Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

IMAX Enhanced

Was sagt das IMAX-Enhanced-Logo an einem Gerät aus — und warum ist es kein Tonformat?

IMAX Enhanced ist ein Prüf- und Lizenzprogramm, das die IMAX Corporation und die DTS im September 2018 gemeinsam gestartet haben. Geprüft werden fertige Geräte — Fernseher, Projektoren, AV-Receiver, Vorstufen, Lautsprecher und Soundbars — gegen Anforderungen an Bild und Ton, die ein Gremium aus Ingenieuren beider Häuser und technischen Fachleuten aus Hollywood festlegt. Dazu kommen zwei Dinge, die kein anderes Siegel im Heimkino so kennzeichnet: einzelne Filme, die IMAX in einem eigenen Verfahren neu abgetastet hat, und Streamingdienste, die diese Fassungen ausliefern dürfen. Auf dem Display eines Receivers steht der Name zwischen Dolby Atmos und DTS:X, und genau dort entsteht das Missverständnis: Das Tonformat darunter heißt DTS:X, und IMAX Enhanced ist das Siegel darüber.

Wenn Du auf einem Fernseher oder einem Verstärker das IMAX-Logo siehst, heißt das: Ein Prüflabor hat sich das Gerät angesehen und bestätigt, dass es bestimmte Anforderungen erfüllt. Es ist kein Extra, das eingebaut wurde, und es macht aus jedem Film keinen Kinofilm. Nutzen hast Du davon nur bei den wenigen Filmen, die eigens für dieses Programm neu bearbeitet wurden — bei allen anderen ändert sich nichts. Vergleichbar ist das mit einem Prüfzeichen auf einer Steckdosenleiste: Es sagt Dir etwas über das Gerät, aber nichts darüber, was Du daran anschließt.

Wem das Siegel gehört

Hinter dem Programm stehen zwei Unternehmen, und die Arbeitsteilung zwischen ihnen erklärt fast alles, was an dem Siegel eigen ist.

Die IMAX Corporation bringt den Namen, das Kino-Erbe und das Nachbearbeitungsverfahren ein, mit dem Filme für das Programm neu abgetastet werden. Die DTS bringt das Tonformat und den Lizenzweg ein: Sie ist die Stelle, bei der Gerätehersteller Decoder lizenzieren, und über ihr bestehendes Lizenzgeschäft läuft auch IMAX Enhanced. IMAX-Chef Richard L. Gelfond hat das bei der Vorstellung 2018 offen so beschrieben — sein Haus könne Marke und Technik einbringen, ohne die Investitionen zu stemmen, die ein eigenes Lizenzgeschäft verlangt; DTS baue das Geschäft auf, IMAX werde daran beteiligt.

Die Prüfanforderungen setzt ein gemeinsames Zertifizierungsgremium aus Ingenieuren beider Unternehmen und technischen Fachleuten aus Hollywood. Die Prüfung selbst führen autorisierte Labore durch; Allion Labs etwa nennt eine Autorisierung durch IMAX und Xperi für Bildgeräte und bietet daneben eine Vorprüfung an, mit der ein Hersteller vor dem eigentlichen Durchlauf nachbessern kann.

Warum das mehr als eine Firmengeschichte ist: Ein Hersteller, der das Logo auf sein Gerät setzt, hat eine Prüfung bei Dritten bestanden und eine Lizenz erworben. Der Kinoname auf dem Karton gehört weiterhin IMAX.

Was geprüft wird

Auf der Bildseite nennen IMAX und DTS drei Prüfgrößen: Auflösung, Helligkeit und — für den Ton — die klangliche Wiedergabetreue. Verlangt wird die Wiedergabe von 4K-Material mit hohem Dynamikumfang; der Farbraum, die Übertragungsfunktion und die erreichbare Zielleuchtdichte stehen damit im Prüfumfang, ohne dass die Anbieter Schwellenwerte dazu nennen.

