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ISF-Kalibrierung
Was sagt eine ISF-Zertifizierung aus — bei einer Person und bei einem Bildgerät?
Die Imaging Science Foundation vergibt zwei verschiedene Zertifikate unter demselben Kürzel, und wer das durcheinanderbringt, liest an einem der beiden etwas Falsches ab. Das eine gilt Personen: Wer eine mehrtägige Schulung mit Prüfung besteht, darf sich ISF-zertifizierter Kalibrierer nennen. Das andere gilt Geräten: Hersteller lizenzieren ein Programm, für das sie kalibrierbare Regler und zwei sperrbare Bildspeicher einbauen — daher die Bildmodi „ISF Tag" und „ISF Nacht", die in vielen Fernsehern, Projektoren und AV-Geräten im Menü stehen. Beides zusammen ergibt einen Rahmen für die Bildkalibrierung. Die Zielwerte selbst gibt die ISF dabei nicht vor: Farbraum, Tonwertkurve und Weißpunkt stehen in Normen, an denen die Filmindustrie und die Gerätehersteller gleichermaßen hängen.
Ein Fernseher kommt ab Werk mit Bildeinstellungen, die im hellen Laden gut aussehen sollen — kräftig, kühl, überzeichnet. Eine Kalibrierung stellt ihn auf die Werte zurück, mit denen der Film gemacht wurde, und dafür braucht es Messtechnik und jemanden, der damit umgehen kann. Die ISF ist die Einrichtung, die solche Leute ausbildet und prüft. Wenn Du im Menü Deines Geräts „ISF Tag" und „ISF Nacht" siehst, sind das zwei Speicherplätze für genau diese Einstellungen — einer für den hellen Raum am Tag, einer für den abgedunkelten am Abend. Gefüllt sind sie erst, wenn jemand mit Messgerät dagewesen ist.
Wem das Siegel gehört
Die Imaging Science Foundation, Inc. wurde 1994 von Joel Silver gegründet, sie sitzt in Florida und ist ein Unternehmen und keine gemeinnützige Stiftung, auch wenn der Name das nahelegt. Der Gründungszweck war eng umrissen: Die Kalibrierpraxis, die in Fernseh- und Filmstudios seit Langem üblich war, sollte in die Custom-Installation gelangen, also zu den Betrieben, die Heimkinos bauen. Silver hat dafür 2018 den CEDIA Lifetime Achievement Award des Branchenverbandes bekommen.
Das Unternehmen arbeitet in vier Feldern: Herstellerberatung unter Geheimhaltung, Zertifizierungsschulung mit rund zwanzig Seminaren im Jahr, Pressearbeit samt Beschaffung von Messtechnik für Testredaktionen — und Lizenzierung. Diese Mischung ist für die Einordnung wichtig, weil dieselbe Stelle die Hersteller berät, deren Geräte lizenziert und die Fachleute ausbildet, die diese Geräte später einstellen.
Bei der Normung selbst sitzt die ISF mit am Tisch, ohne sie zu setzen: Sie führt den Vorsitz im Ausschuss für die Heimkino-Norm von CTA und CEDIA und arbeitet im ANSI/INFOCOMM-Ausschuss zum Kontrastverhältnis mit. Die Kalibrierziele selbst stammen aus den Normen der Internationalen Fernmeldeunion — Rec. 709 für den Farbraum im HD-Bereich, BT.1886 für die Tonwertkurve und der Weißpunkt D65 als Bezug für neutrales Weiß.
Was geprüft wird
Hier laufen die beiden Programme auseinander, und deshalb werden sie getrennt beschrieben.
Bei Personen wird Wissen geprüft. Die Schulung Level I führt durch die geltenden Normen, durch die Modelle hinter der Bildwiedergabe, durch die Bedienelemente am Gerät und den Zweipunkt-Weißabgleich, weiter zu Farbmanagement, Videoverarbeitung, Bildformaten, RGB-Matrix und der Auslegung einer Projektion. Level II setzt darauf auf und behandelt die Prüfung der HDMI-Strecke, dreidimensionales Farbmanagement, den Mehrpunkt-Weißabgleich und die erweiterte Bearbeitung des Farbumfangs. Ein Kurs dauert drei Tage; die Kursgebühr beträgt 1.800 US-Dollar, für den Präsenzkurs wie für den Online-Kurs. Kurse finden neben Florida auch in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden statt.
Bei Geräten wird Kalibrierbarkeit geprüft. Das Lizenzprogramm ISFccc — die Buchstaben stehen für Certified Calibration Controls — verlangt vom Hersteller Regler, die weit genug reichen, um ein Gerät auf die Normwerte zu bringen, und zwei Speicherplätze, in denen das Ergebnis abgelegt und gegen versehentliches Verstellen gesperrt werden kann. Diese Speicher erscheinen im Menü als ISF Tag und ISF Nacht. Der Gedanke dahinter ist praktisch: Ein Raum hat am Nachmittag ein anderes Umgebungslicht als am Abend, und beide Zustände brauchen eine eigene Zielleuchtdichte. Der Bewohner wählt danach nur noch zwischen zwei Namen, statt an Reglern zu drehen, deren Wirkung er nicht messen kann.
