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Fortgeschritten

Sitz-zu-Sitz-Konsistenz im Mittel- und Hochton (Performance Level Ton)

Klingt mein Heimkino auf allen Plätzen gleich oder nur auf dem einen Referenzsitz — und ab welcher Abweichung verliere ich eine Performance-Level-Stufe?

Ein Heimkino wird für mehrere Personen gebaut, gemessen und eingestellt wird es aber fast immer auf einem Platz. Diese Kategorie prüft, was das für alle anderen bedeutet: Wie weit läuft der Frequenzgang im Mittel- und Hochton von Platz zu Platz auseinander? Zur Bewertung steht damit die Gleichheit über die ganze Sitzfläche; wie gut der beste Platz klingt, entscheiden andere Kategorien.

Wenn Du in Deinem Kino den Platz wechselst, sollte der Film gleich klingen — dieselben Stimmen, dieselbe Helligkeit im Klang, dieselbe Ortung. In vielen Räumen ist das nicht so: In der Mitte sitzt es perfekt, ein Platz weiter außen klingen Stimmen dumpfer oder die Höhen schärfer. Das liegt daran, dass die Anlage auf einen Punkt eingestellt wurde und dass die Lautsprecher zu den Außenplätzen anders abstrahlen. Wer dort sitzt, hört ein anderes Kino als der in der Mitte — und weil das jeden Abend gleich bleibt, merkt man es oft erst, wenn man einmal tauscht.

Was gemessen wird

Bezugspunkt ist der Referenzsitzplatz — der Platz, auf den die Anlage kalibriert wurde. Jeder andere Sitzplatz wird gegen ihn verglichen, und zwar über den Frequenzbereich von 500 Hz bis 16 kHz, ausgewertet in Oktavbändern. Bewertet wird die Abweichung als P90: Der Wert, den 90 Prozent der Messpunkte einhalten, zählt. Die schlechtesten zehn Prozent bleiben außen vor, damit einzelne schmale Einbrüche — die es in jedem Raum gibt und die niemand hört — nicht eine ganze Anlage abwerten.

Angeregt wird dabei mit der Summe der drei Frontkanäle — links, Center, rechts. Bewertet wird also die Klangbalance, die am Platz ankommt, und nicht der einzelne Lautsprecher; die Prüfung Kanal für Kanal gehört in die Checkliste der Kalibrierung. Für die zweite Leiter, die Surround-, Wide- und obere Lautsprecher erfasst, wird jede Gruppe für sich angeregt — eine Summe über alle Kanäle würde dort verdecken, welche Gruppe auseinanderläuft.

In die Auswertung gehen alle vorgesehenen Sitzplätze ein, auch die zweite Reihe und die Außenplätze. Ein Perzentil ist dabei unbestechlicher als ein Mittelwert: Wer einen schlechten Platz dazustellt, zieht damit keinen Durchschnitt hoch, unter dem der Mangel verschwinden könnte. Eine größere Sitzfläche kauft in dieser Kategorie also kein Level.

Diese Bewertung gegen den Referenzplatz statt gegen die Zielkurve ist Absicht. Ob der Referenzplatz selbst die Zielkurve trifft, bewertet eine eigene Kategorie. Hier zählt allein der Abstand zwischen den Plätzen: Ein Raum, der die Zielkurve überall um denselben Betrag verfehlt, schneidet in dieser Kategorie gut ab, weil alle Zuschauer dasselbe hören.

Warum beginnt das Band erst bei 500 Hz? Weil unterhalb davon ein anderer Mechanismus arbeitet. Im Bass entstehen die Unterschiede zwischen den Plätzen durch Raummoden — stehende Wellen, die an manchen Positionen ein Maximum und an anderen ein Minimum haben. Im Mittel- und Hochton entstehen sie durch das Abstrahlverhalten der Lautsprecher und durch Reflexionen. Beides verlangt völlig verschiedene Gegenmaßnahmen und wird deshalb getrennt bewertet.

