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Fortgeschritten

Bass-Gleichmäßigkeit über die Sitzfläche (Performance Level Ton)

Wie stark darf der Bass zwischen den Sitzplätzen meines Heimkinos abweichen — und welche Abweichung gehört zu welcher Performance-Level-Stufe?

In fast jedem Heimkino gibt es einen Platz, an dem der Bass sitzt, und einen, an dem er dünn oder dröhnend ankommt. Bewertet wird hier der Abstand zwischen diesen Plätzen: Wie weit weicht der schlechtere Sitz vom Referenzsitzplatz ab, wenn beide dasselbe Signal hören?

Bewertet wird dabei das fertige System — mit der Subwoofer-Aufstellung, die geplant wurde, mit dem Bassmanagement, das eingestellt ist, und mit der Einmessung, die gelaufen ist. Damit unterscheidet sich diese Kategorie von den akustischen Kennwerten, die den Raum für sich bewerten. Was der Raum an Moden vorgibt, steht bei den Raummoden; hier zählt, was am Ende auf den Sitzen ankommt.

Setz Dich in Deinem Kino einmal auf den mittleren Platz und einmal außen: Der tiefe Bass klingt dort oft völlig verschieden — an einer Stelle wummert er, zwei Meter weiter ist er fast weg. Das kommt vom Zusammenspiel der tiefen Töne mit den Wänden des Raums, und dagegen hilft eine Anlage nur, wenn man sie darauf einrichtet. Diese Bewertung sagt, wie weit die Plätze in Deinem Kino auseinanderliegen. Eine hohe Stufe heißt: Auf jedem Platz kommt derselbe Bass an.

Was gemessen wird

Gemessen wird an jedem vorgesehenen Sitzplatz derselbe Frequenzgang, von 20 Hz aufwärts bis zur Transitionsfrequenz des Raums, geglättet mit einer Terz. Diese Frequenz ist raumabhängig: Unterhalb von ihr bestimmen die Raummoden, was am Sitzplatz ankommt, oberhalb übernimmt das Abstrahlverhalten der Lautsprecher. In kleinen Räumen liegt sie typischerweise zwischen 150 und 500 Hz; der Messbericht bestimmt sie für den konkreten Raum und weist sie aus. Nach unten ist die Grenze gedeckelt: Auch wenn die Rechnung einen niedrigeren Wert ergibt, reicht das Band immer mindestens bis 80 Hz. Ein Platz gilt als Referenzsitzplatz — üblich ist der Platz, auf den eingemessen wurde. Alle übrigen Plätze werden gegen ihn verglichen, und aus den Abweichungen entsteht ein einziger Kennwert: das 90. Perzentil, kurz P90. Gebildet wird es über alle Messpunkte zusammen — jede Kombination aus Sitzplatz und Terzband zählt für sich, es wird also nicht erst je Platz gemittelt. Neun von zehn dieser Punkte unterschreiten den Wert, der in der Tabelle steht; die zehn Prozent darüber sind zugelassen, und damit fallen einzelne schmale Einbrüche heraus, die sich hörbar kaum auswirken. Eine Terzsenke an einem einzigen Platz verschwindet auf diesem Weg nicht in einer Zwischenmittelung — sie ist einer von vielen gleichberechtigten Punkten.

Es gibt einen zweiten Weg, dieselbe Frage zu stellen: die Spanne zwischen dem 10. und dem 90. Perzentil, ohne Bezug auf einen einzelnen Platz. AVITECT misst stattdessen den Abstand zum Referenzsitzplatz, weil dafür die besseren Belege vorliegen.

Der Kennwert ist absichtlich unempfindlich gegen Ausreißer und empfindlich gegen breite Abweichungen. Genau das entspricht dem Hören: Ein zwei Hertz schmaler Einbruch bei 43 Hz fällt niemandem auf, ein über eine halbe Oktave abgesenkter Bereich sofort.

Die Bezugsgröße RP22 stammt aus der Empfehlung von CEDIA und CTA für Heimkino-Räume, dort als Parameter 20 geführt und dort „The Consistency" genannt. Nachzulesen ist er in Abschnitt 7.5 auf Seite 89, wiederholt auf Seite 124. Drei der vier AVITECT-Stufen liegen darauf auf: ±4, ±3 und ±2 Dezibel stehen bei RP22 wortgleich. Die Terzglättung stimmt ebenfalls.

