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Einleitung

Der MRX 1140 8K ist ein 15.2-Kanal-AV-Receiver mit elf eingebauten Endstufen bis 140 W pro Kanal an 8 Ω, 8K-fähigen HDMI-2.1-Anschlüssen (7 Eingänge, 3 Ausgänge) und Raumeinmessung über ARC Genesis. Er unterstützt Dolby Atmos, DTS:X und IMAX Enhanced und bietet zwei Subwoofer-Ausgänge.

Innerhalb der MRX-8K-Serie ist er das Modell mit den meisten Kanälen; MRX 740 8K und MRX 540 8K haben weniger Endstufen bei gleicher Leistung pro Kanal. Er eignet sich, wenn Du alle Lautsprecher direkt am Receiver anschließen willst, ohne separate Endstufen.

Die Highlights des MRX 1140 8K im Überblick

  • Kanäle

    11

  • Einmessung

    ARC Genesis

  • Tonformate

    • Dolby Atmos
    • DTS:X
    • IMAX Enhanced
  • Streaming

    • AirPlay 2
    • Chromecast/Google Cast
    • Spotify Connect
  • HDMI Anschlüsse

    • 7 Eingänge
    • 3 Ausgänge
  • Gehäuse

    B × H × T

    431,8 mm152,4 mm364 mm

Technologien im MRX 1140 8K

Was in den technischen Daten steckt — auf unseren Wissensseiten erklärt und vertieft.

Technische Daten

  • Kanäle

    Max. Kanäle
    11
  • Raumkorrektur

    Raumkorrektursystem
    ARC Genesis

    Technologie

    Anthem ARC Genesis

    Anthem Room Correction, kurz ARC, ist die Einmessung von Anthem — und ARC Genesis ist seit 2019 die Software, mit der sie eingerichtet wird: kostenlos, für Windows und macOS, dieselbe für jedes Gerät der drei Konzernmarken Anthem, Paradigm und MartinLogan. Gemessen wird mit einem einzeln kalibrierten Mikrofon an mehreren Positionen im Hörbereich, gerechnet wird auf dem Computer, und die fertigen Filter wandern in den Gerätespeicher. Von den anderen großen Verfahren unterscheidet ARC vor allem zweierlei: Es stammt in direkter Linie aus einem staatlichen Forschungsprojekt, und seine Zielkurve lässt die natürliche Bassanhebung des Raums bewusst stehen.

    Kein Wohnzimmer behandelt alle Töne gleich: Manche dröhnen an Deinem Sitzplatz, andere gehen fast unter. Mit dem mitgelieferten Mikrofon misst diese Technik das an mehreren Stellen rund um Dein Sofa aus und rechnet die Fehler des Raums heraus. Dabei ist sie bewusst vorsichtig: Was ein Raum von Natur aus an Bass dazugibt, bleibt erhalten, weil sich Musik sonst dünn und falsch anhört. Die Auswertung läuft auf Deinem Computer, das Ergebnis speichert der Verstärker — danach brauchst Du den Computer nicht mehr.

    Das zugrunde liegende Problem

    Unterhalb einiger hundert Hertz bestimmt der Raum mit, was am Hörplatz ankommt: Raummoden heben einzelne Frequenzen an und löschen andere fast aus, und schon eine Sitzreihe weiter sieht das Bild anders aus. Eine Korrektur, die nur an einem Punkt misst, macht genau diesen Punkt besser und den Rest des Hörbereichs schlechter.

    Der zweite Irrtum ist das Ziel selbst. Ein linealglatter Frequenzgang klingt im Wohnraum nicht richtig, denn ein Raum verstärkt den Ober- und Mittbass von Natur aus — der Druckkammereffekt, beim Hersteller Room Gain genannt. Anthem begründet das psychoakustisch: Das Gehör kennt diese Anhebung aus jedem Raum und erwartet sie; wird sie weggeregelt, wirkt die Wiedergabe dünn. Deshalb korrigiert ARC auf eine Zielkurve zu, die diesen Anteil erhält.

    Was Raumkorrektur grundsätzlich leisten kann und wo alle Verfahren an dieselbe physikalische Grenze kommen, steht unter Raumkorrektur; der Rest dieser Seite gilt allein der Umsetzung von Anthem.

    Funktionsweise

    Ein Mikrofon mit Seriennummer. Zu jedem ARC-fähigen Gerät gehört ein Messmikrofon, das im Werk einzeln vermessen wird und mit einer eigenen Kalibrierdatei ausgeliefert wird. Die Software verrechnet die Abweichungen genau dieses Exemplars, bevor sie Filter berechnet — seit der ersten ARC-Version ein Kernpunkt des Verfahrens. Nur das Universalmikrofon der Mobilfassung kommt ohne individuelle Datei aus; dort setzt der Hersteller auf enge Fertigungstoleranzen.

    Sweeps an mehreren Positionen. Je Lautsprecher spielt das Gerät kurze Sinus-Sweeps und nimmt die Impulsantwort auf — zuerst am Hauptsitzplatz, danach an weiteren Positionen im Hörbereich. Aus den verteilten Messungen entsteht ein Bild des ganzen Hörbereichs statt eines einzelnen Sweet Spots. Wie eine solche Raummessung grundsätzlich abläuft, steht im Glossar.

    Gerechnet wird im Frequenzbereich. Die Software rechnet jede Impulsantwort per schneller Fourier-Transformation in den Frequenzgang um — dieselbe Information, nur über der Frequenz statt über der Zeit — und berechnet daraus mit Glättung und Mittelung die Korrekturfilter. Die Filter sind minimalphasig; auf eine gemischtphasige Korrektur verzichtet Anthem mit der Begründung, deren Zeitversätze könnten ein hörbares Vorschwingen erzeugen, eine Art Rückwärtsecho vor dem eigentlichen Impuls, und im Tiefton ließen sich die Phasen mehrerer Messpositionen ohnehin kaum zur Deckung bringen.

    Die Zielkurve ist einstellbar — mit erhaltenem Raumanteil. Im Auto-Modus setzt die Software alles selbst. Der Professional-Modus legt die Zielkurve offen: Raumgewinn, Tiefbassanhebung und die Neigung des Gesamtverlaufs sind regelbar, je Lautsprechergruppe lässt sich festlegen, bis zu welcher Frequenz korrigiert wird — die Vorgabe endet bei 5 kHz, der Regler reicht bis 20 kHz. So kann ein Flächenstrahler mit ausgeprägter Bündelung bei 400 Hz enden, während kleine Deckenlautsprecher bis in die Höhen korrigiert werden.

    Angehoben wird höchstens um 6 dB. Trifft die Korrektur auf eine Senke im Frequenzgang, hebt sie dort maximal 6 dB an — mehr Hub gefährdet Lautsprecher und Verstärkerreserven. Überhöhungen senkt sie dagegen beliebig weit ab, denn weniger Pegel schadet keinem Chassis. Die praktische Folge benennt der Hersteller selbst: Tiefe Auslöschungen gehören vor der Einmessung durch bessere Aufstellung entschärft, die Elektronik holt sie nicht zurück.

    Bassmanagement, Profile, Nachmessen. Die Software berechnet Übergabefrequenzen für das Bassmanagement und lässt sie ändern. Je nach Gerät sind bis zu vier Messreihen und vier Profile speicherbar — etwa eine Messung mit heruntergefahrener Leinwand und eine ohne, oder ein Profil als Heimkino mit Subwoofer und eines als Stereoanlage ohne. Wird später ein einzelner Lautsprecher getauscht, misst ARC Genesis nur diesen nach, statt von vorn zu beginnen. Für die Aufstellungsarbeit davor gibt es Quick Measure, eine Echtzeitanzeige des Frequenzgangs, mit der sich Subwoofer-Positionen direkt vergleichen lassen.

    Woher ARC kommt

    Die Herkunft ist für eine Herstellertechnologie ungewöhnlich gut dokumentiert. In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren untersuchte der kanadische National Research Council zusammen mit einem Herstellerverbund im Athena-Projekt, wie sich der Einfluss von Räumen auf die Wiedergabe messen und korrigieren lässt. Nach dem Ende des Projekts holte Paradigm zwei der Beteiligten ins Haus — den Algorithmen-Entwickler Peter Schuck und den Elektronik-Entwickler Marc Bonneville — und gründete 1993 für sie das Forschungszentrum PARC in Ottawa. Dort entstand die Einmessung, die Anthem heute als direkten Nachfahren des Athena-Projekts führt.

    Auf den Markt kam sie in Stufen: Der Prozessor Statement D2 erschien 2006, die Einmessung selbst folgte im März 2008 als nachrüstbare Windows-Software für die Statement-Prozessoren — damals noch über eine serielle Verbindung. Die Schwestermarken bekamen mit dem Perfect Bass Kit eine Subwoofer-Variante desselben Verfahrens. ARC-2 führte 2014 beide Linien in einer Software zusammen und ersetzte die serielle Anbindung durch das Netzwerk, 2016 kam die Mobilfassung für iOS und Android. ARC Genesis schließlich, 2019 von Grund auf neu entwickelt, läuft auf Windows und macOS, arbeitet mit jedem je ausgelieferten ARC- und PBK-Mikrofon zusammen und bedient alle Geräte außer den reinen RS-232-Modellen der Anfangszeit. Die Unternehmensgeschichte dahinter steht auf der Markenseite Anthem.

    Voraussetzungen

    • Ein Gerät der drei Konzernmarken. ARC steckt in jedem Anthem-Gerät mit Prozessorteil und als PBK-Variante in ausgewählten Subwoofern von Paradigm und MartinLogan. Für fremde Geräte wird es weder angeboten noch lizenziert.
    • Das zugehörige Mikrofon. Die Kalibrierdatei gehört zum einzelnen Exemplar; ein beliebiges Messmikrofon ersetzt es nicht.
    • Ein Rechner oder Mobilgerät im selben Netzwerk. Die Verbindung läuft über Ethernet oder WLAN, bei einzelnen Geräten über USB; die Altgeräte mit rein serieller Schnittstelle bleiben bei der alten Software.
    • Zeit und Zugang im Raum. Mehrere Messpositionen rund um den Hörbereich brauchen ein Stativ und freie Sicht der Lautsprecher — im vollgestellten Wohnzimmer ist das der eigentliche Aufwand.

    Abgrenzung

    Gegen Dirac Live ART. Dirac wird als Lizenz in Geräten vieler Hersteller angeboten; die Erweiterung ART nutzt im Tiefton benachbarte Lautsprecher als aktive Gegenspieler, die das Ausschwingen des Raums wegdämpfen. ARC bleibt bei der klassischen Korrektur je Lautsprecher und existiert nur in den Geräten des eigenen Konzerns — dafür ohne Zusatzlizenz und ohne Aufpreis.

    Gegen den Trinnov Optimizer. Trinnov misst mit einem vierkapseligen Mikrofon auch die Richtung des Schalls und kann Kanäle räumlich umverteilen. ARC misst mit einer Kapsel an mehreren Positionen und korrigiert den Frequenzgang; eine Neuordnung der Lautsprecher im Raum leistet es nicht.