Die beiden Programme und die zwei Schulungsstufen
| Bezeichnung | Gilt für | Was dahintersteht |
|---|---|---|
| ISF Level I | Person | Dreitägige Schulung mit Prüfung: Normen, Frontregler, Zweipunkt-Weißabgleich, Farbmanagement, Videoverarbeitung, Projektionsauslegung |
| ISF Level II | Person | Aufbaustufe: HDMI-Prüfung, dreidimensionales Farbmanagement, Mehrpunkt-Weißabgleich, erweiterte Bearbeitung des Farbumfangs |
| ISFccc | Gerätemodell | Herstellerlizenz: kalibrierbare Regler und zwei sperrbare Bildspeicher |
| ISF Tag / ISF Nacht | Bildmodus im Gerät | Die beiden Speicherplätze aus dem ISFccc-Programm, einer für hohes, einer für niedriges Umgebungslicht |
Eine Rangfolge über die Qualität einer Kalibrierung bildet diese Tabelle nicht ab. Level II sagt, dass jemand einen zweiten Kurs besucht hat, und ISFccc sagt, dass ein Gerät die Regler mitbringt.
Was eine ISF-Kennzeichnung nicht aussagt
Das häufigste Missverständnis betrifft die Rolle der ISF im Ganzen: Viele Leser halten „ISF-kalibriert" für ein Messverfahren oder gar für einen eigenen Bildstandard, an dem sich ein Gerät messen lassen muss. Das ist es nicht. Die Zielwerte stehen in Normen der Fernmeldeunion und der Filmindustrie; die ISF bildet Menschen darin aus, diese Werte an realen Geräten herzustellen. Das Ziel einer Kalibrierung gibt damit die Norm vor und nicht die Ausbildung dessen, der sie ausführt — worin sich zwei Kalibrierungen unterscheiden können, ist die Frage, wie nah ein Gerät an diese Werte gebracht wird.
Vier weitere Grenzen gehören dazu.
Ein Gerät mit ISF-Bildmodi ist nicht kalibriert, es ist kalibrierbar. Die Speicherplätze sind ab Werk mit Voreinstellungen belegt, die genauso wenig gemessen sind wie jeder andere Bildmodus. Wer im Menü „ISF Nacht" wählt und annimmt, damit das Ergebnis einer Messung zu sehen, sieht eine Werksvorgabe mit einem geliehenen Namen.
Die Personenzertifizierung sagt etwas über die Ausbildung, nicht über die einzelne Arbeit. Bestanden hat jemand einen Kurs. Ob die Kalibrierung in Deinem Raum sauber gelaufen ist, zeigt allein das Messprotokoll davor und danach — die Abweichung im Weißabgleich, der Verlauf der Tonwertkurve, die Farbabweichung über den Umfang. Danach zu fragen, ist die wirksamste Prüfung, die ein Kunde hat.
Das Zertifikat gehört der Person, nicht dem Betrieb. Ein Unternehmen kann mit ISF-Zertifizierung werben, weil ein Mitarbeiter den Kurs besucht hat. Ob dieselbe Person auch zu Dir kommt, ist damit nicht gesagt.
Kein Zertifikat ist kein Negativurteil. Zur Kalibrierung führen weitere Wege — Herstellerschulungen, die Schulungen der Messsoftware-Anbieter und Jahre Praxis mit einem geeigneten Messgerät. Aus dem fehlenden Kürzel folgt kein Mangel; nachprüfbar bleibt die Arbeit in beiden Fällen nur über das Messprotokoll.
Wofür eine Zertifizierung gilt
Der Geltungsbereich verläuft bei diesem Siegel anders als bei einem reinen Gerätesiegel, weil zwei ganz verschiedene Gegenstände zertifiziert werden. Drei Ebenen sind zu trennen.
Die geprüfte Person in ihrer Stufe. Zertifiziert ist ein Mensch, der eine bestimmte Schulung abgeschlossen hat — Level I oder Level II. Übertragbar auf Kollegen ist das nicht, und eine Aussage über die Anzahl der Kalibrierungen, die diese Person seither gemacht hat, steckt nicht darin.
Das geprüfte Gerätemodell. Die ISFccc-Lizenz gilt für Modelle, in die der Hersteller die geforderten Regler und Speicher eingebaut hat. Eine Marke wird nie lizenziert; aus einem Fernseher mit ISF-Modi folgt nichts über den Projektor desselben Hauses.
