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Frequenzgang gegen Zielkurve (Performance Level Ton)

Wie genau muss der gemessene Frequenzgang am Referenzsitzplatz auf der Zielkurve liegen — und ab welcher Abweichung verliere ich eine Performance-Level-Stufe?

Diese Kategorie prüft eine einzige Frage: Wie nah liegt der gemessene Frequenzgang an Deinem Referenzsitzplatz an der Kurve, die er treffen soll? Was ein Frequenzgang ist und wie er aufgenommen wird, steht im Glossar. Eingestuft wird an dieser Stelle: wie viele Dezibel Abweichung eine Stufe noch zulässt.

Welche Kurve überhaupt gilt, entscheidet diese Seite nicht. Das steht in der Ton-Zielkurve; dort wird die Kurve definiert, hier wird ihre Einhaltung gemessen. Die Trennung ist beabsichtigt: Eine Anlage kann die Hauskurve sauber treffen, und trotzdem lässt sich über die Kurve selbst streiten. Zwei verschiedene Fragen, zwei verschiedene Seiten.

Jeder Ton hat eine Höhe — tiefe Bässe, mittlere Stimmen, hohe Becken. Eine gute Anlage gibt alle diese Höhen im richtigen Verhältnis zueinander wieder. Tut sie das nicht, klingt es dumpf, schrill oder hohl, obwohl an den Lautsprechern nichts kaputt ist — meistens liegt es am Raum. Mit einem Messmikrofon auf dem besten Sitzplatz lässt sich sehen, wo Deine Anlage zu laut und zu leise ist, und mit Absorbern und Einmessung lässt sich das geradeziehen. Diese Seite sagt, wie gerade die Linie sein muss, damit Deine Anlage eine bestimmte Stufe erreicht.

Was gemessen wird

Gemessen wird der Frequenzgang am Referenzsitzplatz — dem Platz, für den die Anlage ausgelegt und eingemessen ist. Die gemessene Kurve wird über die Referenz-Zielkurve gelegt, und bewertet wird der größte Abstand zwischen beiden, in Dezibel, nach oben wie nach unten.

Bewertet wird in zwei Bändern, getrennt durch die Transitionsfrequenz des Raums — jene Frequenz, unterhalb derer die Raummoden bestimmen, was am Sitzplatz ankommt, und oberhalb derer das Abstrahlverhalten der Lautsprecher übernimmt. In kleinen Räumen liegt sie meist zwischen 150 und 500 Hz; der Messbericht bestimmt sie für den konkreten Raum und weist sie aus.

Unterhalb dieser Frequenz gilt eine Toleranzreihe aus der Heimkino-Planungsempfehlung RP22, geglättet mit einer Terz. Oberhalb gilt bis 16 kHz die AVITECT-Reihe, geglättet mit 1/6 Oktave — die feinere der beiden gebräuchlichen Glättungen: Sie zeigt schmale Einbrüche, die eine Terz wegmittelt, und macht damit dieselbe Dezibel-Schwelle strenger. Diese Glättung wird derzeit an Messreihen aus abgeschlossenen Projekten geprüft.

Früher begann die Bewertung fest bei 200 Hz, und darunter maß diese Kategorie nichts. Der Grund war die Sorge, denselben Fehler zweimal zu werten. Die Sorge greift nicht: Die Bass-Kategorien messen andere Größen — die Streuung über die Sitzplätze und den Tiefgang —, während es hier um den Abstand zur Zielkurve am Referenzsitzplatz geht. Diese Größe hat unterhalb der Transitionsfrequenz bisher niemand geprüft.

Die Messung passiert am Endzustand der Kette, also mit aktiver Raumkorrektur und fertigem Bass-Management. Was der Raum roh liefert und was die Elektronik daraus macht, wird hier zusammen bewertet: Der Sitzplatz hört das Ergebnis und nicht die Zwischenschritte. Wie die Kurve aufgenommen wird — Mikrofonhöhe, Mittelung über mehrere Positionen, Anregungssignal —, klärt die Raummessung.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Der Referenzsitzplatz ist genau ein Platz. Dass die übrigen Plätze mitkommen, prüft eine eigene Kategorie zur Sitz-zu-Sitz-Varianz. Eine Anlage kann hier L5 erreichen und auf Platz drei trotzdem deutlich daneben liegen.

Warum der Kennwert so schwer wiegt

Mit einem Anteil von 11 Prozent gehört diese Kategorie zu den schwersten der Ton-Domäne; nur die Pegelfähigkeit wiegt mehr. Ob es genau elf Prozent bleiben, wird derzeit geprüft — die Anteile aller Ton-Kennwerte sind zuletzt so aufeinander abgestimmt worden, dass sie zusammen 100 ergeben, und dabei ist dieser Wert von 10 auf 11 gestiegen.

Als kritisch gilt die Kategorie in jedem Fall. Das heißt: Einen schiefen Frequenzgang am Referenzplatz wiegt keine Stärke an anderer Stelle auf. Mehr Maximalpegel, ein zusätzlicher Height-Kanal oder ein tieferer Bass ändern nichts daran, dass Stimmen nasal klingen oder der Grundton fehlt.