    Gegen Lyngdorf RoomPerfect. Beide sind an die Geräte ihres Hauses gebunden und beide erhalten den Charakter der Anlage — aber auf entgegengesetztem Weg: RoomPerfect leitet seine Zielkurve aus dem Vergleich von Hörplatz- und Raummessungen ab, ARC arbeitet mit einer vorgegebenen, im Professional-Modus einstellbaren Zielkurve, deren Raumanteil ein eigener Regler bestimmt.

    Eine belastbare Rangfolge dieser Verfahren gibt es nicht — die Wahl fällt in der Praxis mit der Elektronik: Wer ARC will, plant mit Geräten dieses Konzerns; wer die Gerätewahl offen halten muss, landet bei einem lizenzierten Verfahren wie Dirac oder beim Serienstandard Audyssey der großen Receiver-Marken.

    Grenzen

    Die Nachhallzeit bleibt. Ein Korrekturfilter kann dem Raum keine Energie entziehen, nur anders verteilen. Zu lange ausklingende Mitten und Höhen sind eine Aufgabe für Absorber, keine für die Elektronik — daran ändert auch die beste Einmessung nichts.

    Tiefe Auslöschungen bleiben hörbar. Die 6-dB-Grenze schützt die Lautsprecher, heißt aber auch: Eine Senke von 10 oder 15 dB wird nur teilweise gefüllt. Wo die Aufstellung solche Einbrüche erzeugt, ist sie das Problem — und die Einmessung macht es sichtbar, ohne es zu lösen.

    Die Markenbindung. ARC gibt es nur in Geräten von Anthem, Paradigm und MartinLogan. Für Projekte, die auf eine andere Elektronik festgelegt sind, scheidet das Verfahren aus; das ist keine Schwäche der Technik, aber eine frühe Weiche in der Planung.

    Die Wirkung bleibt unbeziffert. Anthem erklärt ausführlich, wie das Verfahren rechnet; wie groß die Verbesserung ausfällt, beziffert der Hersteller nirgends. Eine methodisch dokumentierte, unabhängige Vorher-nachher-Messung war zum 19. August 2026 nicht zu finden. Fachpresse beschreibt deutliche Verbesserungen, bleibt damit aber Höreindruck.

    Kompatible Produkte und Plattformen

    ARC Genesis bedient die AV-Receiver, Prozessoren, Stereo-Verstärker und Zonenverstärker von Anthem sowie ausgewählte aktive Subwoofer und Elektronikkomponenten von Paradigm und MartinLogan.

    Verknüpfte Inhalte

    Was Raumkorrektur im Allgemeinen leistet, steht im Glossar unter Raumkorrektur; die Grundlagen des Messens erklären Raummessung und Messmikrofon. Was die Zielkurve mit dem Druckkammereffekt zu tun hat und warum die Filter minimalphasig sind, erklären die jeweiligen Glossareinträge. Die Vergleichsfälle sind Dirac Live ART, der Trinnov Optimizer, Lyngdorf RoomPerfect und der Serienstandard Audyssey. Der Hersteller steht unter Anthem.

    Quellen

    Versionsgeschichte, Messverfahren, Zielkurvenregler, Anhebungsgrenze und Gerätekompatibilität stammen von den ARC-Seiten des Herstellers, sämtlich am 19. August 2026 gelesen. Die psychoakustische Begründung der Zielkurve und alle Wirkungsaussagen sind Herstellerangaben ohne unabhängigen Beleg. Der Ablauf der ersten ARC-Version, die Bindung der Software an die Seriennummern von Mikrofon und Gerät und die Vorführung auf der CES 2008 sind zusätzlich durch einen benannten Fachpressebericht vom September 2008 belegt.

    Zum Einführungsjahr nennt der Hersteller an drei Stellen drei Angaben: 2006 in der Zeitleiste der Marke, März 2008 in der Versionsgeschichte, 2010 im Wissenschaftsbeitrag. Der Widerspruch löst sich auf: 2006 ist das Erscheinungsjahr des Prozessors Statement D2, auf dem die Einmessung später lief; die Einmessung selbst kam im März 2008 — darin stimmen die detaillierte Versionsgeschichte und der unabhängige Bericht überein, der das Gerät im Herbst 2008 als seit zwei Jahren etabliert und die Einmessung als Neuheit dieses Jahres beschreibt. Die Angabe 2010 passt zu keiner der beiden Lesarten und ist als Ungenauigkeit der Markenerzählung zu werten.

    Dirac Live – Status

    Glossar

    Dirac Live

    Dirac Live ist eine Einmess- und Korrektursoftware des schwedischen Herstellers Dirac Research. Sie misst ein Lautsprechersystem an mehreren Positionen im Hörbereich und berechnet daraus digitale Filter, die im AV-Receiver oder Prozessor arbeiten.

    Dirac Live ist ein Programm, das Deine Anlage im Wohnzimmer ausmisst und sie danach automatisch nachjustiert. Der Ablauf ähnelt einem Sehtest: erst prüfen, was tatsächlich bei Dir ankommt, dann eine passende Korrektur anfertigen, die von da an immer mitläuft. Du stellst dafür ein Mikrofon nacheinander an mehrere Stellen rund um Deinen Sitzplatz und folgst der Software. Meist klingt es danach deutlich ausgeglichener — die Stellen, an denen der Raum selbst dem Bass etwas wegnimmt, bleiben allerdings. Das Programm gibt es in mehreren Ausbaustufen, die getrennt gekauft werden.

    Ausführliche Erklärung

    Der Ablauf ist immer gleich: Ein Messmikrofon nimmt an mehreren Positionen rund um die Sitzplätze Testsignale auf, die Software bildet daraus ein gemeinsames Abbild des Systems im Raum und legt eine einstellbare Zielkurve darüber. Die Differenz zwischen Ist und Ziel wird in Filter übersetzt, die das Gerät danach auf jeden Kanal anwendet.

    Der Hersteller beschreibt die Korrektur als „Mixed Phase", also als Eingriff in Amplituden- und Zeitverhalten, nicht nur in den Frequenzgang; wie stark der Eingriff in die Zeitebene im konkreten Gerät ausfällt, hängt von Version und Lizenzumfang ab.

    Eine Korrektur kann nur bearbeiten, was die Lautsprecher im Raum tatsächlich erzeugen. Wo eine Raummode am Hörplatz eine Auslöschung bildet, hilft Anheben wenig: Es kostet Verstärkerleistung und wirkt nur an dieser einen Position. Es ist wie beim Nachschärfen eines unscharfen Fotos — Kontraste lassen sich betonen, fehlende Bildinformation entsteht dadurch nicht. Deshalb bleibt die Reihenfolge Raum, Aufstellung, dann Korrektur.

    Dirac Live wird in Lizenzstufen verkauft, von der Raumkorrektur über einen begrenzten Frequenzbereich bis zu den Erweiterungen Bass Control und ART.

    Lizenzstufen im Vergleich

    Die Grundversion — Room Correction — gibt es in zwei Ausbaustufen, die sich im korrigierten Frequenzbereich unterscheiden, sowie in einer günstigeren Variante nur für die zwei Stereokanäle. Bass Control und ART sind eigene, zusätzlich lizenzierte Module.

    LizenzDeckt ab
    Room Correction, Limited BandwidthKorrektur von 20 bis 500 Hz, alle Kanäle
    Room Correction, Full BandwidthKorrektur über den gesamten Bereich, 20 Hz bis 20 kHz, alle Kanäle
    Upgrade Limited → FullNachlizenzierung ohne Neukauf
    Room Correction Stereo (Limited/Full)wie oben, aber nur für ein Stereo-Setup (zwei Kanäle)
    Bass Controlgemeinsame Einmessung und Abstimmung mehrerer Subwoofer
    ART (Active Room Treatment)aktive Bedämpfung des Nachschwingens über den Lautsprecher-Verbund

    Die drei Erweiterungen lassen sich kombinieren, aber nicht beliebig: Ein Gerät mit Subwoofer und ART braucht laut Herstellerdokumentation zu Denon/Marantz-Prozessoren alle drei Lizenzen — Room Correction, Bass Control und ART —, weil ART auf den Subwoofer-Kanälen ohne Bass Control nicht mitarbeitet.

    Bei AVITECT erhältlich

    AVITECT führt die Dirac-Lizenzen als drei Pakete, jeweils als Endkundenpreis:

    PaketEnthältPreis
    Room Correction (Full) + Bass Control + ARTVollständige Korrektur, gemeinsame Subwoofer-Einmessung, aktive Resonanzbedämpfung699 €
    Room Correction (Full) + Bass ControlVollständige Korrektur plus gemeinsame Subwoofer-Einmessung529 €
    Bass Control + ART (Erweiterung)Für Systeme mit bereits vorhandener Room-Correction-Lizenz479 €

    Nicht zu verwechseln mit

    • Bass Control und ART: eigenständig lizenzierte Erweiterungen, nicht Teil der Grundversion.
    • Dirac-Impuls: Die Delta-Funktion aus der Signaltheorie, benannt nach dem britischen Physiker Paul Dirac, der sie in den 1920er-Jahren in die Quantenmechanik einführte; auf sie geht auch der Firmenname zurück. Mit dem Produkt hat sie nur den Namen gemeinsam.
    • Einmesssysteme anderer Hersteller: Audyssey, YPAO oder MCACC verfolgen ein ähnliches Ziel mit eigenen Verfahren.

    Praxisbeispiel

    Du hast einen AV-Receiver mit Dirac-Live-Lizenz und misst Dein Wohnzimmer ein. Das Ergebnis klingt ausgeglichener, aber der Bass bleibt auf dem rechten Außenplatz dünn. Das ist kein Fehler der Software: Ein einzelner Subwoofer und eine Mode im Raum lassen sich an mehreren Plätzen gleichzeitig nicht wegfiltern. Der nächste Schritt ist die Aufstellung — oder ein zweiter Subwoofer — und erst danach eine neue Messung.

    Verknüpfte Inhalte

    Verwandte Begriffe sind Raumkorrektur, Zielkurve, Phase sowie die Erweiterungen Bass Control und ART.

    Quellen

    • Dirac Help Center (offizielle Dokumentation, Abruf 2026-07-28) — Ablauf der Messung, Lizenzstufen, Zusammenspiel der Module.
    • Dirac Live Bass Control (Herstellerseite, Abruf 2026-07-28) — Herstellerangaben zum Zusammenspiel von Grundversion und Erweiterung.
    • Denon/Marantz Dirac-Live-Handbuch (Abruf 2026-08-26) — Lizenzkombinationen, Kombinationspflicht von ART und Bass Control bei vorhandenem Subwoofer.
    • miniDSP Support, „Understanding the various Dirac Live versions" (Abruf 2026-08-26) — Bandbreitentrennung Limited/Full bei 500 Hz.
    • AV-Connection, Produktliste Dirac-Live-Lizenzen (Abruf 2026-08-26) — Beispiel-Preisstruktur eines Fachhändlers, nicht AVITECT-Preise.
    • AVITECT-Artikelexport 2026-08-26 — die drei bei AVITECT geführten Paketpreise (Endkundenpreise), Veröffentlichung von Bene Senk freigegeben.
    Nicht verfügbar
  • Konnektivität

    Bluetooth
    Ja
    WLAN / Wi-Fi
    Ja

    Streaming & Multiroom

    Unterstützte Streaming-Dienste
    • AirPlay 2

      Technologie

      AirPlay 2

      AirPlay 2 ist der Weg, auf dem ein iPhone, ein iPad oder ein Mac Ton an Geräte im eigenen Drahtlosnetz schickt — an einen Lautsprecher, an einen Fernseher oder an mehrere Ziele gleichzeitig. Eingeführt hat Apple die zweite Ausbaustufe mit iOS 11.4 im Mai 2018, und das gleichzeitige Bespielen mehrerer Geräte ist genau die Neuerung. Für die Planung zählt vor allem eine Eigenschaft: Der Sender schickt den Datenstrom selbst. Er ist damit Teil der Kette und nicht bloß die Fernbedienung — und alles Weitere folgt daraus.

