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Pegel-, Zeit- und Polaritätskalibrierung (Performance Level Ton)
Wie genau müssen Pegel, Laufzeit und Polarität aller Kanäle stimmen — und ab welcher Abweichung verliere ich eine Performance-Level-Stufe?
Diese Kategorie prüft die Grundeinstellung einer Mehrkanalanlage in drei Punkten: Sind alle Kanäle am Referenzsitzplatz gleich laut? Kommt der Ton aus allen Lautsprechern gleichzeitig an? Und bewegen sich alle Membranen in dieselbe Richtung, wenn dasselbe Signal anliegt?
Die drei Punkte gehören zusammen, weil sie dieselbe Voraussetzung schaffen: Erst wenn sie stimmen, ergibt das Zusammenspiel der Kanäle ein stabiles Klangbild. Sie sind außerdem die einzigen Kennwerte im Ton-System, die sich ohne bauliche Maßnahme und ohne Gerätetausch korrigieren lassen — ein Nachmittag mit Messmikrofon und Fernbedienung reicht.
Eine Mehrkanalanlage hat viele Lautsprecher, die zusammen ein Bild aus Klang erzeugen sollen. Damit das gelingt, müssen drei einfache Dinge stimmen: Alle müssen gleich laut sein, alle müssen gleichzeitig beim Sitzplatz ankommen — der weiter entfernte muss also minimal früher losschicken —, und keiner darf falsch herum angeschlossen sein. Klingt banal, ist es auch, und trotzdem ist es einer der häufigsten Fehler in fertigen Anlagen. Ist eines der drei Dinge schief, wandern Stimmen an die falsche Stelle im Raum, und der Bass wird an manchen Plätzen dünn.
Was gemessen wird
Gemessen wird an drei Größen, jede mit eigener Prüfung:
Pegel. Jeder Kanal wird einzeln mit einem Rauschsignal angeregt und am Referenzsitzplatz gemessen. Bewertet wird der größte Unterschied zwischen den Kanälen. Die Abweichung jedes einzelnen Kanals wird dabei protokolliert und gehört in die Kalibrier-Checkliste des Projekts — die Sitz-zu-Sitz-Konsistenz regt Front links, Center und Front rechts gemeinsam an und sieht die einzelnen Kanäle deshalb nicht. Wie der Bezugspegel gesetzt wird, klärt der Eintrag zu den Pegelkonventionen; als Anhaltspunkt für die Größenordnung dient der Referenzpegel von 85 dBC, den SMPTE RP 200 für den Kinobetrieb festlegt — für den Wohnraum ohne eigene Geltung, aber als Kalibrierpunkt für den Bezugswert brauchbar.
Laufzeit. Jeder Lautsprecher steht unterschiedlich weit vom Sitzplatz entfernt. Die Elektronik gleicht das durch Verzögerung aus, und bewertet wird, wie exakt die Ankunftszeiten danach zusammenliegen. Ein Fehler von einer Millisekunde entspricht etwa 34 Zentimetern Wegunterschied.
Polarität. Geprüft wird, ob alle Kanäle im gleichen Sinn angeschlossen sind. Das ist eine Ja-Nein-Bedingung ohne Toleranz: Ein verpolter Kanal ist ein Fehler, und die Prüfung gehört auf jeder Stufe dazu. Wie sich Polarität zur Phase verhält, steht im Eintrag zur Phase.
Warum das im Ergebnis zählt
Fehler in dieser Kategorie klingen nicht nach Fehlern. Sie klingen nach einer Anlage, die irgendwie nicht überzeugt, ohne dass sich sagen ließe warum — und genau deshalb bleiben sie oft jahrelang stehen.
Ein Pegelfehler von zwei Dezibel auf dem Center zieht Dialoge aus der Mitte heraus, ohne dass eine Stimme hörbar zu laut wäre. Ein Laufzeitfehler verwischt die Ortung von Effekten: Ein Hubschrauber springt auf dem Weg von hinten nach vorn, statt sauber durchzuziehen. Und eine verpolte Verbindung zwischen Subwoofer und Hauptlautsprechern löscht den Bereich um die Übergangsfrequenz teilweise aus — die Anlage klingt dünn, und der übliche Reflex ist, einen größeren Subwoofer zu kaufen.
Alle drei Fehler haben eine Gemeinsamkeit: Sie kosten nichts außer Sorgfalt. Deshalb führt AVITECT die Kategorie nicht als kritisch. Kritisch sind Mängel, die sich nicht kompensieren lassen, und eine Fehlkalibrierung lässt sich nachkalibrieren. Das Gewicht ist davon unabhängig: Es liegt seit Anfang September 2026 bei 3 von 100 Punkten der Ton-Domäne, vorher waren es 6. Wichtig ist die Grundeinstellung weiterhin — sie ist nur eben reparabel, und drei Kategorien, die es in der Ton-Domäne vorher nicht gab, brauchten Platz in der Rechnung. Auch der neue Wert ist ein Arbeitsstand und wird an Projekten geprüft.