Auch das Messband kommt inzwischen von dort. Vorher maß AVITECT fest von 20 bis 80 Hertz; jetzt reicht das Band bis zur Transitionsfrequenz des Raums, wie RP22 es vorsieht, mit 80 Hertz als unterer Absicherung. Damit deckt die Messung den ganzen Bereich ab, in dem die Moden über die Sitzplätze streuen, statt bei einer festen Zahl aufzuhören — und in einem Raum mit hoher Transitionsfrequenz wird die Kategorie dadurch anspruchsvoller.

Ein Punkt bleibt ohne äußeren Beleg: RP22 setzt auf seiner untersten Stufe für diese Größe gar keinen Wert. Die ±5 Dezibel auf L2 sind eine AVITECT-Setzung; das Zeichen ◦ hinter dem Wert sagt das an. Die Zahl 5 dB kommt bei RP22 zwar vor, aber in Parameter 19 und damit für eine andere Größe.

Warum das zählt

Mit einem Anteil von 10 Prozent gehört die Kategorie zu den schwersten der Ton-Domäne, und sie zählt zu den kritischen. Kritisch heißt hier: Gegen eine große Streuung über die Sitzfläche hilft keine Stärke an anderer Stelle. Ein tieferer Bass, ein höherer Maximalpegel oder eine sorgfältigere Zielkurve verbessern jeden Platz gleichzeitig und ändern am Abstand zwischen ihnen nichts.

Der praktische Grund ist einfach: Ein Heimkino wird selten allein genutzt. Ein System, das auf einem Sitz brillant und auf dem Nachbarsitz mittelmäßig spielt, ist für zwei von vier Zuschauern ein mittelmäßiges System. Und weil der Referenzsitzplatz meist der Platz des Bauherrn ist, fällt der Mangel demjenigen am spätesten auf, der ihn bezahlt hat.

Der Hebel dagegen ist die Anzahl und Anordnung der Bassquellen, und zwar deutlich stärker als ihre Größe. Mehrere verteilte Subwoofer regen dieselben Raummoden von verschiedenen Orten aus an; wo die eine Quelle am Sitzplatz einen Einbruch erzeugt, liefert die andere dort noch Pegel, und über die Sitzfläche gemittelt bleibt weniger Streuung übrig — das Verfahren steht beim Multisub. Ein DBA geht einen Schritt weiter und unterdrückt die Längsmoden weitgehend, was die Streuung über die Sitzfläche stärker senkt als jede Entzerrung. Entzerrung selbst kommt zuletzt: Sie korrigiert das, was an einem Punkt gemessen wurde, und kann eine räumlich ungleiche Verteilung höchstens teilweise glätten.

Die Leiter L1 bis L5

Die Stufen unterscheiden sich allein in der zulässigen P90-Abweichung vom Referenzsitzplatz, gemessen von 20 Hz bis zur Transitionsfrequenz des Raums und mindestens bis 80 Hz.

StufeZulässige Abweichung P90 gegen Referenzsitzplatz
L5höchstens ±2 dB
L4höchstens ±3 dB
L3höchstens ±4 dB
L2höchstens ±5 dB ◦
L1alles darüber, oder nur der Referenzsitz gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

In die Auswertung gehen alle vorgesehenen Sitzplätze ein, auch die zweite Reihe dicht an der Rückwand. Wer einen Platz dazustellt, an dem der Bass schlechter ankommt, verbessert seine Einstufung damit nicht.

Die Abstände zwischen den Stufen sind mit einem Dezibel eng, und sie werden nach oben nicht enger — anders als bei mehreren Akustik-Kategorien, deren Leiter sich am oberen Ende zusammenzieht. In der Planung merkst Du das so: Von L2 auf L3 kommst Du mit sorgfältiger Aufstellung oft noch, für L5 brauchst Du in aller Regel eine aktive Bassanordnung und eine Sitzplatzanordnung, die von Anfang an mitgeplant wurde.

So lässt sich das planen

Vor der ersten Messung entsteht die Stufe rechnerisch, und der stärkste Hebel steht im Grundriss: Zahl und Anordnung der Subwoofer, die Lage der Sitzreihen, die Proportionen des Raums. Was dort nicht angelegt ist, bringt später auch die Elektronik nicht mehr herein.

