Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

C-CAM

Woraus besteht C-CAM, und was folgt aus dem Werkstoff für die Konstruktion eines Lautsprechers?

C-CAM steht für Ceramic-Coated Aluminium/Magnesium: eine Legierung aus Aluminium und Magnesium, auf deren Oberfläche eine keramische Schicht aus Aluminiumoxid aufgebracht ist. Monitor Audio führt den Namen als eigene Marke und setzt den Werkstoff überall dort ein, wo sich im Lautsprecher etwas bewegen muss — in der Hochtonkalotte, in Konusmembranen für Mittel- und Tiefton und als Folie im Bändchenhochtöner.

In jedem Lautsprecher fährt eine dünne Scheibe vor und zurück und schiebt dabei Luft. Je fester diese Scheibe ist, desto genauer folgt sie dem Signal, statt sich unterwegs zu verbiegen. Monitor Audio nimmt dafür eine Mischung aus zwei Leichtmetallen und überzieht sie mit einer dünnen, sehr harten Haut. Für Dich ist das kein Klangversprechen, sondern eine Bauentscheidung: Sie legt fest, was der Hersteller um diese Scheibe herum konstruieren muss.

Woraus er besteht

Die Basis ist ein Leichtmetall — eine Aluminium-Magnesium-Legierung, die sich ziehen und prägen lässt. Darauf wächst in einem anodischen Verfahren eine keramische Schicht aus Aluminiumoxid. Das Ergebnis ist deshalb kein lackiertes Blech, sondern ein Verbund: hartes Oxid an der Oberfläche, zähere Legierung darunter.

Beim Hochtöner kommt eine goldfarbene Anodisierung dazu. Nach Herstellerangabe wird sie auf eine bestimmte Dicke ausgeführt, weil Steifigkeit und Dämpfung der Kalotte davon abhängen. Die goldene Kalotte ist also dieselbe Legierung mit einer anderen Oberflächenbehandlung und keine zweite Rezeptur.

Woher der Werkstoff stammt, sagt der Hersteller selbst: entwickelt wurde die Werkstoffklasse in der Luftfahrtindustrie für Bauteile in Flugzeugturbinen.

Welche Eigenschaften daraus folgen

Der Hersteller nennt eine einzige Kerneigenschaft, und sie ist die richtige: einen höheren Widerstand gegen Biegebeanspruchung. Wichtig ist, was daraus folgt.

Eine Membran soll sich als Ganzes bewegen. Ab einer bestimmten Frequenz gelingt ihr das nicht mehr — sie bricht in Teilschwingungen auf. Wo diese Grenze liegt, hängt von Steifigkeit, Masse und Durchmesser ab. Ein steifer Werkstoff schiebt den Aufbruch nach oben, ein gut gedämpfter fängt ihn ab. C-CAM gehört zur ersten Gruppe, und damit ist die Aufgabe für den Rest der Konstruktion gestellt: Die Frequenzweiche muss den Treiber unterhalb seiner Aufbruchfrequenz betreiben, und die Membrangeometrie muss die Grenze so weit nach oben verschieben, dass dafür Platz bleibt. Genau dazu gibt es die geprägte Oberfläche der RST-Membranen und den Sandwichaufbau der oberen Serien.

Die zweite Eigenschaft ist unspektakulär und praktisch wichtig: Eine oxidkeramische Oberfläche ist chemisch beständig. Deshalb sitzen in den Außenlautsprechern des Hauses dieselben Treiber wie in den Innenserien, ohne einen zweiten Werkstoff für den Feuchtbereich.

Wer ihn verwendet

C-CAM ist das Merkmal eines einzelnen Hauses. Monitor Audio entwickelt Treiber selbst und hat sich dabei auf diese Werkstoffklasse festgelegt — von der Einstiegsserie bis zum Flaggschiff, in freistehenden Lautsprechern wie in Einbau-, Kino- und Außenserien. Was zwischen den Serien wechselt, ist nicht der Stoff, sondern der Aufwand, mit dem er verarbeitet wird.

Abgrenzung

Werkstoff und Bauweise sind zwei Dinge. RDT ist eine Sandwichbauweise: ultradünne Häute auf einem Wabenkern aus Nomex, vorne C-CAM, hinten gewebte Kohlefaser. C-CAM ist der Stoff in der vorderen Haut, nicht die Bauweise. Wer beides gleichsetzt, verliert genau die Unterscheidung, die erklärt, warum zwei Serien denselben Werkstoff und trotzdem verschiedene Membranen haben.

Ebenso ist RST keine Werkstoffvariante, sondern eine Oberflächengeometrie: kleine, gerechnete Prägungen, die eine dünnere C-CAM-Membran versteifen. Und die goldene Kalotte ist, wie oben beschrieben, eine Anodisierung.

Grenzen

Ein steifer Werkstoff verschiebt den Aufbruch, er beseitigt ihn nicht. Was oberhalb der Grenze passiert, ist bei Metall eine ausgeprägte Resonanz und kein sanftes Auslaufen — sie muss aus dem Übertragungsbereich heraus, und das kostet Weichenaufwand. Je größer der Membrandurchmesser, desto tiefer rutscht die Aufbruchfrequenz; ab einer bestimmten Größe reicht die geprägte Einzelhaut nicht mehr, und es braucht den Sandwichaufbau. Das ist der Grund, warum die großen Basstreiber der oberen Serien anders gebaut sind als die kleinen.

Zweitens ist eine keramische Schicht hart, aber spröde. Eine eingedrückte Kalotte lässt sich nicht ausbeulen; die Reparatur ist der Treibertausch. Wo Kinderhände oder Reinigungsarbeiten hinkommen, ist das Schutzgitter kein Zubehör.

Und drittens bleibt die Rechnung offen, weil der Hersteller keine Kennwerte veröffentlicht: Wie viel steifer C-CAM als eine gewöhnliche Aluminiummembran ist, lässt sich nicht beziffern.

Verknüpfte Inhalte

Der Hersteller hinter dem Werkstoff ist Monitor Audio; die Serien, in denen er steckt, hängen dort als Übersicht. Für die Begriffe dieser Seite: die Dämpfung und der Verlustfaktor als Maß dafür, wie stark ein Werkstoff eigene Schwingungen in Wärme umsetzt, die Resonanz als das Verhalten, um das es beim Aufbruch geht, und die Frequenzweiche als der Ort, an dem die Aufbruchfrequenz konstruktiv beantwortet wird. Der Bändchenhochtöner erklärt die Bauform, in der C-CAM als Folie und nicht als Kalotte arbeitet.

Quellen

  1. Monitor Audio, Custom Install Brochure — Auflösung der Abkürzung, Herkunft aus der Luftfahrt, Widerstand gegen Biegebeanspruchung, goldanodisierte Kalotte, RST-Oberflächengeometrie.
  2. Monitor Audio, Custom Install Product Guide — Technologie-Glossar mit dem Schichtaufbau der RDT-Membran und dem Bändchenwandler aus C-CAM-Legierung.
  3. Monitor Audio, Studio (Broschüre) — dieselbe RDT-Beschreibung am Serienmodell.

Alle Angaben zu Werkstoff und Fertigung sind Herstellerangaben; eine unabhängige Werkstoffprüfung liegt nicht vor. Die Quellen 1 bis 3 sind Herstellerdokumente, die an diesem Tag nur über Distributor- und Fachhandelsspiegel erreichbar waren — monitoraudio.com selbst hat die Abrufe abgewiesen. Die dort veröffentlichten Serienbeschreibungen zur dritten RDT-Generation sind deshalb in diesem Lauf nicht gegengeprüft worden.

Tastaturkürzel