Die Abgrenzung zur Bass-Gleichmäßigkeit

Dieselbe Idee gibt es für den Tiefton als eigene Kategorie: die Bass-Gleichmäßigkeit über die Sitzfläche. Verfahren und Kennzahl sind dort gleich — P90 gegen den Referenzsitzplatz —, das Band reicht dort aber von 20 Hz bis zur Transitionsfrequenz des Raums und mindestens bis 80 Hz, und die Toleranzen sind weiter, weil sich Modenunterschiede über die Sitzfläche schwerer einebnen lassen.

Praktisch heißt das: Ein Raum kann in der einen Kategorie gut und in der anderen schlecht abschneiden, und die Hebel sind verschieden. Gegen ungleichen Bass helfen mehrere Subwoofer an durchdachten Positionen oder ein Bass-Array; gegen ungleichen Mittel-Hochton helfen die Wahl von Lautsprechern mit gleichmäßigem Abstrahlverhalten, die Ausrichtung auf die Sitzfläche statt auf einen Punkt und die Behandlung der frühen Reflexionen. Eine Einmessung mit mehreren Mikrofonpositionen mildert beides, hebt aber keinen der beiden Mängel auf: Was ein Platz zu wenig und der Nachbarplatz zu viel hat, lässt sich mit einem gemeinsamen Filter nicht für beide korrigieren.

Die Leiter L1 bis L5

Alle Werte als P90-Abweichung gegenüber dem Referenzsitzplatz, Band 500 Hz bis 16 kHz in Oktavbändern. Seit September 2026 stehen zwei Leitern nebeneinander, weil die Planungsempfehlung RP22 für die Lautsprecher an der Bildwand strengere Werte verlangt als für die übrigen.

Screen-Lautsprecher (Links, Center, Rechts)

LevelKriterium
L5± 1,5 dB und zusätzlich Median der Abweichung ≤ ± 1 dB ◦
L4± 1,5 dB
L3± 3 dB
L2± 5 dB
L1außerhalb des L2-Korridors oder nur der Referenzsitz gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Surround-, Wide- und obere Lautsprecher

LevelKriterium
L5± 1,5 dB
L4± 3 dB
L3keine Bedingung
L2keine Bedingung
L1nur der Referenzsitz gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Beide Leitern werden getrennt abgelesen und ergeben zusammen die Einstufung der Kategorie; die schwächere von beiden zählt. Dass die zweite erst auf L4 überhaupt eine Zahl nennt, hat einen sachlichen Grund: Ein Surround-Feld deckt eine Sitzfläche naturgemäß ungleicher ab als drei Lautsprecher an einer Wand, und unterhalb von L4 wäre eine Forderung dort ohne Wirkung. Wer die beiden oberen Stufen anstrebt, misst dagegen beides.

Der Bezugsrahmen ist die Heimkino-Planungsempfehlung CEDIA/CTA-RP22, deren Parameter für die Sitz-zu-Sitz-Konsistenz AVITECT als Untergrenze der eigenen Stufen ansetzt. Konkret ist das Parameter 16, Abschnitt 5.5.4 auf Seite 58 und wiederholt auf Seite 124: 5, 3, 1,5 und nochmals 1,5 Dezibel für die vier RP22-Stufen — dieselben vier Zahlen, die oben auf L2 bis L5 stehen. Auch Band und Glättung stimmen überein: 500 Hz bis 16 kHz, geglättet über eine Oktave, normiert auf die gemessene Antwort am Referenzsitzplatz.

Die zweite Leiter kommt aus Parameter 17 derselben Empfehlung (Abschnitt 5.9.3, Seite 71, wiederholt auf Seite 124). Er hat dieselbe Definition wie Parameter 16, gilt aber für Wide-, Surround- und obere Lautsprecher und verlangt auf den beiden unteren RP22-Stufen gar nichts, ab der dritten 3 Dezibel und auf der vierten 1,5 Dezibel — im selben Versatz gelesen ergibt das die zweite Tabelle. Vorher galt die Screen-Leiter für alle Lautsprechergruppen gleichermaßen; seit September 2026 folgt AVITECT der Trennung, die RP22 vornimmt. Ohne Entsprechung in RP22 bleiben die Anregung mit der Summe aus Links, Center und Rechts und die P90-Auswertung.