Ein zweiter Eingang steht im Angebot, nämlich die Art der Raumkorrektur. Ohne Korrektur und mit einer Entzerrung, die auf ein Band beschränkt bleibt, verschiebt sich die Vorhersage nicht. Wird an mehreren Mikrofonpositionen eingemessen, kommt eine Stufe hinzu; kann das System zusätzlich Zeit und Phase korrigieren, sind es zwei. Über L4 hinaus geht dieser Zuschlag nie — die oberste Stufe gibt es nur gegen einen gemessenen Nachweis. Eigenes Gewicht bekommt die Einmessung dafür keines: Gewertet wird der Zustand, den die Abnahme vorfindet.

Anders als bei den meisten Ton-Kennwerten endet die Vorhersage hier bei zwei benachbarten Stufen. Der Grund ist unangenehm ehrlich: Für die Streuung im Bass gibt es keine Rechenregel, die vom Grundriss zur Dezibel-Zahl führt. Die Empfehlung nennt eine am Plan prüfbare Bedingung — die Köpfe sollen nicht in den Nullstellen der ersten Raummoden sitzen —, aber keinen Zahlenwert dazu. Die Zuordnung kommt deshalb aus Untersuchungen zu Subwoofer-Anordnungen: ein einzelner Subwoofer L2; zwei an gegenüberliegenden Wandmitten L2 bis L3; vier symmetrisch verteilte L3, mit Mehrpunkt-Einmessung eine Stufe darüber. Ins Domänen-Level und ins Balance-Siegel geht immer die untere Grenze der Spanne; die obere bleibt als Aussicht sichtbar und ist kein Versprechen.

Genau das meint das Kennzeichen schwer planbar: Wo keine Rechenregel steht, wird eine Spanne ausgewiesen. Beim Messen ist es einfacher — dort heißt es mittel, weil Messmikrofon und Auswertesoftware genügen. Praktisch bedeutet das: Der Nachweis gehört ins Messpaket der Ton-Domäne und braucht keine Einzelbeauftragung. Ohne Grundriss mit eingezeichneten Subwoofer-Positionen entfällt die Vorhersage ganz; im Profil erscheint der Vermerk „nicht prognostizierbar" und dahinter der Name der Unterlage, die noch aussteht. Am Level steht deshalb immer ein Wort dazu: geplant, solange nur gerechnet wurde, gemessen erst nach einer beauftragten Abnahme.

Wie sicher die Zahlen sind

Drei der vier Schwellen — ±4, ±3 und ±2 Dezibel — finden sich wortgleich bei RP22 unter Parameter 20, nachzulesen auf den Seiten 89 und 124 der im Volltext geprüften Fassung 1.2. Für eine Ton-Kategorie ist die Lage damit ungewöhnlich fest. Der vierte Wert, ±5 Dezibel auf L2, steht dort nicht: RP22 verlangt auf seiner untersten Stufe für diese Größe nichts. Und das Messband ist ein anderes — dazu steht oben mehr.

Der wunde Punkt ist der Stufenabstand. Ein Dezibel liegt dicht an dem, was eine Feldmessung mit neu gesetztem Mikrofon überhaupt unterscheidet. Der Wert bleibt trotzdem stehen, weil die Empfehlung ihn so setzt; ob er sich in realen Räumen sauber auflösen lässt, wird gerade an Projekten untersucht.

Verknüpfte Inhalte

Was die Streuung zwischen Sitzplätzen physikalisch verursacht, steht bei den Raummoden und bei der Sitz-zu-Sitz-Varianz. Die Verfahren dagegen erklären Multisub und DBA; wie der Bass überhaupt auf Subwoofer und Hauptlautsprecher verteilt wird, klärt das Bassmanagement. Wie die Messung selbst abläuft, steht bei der Raummessung.

Wie diese Kategorie im Verhältnis zu den übrigen Ton-Kategorien gewichtet ist, ordnet Performance Level: Ton Mehrkanal ein; wofür die fünf Stufen über alle Domänen hinweg stehen, erklärt Performance Level.

Quellen

Die Stufenwerte für L3 bis L5 folgen RP22 Parameter 20 (Seiten 89 und 124, Fassung 1.2, im Volltext geprüft); die Terzglättung steht an derselben Stelle. Das Messband folgt derselben Fundstelle, mit der Untergrenze von 80 Hz als eigener Zutat. Der L2-Wert, die P90-Messgröße und die Gewichtung kommen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft.

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