Inhalt anzeigen
- Tiefe
- Fortgeschritten
Multisub
Was ist ein Multisub-Setup?
Ein Multisub-Setup ist der Betrieb mehrerer Subwoofer im selben Raum. Ziel ist ein Bass, der über alle Sitzplätze hinweg ähnlich klingt, nicht nur am besten Platz.
Ein einziger Basslautsprecher kann es nie allen recht machen. Er füllt den Raum von einer festen Stelle aus, und dadurch klingt der Bass auf dem einen Platz satt und zwei Meter weiter dünn — mit Reglern lässt sich das nicht für alle gleichzeitig geradebiegen. Ein zweites Gerät an einer anderen Stelle springt genau dort ein, wo dem ersten etwas fehlt, und umgekehrt. Es geht dabei nicht um mehr Bass, sondern um gleich guten Bass auf jedem Sitzplatz. Ob das aufgeht, entscheiden die Positionen und nicht die Stückzahl.
Ausführliche Erklärung
Tiefe Töne haben Wellenlängen im Bereich der Raumabmessungen. Deshalb bilden sich stehende Wellen, und der Pegel schwankt von Platz zu Platz um mehrere Dezibel. Ein einzelner Subwoofer regt diese Raummoden von einer festen Position aus an, und ein Filter kann anschließend nur einen Kompromiss über alle Plätze bilden.
Mehrere Subwoofer an unterschiedlichen Positionen regen die Moden unterschiedlich stark an. Wo der eine ein Loch erzeugt, liefert der andere Pegel, sodass sich die Unterschiede zwischen den Plätzen teilweise ausgleichen. Es ist wie mit mehreren kleinen Leuchten statt einem hellen Strahler: Die Gesamthelligkeit ändert sich kaum, die Verteilung im Raum wird gleichmäßiger.
Welti und Devantier haben für rechteckige Räume gezeigt, dass symmetrische Anordnungen mehrerer Subwoofer die Sitzplatz-zu-Sitzplatz-Abweichung deutlich verringern (AES 2006). Das gilt für die dort untersuchten Raumformen und Positionen; in schiefwinkligen, offenen oder stark möblierten Räumen fällt der Gewinn anders aus und muss gemessen werden.
Mehr Subwoofer liefern nebenbei mehr Maximalpegel und mehr Reserve. Der eigentliche Zweck bleibt die gleichmäßigere Verteilung, denn Pegelreserve allein löst kein Modenproblem.
Ein Vorteil ist das allerdings nur mit Plan. Bewährt sind symmetrische Anordnungen — zwei Subwoofer in gegenüberliegenden Wandmitten, vier in den Vierteln oder Ecken —, nicht das Verteilen nach Bauchgefühl; eine schlecht gewählte zweite Position kann das Ergebnis sogar verschlechtern. Bei der Abstimmung gehören Pegel, Delay und Phase je Subwoofer aufeinander eingestellt; manchmal liefert das bewusste Invertieren eines Subwoofers das gleichmäßigere Gesamtbild. Und der Ertrag nimmt ab: Der Schritt von einem auf zwei Subwoofer bringt am meisten, von zwei auf vier spürbar weniger. Ab mehreren Sitzreihen mit hohem Anspruch stößt auch Multisub an Grenzen — dort beginnt das Feld der ausgewachsenen Basskonzepte: SBA, DBA oder WaveForming.
Eine eigene Aufstellstrategie daneben ist die kardioide Subwoofer-Anordnung: Statt die Sitzplatz-zu-Sitzplatz-Streuung im Hörraum auszugleichen, richtet sie die Abstrahlung gezielt so, dass nach hinten kaum Bass abgestrahlt wird — etwa gegen einen Nachbarraum oder eine offene Galerie. Das ist ein anderes Ziel als bei der symmetrischen Multisub-Verteilung und verlangt eine andere Verschaltung. Wie das Grenzflächenverhalten dabei von dem eines gewöhnlichen, rundstrahlenden Subwoofers abweicht, steht bei Grenzflächenverhalten von Dipol- und Kardioid-Lautsprechern.
Nicht zu verwechseln mit
- SBA und DBA: Dort stehen die Subwoofer nach einer festen Geometrie und erzeugen eine ebene Wellenfront. Ein Multisub-Setup verlangt keine solche Ordnung.
- Stereo-Subwoofer: Zwei Subwoofer, die den linken und rechten Kanal getrennt wiedergeben. Unterhalb der Übergangsfrequenz enthält das kaum Richtungsinformation.
- Doppelbestückung: Zwei Chassis in einem Gehäuse zählen akustisch wie eine Quelle, weil sie am selben Ort stehen.
Praxisbeispiel
Du planst ein Wohnzimmerkino mit einem Dreiersofa. Mit einem Subwoofer in der Zimmerecke unterscheidet sich der Bass zwischen den Außenplätzen und der Mitte hörbar: Auf einem Platz wirkt er dick, auf dem Nachbarplatz dünn. Zwei Subwoofer, die sich gegenüberstehen und symmetrisch zur Sitzreihe liegen, verteilen den Bass gleichmäßiger über die drei Plätze. Welche Positionen im konkreten Raum funktionieren, entscheidet die Messung — Aufstellvarianten durchzumessen kostet weniger als ein zusätzlicher Subwoofer an der falschen Stelle.
Verknüpfte Inhalte
Verwandte Begriffe sind Subwoofer, Raummode, Bassmanagement sowie die Array-Prinzipien SBA und DBA. Für die kardioide Aufstellung gilt ein eigenes Grenzflächenverhalten, siehe Grenzflächenverhalten von Dipol- und Kardioid-Lautsprechern. Als Systemfrage 2.1 gegen 2.2 nimmt der HiFi-Guide das Prinzip im Kapitel 2.0, 2.1 oder 2.2? wieder auf.
Quellen
- Welti, Devantier: „Low-Frequency Optimization Using Multiple Subwoofers", Journal of the Audio Engineering Society 54 (2006), Heft 5 — technische Primärquelle für die Wirkung mehrerer Subwoofer auf die Sitzplatzstreuung.