Der Sprung von L3 auf L4 ist der harte: Von ±3 dB auf ±1,5 dB zu kommen, verlangt in aller Regel einen Eingriff in die Lautsprecherwahl oder in die Raumakustik, während ±3 dB in einem gut geplanten Raum mit sauberer Ausrichtung erreichbar sind. Streng sind die Zahlen ohnehin — ±1,5 dB über zwei Sitzreihen hinweg im Hochton einzuhalten, ist bei üblichen Lautsprechern und üblichen Raumgrößen ein hoher Anspruch.

Auf L4 und L5 steht dieselbe Zahl, und das ist Absicht: Eine Feldmessung ist je Messpunkt auf etwa ein halbes Dezibel genau, ein engerer Zahlenwert ließe sich also von L4 nicht mehr belastbar unterscheiden. Getrennt werden die beiden Stufen deshalb über die Verteilung. Für L5 muss neben dem P90-Wert auch die Mitte der Abweichungen innerhalb ±1 dB liegen. Ein einzelner sehr guter Platz reicht dafür nicht — die Sitzfläche als Ganzes muss eng beieinander liegen.

Die Kategorie gilt als kritisch, und zwar aus der Nutzung heraus: Wer ein Heimkino für vier Plätze plant, hat drei davon verschenkt, wenn nur einer stimmt. Ein Mangel hier lässt sich außerdem nicht wegkalibrieren — er sitzt in der Geometrie des Raums und im Abstrahlverhalten der Lautsprecher. Ihr Anteil an der Ton-Note ist entsprechend hoch angesetzt, nämlich 8 Punkte; im Register heißt sie TON-SZS. Ob es bei diesen 8 Punkten bleibt, wird derzeit geprüft.

So lässt sich das planen

In der Planung steht die Messung noch aus, und trotzdem lässt sich die Stufe abschätzen. Drei Angaben gehen ein: die Geometrie — wie weit die Plätze auseinanderliegen und wie sie zu den Lautsprechern stehen —, das Abstrahlverhalten der gewählten Lautsprecher und die Art der Einmessung, die im Angebot schon feststeht. Ohne Korrektur und mit einer Entzerrung, die nur ein Band bearbeitet, ändert sich an der Vorhersage nichts. Eine Einmessung, die mehrere Mikrofonpositionen zusammenfasst, hebt die vorhergesagte Stufe um eine; beherrscht das System darüber hinaus die Korrektur von Laufzeit und Phase, werden zwei daraus.

Der Zuschlag hat eine Obergrenze: In der Vorhersage ist bei L4 Schluss. Die oberste Stufe verlangt einen Messnachweis am fertigen System und lässt sich aus der Geräteklasse allein nie begründen. Dazu deckelt der Raum — was die Sitzanordnung hergibt, kann keine Software überbieten. Ein eigenes Gewicht in der Ton-Note bekommt die Einmessung für diesen Zuschlag nicht; gezählt wird am Ende der gemessene Zustand.