Der Raum — und der bleibt außen vor. Für Räume gibt es kein ISF-Programm, obwohl gerade hier die größte Einflussgröße sitzt. Wandfarbe, Restlicht, Reflexionen der Sitzflächen und die Position der Sitzplätze zum Bild entscheiden mit darüber, ob ein Bild seine Wirkung entfaltet; der Schwarzwert, das Kontrastverhältnis und der Sichtwinkel hängen unmittelbar daran. Dass das ISFccc-Programm überhaupt zwei Speicher verlangt, ist die Antwort des Siegels auf diesen blinden Fleck: Weil der Raum außerhalb der Zertifizierung liegt, bekommt er wenigstens zwei Betriebszustände. Die Anforderungen an den Raum selbst stehen in der Heimkino-Norm von CEDIA und CTA, an deren Ausschuss die ISF beteiligt ist — nachzulesen unter CEDIA/CTA-RP22.
Verwandte Kennzeichnungen
| Bezeichnung | Was dahintersteht |
|---|---|
| ISF-zertifizierter Kalibrierer | Eine Person hat Level I oder Level II abgeschlossen. |
| ISFccc / „Engineered for Calibration" | Ein Gerätemodell hat die vorgeschriebenen Regler und Speicher. |
| ISF Tag / ISF Nacht im Bildmenü | Zwei sperrbare Speicherplätze, ab Werk mit Voreinstellungen belegt. |
| ISF-Partner in einer Herstellerliste | Der Hersteller arbeitet mit der ISF zusammen; welches der Programme gemeint ist, sagt die Liste nicht. |
Die letzte Zeile ist die rutschigste. Die Partnerliste des Anbieters führt Marken quer durch die Gerätewelt, und die Bandbreite dahinter reicht von der Gerätelizenz bis zur Beratung bei der Produktentwicklung. Aus dem Logo in einer solchen Liste lässt sich für ein einzelnes Gerät nichts ableiten.
Was der Anbieter nicht offenlegt
Die Kursgebühr steht öffentlich, die Kurstermine ebenfalls, und die Lehrinhalte sind in Stichworten aufgeführt. Alles, was die Verlässlichkeit des Zertifikats belegen würde, steht dort nicht.
Auch ein öffentliches, aktuelles Verzeichnis zertifizierter Kalibrierer war zum Prüfdatum dieser Seite nicht auffindbar; die Händlerseite des Anbieters gibt keine durchsuchbare Liste aus.
Was das für die Planung heißt
Für die Geräteauswahl ist die verwertbare Aussage klein und konkret: Sperrbare Kalibrierspeicher schützen ein einmal eingestelltes Bild davor, im Alltag verstellt zu werden, und das ist in einem Haushalt mit mehreren Nutzern kein Nebenaspekt. Für die Auswahl eines Dienstleisters ist das Zertifikat ein Hinweis auf eine Ausbildung und ersetzt die Frage nach dem Messprotokoll nicht.
Verknüpfte Inhalte
Was eine Kalibrierung am Bildgerät verändert und woran ein kalibrierter Bildmodus zu erkennen ist, steht unter Bildkalibrierung. Die Größen, gegen die eingestellt wird, haben eigene Einträge: der Farbraum, die Tonwertkurve und die Übertragungsfunktion, die Zielleuchtdichte und die Leuchtdichte als ihre Maßeinheit.
Was der Raum dazu beisteuert, zeigen der Schwarzwert, das Kontrastverhältnis und der Sichtwinkel. Die Anforderungen an einen Heimkinoraum als Ganzes stehen in CEDIA/CTA-RP22.
Quellen
- Imaging Science Foundation, About Us — Gründung 1994, Joel Silver, die vier Geschäftsfelder, rund zwanzig Seminare im Jahr, ISFccc als Gerätelizenz, Mitarbeit in den Normungsausschüssen von CTA/CEDIA und ANSI/INFOCOMM.
- Imaging Science Foundation, Certification Training — Inhalte von Level I und Level II, dreitägige Termine, Kursorte in Europa.
- Imaging Science Foundation, Startseite — erklärter Zweck der Zertifizierung, Kursgebühr 1.800 US-Dollar, Partnerliste.
- Imaging Science Foundation, ISF Founder Joel Silver Named 2018 CEDIA Lifetime Achievement Winner (11.09.2018) — personelle Verortung.
- Imaging Science Foundation, Imaging Science Foundation (08.06.2017) — Gründungszweck, ISFccc mit sperrbaren Tag- und Nachtspeichern, schriftliche und mündliche Prüfung, Investition in Messtechnik.
- Marantz, Bedienungsanleitung SR6009, Abschnitt Picture Adjust — ISF-Tag- und ISF-Nacht-Bildmodi als sperrbare Speicherplätze in einem Seriengerät.
- ITU-R BT.709, ITU-R BT.1886 und der Weißpunkt D65 — die Normen, aus denen die Zielwerte einer Kalibrierung stammen.
Die Angaben zu Programm, Kursen und Gebühren stammen vom Anbieter der Zertifizierung selbst. Prüfungsordnung, Bestehensschwelle und die technischen Anforderungen des Gerätelizenzprogramms sind nicht veröffentlicht und daher nicht nachprüfbar; die Angabe zur Prüfungsform beruht auf einer älteren Veröffentlichung des Anbieters und ist als solche gekennzeichnet.