Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

In-Room-Zielkurve (Performance Level Ton)

Gegen welche Kurve wird ein Mehrkanalsystem eingemessen — und warum ist eine flache Kurve dafür die falsche Vorgabe?

Jede Bewertung eines Frequenzgangs braucht einen Bezug — eine Kurve, gegen die gemessen wird. Welche Kurve das im Performance-Level-System ist, legt diese Kategorie fest. Stufen hat sie deshalb keine: Es gibt hier nichts zu erreichen, nur etwas festzulegen. Bewertet wird die Einhaltung der Kurve eine Ebene weiter, beim Frequenzgang.

Was eine Zielkurve technisch ist, klärt der Glossareintrag; hier stehen die Hausentscheidung und ihre Begründung.

Wenn ein Fachmann Deine Anlage einmisst, braucht er eine Vorlage: Wie soll das Ergebnis am Ende aussehen? Die meisten Menschen tippen auf eine schnurgerade Linie — überall gleich viel, von tief bis hoch. Genau das klingt im Wohnzimmer aber unangenehm hell und dünn. Deshalb zielt eine gute Einmessung auf eine Linie, die zu den hohen Tönen hin leicht abfällt und im Bass etwas mehr Fülle behält. Diese Seite hält fest, welche Vorlage AVITECT dafür benutzt.

Was hier festgelegt ist

Festgelegt ist eine fallende In-Room-Kurve als Kalibrier-Startpunkt. Ihre Form in Kurzfassung:

  • Der Verlauf fällt mit rund 1 dB je Oktave zu den Höhen hin ab. Über den hörbaren Bereich summiert sich das auf einen deutlichen Unterschied zwischen Grundton und oberem Hochton.
  • Unterhalb von etwa 105 Hz steht ein angehobener Bassbereich (Shelf) mit 4 bis 6 dB, der den Tiefton über den Verlauf der Geraden hebt.
  • Die Kurve ist der Startpunkt der Einmessung und nicht ihr Endergebnis. Was danach mit dem Kunden abgestimmt wird, bleibt davon unberührt.
  • Eine flache Kurve kommt als Vorgabe nicht in Frage.

Die Kategorie bekommt keine Leiter und kein Gewicht — im Register wird sie unter TON-ZIELKURVE als reine Festlegung geführt. Wo nichts zu erreichen ist, gibt es auch keine Stufen: Bewertet wird die Einhaltung der Kurve beim Frequenzgang, und dort steht das Gewicht. Dass die verwendete Kurve überhaupt dokumentiert ist, wird als Prüfpunkt in der Checkliste der Kalibrierung abgehakt.

Die Kurve geht auf Arbeiten von Sean Olive zurück, der die Wiedergabeforschung bei Harman International geleitet und Hörpräferenzen für Lautsprecher und Raumwiedergabe über Jahre systematisch untersucht hat. Von den Kurvenformen, die zur Wahl standen, ist sie die einzige mit einer zitierten Fachquelle im Hintergrund.

Die Shelf-Parameter — Eckfrequenz und Anhebung — werden derzeit geprüft. Zur Debatte standen auch ein Verlauf, der den Bass ganz ausklammert, und einer, der erst oberhalb der Schröder-Frequenz abfällt — jener Grenze, oberhalb derer der Raum nicht mehr in einzelnen Moden antwortet.

Warum eine flache Kurve klanglich falsch liegt

Der häufigste Einwand kommt sofort: Wenn die Anlage neutral sein soll, müsste die Kurve doch gerade sein. Der Einwand ist verständlich und verwechselt zwei verschiedene Messungen.

Ein Lautsprecher, den man im schalltoten Raum misst, soll tatsächlich gerade sein — dort trifft nur der Direktschall das Mikrofon. In einem echten Raum misst das Mikrofon aber Direktschall und Raumschall zusammen. Der Raumschall verliert zu den Höhen hin überproportional an Energie, weil Möbel, Teppiche und Wände hohe Frequenzen stärker schlucken als tiefe. Dein Gehör verrechnet beide Anteile und erwartet genau dieses Gefälle: Eine Stimme aus fünf Metern Entfernung klingt dunkler als aus einem Meter, und das gilt in jedem Raum, in dem Du je etwas gehört hast.

Zwingt man die Anlage im Raum trotzdem auf eine gerade Linie, hebt man den Hochtonanteil über das an, was das Gehör aus der Situation erwartet. Das Ergebnis klingt hell, scharf und auf Dauer anstrengend — die Anlage wirkt technisch korrekt und macht trotzdem keine Freude. Deshalb steht in dieser Sache eine Festlegung und keine Geschmacksfrage.

Referenzkurve, Ohr und Kundenanpassung

Die Kurve ist der erste von drei Schritten in der AVITECT-Praxiskette. Zuerst wird gegen die Referenzkurve eingemessen. Dann hört ein Mensch das Ergebnis ab und korrigiert, was die Messung nicht sieht. Zuletzt kommen Anpassungen an den Kunden dazu, meist als abrufbare Presets für verschiedene Nutzungen.

