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SBA (Single Bass Array)
Was ist ein SBA (Single Bass Array)?
Ein SBA ist eine Anordnung mehrerer gleich angesteuerter Subwoofer in einer Wandebene, meist der Frontwand. Sie erzeugen gemeinsam eine annähernd ebene Welle, die längs durch den Raum läuft.
Statt eines einzelnen Basslautsprechers arbeitet hier eine ganze Reihe davon in der vorderen Wand, alle im Gleichtakt. Sie schieben den Bass als eine einzige gerade Front durch den Raum, vergleichbar mit dem Wellenbad, in dem eine saubere Welle von einer Seite zur anderen läuft. Damit das gelingt, muss die Wand am anderen Ende die ankommende Welle aufnehmen statt zurückzuwerfen, sonst schwappt gleich wieder alles durcheinander. Genau daran scheitert die Idee in den meisten Wohnzimmern, denn dafür braucht es eine schluckende Rückwand in der Größenordnung eines halben Meters, die Platz frisst. Das ist eine Lösung für den geplanten Kinoraum, nicht fürs Nachrüsten am Wochenende.
Ausführliche Erklärung
Verteilst Du mehrere Tieftöner regelmäßig über eine Wand und betreibst sie mit demselben Signal, addieren sich ihre Anteile vor der Wand zu einer nahezu ebenen Wellenfront. Diese Front schiebt die Luft durch den Raum, ähnlich wie ein Kolben die Luft in einem Rohr vor sich her schiebt. Solange die Welle eben bleibt, entstehen quer zum Raum keine ausgeprägten stehenden Wellen.
Entscheidend ist, was am anderen Ende passiert. Trifft die Welle auf eine harte Rückwand, wird sie reflektiert und bildet mit der nachfolgenden Welle wieder eine stehende Welle in Längsrichtung. Ein SBA verlangt deshalb eine Rückwand, die tiefe Frequenzen wirksam absorbiert — und das bedeutet tiefe, breitbandige Tieftonabsorber, die in einem Wohnraum selten unterzubringen sind.
Zwei weitere Grenzen gehören dazu. Die erste ist rechnerisch fassbar: Der Abstand der Chassis untereinander und zu den Begrenzungsflächen darf die halbe Wellenlänge der höchsten Frequenz nicht überschreiten, die die ebene Front noch übertragen soll — darüber bricht sie auf. Diese Bedingung stammt aus dem Beitrag der Aachener Akustiker Anselm Goertz und Lutz Naumann zusammen mit Markus Wolff zur Jahrestagung für Akustik 2003; als Anhaltspunkt nennen sie ein Array aus vier Subwoofern, für sehr breite Räume sechs. Die zweite Grenze ist baulicher Natur: Ein SBA setzt einen rechteckigen Raum mit klarer Längsachse voraus, denn Nischen, Türen und offene Übergänge stören die ebene Front.
Die Bedingung gilt je Richtung getrennt — einmal über die Breite der Wand, einmal über die Höhe. Wie aus diesen zwei Werten die eine Arbeitsgrenze des Arrays wird, beantwortet die begutachtete Literatur uneinheitlich. AVITECT rechnet dafür als Hausansatz mit der kombinierten Mode aus Breite und Höhe: Beide Richtungen gehen quadratisch addiert ein, die Grenze liegt damit über jedem der beiden Einzelwerte. Das ist eine Festlegung von AVITECT und kein Messergebnis; sie folgt der Lesart, an deren Seite als einzige eine veröffentlichte Messung steht (CABS, 100 Hz). Eine eigene Messreihe kann sie später bestätigen oder ersetzen. An dieser Wahl hängt die Chassiszahl je Wand und damit ein erheblicher Teil der Gerätekosten. Die Herleitung mit den drei Lesarten und den Zahlen steht auf der Wissensseite Aktive Basskontrolle.
Als Verfahren mit eigenem Namen hat das SBA keine belegte Erstbeschreibung. Der Beitrag von 2003 misst die Frontanordnung zwar aus, verwirft die absorbierende Rückwand aber ausdrücklich als zu groß und zu teuer und geht stattdessen zum Rückwand-Array über — dem heutigen DBA. Das SBA ist der Rückbegriff aus dieser Diskussion, und wer ihn geprägt hat, ließ sich nicht belegen.
Wie viel Absorption die Rückwand leisten muss
Die Array-Seite des Verfahrens ist gut belegt, die Absorberseite lange nicht. Beziffert hat sie eine Untersuchung des Hannoveraner Entwicklers Nils Öllerer von 2013, die einen Testraum von 6 × 4,8 × 2,2 m erst simuliert und dann ausgemessen hat.
Die Simulation zeigt, wie stark das Ergebnis am Absorptionsgrad hängt. Bei harter Rückwand ist der Frequenzgang durch die Längsmoden zerklüftet und wechselt mit jedem Sitzplatz. Schluckt die Rückwand die Hälfte der ankommenden Energie, beruhigt er sich deutlich. Erst bei vollständiger Absorption verläuft er linear und an jedem Platz gleich. Einen Schwellenwert, ab dem ein SBA „funktioniert", gibt es demnach nicht — das Ergebnis wird stetig besser, je mehr die Rückwand schluckt.
