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RDT II — Rigid Diaphragm Technology II
Wie ist die RDT-II-Membran von Monitor Audio aufgebaut, wo ist sie heute noch verbaut — und was unterscheidet sie von RDT III und RST II?
RDT II ist die zweite Stufe der Sandwichmembran von Monitor Audio: ein Wabenkern aus Nomex zwischen zwei sehr dünnen Häuten, vorn die keramikbeschichtete Aluminium-Magnesium-Legierung C-CAM, hinten ein gewebtes Kohlefasermaterial. Eingeführt wurde die Stufe Ende 2015 mit der Platinum Series II, und obwohl die Spitzenserien inzwischen die dritte Stufe führen, ist RDT II im Katalog geblieben — in den Tieftönern der Kinoserie Cinergy, im Mitteltöner des Einbaulautsprechers Platinum In-Wall 3G und in einzelnen Modellen der Einbauserie Creator. Wer heute ein Heimkino mit Monitor-Audio-Bestückung plant, hat diese Membran deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit vor sich.
Ein Stück Wellpappe hält erstaunlich viel aus, obwohl seine drei Lagen einzeln so labbrig sind wie normales Papier: Zwei glatte Deckschichten und eine leichte Füllung dazwischen stützen sich gegenseitig. Nach demselben Prinzip ist diese Lautsprechermembran gebaut, nur viel feiner. Sie soll beim Schwingen ihre Form behalten, denn eine Membran, die sich dabei verbiegt, gibt einen anderen Ton wieder als den, den der Verstärker hineinschickt. Du findest diese Bauweise heute vor allem in den Einbau- und Kinolautsprechern der Marke.
Das Problem, das die Bauweise löst
Eine Membran soll leicht sein und sich zugleich nicht verbiegen — zwei Anforderungen, die gegeneinander arbeiten, denn Steifigkeit über Materialdicke zu gewinnen kostet Masse. Oberhalb einer bestimmten Frequenz beginnt jede Membran, in sich zu schwingen statt als Ganzes; dieser Membranaufbruch verfärbt die Wiedergabe, und wo er einsetzt, entscheidet die Biegesteifigkeit im Verhältnis zur Masse. Der Ausweg der Sandwichbauweise: zwei dünne Häute weit auseinanderlegen und den Zwischenraum mit einem Wabenkern füllen, der fast nichts wiegt. Warum das die Steifigkeit überproportional erhöht, führt der Eintrag zu Biegewellen aus; die ausführliche Herleitung für diese Bauweise steht auf der Seite zur Nachfolgestufe RDT III.
Der Aufbau — und der Schritt zur Asymmetrie
Die erste RDT-Stufe der Platinum Series von 2007 war symmetrisch aufgebaut: vorn und hinten dieselbe C-CAM-Haut auf dem Wabenkern. Der eigentliche Schritt von RDT II ist der Wechsel der Rückhaut. Der Hersteller beschreibt ihn bei der Einführung selbst: Die Vorderhaut bleibt C-CAM, die Rückhaut besteht aus einem gewebten Kohlefasermaterial. Begründet wird das mit den unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften der beiden Häute — die Kombination zahle sich vor allem im oberen Frequenzbereich aus. Dazu kommt ein höherer Verlustfaktor: Kohlefasergewebe in Kunstharz bedämpft Restschwingungen deutlich stärker als eine zweite Metallhaut, und genau das ist bei Metallmembranen der wunde Punkt, weil ihr Aufbruch sonst scharf ausfällt.
Zwei weitere Angaben macht der Hersteller zur fertigen Membran: Sie ist 2 mm dick, und sie soll die 150-fache Festigkeit einer üblichen Lautsprechermembran erreichen. Die Broschüre zur Platinum Series II beschreibt außerdem eine flachere Membranschale ohne Mittelloch — die Schwingspule greift also an der geschlossenen Rückseite an, ohne dass eine Staubschutzkalotte die Fläche unterbricht.
Was der Hersteller beziffert — und woher die Zahl stammt
Zur Wirkung nennt Monitor Audio eine Zahl: über 8 dB weniger Verzerrung oberhalb von 300 Hz, in der Bedienungsanleitung ergänzt um „entspricht 60 Prozent". Diese Angabe wurde mit RDT II eingeführt — und sie steht seither unverändert im Katalog, auch bei der Nachfolgestufe RDT III. Für die Einordnung heißt das: Die Zahl beschreibt den Gewinn der Sandwichbauweise als solcher, vermutlich gegenüber einer einfachen Membran; als Beleg für einen Fortschritt zwischen den Generationen taugt sie nicht, weil zwei aufeinanderfolgende Bauweisen denselben Wert führen.
Eine unabhängige Messung eines RDT-II-Treibers hat die Recherche bis zum 19. August 2026 nicht gefunden.