Die Leiter L1 bis L5
Alle drei Kriterien einer Stufe müssen zusammen erfüllt sein.
| Stufe | Pegelabgleich | Laufzeit | Polarität | Umfang |
|---|---|---|---|---|
| L5 | ±0,5 dB | ±1 ms ◦ | alle Kanäle korrekt | Nachweis an allen Sitzplätzen ◦ |
| L4 | ±1 dB ◦ | ±1 ms ◦ | alle Kanäle korrekt | Referenzsitzplatz |
| L3 | ±2 dB ◦ | ±2 ms ◦, gemessen | alle Kanäle korrekt | Referenzsitzplatz |
| L2 | ±3 dB ◦ | aus den Entfernungen gerechnet | alle Kanäle korrekt | Referenzsitzplatz |
| L1 | Polarität mindestens eines Kanals falsch, oder gar nicht kalibriert | — | — | — |
◦ Wert wird derzeit geprüft.
Für L2 gibt es keinen belegten Pegelwert; die ±3 dB sind aus dem Stufenmuster nach unten fortgeschrieben und gelten bis zur ersten Projektmessung unter Vorbehalt. Vier Dezibel wären die andere denkbare Fortschreibung, und sie wäre zu weit: Bei ±4 dB kippt die Abbildung sichtbar, und jede automatische Einmessung unterbietet den Wert ohnehin.
Ein verpolter Kanal setzt die Kategorie auf L1, gleichgültig wie sauber Pegel und Laufzeiten stimmen. Am Übergang zwischen den betroffenen Lautsprechern löscht sich der Schall dann teilweise aus, und das repariert kein Pegelabgleich.
Die Besonderheit steht auf L5. Dort reicht es nicht, dass die Kalibrierung am Referenzsitzplatz stimmt — sie muss über mehrere Sitzplätze halten. Das ist eine andere Art von Anforderung als eine engere Zahl: Sie lässt sich am Einmessgerät nicht einfach nachziehen, weil ein einzelner Verzögerungswert nie für zwei verschieden weit entfernte Plätze gleichzeitig stimmt. Wer L5 anstrebt, entscheidet das in der Sitzplatzplanung und in der Lautsprecheraufstellung, lange vor der Einmessung.
Dass die Laufzeit zwischen L4 und L5 bei einer Millisekunde stehen bleibt, hat einen Messgrund: Zehn Zentimeter Mikrofonversatz sind bereits 0,3 Millisekunden, und feiner löst eine Messung im Raum nicht sauber auf. Den Ausschlag gibt deshalb die Sitzfläche.
So lässt sich das planen
Der Planungseingang dieser Kategorie steht im Angebot. Entscheidend ist, welche Leistung dort beschrieben ist: ein Einmess-System, das Pegel und Laufzeiten selbsttätig bestimmt, und ob zusätzlich eine Nachkalibrierung von Hand mit Messmikrofon vereinbart wird.
Daraus folgt die Stufe direkt. Ohne Einmessung, mit Laufzeiten aus abgemessenen Entfernungen, ergibt sich L2. Eine automatische Einmessung ergibt L3. Kommt die manuelle Nachkalibrierung mit Messmikrofon und Impulsantwort dazu, ergibt sich L4. Die oberste Stufe verlangt den Nachweis an sämtlichen Sitzplätzen und entsteht damit erst bei der Abnahme — im Planungsprofil kommt sie nicht vor.
Beide Kennzeichen dieser Kategorie stehen auf leicht. Planbar leicht heißt, dass die Stufe eine Zusage im Leistungsverzeichnis abbildet und keine Rechnung braucht; einen Deckel gibt es deshalb nicht, wohl aber die eben genannte Grenze aus der Sache selbst. Messbar leicht heißt, dass der Nachweis mit dem ohnehin mitgeführten Messmikrofon in einer knappen Stunde erledigt ist — er gehört zum Standardumfang und wird beim Übergabetermin protokolliert, ohne eigene Angebotsposition. Nennt das Angebot die Einmessleistung nicht, fehlt der Vorhersage ihre Grundlage; im Profil erscheint dann „nicht prognostizierbar" mit dem Hinweis auf die offene Zusage. Der Normalweg endet beim geplanten Wert; wer den gemessenen will, beauftragt die Abnahme mit.