In der Praxis hörst Du beide Richtungen an verschiedenen Symptomen. Eine Überhöhung im oberen Mittelton macht Dialoge scharf und lässt Dich nach zwei Stunden leiser drehen. Eine Senke im gleichen Bereich nimmt Stimmen die Verständlichkeit, und Du drehst lauter, ohne mehr zu verstehen. Beides zählt gleich als Mangel, weil die Zielkurve in beide Richtungen verbindlich ist.

Der praktische Grund für den hohen Anteil liegt in der Reihenfolge der Arbeit: Diese Kategorie ist der Kennwert, den eine Einmessung am direktesten beeinflusst. Wer hier Stufen liegen lässt, lässt sie meistens aus Nachlässigkeit liegen und nicht aus Budgetgründen.

Die Leiter L1 bis L5

Die Stufen unterscheiden sich allein darin, wie eng die gemessene Kurve an der Zielkurve liegen muss.

Unterhalb der Transitionsfrequenz, Terzglättung

StufeZulässige Abweichung von der Referenz-Zielkurve
L5höchstens ±2 dB
L4höchstens ±3 dB
L3höchstens ±4 dB
L2höchstens ±5 dB
L1außerhalb des L2-Korridors oder nicht gemessen

Oberhalb der Transitionsfrequenz bis 16 kHz, Glättung 1/6 Oktave

StufeZulässige Abweichung von der Referenz-Zielkurve
L5höchstens ±1,5 dB ◦, nachgewiesen in zwei Messläufen mit neu gesetztem Mikrofon
L4höchstens ±2 dB ◦
L3höchstens ±3 dB
L2höchstens ±5 dB ◦
L1außerhalb des L2-Korridors oder nicht gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Beide Bänder werden getrennt eingestuft und im Bericht getrennt ausgewiesen. Die Stufe der Kategorie ist dann die niedrigere der beiden: Ein Raum, der oben auf L5 liegt und unten auf L3, bekommt L3. Auch diese Verknüpfung ist eine Setzung und bei der Kalibrierung zu bestätigen — RP22 verlangt für seine eigenen Stufen allerdings ebenfalls, dass jedes Kriterium erfüllt ist, was auf dasselbe hinausläuft.

Der Sprung von L2 auf L3 ist im oberen Band der größte der Leiter und in der Praxis auch der spürbarste: Zwischen ±5 dB und ±3 dB liegt der Unterschied zwischen einer Anlage, die man als klanglich gefärbt beschreibt, und einer, die man als richtig beschreibt. Unten fällt die Leiter gleichmäßiger aus, mit einem Dezibel je Stufe.

Oberhalb von L3 wird der Abstand im oberen Band klein — zwischen L4 und L5 liegt ein halbes Dezibel, und so genau misst niemand, der das Mikrofon zwischendurch neu aufstellt. Deshalb trennt die zweite Messung die oberste Stufe: L5 verlangt denselben Korridor zweimal, mit neu gesetztem Mikrofon. Wer ihn nur einmal einhält, hat ihn möglicherweise getroffen, und das reicht für die oberste Stufe nicht.

So lässt sich das planen

Beide Bänder lassen sich vor der ersten Messung abschätzen, und beide brauchen dafür andere Unterlagen. Für das obere Band zählt, wie gleich der gewählte Lautsprecher über den Sitzbereich hinweg abstrahlt — die Herstellerkurve für das Hörfenster — und wie gut die frühen Reflexionen im Raum behandelt sind. Für das untere Band zählt, wie viele Subwoofer vorgesehen sind und welche Einmessleistung im Angebot beschrieben ist.

Auf dieser Grundlage entsteht zuerst eine Basisstufe. Liegt das Hörfenster des Lautsprechers innerhalb von drei Dezibel und sind die Erstreflexionen mindestens auf L3 geplant, steht das obere Band auf L3, sonst auf L2; das untere Band beginnt bei L2. Bewertet wird am Ende die niedrigere der beiden Reihen.

Auf diese Basis kommt die Einmessung als Zuschlag, gestaffelt nach dem, was das System kann:

Einmessung im AngebotWirkung auf die Vorhersage
keine Korrektur±0
Entzerrung über ein Band±0
Einmessung über mehrere Mikrofonpositionen+1 Stufe
mehrere Positionen mit Zeit- und Phasenkorrektur+2 Stufen

Bei L4 ist Schluss. Die oberste Stufe verlangt einen Messnachweis am fertigen System, und der Raum deckelt ohnehin früher als jede Software. Dieser Deckel folgt aus dem Kennzeichen planbar: mittel — es gibt eine Rechenregel, ihre Unsicherheit ist bekannt, aber sie ersetzt keine Messung. Ohne die Herstellerkurve für den eingeplanten Lautsprecher lässt sich schon die Basisstufe nicht bestimmen. Dann gibt das Profil an dieser Stelle den Vermerk „nicht prognostizierbar" aus und nennt die Kurve, die fehlt.