      Wenn Du auf Deinem iPhone das AirPlay-Symbol antippst und einen Lautsprecher auswählst, schickt Dein Telefon die Musik dorthin. Du kannst mehrere Lautsprecher gleichzeitig auswählen, dann spielen sie im Gleichtakt. Das Telefon bleibt dabei die Quelle: Geht es aus dem Haus oder ist der Akku leer, hört die Musik überall auf. Wenn morgens im Bad automatisch Radio laufen soll, braucht es deshalb noch ein Gerät, das dauerhaft zu Hause bleibt.

      Das zugrunde liegende Problem

      Zwischen dem Telefon in Deiner Hand und dem Lautsprecher an der Wand steht immer die Frage, wer den Datenstrom hält. Holt ihn das Gerät im Raum selbst beim Musikdienst, darf das Telefon gehen. Schickt ihn das Telefon, hängt die Wiedergabe an dessen Funkverbindung, dessen Akku und dessen Anwesenheit. Die Antwort entscheidet mehr über den Alltag einer Anlage als jedes Datenblatt, und sie ist an keinem Gerät abzulesen. Die Ordnung aller verbreiteten Wege entlang dieser Frage steht unter Zuspielverfahren ordnen; diese Seite beantwortet sie für AirPlay 2.

      Funktionsweise

      Der Sender schickt, die Geräte spielen ab. Apple beschreibt AirPlay als Wiedergabe vom iPhone, iPad oder Mac auf Geräte im selben Drahtlosnetz. Die Ziele wählst Du im Kontrollzentrum, auf dem Sperrbildschirm oder im laufenden Titel aus; mehrere Ziele gleichzeitig sind seit AirPlay 2 möglich. Ein Stereopaar aus zwei HomePod behandelt das System dabei als ein einziges Ausgabegerät.

      Gruppen entstehen im Moment der Auswahl. Anders als bei einer MultiRoom-Plattform gibt es keine gespeicherte Zonenverwaltung im Verfahren selbst. Du hakst Ziele an und ab, und die Zusammenstellung lebt so lange wie die Wiedergabe. Dauerhafte Räume und Gruppen entstehen erst eine Ebene darüber, in der Home-App — dort ordnest Du die Lautsprecher Räumen zu, und danach versteht Siri Befehle wie „spiel das in der Küche" oder „spiel das überall".

      Die Auffindung läuft über Bonjour. Sender und Ziel finden einander über Apples Namensdienst im lokalen Netz, der auf Multicast aufsetzt. In sauber getrennten Netzen verschwinden AirPlay-Ziele deshalb aus der Liste, obwohl beide Geräte online sind — die Mechanik dahinter steht bei Multicast und IGMP und VLAN und Subnetz.

      Takt und Verzögerung

      Wer den Datenstrom schickt, gibt auch den Takt vor — und daran hängt der am häufigsten diskutierte Punkt des Verfahrens.

      Roon beschreibt für sein eigenes Transportverfahren den Grundsatz, dass das Abspielgerät die Uhr besitzen müsse, und nennt AirPlay ausdrücklich als Gegenbeispiel; als eigenes Ziel gibt Roon eine Synchronität innerhalb einer Millisekunde an und kritisiert an AirPlay namentlich die Verzögerung von rund zwei Sekunden beim Bedienen der Transportbefehle. Das ist die Position eines Herstellers über ein fremdes Verfahren und keine Messung — als Erklärung ist sie trotzdem brauchbar, weil sie zusammenpasst mit dem, was ein quelloffener Nachbau des Verfahrens beobachtet: eine Betriebsart, in der der Ton nach etwa zwei Sekunden einsetzt, und eine zweite, in der er schneller anläuft und beim Empfänger gepuffert wird.

      Für die Praxis heißt das zweierlei. Der Puffer ist der Grund, warum AirPlay über ein durchschnittliches WLAN überhaupt stabil spielt — er fängt Funklöcher ab, die eine Echtzeitübertragung sofort hörbar machen würde. Und dieselbe Verzögerung schließt Anwendungen aus, bei denen Ton und Bild oder Ton und Bedienung eng zusammenliegen müssen: Ein Lautstärkeschritt, der zwei Sekunden später kommt, wird zweimal gedrückt. Die Abgrenzung zur echtzeitfähigen Übertragung im Netz erklärt Multiroom-Plattform oder Audio over IP.

      Formate und Auflösung

      Apple veröffentlicht keine Spezifikation, welche Abtastraten und Wortbreiten AirPlay überträgt. Die Seite zur verlustfreien Wiedergabe in Apple Music nennt die Stufen — Lossless bis 24 Bit/48 kHz, Hi-Res Lossless bis 24 Bit/192 kHz — und sagt, dass oberhalb von 48 kHz auf den meisten Geräten ein externer USB-Wandler nötig ist und Apple TV 4K Hi-Res Lossless nicht wiedergibt. Über den Übertragungsweg AirPlay steht dort nichts.

      Damit gibt es für die naheliegende Frage („kommt mein Hi-Res-Titel am Lautsprecher an?") keine Herstellerantwort. Der quelloffene Nachbau beobachtet ALAC und AAC bei 44,1 und 48 kHz; das deckt sich mit der Beobachtung, dass höhere Abtastraten einen anderen Weg brauchen, ist aber kein Beleg von Apple.

      Voraussetzungen

      Sender und Ziel müssen im selben WLAN sein — das schreibt Apple ausdrücklich, und es ist die Voraussetzung, an der es in der Praxis am häufigsten scheitert. Getrennte Funknetze für Gäste, ein eigenes Netzsegment für Haustechnik oder ein Repeater, der Multicast nicht weiterreicht, brechen die Auffindung, obwohl beide Geräte online sind. Was das Heimnetz dafür leisten muss, klärt Heimnetzwerk-Grundlagen. Dazu kommt ein aktueller Softwarestand auf beiden Seiten; für automatische Verbindungsvorschläge zum HomePod verlangt Apple außerdem dieselbe iCloud-Anmeldung auf Telefon und Lautsprecher.

      Für alles, was ohne Telefon laufen soll, kommt eine zweite Voraussetzung dazu — ein Home-Hub. Apple dokumentiert dafür HomePod, HomePod mini und Apple TV; ohne ihn gibt es keine Automationen, keinen Fernzugriff und keine geteilte Steuerung.

      Geräteklassen: mit und ohne Home-App

      AirPlay 2 zu können und in der Home-App zu erscheinen, sind zwei verschiedene Eigenschaften — und der Unterschied entscheidet, was in einem Haus automatisierbar ist.

      Geräte in der Home-App. Lautsprecher, die sich der Home-App zuordnen lassen, bekommen einen Raum. Danach versteht Siri Befehle je Raum, und eine Szene kann eine Wiedergabeliste auf HomePod, Apple TV oder einem AirPlay-fähigen Lautsprecher starten. Automationen und Szenen setzen den Home-Hub voraus, laufen also über ein ortsfestes Gerät. Das ist die Antwort auf die Frage, was morgens im Bad passiert, ohne dass jemand ein Telefon in der Hand hat.

      Geräte ohne Anbindung. Ein AirPlay-fähiger Fernseher mancher Hersteller nimmt Ton und Bild entgegen, erscheint aber in der Home-App nicht und lässt sich folglich weder einem Raum zuordnen noch in eine Szene einbauen. Das AirPlay-Logo auf einem Datenblatt sagt also noch nichts darüber, ob sich das Gerät automatisieren lässt.

      Der Sonderfall Apple TV 4K mit Lautsprechern. Apple TV 4K lässt sich dauerhaft auf HomePod oder AirPlay-Lautsprecher ausgeben, wenn beide demselben Raum und Netz zugeordnet sind. Ein HomePod-Stereopaar nimmt dabei Dolby Atmos, Dolby Digital 7.1 und 5.1 entgegen. Bei Fremdlautsprechern zieht Apple eine Grenze, die im Wohnzimmer sofort auffällt: Systemtöne und Spieleton bleiben auf dem Fernseher, während der übrige Ton über die AirPlay-Lautsprecher läuft.

      Abgrenzung

      Gegen Google Cast. Das Gegenstück im Android-Umfeld löst dieselbe Aufgabe mit umgekehrter Rollenverteilung: Dort übergibt das Telefon nur den Auftrag, und das Gerät im Raum holt den Datenstrom selbst beim Dienst. Bei AirPlay 2 schickt der Sender den Ton. Im Alltag entscheidet dieser Unterschied darüber, was passiert, wenn das Telefon geht — die Einzelheiten stehen unter Google Cast.

      Gegen die Connect-Verfahren der Dienste. Spotify Connect, TIDAL Connect und Qobuz Connect gehören zur gerätegehaltenen Familie: Das Gerät baut die Verbindung zum Dienst selbst auf, das Telefon wählt aus. Wer Apple Music hört, hat diesen Weg nicht — Apple bietet kein eigenes Connect-Verfahren an, und deshalb ist AirPlay 2 dort der Regelweg. Welcher Dienst welches Verfahren mitbringt, ordnet der Eintrag Zuspielprotokolle.

      Gegen eine MultiRoom-Plattform. Sonos, HEOS oder BluOS verwalten Konto, Gruppen, Warteschlange und Weckzeit als System und veröffentlichen Systemgrenzen. AirPlay 2 ist ein Übertragungsweg, den Geräte vieler Hersteller einbauen. Man entscheidet sich nicht für AirPlay — man prüft, ob ein Gerät es kann.

      Gegen Bluetooth. Auch dort schickt das Telefon den Ton, aber über eine Funkstrecke mit erneuter Kompression und in Reichweite eines Raumes. AirPlay läuft über das WLAN und damit durchs ganze Haus; für ein Haus ist Bluetooth der falsche Weg, für einen Kopfhörer der richtige.

      Gegen die erste Ausbaustufe. Ältere AirPlay-Geräte nehmen Ton entgegen, gehören aber nicht in einen Verbund mehrerer gleichzeitig bespielter Ziele — das gleichzeitige Abspielen kam erst mit AirPlay 2. Auf Datenblättern steht beides nebeneinander, gemeint ist Verschiedenes.

      Grenzen

      Keine dokumentierte Höchstzahl. Wie viele Geräte gleichzeitig bespielt werden können, veröffentlicht Apple auf keiner der geprüften Seiten. Wo eine Plattform ihre Systemgrenze nennt, steht hier nichts — die Grenze bilden das Funknetz und der Sender, und beide lassen sich nur am konkreten Haus beziffern.

      Der Mac kann weniger als das Telefon. Aus dem Kontrollzentrum eines Mac lässt sich der Ton nur an ein Ziel senden, nicht an mehrere. Wer den Rechner als Hauptquelle plant, plant damit an der Mehrraumfunktion vorbei.