Auf der Tonseite ist die Anforderung eindeutig und öffentlich: Ein zertifiziertes Wiedergabegerät decodiert DTS:X. Die Filmmischungen des Programms sind eine Sonderfassung dieses Formats, an der Tonmeister aus Hollywood mitgearbeitet haben; erklärtes Ziel ist, den vollen Dynamikumfang der Kinomischung zu erhalten statt ihn für das Wohnzimmer zusammenzudrücken.

Der zweite Teil der Geräteanforderung ist der IMAX Mode — eine Betriebsart, die ein zertifiziertes Gerät bereitstellen muss und die automatisch anspringt, sobald eine entsprechend gekennzeichnete Tonspur anliegt. Für die Planung ist das der greifbarste Punkt der ganzen Seite, weil er das Bassmanagement berührt.

Diese Unsicherheit ist für eine Anlagenplanung erheblich: Eine fest vorgegebene Übergangsfrequenz greift in genau die Einstellung ein, die sonst aus Raum, Lautsprechern und Einmessung folgt.

Warum es keine Stufen gibt

Wo andere Prüfsiegel eine Leistungsklasse vergeben, ist IMAX Enhanced binär: Ein Gerät hat das Siegel oder es hat es nicht. Eine Stufe, die etwas über Raumgröße, Sitzabstand oder Pegelreserve aussagt, existiert im Programm nicht.

Die einzige Gliederung läuft über die Gerätekategorie, und die ist tatsächlich eine Aussage — nur eine andere, als eine Stufenangabe wäre:

KategorieWas die Zertifizierung dort abdeckt
Fernseher und ProjektorenBildwiedergabe in 4K mit hohem Dynamikumfang; Wiedergabe des erweiterten Bildformats
AV-Receiver und VorstufenDTS:X-Decodierung und der IMAX Mode mit seiner eigenen Bassverwaltung
Lautsprecher und SoundbarsWiedergabe der Sonderfassung ohne die im Programm unerwünschte Dynamikbegrenzung
StreamingdiensteAuslieferung der Fassungen in der geforderten Bild- und Tonqualität

Ein Fernseher mit dem Logo und ein AV-Receiver mit dem Logo haben deshalb unterschiedliche Prüfungen bestanden. Für die Anlage heißt das: Das Siegel an einem Glied der Kette sagt nichts über die anderen Glieder.

Was das Siegel nicht aussagt

Das Missverständnis, das in Beratungsgesprächen zuerst auftaucht, steht schon im Gerätemenü: IMAX Enhanced erscheint dort in derselben Liste wie Dolby Atmos und DTS:X und liest sich damit als drittes Tonformat, zwischen dem man wählt. Das ist es nicht. Gewählt wird DTS:X; IMAX Enhanced ist die Kennzeichnung dafür, dass Gerät, Tonspur und Betriebsart zueinander passen.

Vier weitere Grenzen gehören dazu.

Das Siegel sagt nichts über Deinen Raum. Es gibt keine Raumgröße, keinen Sitzabstand und keinen Pegel, für die ein zertifiziertes Gerät ausgelegt wäre. Ob ein Fernseher in Deinem Wohnzimmer hell genug ist und ob Deine Lautsprecher den erhaltenen Dynamikumfang auch abbilden, bleibt eine Frage der Auslegung und der Raumkorrektur.

Ohne passenden Film passiert nichts. Der Nutzen entsteht nur bei Titeln, die für das Programm neu abgetastet und neu gemischt wurden; gekennzeichnet werden einzelne Fassungen und nicht ganze Kataloge. Bei allem anderen Material arbeitet ein zertifiziertes Gerät wie jedes andere.

Ein zertifiziertes Gerät ist keine Zugangsvoraussetzung. DTS sagt das für Disney+ ausdrücklich: Zertifizierte Geräte werden empfohlen, verlangt wird für den Zugriff auf die Inhalte ein Wiedergabegerät, das DTS:X beherrscht. Wer das Logo für eine Sperre hält, kauft gegen ein Hindernis an, das so nicht aufgestellt ist.