Für die Bewertung zählt allein der erste Schritt. Das gemessene Level bezieht sich immer auf die Referenz-Zielkurve; Presets sind dokumentierte Betriebsmodi und keine Bewertungsgrundlage. Ohne diese Trennung wäre das Level beliebig — ein System könnte sich seine Bewertung durch eine bequeme Kurve selbst ausstellen.

Für Dich heißt das: Ein hoher Level sagt, wie präzise die Anlage die Referenz treffen kann. Wie sie am Ende bei Dir eingestellt ist, bleibt Deine Entscheidung, und ein abweichendes Preset kostet keinen Punkt.

Abgrenzung zur professionellen Kino-Kalibrierkurve

Für das professionelle Kino gibt es eine eigene, am Original gelesene Norm: SMPTE RP 2096-1 legt für Dubbing-Theater und kommerzielle Kinos eine Zielkurve fest, die flach von 50 Hz bis 2 kHz verläuft, bei 4 kHz auf −3 dB abgesunken ist und darüber mit rund 3 dB je Oktave bis 10 kHz weiter fällt.

Das ist eine andere Kurve als die oben beschriebene, und die beiden gehören getrennt. Die SMPTE-Kurve stammt aus der X-Curve-Familie, die für große, gedämpfte Säle mit eigener Nachhallkorrektur entwickelt wurde; die Olive-Kurve gilt kleinen, reflektierenden Wohnräumen, wie ein Heimkino einer ist. Für Heimkinoanlagen bleibt deshalb die Olive-Kurve der Kalibrier-Startpunkt. Was RP 2096-1 zu dieser Seite beiträgt, ist die belegte Form einer eigenständigen professionellen Kino-Zielkurve — mehr belegt die Norm für die Heimkino-Wahl nicht.

So lässt sich das planen

Weil diese Festlegung keine Stufen hat, bekommt sie auch keine Vorhersage, keinen Deckel und kein Messpaket. Sie erscheint im Planungsprofil deshalb nicht als eigene Zeile. Ihre Rolle in der Planung ist trotzdem groß: Sie ist der Bezug, gegen den die Vorhersage des Frequenzgangs überhaupt erst eine Zahl ergibt.

Praktisch heißt das zweierlei. Erstens fällt die Entscheidung über die Variante — Kino oder Musik — mit der dokumentierten Hauptnutzung des Raums, und die steht im Angebot, nicht erst am Einmesstag. Zweitens gehört diese Festlegung in jedes Einmessprotokoll: Wer eine Stufe für den Frequenzgang zusagt, sagt sie gegen diese Kurve zu und gegen kein Kundenpreset. Ein Betriebsmodus mit mehr Bass oder ein Nachbarschaftsmodus mit weniger ist erlaubt, wird dokumentiert und bleibt außerhalb der Bewertung.

Was noch offen ist

Die Feinform der Kurve wird noch untersucht, und der Grund liegt in der Sache: Eine Zielkurve wird gehört und nicht gerechnet. Am Schreibtisch lässt sich ihre Richtung festlegen, ihre letzten anderthalb Dezibel nicht. Festgelegt ist deshalb die Richtung; die Feinform bleibt unter Vorbehalt, bis sie an Projekten gehört ist.

Es gibt die Kurve außerdem in zwei Varianten — eine für Kino, eine für Musik. Welche von beiden gilt, ist geklärt: Es entscheidet die dokumentierte Hauptnutzung des Raums, im Heimkino also die Kino-Variante und im HiFi-Raum die Musik-Variante. Ein Raum, der beides leisten soll, wird nach seiner Hauptnutzung bewertet; die zweite Nutzung wird dokumentiert und bekommt kein eigenes Level. Offen bleibt, wie weit die beiden Varianten zahlenmäßig auseinanderliegen — das wird derzeit geprüft. Die professionelle Kino-Kalibrierkurve aus SMPTE RP 2096-1 gehört zu einer anderen Kurvenfamilie und kommt als Vorlage für die Kino-Variante nicht in Betracht.

Verknüpfte Inhalte

Wie eng eine Anlage diese Kurve treffen muss, um eine Stufe zu erreichen, steht beim Frequenzgang. Die Voraussetzung dafür, dass eine Messung überhaupt aussagekräftig ist — stimmende Pegel, Laufzeiten und Polaritäten —, beschreibt die Kalibrierung.

Wo die Zielkurve in der Ton-Domäne einsortiert ist — als einzige Kategorie ohne Stufen und ohne Gewicht —, ist auf der Übersicht Performance Level: Ton Mehrkanal zu sehen. Woher die Stufen L1 bis L5 ihre Bedeutung nehmen, steht unter Performance Level.

Quellen

Kurvenform und Begründung stammen von AVITECT. Sie stützen sich auf die Wiedergabeforschung von Sean Olive bei Harman International; diese Publikation ist für diese Seite nicht im Original eingesehen worden. Belegt ist damit die Richtung der Kurve, ihre genaue Form noch nicht. Die professionelle Kino-Kalibrierkurve stammt aus SMPTE RP 2096-1 und ist für diese Seite am Original gelesen.

Tastaturkürzel