      Der Sender ist der Schwachpunkt. Ein leerer Akku, ein Telefonat, ein schlechter Funkempfang in der Hosentasche oder die Ausfahrt aus der Einfahrt beenden die Wiedergabe im ganzen Haus. Das ist kein Fehler des Verfahrens, das ist seine Bauart.

      AirPlay 2 ersetzt keine Anlagenplanung. Der Weg, auf dem Musik ins Gerät kommt, sagt nichts darüber, welche Zonen ein Haus braucht, wie sie versorgt werden und was ohne Telefon funktionieren soll. Diese Fragen stehen vor der Verfahrenswahl.

      Verknüpfte Inhalte

      Die Frage, wer den Datenstrom hält, und ihre Folgen für die Planung ordnet Zuspielverfahren ordnen über alle verbreiteten Wege. Das Gegenstück mit gerätegehaltenem Datenstrom steht unter Google Cast, welcher Musikdienst welchen Weg mitbringt bei Zuspielprotokolle. Was das Heimnetz dafür leisten muss, klärt Heimnetzwerk-Grundlagen, die Abgrenzung zur echtzeitfähigen Übertragung Multiroom-Plattform oder Audio over IP, und was eine Zone ist, der Eintrag Zone.

      Quellen

      Einführung und Zeitpunkt von AirPlay 2 stammen aus Apples eigener Mitteilung vom 29. Mai 2018, die Netzvoraussetzung, die Auswahl mehrerer Ziele und die Einschränkung am Mac aus der Supportseite zur Tonübertragung. Räume, Sprachbefehle und Szenen sind über die Apple-Seiten zu Siri, zur Home-App und zum Home-Hub belegt, die Ausgabe von Apple TV 4K auf Lautsprecher über das tvOS-Handbuch; die Stufen der verlustfreien Wiedergabe über die Apple-Seite zu Apple Music. Alle Apple-Fundstellen sind am 23. August 2026 am Objekt gelesen. Der Grundsatz zur Taktherrschaft und die namentliche Kritik an AirPlay stehen in der Dokumentation von Roon zum eigenen Transportverfahren — die Position eines Herstellers über ein fremdes Verfahren. Die Betriebsarten und die beobachteten Formate stammen aus der Projektdokumentation eines quelloffenen AirPlay-2-Empfängers, die einleitend feststellt, dass Apple keine Spezifikation veröffentlicht hat; sie sind als Beobachtung eines Nachbaus gekennzeichnet und im Text mit einem Prüfvermerk versehen.

    • Chromecast/Google Cast

      Technologie

      Google Cast

      Google Cast ist der Weg hinter dem Cast-Symbol: Du tippst es in einer App an, wählst ein Gerät, und dort läuft der Inhalt. Technisch übergibt Dein Telefon dabei nur den Auftrag — welcher Dienst, welcher Titel, welche Stelle. Den Datenstrom selbst holt das Gerät im Raum direkt beim Dienst. Das Telefon eröffnet und steuert die Sitzung, es liefert den Ton aber nicht. Für die Planung ist das die eine Eigenschaft, an der alles Weitere hängt.

      Wenn Du Musik oder ein Video „castest", schickt Dein Handy die Musik nicht selbst an den Lautsprecher. Es sagt ihm nur, was er spielen soll — so, als würdest Du jemandem einen Zettel mit dem Titel geben, und er legt die Platte selbst auf. Der Lautsprecher holt sich die Musik dann direkt aus dem Internet. Dein Handy bleibt die Fernbedienung: Du kannst pausieren, weiterschalten und lauter machen. Das Cast-Symbol kennst Du aus vielen Apps — das kleine Rechteck mit den Funkwellen in der Ecke.

      Das zugrunde liegende Problem

      Ein Telefon ist ein schlechter Dauerzuspieler. Es verlässt das Haus, sein Akku leert sich, sein WLAN-Empfang schwankt mit der Hosentasche — und wenn es den Ton selbst liefert, hängt die Musik im ganzen Haus an genau diesen Zufällen. Zuspielverfahren unterscheiden sich deshalb in einer einzigen Kernfrage: Hält der Sender den Datenstrom, oder holt ihn das Gerät im Raum? Die Ordnung aller verbreiteten Wege entlang dieser Frage steht unter Zuspielverfahren ordnen; diese Seite beantwortet sie für Cast.

      Funktionsweise

      Zwei Rollen, klar getrennt. Die Entwicklerdokumentation beschreibt Cast über zwei Rollen. Der Sender — eine App auf Android, iOS oder im Chrome-Browser — ist „an app that plays the role of controller for the Cast session": Er eröffnet die Sitzung und nimmt die Bedienung entgegen. Der Receiver ist „an app running on a Cast-enabled device that is responsible for responding to Sender commands and for conveying streaming content from an online streaming service to the Cast-enabled device" — er reagiert auf die Kommandos des Senders und führt den Datenstrom vom Streamingdienst zum Gerät heran. Das Heranführen ist Sache des Empfängers, nicht des Telefons.

      Damit ist Cast ein gerätegehaltener Weg. Das Gerät im Raum hält die Verbindung zum Dienst; das Telefon wählt aus und regelt. Darin gleicht Cast den Connect-Verfahren der Musikdienste und unterscheidet sich von AirPlay 2, bei dem der Sender den Ton selbst schickt. Welcher Dienst welchen Weg mitbringt und was dabei an Auflösung ankommt, ordnet der Eintrag Zuspielprotokolle — dort steht Cast unter dem Namen, den es auf Datenblättern von Lautsprechern und Verstärkern hat: Chromecast built-in.

      Empfänger sind viele Geräteklassen. Die Dokumentation nennt Chromecast-Geräte, Cast-fähige Fernseher, Smart Displays und Android-TV-Geräte; dazu kommen Lautsprecher und Verstärker mit Chromecast built-in. Cast überträgt neben Musik auch Video — der Chrome-Browser als Sender macht es zum kurzen Weg vom Rechner auf den Fernseher oder Beamer.

      Gruppen entstehen in der App. Mehrere Lautsprecher lassen sich zu einer Gruppe zusammenfassen, die synchron spielt. Angelegt werden Gruppen ausschließlich in der Google-Home-App auf Telefon oder Tablet; gruppieren lassen sich Google- und Nest-Lautsprecher, Nest-Displays und das Pixel Tablet im Ladedock. Für unterbrechungsfreie Gruppen setzt Google den Firmwarestand 3.73 voraus. Eine Höchstzahl von Geräten je Gruppe nennt die Supportdokumentation nicht — dieser Negativbefund steht unten bei den Grenzen.

      Der Streit um die Gruppenlautstärke

      Wie wenig eine Bedienfunktion dem Käufer des Geräts gehört, hat Cast selbst vorgeführt — der Vorgang ist abgeschlossen und gehört trotzdem in jede Planung, die auf Gruppenfunktionen baut.

      Im Januar 2022 entschied die US-Handelsbehörde ITC im Verfahren zwischen Sonos und Google, dass Google fünf Sonos-Patente verletzt, und verhängte ein Importverbot mit 60 Tagen Vorlauf. Google entfernte daraufhin den zentralen Gruppen-Lautstärkeregler von Google- und Nest-Lautsprechern — jeder Lautsprecher musste wieder einzeln geregelt werden — und strich die automatische Lautstärkeanpassung per Sprachassistent. Im Oktober 2023 kam die Wende: Ein kalifornisches Gericht hob das Geschworenenurteil über 32,5 Millionen Dollar auf und erklärte die Sonos-Patente für ungültig und nicht durchsetzbar. Google kündigte an, Gruppenbildung, Gruppenlautstärke und die Bedienung über die Lautstärketasten des Telefons zurückzubringen, nannte dafür aber keinen Termin.

      Beide Richtungen des Vorgangs sind über Fachpresse belegt, dort bei mehreren Redaktionen übereinstimmend. Die Lehre daraus ist keine juristische: Eine Funktion, die per Software kommt, kann per Software gehen — zwei Jahre lang fehlte hier eine zentrale Bedienung, die beim Kauf selbstverständlich schien. Wer eine Gruppenregelung über Zonen hinweg braucht, prüft sie am eigenen Aufbau, statt sie vorauszusetzen.

      Voraussetzungen

      Cast setzt voraus, dass Sender und Empfänger sich im Heimnetz sehen. Getrennte Funknetze, Gastnetze und Repeater brechen genau das — die Anforderungen an das Netz stehen unter Heimnetzwerk-Grundlagen. Weil das Gerät den Datenstrom selbst holt, braucht es außerdem eine eigene Internetverbindung; ein Empfänger in einem abgeschotteten Netzsegment kann zwar Kommandos empfangen, aber keinen Dienst erreichen. Und die Wiedergabe eines Dienstes über Cast setzt voraus, dass dessen App das Cast-Symbol führt — der Weg gehört zur App, das Konto zum Dienst.

      Abgrenzung

      Gegen AirPlay 2. Das Gegenstück im Apple-Umfeld löst dieselbe Aufgabe mit umgekehrter Rollenverteilung: Dort schickt der Sender den Ton selbst, und die Wiedergabe endet mit ihm. Cast übergibt den Auftrag und lässt das Gerät holen. Im Alltag entscheidet dieser Unterschied darüber, was passiert, wenn das Telefon geht.

      Gegen die Connect-Verfahren der Dienste. Spotify Connect, TIDAL Connect und Qobuz Connect arbeiten nach demselben Grundgedanken — Auftrag vom Telefon, Datenstrom vom Gerät. Der Unterschied liegt im Besitzer: Ein Connect-Verfahren gehört zu genau einem Dienst, Cast ist ein Weg für viele Apps auf einmal, einschließlich Video.

      Gegen eine MultiRoom-Plattform. Sonos, HEOS oder BluOS verwalten das Konto des Musikdiensts in der eigenen App und besitzen Gruppen, Warteschlange und Weckfunktion als System. Cast ist kein System dieser Art: Es ist ein Übertragungsweg, den Geräte vieler Hersteller einbauen. Man entscheidet sich nicht für Cast — man prüft, ob ein Gerät es kann.

      Gegen den Gerätenamen Chromecast. Chromecast war Googles eigenes Empfängergerät, Chromecast built-in ist das Etikett für eingebaute Empfänger in Geräten anderer Hersteller, Google Cast heißt das Verfahren dahinter. Auf Datenblättern stehen alle drei Namen, gemeint ist dieselbe Technik.

      Grenzen

      Keine dokumentierte Gruppengröße. Die Supportdokumentation nennt keine Höchstzahl von Geräten je Gruppe. Das ist ein Negativbefund mit Folge: Wo eine Plattform wie Sonos ihre Systemgrenze veröffentlicht, lässt sich eine Cast-Gruppe nur am konkreten Haus erproben — die Grenze ist das Netz, und das Netz ist überall anders.

      Die Funktionen gehören Google. Was eine Gruppe kann, welche Geräte sich gruppieren lassen und wie die Lautstärke bedient wird, entscheidet der Anbieter per Software — der Patentstreit oben ist der belegte Fall. Das gilt für jeden gerätegehaltenen Weg mit zentralem Anbieter, bei Cast ist es vorgeführt.