Kein Siegel ist kein Negativurteil. Die Zertifizierung ist ein Lizenzprogramm, in das ein Hersteller eintritt und für das er zahlt. Es gibt hervorragende Geräte ohne das Logo, weil ihr Hersteller diesen Weg nicht geht oder weil er auf ein anderes Tonformat setzt.

Wofür eine Zertifizierung gilt

Der Geltungsbereich ist bei diesem Programm breiter als bei einem reinen Gerätesiegel und muss deshalb sauber getrennt werden. Drei Ebenen sind zu unterscheiden, und alle drei erscheinen unter demselben Namen.

Das einzelne Gerät in seiner Kategorie. Zertifiziert ist ein Modell, das im Labor stand, gegen den Prüfumfang seiner Kategorie. Eine Marke wird nie zertifiziert, und aus einem zertifizierten Fernseher folgt nichts über die Soundbar desselben Hauses.

Der einzelne Film. IMAX kennzeichnet Fassungen, die durch das eigene Nachbearbeitungsverfahren gelaufen sind. Dazu gehört bei einem Teil der Titel das erweiterte Bildformat, das im Kino auf der höheren IMAX-Leinwand entsteht: DTS beziffert den Zugewinn mit bis zu 26 Prozent mehr Bild gegenüber der Breitwandfassung. Wie ungleichmäßig das über einen Film verteilt sein kann, zeigt „Spider-Man: Far From Home" — dort sind es 45 Minuten des Films, nicht der ganze Film.

Die Plattform. Auch ein Streamingdienst wird geprüft und zugelassen. 2019 hat das Programm FandangoNOW und Rakuten TV als erste Dienste aufgenommen, die den geforderten Standard für 4K-HDR-Streaming erfüllen. Diese Ebene ist die eigentliche Besonderheit gegenüber anderen Siegeln der Heimkinowelt: Geprüft wird nicht allein die Hardware, sondern auch der Weg, auf dem der Film ins Haus kommt.

Was in keiner dieser Ebenen vorkommt, ist der Raum. Für Heimkinoräume gibt es im Programm IMAX Enhanced keine Zertifizierung. Das Kinogeschäft von IMAX und die Ausstattung ganzer Privatkinos durch IMAX sind eigene Geschäftsfelder mit eigenen Anforderungen, die mit dem Logo auf einem Fernseher nichts zu tun haben.

Verwandte Kennzeichnungen

Der Name IMAX begegnet dem Leser in mehreren Zusammenhängen, und nur einer davon ist dieses Programm.

BezeichnungWas dahintersteht
IMAX Enhanced (am Gerät)Das Gerät hat die Prüfung seiner Kategorie bestanden und ist lizenziert.
IMAX Enhanced (am Film)Die Fassung ist im IMAX-Verfahren neu abgetastet, oft mit Sonderfassung der Tonmischung.
IMAX signature sound by DTSDie Tonseite des Programms, umgesetzt in einer Sonderfassung von DTS:X.
Erweitertes BildformatEin Bildformat innerhalb einer Fassung, nicht durchgängig über den ganzen Film.
IMAX (Lichtspielhaus)Das Kinogeschäft mit eigener Saaltechnik und eigenen Anforderungen.
DTS:X ohne IMAX-LogoDasselbe Tonformat ohne die Sonderfassung und ohne den IMAX Mode.

Für die Kaufentscheidung ist die zweite Zeile die wichtige. Ein Gerät mit dem Logo und ein Film mit dem Logo sind zwei verschiedene Aussagen, und erst zusammen ergeben sie das, was das Programm verspricht.

Was die Anbieter nicht offenlegen

Öffentlich stehen die Prüfbereiche, die Gerätekategorien und die Liste der zertifizierten Modelle. Die Anforderungen dahinter stehen dort nicht.

