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Cylindrical WaveForming
Was ist Cylindrical WaveForming — und wann kommt es statt der Planar-Variante in Frage?
Cylindrical WaveForming ist eine zweite Auslegung des WaveForming- Verfahrens von Trinnov Audio. Statt die Subwoofer als erhöhtes Flächenarray über Breite und Höhe der Wand zu verteilen, stehen sie als Linienarray über die Raumbreite am Boden — vorn und hinten. Der Hersteller kündigte die Variante am 29. April 2024 an.
Beim ursprünglichen Verfahren werden die Basslautsprecher über die ganze Wandfläche verteilt, auch in der Höhe. Das setzt voraus, dass es überhaupt eine Wand gibt, an der sich das machen lässt — und dass jemand bereit ist, Lautsprecher auf halber Höhe unterzubringen. Diese Variante stellt sie stattdessen alle nebeneinander auf den Boden. Gedacht ist das laut Hersteller für Räume, die nach oben offen sind oder eine sehr hohe Decke haben — und es ist leichter unterzubringen. Der Hersteller sagt aber selbst dazu, dass der gut funktionierende Bereich kleiner ausfällt und dass sich der Bass zwischen Boden und Decke damit nicht vollständig in den Griff bekommen lässt.
Ausführliche Erklärung
Was WaveForming grundsätzlich tut — eine vordere Gruppe erzeugt eine gemessen angepasste Wellenfront, eine hintere nimmt zurück, was danach noch stört — steht im Eintrag zum Grundverfahren und wird hier vorausgesetzt. Der Unterschied liegt allein in der Geometrie der Subwoofer-Anordnung und in dem, was daraus folgt.
Der Name beschreibt die Form der erzeugten Wellenfront. Eine Reihe von Quellen entlang einer Linie bildet im Idealfall eine Zylinderwelle, eine über eine Fläche verteilte Anordnung eine ebene Welle. Solange die Anordnung nur in einer Richtung ausgedehnt ist, kann sie das Schallfeld auch nur in dieser Richtung formen.
Der Hersteller nennt als Anwendungsfälle Räume mit hohen oder offenen Decken, tieftonabsorbierende Ausstattung und kleinere Hörflächen mit einer einzelnen Sitzreihe. Er nennt zugleich zwei Einschränkungen ausdrücklich: einen kleineren Wirkbereich als bei der Planar-Variante und die Aussage, dass sich vertikale Raummoden damit nicht vollständig kontrollieren lassen.
Eine Einordnung, warum die vertikale Richtung offen bleibt
Die Herstellerangabe zu den vertikalen Moden lässt sich am Prinzip nachvollziehen. Alle Quellen einer Bodenlinie sitzen auf derselben Höhe — nämlich an der unteren Begrenzungsfläche des Raums, und dort hat jede vertikale Mode ein Druckmaximum. Eine Anordnung, die in der Höhe nur einen einzigen Ort besetzt, kann in dieser Richtung zwar anregen, aber nichts gegeneinander stellen. Für die Kontrolle einer Richtung braucht ein aktives Verfahren mindestens zwei Orte darin — genau das leistet die Planar-Variante mit ihren übereinander verteilten Positionen.
Dieselbe Überlegung erklärt, warum die Variante gerade für hohe oder offene Decken gedacht ist: Wo keine definierte Deckenfläche existiert, gibt es auch keine ausgeprägte vertikale Mode, die zu kontrollieren wäre — und ein Flächenarray über die volle Höhe ließe sich dort ohnehin nicht aufbauen.
Häufiges Missverständnis
„Subwoofer in einer Reihe vorn und hinten — das ist doch ein DBA." Die Anordnung ähnelt sich, das Verfahren nicht. Beim DBA folgen Verzögerung und Pegel aus Geometrie und Laufzeit; die Anordnung muss deshalb stimmen, und der Raum muss sich hinreichend wie ein Quader verhalten. WaveForming rechnet die Filter dagegen aus einer Messung des tatsächlichen Schallfelds. Das ist der Unterschied, der bleibt — auch wenn beide Verfahren am Ende Subwoofer an zwei gegenüberliegenden Wänden brauchen.
Das zweite Missverständnis liegt in der Lesart der Variante als Sparversion. Der Hersteller stellt sie nicht als vereinfachte oder günstigere Auslegung dar, sondern als andere — für Räume, in denen die Planar-Variante baulich ausscheidet. Der Tausch, den er selbst benennt, ist ein kleinerer Wirkbereich, nicht ein geringerer Aufwand.
Nicht zu verwechseln mit
- Planar WaveForming: die ursprüngliche Auslegung mit über die Wandfläche verteilten, auch erhöhten Positionen. Dasselbe Verfahren, andere Geometrie.
- DBA: ein geometrisch ausgelegtes Aufbauprinzip mit fest berechneter Verzögerung, unabhängig von einem Hersteller.
- Line-Array in der Beschallungstechnik: eine Anordnung zur Steuerung der Richtwirkung über große Entfernungen. Gleicher geometrischer Gedanke, anderes Ziel.
- Zylinderwelle: der allgemeine akustische Begriff für die Wellenform. Er beschreibt hier die Namensherkunft, nicht das Produkt.
In der Planung
Ein Wohnraum mit offener Galerie, eine Sitzreihe, und der Wunsch nach Bass, der über die Plätze hinweg gleich bleibt. Ob ein Gerät überhaupt in Frage kommt, entscheidet der Raum: Gibt er Subwoofer-Positionen an zwei gegenüberliegenden Flächen her — und wenn ja, nur am Boden oder auch in der Höhe?
Erst danach kommt die Verfahrensfrage, und an dieser Stelle ist die ehrliche Antwort derzeit eine Rückfrage an den Hersteller: Der Lieferstatus der Cylindrical-Auslegung ist zum Stand dieses Eintrags nicht belegt, und die Voraussetzungen an Prozessor, Subwoofer-Anzahl und Endstufen sind für diese Variante nicht dokumentiert. Was unabhängig davon gilt, ist der Verkabelungsgrundsatz aus dem Grundverfahren: jeden Subwoofer diskret ansteuerbar vorverkabeln. Diese Weiche stellt sich im Rohbau — und sie hält alle Wege offen, solange die Gerätefrage noch nicht entschieden ist.
Verknüpfte Inhalte
Was WaveForming grundsätzlich leistet, welche Voraussetzungen der Hersteller nennt und wie sich das Verfahren zum DBA verhält, steht im Eintrag zum Grundverfahren. Der Überblick über alle Wege der aktiven Basskontrolle — von der Aufstellung mehrerer Subwoofer bis zu den adaptiven Verfahren — steht auf der zugehörigen Wissensseite. Warum vertikale Moden eine eigene Betrachtung brauchen, klären Raummode und der Eintrag zu tangentialen und schrägen Raummoden.
Quellen
Die Beschreibung der Anordnung, die genannten Anwendungsfälle und die beiden Einschränkungen stammen aus der Herstellerankündigung vom 2024-04-29 (Trinnov Audio) und sind durchgehend als Herstellerangaben zu lesen. Die Einordnung zur vertikalen Richtung ist eine Ableitung aus dem Wirkprinzip und als solche gekennzeichnet.