      Cast ersetzt keine Anlagenplanung. Ein Weg, über den Musik ins Gerät kommt, sagt nichts darüber, welche Zonen ein Haus braucht, wie sie versorgt werden und was ohne Telefon funktionieren soll. Diese Fragen stehen vor der Verfahrenswahl; die Ordnungsseite der Zuspielverfahren führt sie durch.

      Verknüpfte Inhalte

      Die Frage, wer den Datenstrom hält, und ihre drei Alltagsfolgen ordnet Zuspielverfahren ordnen über alle verbreiteten Wege. Welcher Musikdienst welchen Weg mitbringt und was an Auflösung ankommt, steht bei Zuspielprotokolle. Das Gegenstück mit sendergehaltenem Datenstrom bekommt eine eigene Seite zu AirPlay 2. Was das Heimnetz für all das leisten muss, klärt Heimnetzwerk-Grundlagen, die Abgrenzung zur Echtzeitübertragung Multiroom-Plattform oder Audio over IP, und was eine Zone ist, der Eintrag Zone.

      Quellen

      Die Rollenverteilung zwischen Sender und Receiver samt der zitierten Wortlaute stammt aus der Entwicklerdokumentation zu Google Cast, die Angaben zu Lautsprechergruppen — Gerätetypen, Firmwarestand 3.73, Anlage nur in der Mobil-App, keine genannte Höchstzahl — aus der Supportdokumentation von Google; beide sind am 23. August 2026 am Objekt gelesen. Der Rückbau der Gruppenlautstärke nach dem ITC-Entscheid vom Januar 2022 und die angekündigte Rückkehr nach dem Urteil vom Oktober 2023 sind über Fachpresse belegt, beide Berichte am Objekt gelesen; der Hersteller selbst dokumentiert den Vorgang nicht. Zur offenen Frage, ob eine Sitzung das Verschwinden des Senders übersteht, schweigen alle vier Quellen — die Stelle ist im Text als ungeklärt markiert.

    • Spotify Connect

      Technologie

      Spotify Connect

      Spotify Connect ist Spotifys gerätegehaltener Zuspielweg: Die App auf dem Telefon ist Fernbedienung, das HEOS-, WiiM- oder andere Connect-Gerät lädt den Stream direkt.

      Du tippst in Spotify auf das Lautsprecher-Symbol und wählst Deinen Receiver. Danach musst Du das Telefon nicht mehr neben dem Gerät lassen — die Musik kommt aus dem Netz zum Receiver, das Handy bleibt die Fernbedienung.

      Connect braucht dasselbe WLAN (bzw. erreichbares Netz) für App und Gerät und ein Spotify-Konto. Die erreichbare Qualität hängt vom Abo und vom Gerät ab.

  • Gehäusemaße

    Höhe
    152,4 mm
    Breite
    431,8 mm
    Tiefe
    364 mm
  • Unterstützte Formate

    Immersive Audio-Formate
    • Dolby Atmos

      Technologie

      Dolby Atmos

      Dolby Atmos ist das objektbasierte Tonformat von Dolby Laboratories. Im Kino läuft es seit Juni 2012, danach kam die Heimfassung über Blu-ray und Streamingdienste hinterher. Der Name steht allerdings für vier verschiedene Dinge, die alle zusammenkommen müssen, bevor etwas davon hörbar wird: eine Mischung, ein Trägerformat, eine Übertragungsstrecke und ein Gerät, das die Objekte auf die vorhandenen Lautsprecher rechnet. Auf Hüllen, in Datenblättern und in Streaming-Apps steht überall dasselbe Wort, und es meint jedes Mal eine andere Station dieser Kette.

      Bei älterem Filmton stand für jedes Geräusch schon beim Mischen fest, aus welcher Box es kommt. Dolby Atmos legt stattdessen fest, an welcher Stelle im Raum es sein soll, und Dein Gerät rechnet aus, welche Deiner Boxen das gemeinsam hinbekommen. Das Wort steht deshalb auf sehr verschiedenen Sachen: auf dem Film, auf der Leitung, auf dem Verstärker und auf Kopfhörern. Überall bedeutet es etwas anderes, und nur wenn die ganze Reihe zusammenpasst, hörst Du am Ende wirklich etwas über Dir. Ein Aufkleber am Gerät sagt Dir also, dass es mitspielen kann — nicht, wie gut es bei Dir klingt.

      Das zugrunde liegende Problem

      Warum die Branche vom Kanal zum Objekt gewechselt ist, steht beim objektbasierten Ton. Dolby stand danach vor einer zweiten Aufgabe, und die ist der Grund für fast alles, was das Format heute ausmacht.

      Im Kino durfte das Format groß ausfallen — Dolby beziffert die Größenordnung mit gut hundert gleichzeitigen Objekten über einem mehrkanaligen Bett, wiedergegeben über einen eigenen Prozessor im Vorführraum. Im Wohnzimmer gab es weder die Bandbreite noch den Prozessor noch die Bereitschaft, dafür die Anlage wegzuwerfen. Ein zweites Format neben dem bestehenden hätte außerdem jeden Anbieter gezwungen, jeden Film zweimal zu liefern.

      Dolbys Antwort setzte deshalb an dem an, was schon da war: an den vorhandenen Codecs, die um die Objektinformation erweitert wurden, an einem eigenen Verpackungsverfahren für die Objekte — und an einem Gerät, das ohnehin getauscht wird, sobald jemand Höhenlautsprecher anschließt. Die gesamte Rechenarbeit liegt seither im AV-Receiver. Was der Kunde dabei behalten kann, ist ausdrücklich Teil des Entwurfs: Dolby hält fest, dass ein spezifikationskonformer Blu-ray-Spieler keine neue Firmware braucht und die vorhandenen HDMI-Kabel ab Version 1.4 genügen.

      Funktionsweise

      Die Mischung. Eine Atmos-Fassung besteht aus einem kanalbasierten Bett und darüber einzelnen Objekten mit Positionsangabe. Für die Heimfassung mischen Studios das Kinomaster meist neu ab; Dolby nennt das einen Nahfeld-Mix. Zwei Filme mit demselben Logo können sich deshalb darin unterscheiden, wie viel überhaupt als Objekt vorliegt.

      Die Verpackung. Damit die Objektzahl eines Kinomasters durch die Bandbreite einer Disc oder einer Streamingleitung passt, verwendet Dolby ein Verfahren, das es Spatial Audio Coding nennt: Es codiert die Objekte unter Berücksichtigung ihrer räumlichen Information gemeinsam. Dolby grenzt es ausdrücklich gegen die früheren Matrixverfahren der Pro-Logic-Familie ab, bei denen Zusatzkanäle in ein vorhandenes Stereosignal eingebettet wurden. Hier wird nichts eingebettet, sondern codiert.

      Der Träger. Ausgeliefert wird über zwei bestehende Codecs, die Dolby dafür erweitert hat: Dolby TrueHD bekam einen vierten Teilstrom, Dolby Digital Plus einen erweiterten Dekoder. Welcher der beiden auf welchem Weg bei Dir ankommt und warum das über die Tonqualität entscheidet, steht bei Dolby Atmos übertragen.

      Der Renderer. Im Heimkino ist die Zuständigkeit eindeutig: Dolby schreibt, Dekodierung und Rendering würden vollständig vom AV-Receiver erledigt. Dort sitzt der Object Audio Renderer, der die eingetragene Lautsprecherkonfiguration mit den Positionsdaten der Objekte zusammenführt und laufend entscheidet, welche Lautsprecher gerade beteiligt sind. Die Konfiguration im Menü ist damit die Arbeitsgrundlage des Geräts und keine Formalie.

      Der Upmixer im selben Gehäuse. Jeder Atmos-Receiver enthält zusätzlich den Dolby-Surround-Upmixer, der Nachfolger der Pro-Logic-II-Familie. Er verteilt kanalbasiertes Material auf alle vorhandenen Lautsprecher einschließlich der Höhenpositionen — und ist damit der häufigste Grund dafür, dass Deckenlautsprecher spielen, obwohl gar keine Atmos-Mischung anliegt. Dolby beschreibt sein Verhalten genau: Er arbeitet im Frequenzbereich, und er speist weder die Wide-Positionen noch den Center-Surround, um das vordere Klangbild zu erhalten. Was ein Upmixer allgemein leistet, steht beim Upmixer.

      Voraussetzungen

      Vier Bedingungen müssen erfüllt sein, und drei davon werden regelmäßig übersehen, weil sie nichts kosten.

      Ein Gerät, das dekodiert und rendert. Im Heimkino ist das der AV-Receiver oder Prozessor. Dolby stellte schon 2018 fest, dass nahezu alle führenden Hersteller mehrere solcher Geräte anbieten — die Verfügbarkeit ist also keine Auswahlfrage mehr, die Ausbaustufe schon.

      Eine Strecke, die den Träger durchlässt. Für den Hinweg vom Zuspieler zum Verstärker genügt nach Dolbys Angabe HDMI ab Version 1.4. Der Rückweg vom Fernseher ist der Fall, in dem es eng wird; die Formatlisten stehen bei eARC und ARC.

      Ein Zuspieler auf Bitstream-Ausgabe. Gibt das Quellgerät bereits fertig dekodiertes Mehrkanal-PCM aus, bekommt der Renderer keine Objekte mehr zu sehen. Bei Blu-ray-Spielern kommt eine zweite Falle dazu: Ist die Betriebsart für Zweitton aktiv, gibt der Spieler ein Dolby-Digital-Signal aus, und nichts an der Anlage wirkt defekt.

      Lautsprecher über Ohrhöhe. Ohne sie rendert das Gerät die Objekte in die vorhandene Ebene, und das Ergebnis unterscheidet sich hörbar wenig von 5.1. Welche Aufbauten Dolby vorsieht, wie hoch und in welchem Winkel gehängt wird, ist eine eigene Frage — sie gehört zu den Lautsprecher-Setups und nicht zum Format.

      Abgrenzung

      Gegen das Prinzip. Objektbasierter Ton ist die Gattung, Dolby Atmos eine Ausprägung davon. Die normative Definition von Objekt, Metadaten und Renderer steht in einer ITU-Empfehlung und gilt für jedes solche Format; sie ist auf der Seite zum objektbasierten Ton belegt.

      Gegen die Trägerformate. Dolby TrueHD und Dolby Digital Plus gibt es auch ohne Atmos, seit Jahren, für rein kanalbasierten Ton. Umgekehrt existiert Atmos nie ohne einen der beiden. Wer „Atmos oder TrueHD?" fragt, stellt eine Frage, die keine Antwort hat.

      Gegen DTS:X. DTS:X ist das konkurrierende objektbasierte Marktformat. Im Prinzip sind beide gleich; planungsrelevant unterscheiden sie sich beim Inhaltsangebot, bei der Trägerlage und bei den Dekodiergrenzen. Diese Unterschiede stehen dort im Einzelnen.

      Gegen Dolby Vision. Beide Namen beginnen mit demselben Wort und tauchen auf denselben Hüllen auf. Dolby Vision betrifft ausschließlich das Bild. Ein Gerät kann das eine ohne das andere führen, und in der Praxis kommt beides regelmäßig getrennt vor.