Nachgewiesen wird der Frequenzgang mit Messmikrofon und Auswertung am Rechner, ohne Sondergerät — das Kennzeichen dafür heißt messbar: mittel, und der Nachweis gehört in das Messpaket, das für die ganze Ton-Domäne angeboten wird. Welcher der beiden Wege hinter einer Stufe steht, sagt das Profil im Klartext: Der geplante Wert ist der Normalfall, der gemessene kommt auf Bestellung.

Wie sicher die Zahlen sind

Die beiden Bänder stehen auf verschieden festem Grund, und das lässt sich benennen.

Die untere Leiter ist vollständig belegt. Ihre vier Werte ±5, ±4, ±3 und ±2 Dezibel stehen so in der Heimkino-Planungsempfehlung RP22, dort als Parameter 19 unter dem Namen „The Result" geführt (Abschnitt 7.5, Seite 89, wiederholt auf Seite 124). Auch die Terzglättung und der Geltungsbereich unterhalb der Transitionsfrequenz kommen von dort. Offen lässt RP22 nur, welche Zielkurve gemeint ist — das entscheidet die Hausfestlegung.

In der oberen Leiter ist L3 mit ±3 dB der am besten abgesicherte Einzelwert der ganzen Ton-Domäne. Der Wert ist am Original einer Norm nachgelesen: SMPTE RP 2096-1 legt für die professionelle Kino-Erstkalibrierung im Kernband von 50 Hz bis 2 kHz eine Zielfläche von genau 6 dB Breite fest — also ±3 dB um die Mittellinie. Das Kernband der Norm ist schmaler als das obere Band dieser Leiter; die beiden Bänder beschreiben verschiedene Dinge und werden hier nicht vermischt, der Zahlenwert selbst steht damit aber fest.

Für L2, L4 und L5 der oberen Leiter steht dagegen keine externe Referenz hinter den Zahlen — RP22 führt oberhalb der Transitionsfrequenz keinen Parameter dieser Art, und der früher an dieser Stelle genannte Parameter 16 vergleicht Sitzplätze untereinander. Das ist die Größe, die auf der Seite zur Sitz-zu-Sitz-Konsistenz steht; der Verweis ist hier gestrichen. Die drei Werte bleiben unverändert, sind aber Haussetzungen.

Bei L4 und L5 kommt hinzu, dass eine strengere belegte Referenz für die oberste Stufe bislang fehlt — die Rundfunk-Regelwerke für Abhörräume liegen mit ±3 dB im Betriebsband lockerer. Auch die Zweitmessung auf L5 wird gerade untersucht: Ob zwei Messläufe mit neu gesetztem Mikrofon in realen Räumen praktikabel sind, zeigen die ersten Projektmessungen.

Was daraus für die Planung folgt

Die Reihenfolge zum Korridor ist immer dieselbe. Zuerst steht die Zielkurve fest, denn ohne sie gibt es keinen Bezug, gegen den gemessen wird. Dann arbeitet der Raum: Aufstellung, Absorption und Bassbehandlung bringen die Rohkurve in die Nähe. Erst danach greift die Einmessung und zieht den Rest gerade.

Diese Reihenfolge lässt sich nicht umdrehen. Eine Raumkorrektur kann eine Senke, die durch Auslöschung entsteht, nicht sinnvoll auffüllen — sie schickt nur mehr Leistung in ein Loch, das der Raum weiter zuhält. Wer L4 oder L5 anstrebt, entscheidet das deshalb in der Planung und nicht am Einmesstag.

In die Ton-Note geht die Einmessung dabei nicht gesondert ein; sie erscheint dort ausschließlich über den Zustand, den sie herstellt.

Verknüpfte Inhalte

Welche Kurve als Bezug gilt und warum sie fällt, steht bei der Ton-Zielkurve. Dass Pegel, Laufzeit und Polarität aller Kanäle stimmen, ist eine eigene Voraussetzung und in der Kalibrierung beschrieben. Ob dabei jeder Kanal dieselbe Klangfarbe liefert, prüft die Timbre-Gleichheit.

Womit dieser Kennwert seine elf Prozent teilt und was sonst in die Ton-Note eingeht, führt Performance Level: Ton Mehrkanal auf. Wie aus den Domänen eine Gesamtaussage wird, steht im Performance Level.

Quellen

Die Toleranzen unterhalb der Transitionsfrequenz folgen der Heimkino- Planungsempfehlung CEDIA/CTA-RP22, Parameter 19, Seite 89 und 124 der Fassung 1.2 von 2023, am Volltext gelesen; von dort kommen auch Terzglättung und Geltungsbereich. Oberhalb der Transitionsfrequenz führt dieselbe Empfehlung keinen Parameter dieser Art: Die dortigen Toleranzen und die Gewichtung stammen von AVITECT und werden derzeit geprüft. Der L3-Wert des oberen Bandes ist zusätzlich durch SMPTE RP 2096-1 am Original belegt. Dass die niedrigere der beiden Bandstufen zählt, ist ebenfalls eine Hausfestlegung.

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