Die Messung im selben Raum beziffert die Aufbautiefe. An der Rückwand hingen 55 cm Steinwolle über 90 Prozent der Wandfläche — Rockwool Sonorock mit einem längenbezogenen Strömungswiderstand von mindestens 6 kPa·s/m². Die Längsmoden dieses Raums liegen bei 28, 57 und 86 Hz. Das Ergebnis: Die zweite und dritte Längsmode waren fast vollständig bedämpft, die erste bei 28 Hz blieb erhalten, klang aber nur noch etwa ein Viertel so lange nach. Der Unterschied zwischen drei Messplätzen längs des Raums sank von rund ±25 dB auf rund ±7 dB.
Damit ist die untere Grenzfrequenz gemessen, wenn auch nur für diesen einen Raum: 55 cm poröses Material wirken oberhalb von etwa 57 Hz praktisch vollständig, bei 28 Hz nur noch teilweise. Die Viertel-Wellenlängen-Regel beim Eintrag Absorption würde für 55 cm sogar erst oberhalb von rund 150 Hz volle Wirkung erwarten lassen — eine Raummode wird also schon von unvollständiger Absorption merklich gebremst, weil ihr bei jedem Durchlauf Energie fehlt.
Im ausgeführten Kino desselben Autors kamen hinter die 55 cm noch 10 cm hinterlüfteter Abstand gegen Feuchte, zusammen also gut 65 cm Wandaufbau. Die verbleibende erste Längsmode ist minimalphasig und lässt sich mit einem einzelnen parametrischen Filter im Equalizer abfangen; das ist die praktische Konsequenz aus der Messung. In der zweiten Sitzreihe dicht an der Rückwand bleibt die Streuung trotzdem größer als in der ersten.
Nicht zu verwechseln mit
- DBA: Ein DBA ergänzt die Rückwand um ein zweites Array, das die ankommende Welle aktiv auslöscht. Ein SBA braucht stattdessen passive Absorption.
- Multisub: Mehrere Subwoofer ohne feste Geometrie. Sie mitteln die Moden statt sie zu vermeiden.
- Line Array: Ein Begriff aus der Beschallung, der die Richtwirkung im Mittel- und Hochton meint.
Praxisbeispiel
Du baust einen dedizierten Kinoraum mit rechteckigem Grundriss und planst die Rückwand ohnehin mit tiefen Absorbern, hinter denen die Verkabelung verschwindet. Dann ist ein SBA eine ernsthafte Option: Die Subwoofer wandern in die Frontwandkonstruktion, die Rückwand übernimmt die Bedämpfung. Steht dort dagegen eine zweite Sitzreihe direkt an der Wand, fehlt der Platz für die Absorber, und die Welle kommt zurück.
Ob ein SBA oder ein Multisub-Aufbau passt, entscheidet sich an drei Größen: an der Grundrissform, an der Tiefe, die die Rückwand für Absorber hergibt, und am Sitzplan. Ist der Raum rechteckig, die Längsachse klar und lässt sich ein Absorberaufbau in der Größenordnung der oben gemessenen 65 cm einplanen, liegt das SBA vorn, weil die Längsmoden dann gar nicht erst entstehen. Fehlt eine dieser Bedingungen — offener Grundriss, belegte Rückwand, zweite Reihe dicht an der Wand —, kommt ein Multisub-Aufbau weiter, der die Moden mittelt statt sie zu vermeiden. Eine Raumgröße, ab der die Antwort feststeht, gibt es nicht — je genauer Grundriss, Wandtiefe und Sitzplan bekannt sind, desto klarer fällt die Wahl.
Verknüpfte Inhalte
Verwandte Begriffe sind DBA, Multisub, Raummode und Absorption.
Quellen
- Goertz, Wolff, Naumann: „Optimierung der Tieftonwiedergabe in Tonstudios und Abhörräumen", Jahrestagung für Akustik 2003, Aachen — Bedingung für die ebene Wellenfront und Messreihen zur Frontanordnung.
- Celestinos, Nielsen: „Controlled Acoustic Bass System (CABS)", JAES 56 (2008), Heft 11 — peer-reviewte Ausarbeitung der Array-Auslegung an der Universität Aalborg.
- Welti, Devantier: „Low-Frequency Optimization Using Multiple Subwoofers", JAES 54 (2006), Heft 5 — Grundlage zur Wirkung mehrerer Subwoofer auf das Modenverhalten.
- AVITECT-Hausansatz zur Arbeitsgrenze eines Bassarrays (Bene Senk, 2026-09-07) — Zusammenführung der beiden Richtungswerte über die kombinierte Mode; Hausansatz, kein Messergebnis.
- Trinnov: Richtlinien zur Subwoofer-Aufstellung (Herstellerdokument, Abruf 2026-07-28) — beschreibt Front- und Rückwand-Arrays als Grundlage einer ebenen Wellenfront.
- Öllerer: „Untersuchung von Subwoofersystemen", Hannover 2013 — Simulation des SBA mit harter, halb und vollständig absorbierender Rückwand sowie Messreihe mit 55 cm Steinwolle; im Selbstverlag erschienen, nicht peer-reviewt.
- Öllerer: „Single Bass Array Dokumentation" (SBA-01), Dezember 2013 — das ausgeführte System im selben Raum, Absorberaufbau 55 cm Steinwolle plus 10 cm Luft.
- Rockwool: Datenblatt Trennwandplatte Sonorock — längenbezogener Strömungswiderstand des verwendeten Materials nach DIN EN ISO 29053.