      Gegen die Ziffernfolge. 7.1.4 beschreibt Deinen Aufbau, nicht die Tonspur; die Zählweise erklärt die Kanal-Notation. Dolby hat diese Schreibweise mit Atmos eingeführt, aber sie beschreibt seither jedes Layout mit Höhenebene, auch ohne Atmos.

      Gegen „Dolby Atmos" auf Kopfhörern und Soundbars. Dieselbe Mischung wird dort mit sehr wenigen Wandlern wiedergegeben, indem Richtungen berechnet statt besetzt werden. Das ist eine zulässige Anwendung des Formats und trotzdem ein anderes Ergebnis als eine besetzte Höhenebene. Beides führt denselben Namen, weil er die Mischung bezeichnet und nicht die Wiedergabe.

      Grenzen

      Der Name sagt nichts über die Ausführung. Zwischen einer Soundbar mit zwei nach oben gerichteten Wandlern und einem Raum mit 24 Lautsprechern am Boden und zehn über Kopf liegt der gesamte Markt — und beide Anlagen dürfen „Dolby Atmos" auf dem Karton führen. Das folgt unmittelbar daraus, dass der Renderer sich an jedes vorhandene Layout anpasst: Wo es keine Mindestbestückung gibt, gibt es auch keine Untergrenze für das Ergebnis. Für die Beratung ist die Angabe damit eine Eintrittskarte und kein Qualitätsmerkmal.

      Die Ausbaugrenzen sind Herstellerangaben. Dolby nennt als obere Grenze 34 Lautsprecher in der Anordnung 24.1.10. Diese Zahl beschreibt, was das Verfahren verarbeitet, und nicht, was ein Raum sinnvoll darstellt. Auch die Marktzahlen im ausgewerteten Dokument — über 500 Kinofilme, über 150 Mischstudios — beschreiben den Stand von Oktober 2016.

      Was das Gerät im Inneren rechnet, ist unveröffentlicht. Wie ein bestimmter Prozessor ein Objekt verteilt, das zwischen unbesetzten Positionen liegt, legt kein Hersteller offen, und eine unabhängige Gegenüberstellung mehrerer Geräte an derselben Tonspur ließ sich am 24.08.2026 nicht finden. Zwei Anlagen mit gleichem Layout können sich darin also unterscheiden, ohne dass jemand sagen kann, um wie viel.

      Die Zuständigkeit verschiebt sich gerade. Die Aussage „der Renderer sitzt im AV-Receiver" stammt aus dem Heimkino-Kontext und stimmt dort. Mit Dolby Atmos FlexConnect hat Dolby im August 2023 einen Aufbau vorgestellt, bei dem der Fernseher die Zusatzlautsprecher einbindet und deren Position mit eingebauten Mikrofonen selbst einmisst; die erste Umsetzung war für die TCL-Fernseher des Jahrgangs 2024 angekündigt. Für die Bauplanung ist das eine andere Anlage: Die Geräteklasse, an der die räumliche Darstellung hängt, steht nicht mehr fest.

      Verknüpfte Inhalte

      Wovon dieses Format eine Ausprägung ist, steht beim objektbasierten Ton. Die Trägerfrage — welcher der beiden Codecs auf welchem Weg ankommt — behandelt Dolby Atmos übertragen, die Formatgrenzen des Tonrückkanals eARC und ARC, und warum der optische Ausgang dabei ausfällt, Was über S/PDIF und TOSLINK passt.

      Welche Lautsprecheraufbauten Dolby vorsieht, behandeln die Atmos-Lautsprecher-Setups; was die Ziffern darin abzählen, die Kanal-Notation und für die mittlere Ziffer der LFE-Kanal. Die Bauform, die Höhe über die Decke spiegelt, steht bei den Aufsatzlautsprechern. Das konkurrierende Marktformat ist DTS:X; das gleichnamige Bildformat desselben Hauses ist Dolby Vision.

      Quellen

      Die Architektur aus Bett und Objekten, die Kinozahlen, der Object Audio Renderer, Spatial Audio Coding, der Dolby-Surround-Upmixer, die Erweiterung der beiden Trägercodecs sowie die Bedingungen am Zuspieler stammen aus dem Dolby-Whitepaper „Dolby Atmos for the Home Theater" vom Oktober 2016, das für diese Seite im Volltext gelesen wurde. Die Aussage, dass Dekodierung und Rendering vollständig im AV-Receiver stattfinden, sowie die Ausbaugrenze von 34 Positionen stehen zusätzlich in den Dolby Atmos Home Theater Installation Guidelines in der Fassung r3.1 vom Dezember 2018. Beides ist Herstellerdarstellung.

      Die Beschreibung von Dolby Atmos FlexConnect samt der akustischen Einmessung über Mikrofone im Fernseher stammt aus einer Dolby-Mitteilung vom 28. August 2023. Alle Angaben zum Marktstand beschreiben den Stand ihres jeweiligen Dokuments und nicht den heutigen.

      Nicht ausgewertet werden konnte die Entwicklerdokumentation von Dolby: Die Domain löst seit dem 06.08.2026 nicht mehr auf, zuletzt geprüft am 24.08.2026. Alle hier ausgewerteten Dolby-Dokumente liegen auf den weiterhin erreichbaren Domains dolby.com und professional.dolby.com.

    • DTS:X

      Technologie

      DTS:X

      DTS:X ist das objektbasierte Tonformat von DTS, angekündigt im April 2015 und seither das zweite objektbasierte Marktformat im Wohnraum. Auf dem Papier leistet es dasselbe wie Dolby Atmos: Ein Tonelement liegt getrennt vor, seine Position steht in Metadaten daneben, und ein Renderer im Wiedergabegerät verteilt es auf die Lautsprecher, die tatsächlich da sind. Der Unterschied zwischen beiden Formaten liegt woanders — in der Herkunft, im Auslieferungsweg und vor allem darin, wie viel es überhaupt zu hören gibt.

      DTS:X macht im Grunde dasselbe wie Dolby Atmos: Der Ton weiß, wo er im Raum sein soll, und Dein Gerät rechnet aus, welche Boxen das erzeugen. Fast jeder Verstärker der letzten zehn Jahre kann beides. Der Unterschied ist, dass Du Dolby Atmos ständig zu hören bekommst und DTS:X selten — es gibt schlicht viel weniger Filme damit. Und wenn eine Leitung in Deiner Anlage zu schwach ist, fällt DTS:X weiter zurück als Dolby Atmos: Du hörst dann nicht etwa nichts, sondern eine sehr alte Fassung, die sich nach normalem Surround anhört. Kaputt wirkt dabei nichts, und genau das macht es schwer zu bemerken.

      Das zugrunde liegende Problem

      Objekt, Metadaten und Renderer als Prinzip behandelt der objektbasierte Ton. DTS stand 2015 vor einer besonderen Ausgangslage, und sie erklärt die Bauform des Formats.

      Der Wettbewerber war drei Jahre früher im Kino und hatte die Deutungshoheit über das Wort „immersiv". Gleichzeitig lag bei DTS ein sehr großer Altbestand: Seit 1996 ist jeder DTS-Datenstrom nach demselben Prinzip gebaut, ein 5.1-Kern mit Erweiterungen darum herum, und dieses Prinzip steckt in jedem Gerät und auf jeder Scheibe mit DTS-Ton. Wer dort ein neues Format danebenstellt, verliert diesen Altbestand.

      DTS hat sich deshalb für den Anbau entschieden: DTS:X setzt nach eigener Darstellung auf DTS-HD Master Audio auf, um abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen und Lautsprecher-Layouts zu bleiben. Das ist der Ursprung beider Eigenschaften, die das Format bis heute prägen — der sanfte Rückfall auf den alten Kern und die Bindung an eine Codec-Familie aus den neunziger Jahren.

      Funktionsweise

      Kein vorgeschriebenes Layout — und ein Umrechner dafür. DTS betont in der Ankündigung, dass DTS:X an keine vorgeschriebene Lautsprecherkonfiguration und an keine feste Kanalzahl gebunden ist, und nennt bis zu 32 Lautsprecherpositionen, ausdrücklich abhängig davon, was das jeweilige Gerät kann. Dazu kommt eine Aussage, die Dolby so nicht macht: Eine für ein bestimmtes Layout erstellte Mischung lässt sich für die Wiedergabe über ein anderes Layout umrechnen. Auf der Produktseite formuliert DTS das als Anpassung an praktisch jedes symmetrische Lautsprecherlayout.

      Zwei Auslieferungswege mit verschiedenen Obergrenzen. Von der Scheibe kommt DTS:X in DTS-HD Master Audio, für Streaming hat DTS einen eigenen Codec entwickelt, der als DTS-UHD in einer eigenen Spezifikation festgelegt ist. Welcher Weg welchen Träger zulässt und wo unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen; was den Streamingcodec technisch ausmacht, bei DTS-UHD. Für die Wahl des Formats zählt an dieser Stelle eine Eigenheit, die es bei Dolby nicht gibt: Der Weg entscheidet mit über die Zahl der Höhenpositionen, die das Gerät überhaupt ansteuert.

      Der Upmixer und der Virtualisierer im selben Gehäuse. Unter dem DTS:X-Dach vertreibt DTS zwei weitere Verfahren, die regelmäßig mit dem Format selbst verwechselt werden. DTS Neural:X ist der Upmixer, der kanalbasiertes Material auf ein größeres Layout verteilt; DTS nennt dafür Aufbauten bis 30.2. DTS Virtual:X erzeugt einen räumlichen Eindruck aus wenigen Lautsprechern und zielt auf Soundbars und Fernseher. Beide arbeiten auch dann, wenn keine DTS:X-Mischung anliegt — was ein Upmixer allgemein leistet, steht beim Upmixer.

      Eine offene Autorenplattform. DTS hat das Format von Anfang an mit MDA verbunden, einer nach eigener Angabe lizenzgebührenfreien, offenen Plattform für die Erzeugung objektbasierter Mischungen. Das ist ein Unterschied auf der Produktionsseite und erklärt einen Teil des Marktauftritts, an dem das Wort „open" schon im Titel der Ankündigung steht.

      Voraussetzungen

      Ein Gerät, das DTS:X dekodiert und rendert. Bei AV-Receivern ist das seit Jahren der Regelfall; DTS nennt auf seiner Produktseite eine breite Liste von Herstellern für Fernseher, Soundbars, Spielkonsolen und Receiver. Die Formatunterstützung kommt in dieser Geräteklasse also meistens mit, ohne dass jemand danach fragen muss.

      Eine Strecke, die den jeweiligen Träger durchlässt. Von der Scheibe verlangt der verlustfreie Träger eine HDMI-Verbindung; über den älteren Tonrückkanal und über den optischen Ausgang bleibt nur der alte Kern übrig. Die Formatlisten stehen bei eARC und ARC.

      Inhalte. Das ist die Bedingung, an der es in der Praxis scheitert, und sie ist keine Gerätefrage. Auf der Disc kommt DTS:X vor, aber deutlich seltener als Dolby Atmos. Beim Streaming hängt der Weg an einem einzelnen Programm: DTS:X ist das Tonformat von IMAX Enhanced, und Xperi hat Disney+ im April 2024 als ersten großen Dienst mit diesem Ton angekündigt, mit Start am 15. Mai 2024. Ein zertifiziertes Gerät verlangt DTS dafür nicht, wohl aber eines, das DTS:X entschlüsselt.

