufen im Technikraum, alle Lautsprecher hinter einer akustisch transparenten Vorwand oder in der Wand. Stecker kommen ganz zum Schluss: Welche Verbindungen dieser Anlage müssen nach der Montage überhaupt noch lösbar sein?
Die Antwort fällt für die beiden Enden verschieden aus, und daraus ergibt sich das Verfahren. Am Lautsprecher hinter der Wand ist die Verbindung nach dem Schließen der Bespannung nicht mehr erreichbar; dort zählt nur, dass sie hält, also geklemmt, mit Aderendhülse oder Kabelschuh, und vor dem Verschließen einmal auf Durchgang und Polarität geprüft.
Im Rack dagegen wird gesteckt, weil Endstufen zum Service herauskommen und weil eine Anlage dieser Größe im Lauf ihres Lebens umgebaut wird; hier lohnt die verriegelnde Verbindung. Dazwischen liegt die Wanddose, und sie ist die Stelle, an der Anlagen tatsächlich scheitern: Hinter ihr liegt oft zu wenig Kabelreserve, um eine Verbindung ein zweites Mal aufzulegen.
Die Geräteauswahl kommt zuletzt und beantwortet nur noch eine Restfrage: ob die gewählten Endstufen und Lautsprecher die vorgesehene Bauform überhaupt mitbringen. Fehlt sie, kommt ein Adapter dazu; an der Planung ändert das nichts.
Verknüpfte Inhalte
Warum bei vielen Lautsprechern an einer Leitung mit angehobener Spannung gearbeitet wird und weshalb dort Berührungsschutz zur Voraussetzung wird, steht bei der 70-Volt-Technik. Was die Ohm-Angabe eines Lautsprechers für den Verstärker bedeutet, klärt Impedanz. Welcher Querschnitt für welche Länge sinnvoll ist, behandelt der Eintrag zu Leiterquerschnitt und AWG; warum Litze und Massivleiter unterschiedliche Klemmen verlangen, der Eintrag zu Massivleiter und Litze. Die steckbaren Klemmenblöcke der Installationstechnik haben mit Euroblock einen eigenen Eintrag.
Quellen
Die Belastbarkeitsangaben zum speakON stammen aus den Neutrik-Produktdatenblättern und sind Herstellerangaben. Die Herleitung der Bauform aus einer Berührungsschutz-Anforderung oberhalb von 50 Volt folgt einer Fachpresse-Darstellung und ist entsprechend gekennzeichnet. Die Regel, dass ein Nicht-Netzanschluss nicht in eine Netzsteckdose passen darf, steht in der Sicherheitsnorm für Audio- und Videogeräte.