Was dabei herauskommt, ist eine Spanne aus zwei benachbarten Stufen. Die Planungsempfehlung verlangt zwar ausdrücklich, Ausrichtung, Abstrahlverhalten zur Seite und nach oben sowie die Raumwirkung in die Vorhersage einzubeziehen — ein Rechenverfahren dafür nennt sie aber nicht, und ohne Off-Axis-Kurven der Hersteller lässt es sich auch nicht aufstellen. Die Zuordnung beruht deshalb auf Erfahrung: nicht ausgerichtete Einbaulautsprecher bei einer Hörzone von mehr als zwei Metern Breite ergeben L2; auf den Referenzplatz ausgerichtete Lautsprecher mit gleichmäßiger Bündelung und ordentlich behandelten Erstreflexionen ergeben L2 bis L3; kommt die Mehrpunkt-Einmessung dazu, L3 bis L4. Für Surround-, Wide- und Höhenkanäle gilt dieselbe Zuordnung eine Stufe vorsichtiger, weil dort meist ohne Ausrichtung montiert wird. Für das Ton-Ergebnis und für das Balance-Siegel zählt allein die niedrigere der beiden Stufen; die höhere ist eine Aussicht und kauft kein Level.

So arbeitet jede Kategorie, die als schwer planbar gilt: Ohne belastbares Verfahren bleibt nur das Stufenpaar. Beim Nachweis ist der Aufwand dagegen gewöhnlich — mittel messbar heißt Messmikrofon und Auswertung am Rechner, ohne Sondergerät, und der Nachweis läuft im Messpaket für die Ton-Domäne mit. Ohne Sitzplan oder ohne Datenblatt zum Abstrahlverhalten kommt keine Spanne zustande; im Profil erscheint dann „nicht prognostizierbar", ergänzt um die Unterlage, die dafür fehlt. Neben dem Level steht immer, woher es kommt — aus der Planung im Normalfall, aus der Messung auf Bestellung.

Wie sicher die Zahlen sind

Die Werte für L2 bis L4 gibt RP22 vor, und zwar mit Fundstelle: Parameter 16, Seiten 58 und 124, in der Fassung 1.2 im Volltext geprüft. Band und Glättung stehen dort ebenfalls und decken sich mit dem, was oben beschrieben ist. Damit steht die Kategorie auf einem der festeren Gründe der Ton-Domäne.

Die zweite Leiter steht auf demselben Grund: Parameter 17, Seiten 71 und 124, mit derselben Definition von Band, Glättung und Bezugspunkt. Sie ist als Reihe dieser Kategorie neu und deshalb noch als Arbeitsstand geführt.

Das Median-Kriterium auf L5 hat dagegen keine Norm hinter sich und wird derzeit geprüft. Es trennt die oberste Stufe über die Verteilung statt über eine nicht auflösbare Zahl; ob reale Sitzflächen den Median von ±1 dB erreichen, muss sich erst an gemessenen Projekten zeigen. Ebenfalls ohne Normgrundlage sind die Anregung mit der Summe der drei Frontkanäle, die P90-Auswertung und die Regel, dass alle vorgesehenen Sitzplätze zählen — RP22 beschreibt hier ausschließlich eine Planungsvorhersage je Lautsprechergruppe.

Verknüpfte Inhalte

Welchen Anteil die Sitz-zu-Sitz-Konsistenz an der Ton-Bewertung hat und welche Kategorien neben ihr als kritisch geführt werden, steht unter Performance Level: Ton Mehrkanal. Was eine Stufe domänenübergreifend bedeutet, erklärt Performance Level. Das Gegenstück für den Tiefton ist die Bass-Gleichmäßigkeit über die Sitzfläche. Warum links und rechts gleich aufgebaut sein müssen, damit überhaupt ein stabiles Klangbild entsteht, erklärt die Hörplatz-Symmetrie; welche Abstrahleigenschaft einen Lautsprecher über die Sitzfläche gleichmäßig macht, beschreibt Even Balanced Coverage.

Quellen

Die Werte für L2 bis L4 der Screen-Leiter folgen RP22 Parameter 16 (Seite 58 und 124, Fassung 1.2, im Volltext geprüft); Band und Glättung stehen an derselben Stelle. Die zweite Leiter für Surround-, Wide- und obere Lautsprecher folgt Parameter 17 derselben Empfehlung (Seite 71 und 124). Das Median-Kriterium auf L5, die Anregung mit der Kanalsumme, die P90-Auswertung, die Gewichtung und der Status der Kategorie kommen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft.

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