Was die Einmessklasse anderswo bewirkt
Die Güte der Raumkorrektur bekommt keine eigene Stufe und kein eigenes Gewicht — sonst zählte dieselbe Leistung zweimal, einmal als Verfahren und einmal als Ergebnis. Sie wirkt an anderer Stelle: als Eingang in die Vorhersage von drei Kennwerten, nämlich Frequenzgang gegen die Zielkurve, Sitz-zu-Sitz-Konsistenz und Bass-Gleichmäßigkeit über die Sitzfläche. Die Staffel dafür ist gestuft. Gar keine Korrektur und eine Entzerrung über ein einzelnes Band verschieben nichts. Eine Einmessung über mehrere Mikrofonpositionen hebt die vorhergesagte Stufe dieser drei Kennwerte um eine. Beherrscht das System obendrein eine Korrektur von Zeit und Phase, werden zwei Stufen daraus — die vierte Klasse steht also eine Stufe über der dritten. Bei L4 endet der Zuschlag in jedem Fall, und was der Raum baulich hergibt, deckelt oft schon früher.
Wie sicher die Zahlen sind
Der Umfang der Kategorie ist entschieden: Pegel, Laufzeit und Polarität zusammen. Die Übergabe zwischen Subwoofer und Hauptlautsprechern zählt hier nicht mit, weil sie im Bass-Management ohnehin eine eigene Kategorie hat.
Bei den Zahlen ist die Lage unterschiedlich fest. Der strenge Pegelwert ±0,5 dB auf L5 ist am Original einer Norm belegt: SMPTE RP 200 § 5.5 nennt genau diese Toleranz für Screen-Kanäle gegenüber dem Referenzpegel — er ist deshalb der einzige Wert der Tabelle ohne Vorbehalt. Die Werte für L3 und L4 kommen von AVITECT selbst, der L2-Wert ist hergeleitet, wie oben beschrieben. Für Laufzeit und Polarität liefert RP 200 keine Zahlen, und eine andere Norm mit solchen Zahlen ist bisher nicht gefunden.
Für Laufzeit, Polarität und die Stufen L2 bis L4 wird derzeit geprüft, ob die Werte in realen Räumen sitzen; die ersten Projektmessungen entscheiden das.
Nachkalibrierung: eine andere Toleranz als der L5-Wert
Neben der Erstkalibrierung gibt es die wiederkehrende Wartungsmessung an einer bereits eingemessenen Anlage. Dafür nennt SMPTE RP 2096-2 eine eigene Zahl: Der Frequenzgang darf zwischen zwei aufeinanderfolgenden Wartungsmessungen um höchstens ±1 dB gegenüber der jeweils vorherigen Kurve driften.
Diese Drift-Toleranz beschreibt etwas anderes als die L5-Pegeltoleranz und darf nicht mit ihr verwechselt werden. Die L5-Toleranz von ±0,5 dB beschreibt, wie genau der Pegelabgleich zwischen den Kanälen bei der Erstkalibrierung sitzen muss. Die Drift-Toleranz von ±1 dB beschreibt etwas anderes: wie weit sich derselbe Messpunkt über die Zeit verschieben darf, bevor eine Nachkalibrierung fällig wird. Eine Anlage kann die Erstkalibriertoleranz sauber treffen und trotzdem später außerhalb der Drift-Toleranz liegen — dann hat sich seither etwas an Anlage oder Raum verändert, während die ursprüngliche Einmessung davon unberührt bleibt.
Was daraus für die Planung folgt
Diese Kategorie steht zeitlich am Ende und logisch am Anfang. Am Ende, weil sie erst mit fertig aufgestellten Lautsprechern durchgeführt werden kann. Am Anfang, weil jede andere Ton-Messung auf ihr aufbaut — ein Frequenzgang, der gegen die Zielkurve bewertet wird, ist ohne stimmende Pegel und Laufzeiten nicht aussagekräftig.
Praktisch heißt das: Diese drei Prüfungen laufen vor jeder Level-Bewertung und werden nach jedem Eingriff wiederholt. Ein getauschter Verstärker, ein verschobener Subwoofer oder ein Firmware-Update setzen sie zurück, und ohne Nachmessung fällt das niemandem auf.
Verknüpfte Inhalte
Der Kennwert, der auf dieser Grundeinstellung aufbaut, ist der Frequenzgang gegen die Zielkurve; welche Kurve dabei gilt, steht bei der Ton-Zielkurve. Ob die Kanäle über den Pegelabgleich hinaus auch klanglich zusammenpassen, prüft die Timbre-Gleichheit.
Wo die drei Punkte dieser Kategorie in der Ton-Note stehen und welche Kennwerte daneben zählen, ist bei Performance Level: Ton Mehrkanal zusammengestellt. Den Aufbau des Systems über alle Domänen hinweg erklärt Performance Level.
Quellen
Toleranzen und Gewichtung stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Der L5-Pegelwert, der Referenzpegel und die Drift-Toleranz für die Wartungsmessung sind inzwischen durch SMPTE RP 200 und SMPTE RP 2096-2 am Original belegt; für Laufzeit und Polarität liefern beide Dokumente keine eigenen Zahlenwerte.