Ebenso unveröffentlicht sind die Gebühren des Programms und die Frage, ob und wie nachgeprüft wird, wenn ein Hersteller ein zertifiziertes Modell während seiner Bauzeit per Firmware verändert. Gerade bei AV-Receivern, deren Betriebsarten über Jahre per Aktualisierung nachwachsen, wäre das die Frage, die man gern beantwortet hätte.

Was das für die Planung heißt

Als Kriterium bei der Geräteauswahl ist das Siegel schmal: Es sortiert nichts nach Raumgröße vor, es nennt keine Leistungsdaten, und es sagt nichts über die Eignung eines Geräts für Dein Projekt. Was es zuverlässig anzeigt, ist die Fähigkeit zur DTS:X-Wiedergabe und die Bereitschaft eines Herstellers, sein Gerät prüfen zu lassen. Wer eine Kette plant, in der die Filme dieses Programms eine Rolle spielen sollen, achtet deshalb weniger auf das Logo als auf die durchgehende DTS:X-Fähigkeit von Quelle, Verstärker und Wiedergabegerät.

Verknüpfte Inhalte

Für die Begriffe, die auf dieser Seite vorkommen: das Bassmanagement, die Übergangsfrequenz und der LFE-Kanal für den Eingriff des IMAX Mode in die Basswiedergabe; die Zielkurve und die Raumkorrektur für die Einmessung, die davon berührt wird; der Dynamikumfang als die Größe, um die es bei der Sonderfassung der Tonmischung geht; die Kanal-Notation für die Layouts, in die eine Kinomischung übersetzt wird.

Auf der Bildseite gehören der Farbraum, die Übertragungsfunktion, die Zielleuchtdichte und das Kontrastverhältnis dazu; für das erweiterte Bildformat und seinen Effekt auf dem Sitzplatz der Sichtwinkel. Was eine Kalibrierung an einem Bildgerät überhaupt leistet, steht unter Bildkalibrierung.

Quellen

  1. IMAX Corporation und DTS, Pressemitteilung IMAX and DTS Partner to Launch IMAX Enhanced Program for Home Entertainment (04.09.2018) — Programmstart, Zertifizierungsgremium, geprüfte Gerätearten, IMAX Mode, Sonderfassung des DTS:X-Codecs, Arbeitsteilung zwischen IMAX und DTS.
  2. IMAX Corporation und DTS, Pressemitteilung IMAX Enhanced Announces Global Expansion With New Streaming Platforms, Blockbuster Movies and Device Partners (05.09.2019) — Zertifizierung von Streamingdiensten, 45 Minuten erweitertes Bildformat in „Spider-Man: Far From Home", Gerätepartner.
  3. DTS, IMAX Enhanced — Prüfgrößen Auflösung, Helligkeit und klangliche Wiedergabetreue; bis zu 26 Prozent mehr Bild; DTS:X als Tonformat des Programms.
  4. DTS, FAQ: IMAX Enhanced sound with DTS:X — zertifizierte Geräte empfohlen, für den Zugang zu den Inhalten aber nicht erforderlich.
  5. Xperi, IMAX Enhanced — Einordnung als Zertifizierungs- und Lizenzprogramm.
  6. Allion Labs, IMAX Enhanced — autorisiertes Prüflabor, Vorprüfung, Anforderungen durch ein Gremium und unveröffentlicht.
  7. ecoustics, Chris Boylan, DTS:X with IMAX Enhanced on Disney+ How it Works (07.07.2024) — unabhängige Sekundärquelle zur Umsetzung der Kinomischung im Heimformat.

Die Angaben zum Programm stammen von seinen beiden Anbietern selbst; eine unabhängige Nachprüfung der Prüfschwellen ist mangels veröffentlichter Anforderungen nicht möglich. Die Angaben zum Verhalten des IMAX Mode sind im Text der Fachpresse zugeordnet; belegt ist davon ein einzelner Bericht, und kein Dokument von IMAX oder DTS bestätigt ihn.

Tastaturkürzel