      Abgrenzung

      Gegen Dolby Atmos. Beide Formate sind objektbasiert, beide rendern im Wiedergabegerät, beide schreiben kein Layout vor. Planungsrelevant unterscheiden sie sich an drei Stellen.

      Erstens am Angebot. Dolby Atmos ist auf Discs, bei Streamingdiensten, im Rundfunk, in Spielen und in der Musik vertreten; DTS:X kommt auf Discs vor und beim Streaming bislang über ein einzelnes Programm. Für den Kunden heißt das: Die Geräteseite ist bei beiden Formaten erledigt, die Inhaltsseite nicht.

      Zweitens an der Rückfalltiefe. Bei Dolby stehen zwei Träger derselben Generation nebeneinander, und ohne Atmos-Dekoder bleibt eine 5.1- oder 7.1-Mischung übrig. Bei DTS führt der Rückfall bis auf den Kern von 1996 — 5.1, verlustbehaftet, ohne Objekte. Beide Fälle klingen unauffällig, der zweite kostet mehr.

      Drittens an den Dekodiergrenzen. Bei Dolby ist die Zahl der Wiedergabepositionen unabhängig vom Träger. Bei DTS nennt der Hersteller für die beiden Wege verschiedene Obergrenzen — bis 7.1.4 von der Scheibe und bis 5.1.4 beim Streaming. Ein Raum mit sechs Deckenpositionen kann diese Bestückung also je nach Quelle nur teilweise nutzen; die Frage nach der überwiegenden Quelle gehört damit in die Konzeptphase und nicht in die Geräteauswahl.

      Gegen die eigenen Trägerformate. DTS-HD Master Audio und DTS-UHD sind Codecs, DTS:X ist der Inhalt, der darin mitfährt. Ein Gerät kann DTS-HD Master Audio beherrschen, ohne DTS:X zu beherrschen, und der Streamingweg verlangt noch einmal etwas anderes als der Disc-Weg.

      Gegen Neural:X und Virtual:X. Beide führen das DTS-Logo und arbeiten in denselben Geräten, erzeugen aber keine Objekte. Wenn Höhenlautsprecher bei einem alten Actionfilm mitspielen, ist fast immer der Upmixer am Werk.

      Gegen IMAX Enhanced. Das ist ein Prüf- und Lizenzprogramm, das fertige Geräte und Inhalte abnimmt; DTS:X ist der Ton darin. Was das Siegel prüft und welches Gerät für den Zugang zu solchen Inhalten wirklich nötig ist, steht bei IMAX Enhanced.

      Gegen die Ziffernfolge. 7.1.4 beschreibt einen Aufbau und keine Tonspur; gezählt wird nach der Kanal-Notation.

      Grenzen

      Jede Zahl auf dieser Seite kommt vom Hersteller. Die beiden Obergrenzen der Auslieferungswege stehen als Stichpunkte auf einer Produktseite ohne Datum. Die 32 Lautsprecherpositionen aus der Ankündigung von 2015 sind ausdrücklich an die Fähigkeiten des jeweiligen Geräts geknüpft — im selben Absatz schreibt DTS, dass die Receiver jenes Jahrgangs bis zu 11.2 Ausgangskanäle hatten. Zwischen dem, was das Verfahren zulässt, und dem, was ein Gerät ausführt, liegt bei DTS also von Anfang an eine große Spanne.

      Wie DTS:X im Datenstrom untergebracht ist, steht nicht fest belegt. Das einzige öffentlich abrufbare DTS-Dokument mit Architekturtiefe stammt von 2006 und kennt DTS:X noch nicht; die Verbindung beider Stände ruht auf der Herstelleraussage von 2015. Die Spezifikation des Streamingwegs ist über ETSI zugänglich, die des Disc-Wegs nicht in gleicher Weise.

      Auch DTS legt sein Rendering nicht offen. Für die Frage, wie ein Gerät ein Objekt zwischen unbesetzten Positionen aufteilt, gibt es keine Herstellerangabe und keinen methodisch dokumentierten Vergleich mehrerer Prozessoren an derselben DTS:X-Spur. Für die Beratung heißt das, dass Unterschiede zwischen Geräten nur am eigenen Aufbau hörbar werden.

      DTS:X Pro ist eine zweite Stufe mit dünner Quellenlage. Unter diesem Namen führt DTS eine Ausbaustufe für Prozessoren der oberen Klasse mit deutlich mehr Ausgangskanälen. Belegt ist auf der DTS-Produktseite die Angabe, dass Neural:X bis 30.2 unterstützt; eine datierte DTS-Fundstelle zum Umfang von DTS:X Pro selbst wurde nicht gefunden.

      Verknüpfte Inhalte

      Das Prinzip hinter dem Format erklärt die Seite zum objektbasierten Ton; das konkurrierende Marktformat ist Dolby Atmos. In welchem Träger DTS:X ankommt und wo unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen, der Streamingcodec im Einzelnen bei DTS-UHD.

      Die Formatgrenzen des Tonrückkanals stehen bei eARC und ARC, die Kapazität des optischen Ausgangs bei Was über S/PDIF und TOSLINK passt. Wie ein Gerät seine Formatfähigkeit an den Zuspieler meldet, klärt die EDID; was eine Angabe wie 7.1.4 abzählt, die Kanal-Notation. Das Prüfprogramm hinter dem Streamingweg ist IMAX Enhanced.

      Quellen

      Die Merkmale des Formats — Objektbasierung, keine vorgeschriebene Lautsprecherkonfiguration, 32 Lautsprecherpositionen je nach Gerät, die Umrechnung einer Mischung auf ein anderes Layout, das Aufsetzen auf DTS-HD Master Audio und die offene Autorenplattform MDA — stammen aus der DTS-Ankündigung vom 9. April 2015. Die beiden Dekodiergrenzen, Neural:X mit bis zu 30.2, Virtual:X und die Herstellerliste stehen auf der DTS:X-Produktseite, die kein Datum nennt. Der eigens für Streaming entwickelte Codec, die Abwärtskompatibilität zu älteren DTS-Geräten und der Start bei Disney+ im Mai 2024 stammen aus einem Xperi-Beitrag vom 15. April 2024. Alles davon ist Herstellerdarstellung.

      Dass für IMAX-Enhanced-Inhalte bei Disney+ ein DTS:X-fähiges Gerät genügt und keine Zertifizierung verlangt wird, steht in einer DTS-FAQ und ist bei IMAX Enhanced im Einzelnen belegt.

      Der Aufbau der älteren DTS-Familie aus Kern und Erweiterungen — samt der Einführung des Codiersystems im Jahr 1996 — ist im DTS-Whitepaper von 2006 belegt und bei DTS:X übertragen im Einzelnen nachgewiesen; die Einordnung des Streamingwegs als eigene Formatgeneration steht in der ETSI-Spezifikation und ist bei DTS-UHD belegt. Alle Marktangaben beschreiben den Stand ihres jeweiligen Dokuments.

    • IMAX Enhanced

      Zertifizierung

      IMAX Enhanced

      IMAX Enhanced ist ein Prüf- und Lizenzprogramm, das die IMAX Corporation und die DTS im September 2018 gemeinsam gestartet haben. Geprüft werden fertige Geräte — Fernseher, Projektoren, AV-Receiver, Vorstufen, Lautsprecher und Soundbars — gegen Anforderungen an Bild und Ton, die ein Gremium aus Ingenieuren beider Häuser und technischen Fachleuten aus Hollywood festlegt. Dazu kommen zwei Dinge, die kein anderes Siegel im Heimkino so kennzeichnet: einzelne Filme, die IMAX in einem eigenen Verfahren neu abgetastet hat, und Streamingdienste, die diese Fassungen ausliefern dürfen. Auf dem Display eines Receivers steht der Name zwischen Dolby Atmos und DTS:X, und genau dort entsteht das Missverständnis: Das Tonformat darunter heißt DTS:X, und IMAX Enhanced ist das Siegel darüber.

      Wenn Du auf einem Fernseher oder einem Verstärker das IMAX-Logo siehst, heißt das: Ein Prüflabor hat sich das Gerät angesehen und bestätigt, dass es bestimmte Anforderungen erfüllt. Es ist kein Extra, das eingebaut wurde, und es macht aus jedem Film keinen Kinofilm. Nutzen hast Du davon nur bei den wenigen Filmen, die eigens für dieses Programm neu bearbeitet wurden — bei allen anderen ändert sich nichts. Vergleichbar ist das mit einem Prüfzeichen auf einer Steckdosenleiste: Es sagt Dir etwas über das Gerät, aber nichts darüber, was Du daran anschließt.

      Wem das Siegel gehört

      Hinter dem Programm stehen zwei Unternehmen, und die Arbeitsteilung zwischen ihnen erklärt fast alles, was an dem Siegel eigen ist.

      Die IMAX Corporation bringt den Namen, das Kino-Erbe und das Nachbearbeitungsverfahren ein, mit dem Filme für das Programm neu abgetastet werden. Die DTS bringt das Tonformat und den Lizenzweg ein: Sie ist die Stelle, bei der Gerätehersteller Decoder lizenzieren, und über ihr bestehendes Lizenzgeschäft läuft auch IMAX Enhanced. IMAX-Chef Richard L. Gelfond hat das bei der Vorstellung 2018 offen so beschrieben — sein Haus könne Marke und Technik einbringen, ohne die Investitionen zu stemmen, die ein eigenes Lizenzgeschäft verlangt; DTS baue das Geschäft auf, IMAX werde daran beteiligt.

      Die Prüfanforderungen setzt ein gemeinsames Zertifizierungsgremium aus Ingenieuren beider Unternehmen und technischen Fachleuten aus Hollywood. Die Prüfung selbst führen autorisierte Labore durch; Allion Labs etwa nennt eine Autorisierung durch IMAX und Xperi für Bildgeräte und bietet daneben eine Vorprüfung an, mit der ein Hersteller vor dem eigentlichen Durchlauf nachbessern kann.

      Warum das mehr als eine Firmengeschichte ist: Ein Hersteller, der das Logo auf sein Gerät setzt, hat eine Prüfung bei Dritten bestanden und eine Lizenz erworben. Der Kinoname auf dem Karton gehört weiterhin IMAX.

      Was geprüft wird

      Auf der Bildseite nennen IMAX und DTS drei Prüfgrößen: Auflösung, Helligkeit und — für den Ton — die klangliche Wiedergabetreue. Verlangt wird die Wiedergabe von 4K-Material mit hohem Dynamikumfang; der Farbraum, die Übertragungsfunktion und die erreichbare Zielleuchtdichte stehen damit im Prüfumfang, ohne dass die Anbieter Schwellenwerte dazu nennen.

      Auf der Tonseite ist die Anforderung eindeutig und öffentlich: Ein zertifiziertes Wiedergabegerät decodiert DTS:X. Die Filmmischungen des Programms sind eine Sonderfassung dieses Formats, an der Tonmeister aus Hollywood mitgearbeitet haben; erklärtes Ziel ist, den vollen Dynamikumfang der Kinomischung zu erhalten statt ihn für das Wohnzimmer zusammenzudrücken.