Wo RDT II heute sitzt
Der Gesamtkatalog für Einbau- und Installationslautsprecher, den Monitor Audio im November 2024 herausgegeben hat, nennt die Stufe mit Ziffer — im Technologieteil der Cinergy-Serie ebenso wie in den Spezifikationstabellen der Modelle:
| Serie / Modell | Bestückung mit RDT II |
|---|---|
| Cinergy 100, 200, 300 | 8-Zoll-Basstreiber (203 mm), je Modell einer bis zwei |
| Platinum In-Wall 3G | 4-Zoll-Mitteltöner — neben zwei 6-Zoll-Basstreibern der Stufe RDT III |
| Creator Series | einzelne Modelle laut Gesamtkatalog; die genaue Modellliste ist Produktzuordnung |
Die zweite Zeile verdient einen zweiten Blick: Der Platinum In-Wall 3G mischt die Generationen in einem Gehäuse. Wer die Platinum-Serie pauschal als durchgehend RDT III beschreibt, liegt bei diesem Modell falsch — und umgekehrt ist die Mischung kein Versehen, denn der Katalog weist beide Stufen nebeneinander aus. Auf den heutigen Produktseiten der Cinergy-Modelle steht die Bezeichnung dagegen ohne Ziffer, nur als „RDT Driver"; die Generationsangabe stammt aus dem Katalog von 2024 und aus der Ankündigung der Serie von 2022.
Historisch saß RDT II in der Platinum Series II (2015 bis zur Ablösung durch die 3G im Jahr 2022) und in der Gold-Serie der fünften Generation.
Abgrenzung
Nach oben, gegen RDT III. Der Grundaufbau bleibt gleich — Wabenkern, C-CAM-Vorderhaut, Kohlefaser-Rückhaut. Die dritte Stufe ersetzt das Gewebe der Rückhaut durch zwei gleichmäßige Lagen unidirektionaler Kohlefaser, die um 90 Grad versetzt verklebt sind, und der Hersteller nennt dazu eine optimierte Membranrandbehandlung und eine optimierte Gummisicke. Es ist eine Weiterentwicklung im Detail, kein Bruch — was auch erklärt, warum beide Stufen im heutigen Katalog nebeneinander bestehen können.
Nach unten, gegen RST II. Die mittleren Serien versteifen eine einzelne C-CAM-Lage über ein eingeprägtes Sechseckmuster — Geometrie statt Lagenaufbau. Die beiden Wege sind enger verwandt, als die Preisklassen vermuten lassen: Das Prägemuster der RST-II-Membranen ist laut Hersteller aus der RDT-II-Entwicklung der Gold-Serie abgeleitet.
Gegen den Werkstoff C-CAM. Die Legierung ist nur die Vorderhaut. Dieselbe Legierung sitzt auch in glatten Membranen ohne jeden Lagenaufbau, etwa in der Bronze-Serie — der Name RDT II bezeichnet den Verbund, nicht das Material.
Grenzen
Die Stufe ist im Katalog schwer zu erkennen. Produktseiten schreiben teils nur „RDT" ohne Ziffer, und eine Serie kann über ihre Laufzeit die Treiberstufe wechseln, ohne dass der Name sich ändert. Wer für eine Planung wissen muss, welche Generation verbaut ist, kommt am Katalog mit Datenstand oder an einer Herstellerauskunft nicht vorbei.
Die Wirkungsangabe hängt an einer einzigen Zahl. Dokumentiert sind Lagen, Werkstoffe, Dicke und Einsatzorte; für die Wirkung gibt es die 8-dB-Angabe, deren Bezugsgröße offen ist und die wortgleich für die Nachfolgestufe weitergeführt wird.
Aus der Ziffer folgt keine Rangfolge im Klang. Dass die Cinergy die zweite Stufe führt und die Platinum 3G die dritte, sagt für sich genommen nichts über das Ergebnis im Raum — die Serien unterscheiden sich in Gehäuse, Antrieb und Einsatzzweck weit stärker als in der Membranstufe. Ein belegter Hörunterschied zwischen RDT II und RDT III ist öffentlich nirgends dokumentiert.
Verknüpfte Inhalte
Warum eine Membran aufbricht und was Biegesteifigkeit damit zu tun hat, führen Membranaufbruch und Biegewellen aus. Die Nachfolgestufe mit der ausführlichen Herleitung der Sandwichbauweise steht unter RDT III, die geprägte Einzellagen-Membran der mittleren Serien unter RST II. Den Überblick über die Marke gibt die Seite Monitor Audio.
Quellen
Aufbau und Abgrenzung zur ersten Stufe stammen aus der Pressemitteilung des Herstellers zur Platinum Series II vom Dezember 2015 und aus der Broschüre zur selben Serie; die 8-dB-Angabe steht in Broschüre und Bedienungsanleitung. Die heutigen Einsatzorte sind über den Architektur-Gesamtkatalog des Herstellers mit Erstellungsstand November 2024 belegt, die Cinergy-Zuordnung zusätzlich über die Ankündigung der Serie von 2022. Die Herleitung des RST-II-Prägemusters aus der RDT-II-Entwicklung nennt der Produktleitfaden zur Silver Series 7G.