      Der zweite Teil der Geräteanforderung ist der IMAX Mode — eine Betriebsart, die ein zertifiziertes Gerät bereitstellen muss und die automatisch anspringt, sobald eine entsprechend gekennzeichnete Tonspur anliegt. Für die Planung ist das der greifbarste Punkt der ganzen Seite, weil er das Bassmanagement berührt.

      Diese Unsicherheit ist für eine Anlagenplanung erheblich: Eine fest vorgegebene Übergangsfrequenz greift in genau die Einstellung ein, die sonst aus Raum, Lautsprechern und Einmessung folgt.

      Warum es keine Stufen gibt

      Wo andere Prüfsiegel eine Leistungsklasse vergeben, ist IMAX Enhanced binär: Ein Gerät hat das Siegel oder es hat es nicht. Eine Stufe, die etwas über Raumgröße, Sitzabstand oder Pegelreserve aussagt, existiert im Programm nicht.

      Die einzige Gliederung läuft über die Gerätekategorie, und die ist tatsächlich eine Aussage — nur eine andere, als eine Stufenangabe wäre:

      KategorieWas die Zertifizierung dort abdeckt
      Fernseher und ProjektorenBildwiedergabe in 4K mit hohem Dynamikumfang; Wiedergabe des erweiterten Bildformats
      AV-Receiver und VorstufenDTS:X-Decodierung und der IMAX Mode mit seiner eigenen Bassverwaltung
      Lautsprecher und SoundbarsWiedergabe der Sonderfassung ohne die im Programm unerwünschte Dynamikbegrenzung
      StreamingdiensteAuslieferung der Fassungen in der geforderten Bild- und Tonqualität

      Ein Fernseher mit dem Logo und ein AV-Receiver mit dem Logo haben deshalb unterschiedliche Prüfungen bestanden. Für die Anlage heißt das: Das Siegel an einem Glied der Kette sagt nichts über die anderen Glieder.

      Was das Siegel nicht aussagt

      Das Missverständnis, das in Beratungsgesprächen zuerst auftaucht, steht schon im Gerätemenü: IMAX Enhanced erscheint dort in derselben Liste wie Dolby Atmos und DTS:X und liest sich damit als drittes Tonformat, zwischen dem man wählt. Das ist es nicht. Gewählt wird DTS:X; IMAX Enhanced ist die Kennzeichnung dafür, dass Gerät, Tonspur und Betriebsart zueinander passen.

      Vier weitere Grenzen gehören dazu.

      Das Siegel sagt nichts über Deinen Raum. Es gibt keine Raumgröße, keinen Sitzabstand und keinen Pegel, für die ein zertifiziertes Gerät ausgelegt wäre. Ob ein Fernseher in Deinem Wohnzimmer hell genug ist und ob Deine Lautsprecher den erhaltenen Dynamikumfang auch abbilden, bleibt eine Frage der Auslegung und der Raumkorrektur.

      Ohne passenden Film passiert nichts. Der Nutzen entsteht nur bei Titeln, die für das Programm neu abgetastet und neu gemischt wurden; gekennzeichnet werden einzelne Fassungen und nicht ganze Kataloge. Bei allem anderen Material arbeitet ein zertifiziertes Gerät wie jedes andere.

      Ein zertifiziertes Gerät ist keine Zugangsvoraussetzung. DTS sagt das für Disney+ ausdrücklich: Zertifizierte Geräte werden empfohlen, verlangt wird für den Zugriff auf die Inhalte ein Wiedergabegerät, das DTS:X beherrscht. Wer das Logo für eine Sperre hält, kauft gegen ein Hindernis an, das so nicht aufgestellt ist.

      Kein Siegel ist kein Negativurteil. Die Zertifizierung ist ein Lizenzprogramm, in das ein Hersteller eintritt und für das er zahlt. Es gibt hervorragende Geräte ohne das Logo, weil ihr Hersteller diesen Weg nicht geht oder weil er auf ein anderes Tonformat setzt.

      Wofür eine Zertifizierung gilt

      Der Geltungsbereich ist bei diesem Programm breiter als bei einem reinen Gerätesiegel und muss deshalb sauber getrennt werden. Drei Ebenen sind zu unterscheiden, und alle drei erscheinen unter demselben Namen.

      Das einzelne Gerät in seiner Kategorie. Zertifiziert ist ein Modell, das im Labor stand, gegen den Prüfumfang seiner Kategorie. Eine Marke wird nie zertifiziert, und aus einem zertifizierten Fernseher folgt nichts über die Soundbar desselben Hauses.

      Der einzelne Film. IMAX kennzeichnet Fassungen, die durch das eigene Nachbearbeitungsverfahren gelaufen sind. Dazu gehört bei einem Teil der Titel das erweiterte Bildformat, das im Kino auf der höheren IMAX-Leinwand entsteht: DTS beziffert den Zugewinn mit bis zu 26 Prozent mehr Bild gegenüber der Breitwandfassung. Wie ungleichmäßig das über einen Film verteilt sein kann, zeigt „Spider-Man: Far From Home" — dort sind es 45 Minuten des Films, nicht der ganze Film.

      Die Plattform. Auch ein Streamingdienst wird geprüft und zugelassen. 2019 hat das Programm FandangoNOW und Rakuten TV als erste Dienste aufgenommen, die den geforderten Standard für 4K-HDR-Streaming erfüllen. Diese Ebene ist die eigentliche Besonderheit gegenüber anderen Siegeln der Heimkinowelt: Geprüft wird nicht allein die Hardware, sondern auch der Weg, auf dem der Film ins Haus kommt.

      Was in keiner dieser Ebenen vorkommt, ist der Raum. Für Heimkinoräume gibt es im Programm IMAX Enhanced keine Zertifizierung. Das Kinogeschäft von IMAX und die Ausstattung ganzer Privatkinos durch IMAX sind eigene Geschäftsfelder mit eigenen Anforderungen, die mit dem Logo auf einem Fernseher nichts zu tun haben.

      Verwandte Kennzeichnungen

      Der Name IMAX begegnet dem Leser in mehreren Zusammenhängen, und nur einer davon ist dieses Programm.

      BezeichnungWas dahintersteht
      IMAX Enhanced (am Gerät)Das Gerät hat die Prüfung seiner Kategorie bestanden und ist lizenziert.
      IMAX Enhanced (am Film)Die Fassung ist im IMAX-Verfahren neu abgetastet, oft mit Sonderfassung der Tonmischung.
      IMAX signature sound by DTSDie Tonseite des Programms, umgesetzt in einer Sonderfassung von DTS:X.
      Erweitertes BildformatEin Bildformat innerhalb einer Fassung, nicht durchgängig über den ganzen Film.
      IMAX (Lichtspielhaus)Das Kinogeschäft mit eigener Saaltechnik und eigenen Anforderungen.
      DTS:X ohne IMAX-LogoDasselbe Tonformat ohne die Sonderfassung und ohne den IMAX Mode.

      Für die Kaufentscheidung ist die zweite Zeile die wichtige. Ein Gerät mit dem Logo und ein Film mit dem Logo sind zwei verschiedene Aussagen, und erst zusammen ergeben sie das, was das Programm verspricht.

      Was die Anbieter nicht offenlegen

      Öffentlich stehen die Prüfbereiche, die Gerätekategorien und die Liste der zertifizierten Modelle. Die Anforderungen dahinter stehen dort nicht.

      Ebenso unveröffentlicht sind die Gebühren des Programms und die Frage, ob und wie nachgeprüft wird, wenn ein Hersteller ein zertifiziertes Modell während seiner Bauzeit per Firmware verändert. Gerade bei AV-Receivern, deren Betriebsarten über Jahre per Aktualisierung nachwachsen, wäre das die Frage, die man gern beantwortet hätte.

      Was das für die Planung heißt

      Als Kriterium bei der Geräteauswahl ist das Siegel schmal: Es sortiert nichts nach Raumgröße vor, es nennt keine Leistungsdaten, und es sagt nichts über die Eignung eines Geräts für Dein Projekt. Was es zuverlässig anzeigt, ist die Fähigkeit zur DTS:X-Wiedergabe und die Bereitschaft eines Herstellers, sein Gerät prüfen zu lassen. Wer eine Kette plant, in der die Filme dieses Programms eine Rolle spielen sollen, achtet deshalb weniger auf das Logo als auf die durchgehende DTS:X-Fähigkeit von Quelle, Verstärker und Wiedergabegerät.

      Verknüpfte Inhalte

      Für die Begriffe, die auf dieser Seite vorkommen: das Bassmanagement, die Übergangsfrequenz und der LFE-Kanal für den Eingriff des IMAX Mode in die Basswiedergabe; die Zielkurve und die Raumkorrektur für die Einmessung, die davon berührt wird; der Dynamikumfang als die Größe, um die es bei der Sonderfassung der Tonmischung geht; die Kanal-Notation für die Layouts, in die eine Kinomischung übersetzt wird.

      Auf der Bildseite gehören der Farbraum, die Übertragungsfunktion, die Zielleuchtdichte und das Kontrastverhältnis dazu; für das erweiterte Bildformat und seinen Effekt auf dem Sitzplatz der Sichtwinkel. Was eine Kalibrierung an einem Bildgerät überhaupt leistet, steht unter Bildkalibrierung.

      Quellen

      1. IMAX Corporation und DTS, Pressemitteilung IMAX and DTS Partner to Launch IMAX Enhanced Program for Home Entertainment (04.09.2018) — Programmstart, Zertifizierungsgremium, geprüfte Gerätearten, IMAX Mode, Sonderfassung des DTS:X-Codecs, Arbeitsteilung zwischen IMAX und DTS.
      2. IMAX Corporation und DTS, Pressemitteilung IMAX Enhanced Announces Global Expansion With New Streaming Platforms, Blockbuster Movies and Device Partners (05.09.2019) — Zertifizierung von Streamingdiensten, 45 Minuten erweitertes Bildformat in „Spider-Man: Far From Home", Gerätepartner.
      3. DTS, IMAX Enhanced — Prüfgrößen Auflösung, Helligkeit und klangliche Wiedergabetreue; bis zu 26 Prozent mehr Bild; DTS:X als Tonformat des Programms.
      4. DTS, FAQ: IMAX Enhanced sound with DTS:X — zertifizierte Geräte empfohlen, für den Zugang zu den Inhalten aber nicht erforderlich.
      5. Xperi, IMAX Enhanced — Einordnung als Zertifizierungs- und Lizenzprogramm.
      6. Allion Labs, IMAX Enhanced — autorisiertes Prüflabor, Vorprüfung, Anforderungen durch ein Gremium und unveröffentlicht.
      7. ecoustics, Chris Boylan, DTS:X with IMAX Enhanced on Disney+ How it Works (07.07.2024) — unabhängige Sekundärquelle zur Umsetzung der Kinomischung im Heimformat.

      Die Angaben zum Programm stammen von seinen beiden Anbietern selbst; eine unabhängige Nachprüfung der Prüfschwellen ist mangels veröffentlichter Anforderungen nicht möglich. Die Angaben zum Verhalten des IMAX Mode sind im Text der Fachpresse zugeordnet; belegt ist davon ein einzelner Bericht, und kein Dokument von IMAX oder DTS bestätigt ihn.

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Rückansicht des Anthem MRX 1140 8K A/V-Receivers mit Anschlüssen und Steckdosen.

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