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Motorleinwand mit Seilspannung
Was leistet die Seilspannung bei einer Motorleinwand — und woran erkennt man eine Leinwand ohne sie?
Bei einer Motorleinwand mit Seilspannung laufen dünne Seile entlang der beiden senkrechten Tuchränder mit. Sie ziehen die Bahn beim Herabfahren seitlich in die Ebene und halten sie dort, solange die Leinwand ausgefahren ist — der englische Fachbegriff „tab-tensioned" beschreibt genau das: Laschen am Tuchrand, an denen die Seilführung angreift.
Ein aufgerolltes Tuch, das an einer Kassette herunterhängt, ist von Natur aus kein straff gespanntes Bettlaken — es hängt eher wie ein Rollo, mit leichten Wellen an den Seiten. Für ein gemütliches Video reicht das oft aus. Für ein scharfes Projektorbild stört jede Welle, weil sie das Licht an dieser Stelle anders zurückwirft als die glatte Fläche daneben. Die Seilspannung zieht die Bahn deshalb an beiden Rändern straff, ähnlich wie eine Wäscheleine, die zwischen zwei Punkten gespannt wird und dazwischen nicht durchhängt.
Ausführliche Erklärung
Eine frei hängende Tuchbahn ohne seitliche Führung bekommt mit der Zeit und bei größerer Breite leichte Längswellen, und die Ränder ziehen sich nach innen ein. Bei kleinen Bildern und diffusem Licht fällt das kaum auf; je größer die Fläche und je flacher das Licht darauf trifft, desto sichtbarer werden diese Unebenheiten — jede Welle wirft das Licht an dieser Stelle in eine leicht andere Richtung als die Umgebung, sichtbar als helle oder dunkle Streifen im Bild.
Die Seilspannung setzt genau hier an. Ein dünnes Stahl- oder Kunststoffseil läuft in einer Führung an beiden Tuchrändern von der Kassette bis zur unteren Gewichtsleiste. Beim Ausfahren zieht es die Bahn seitlich straff, und diese Spannung bleibt bestehen, solange die Leinwand unten ist. Das Ergebnis ist eine deutlich planere Fläche als bei einer ungespannten Bahn — nicht ganz so plan wie eine dauerhaft im Rahmen gespannte Fläche, aber für den beweglichen Einsatz die bessere Variante.
Die Kehrseite ist der Aufbau: Die Seilführung braucht ein etwas tieferes und aufwendiger gefertigtes Gehäuse, und mit ihr steigt der Preis gegenüber einer einfachen Rollo-Motorleinwand spürbar. Wer eine Motorleinwand mit größerer Bildbreite plant, findet in dieser einen Eigenschaft den größten Qualitätsunterschied zwischen sonst ähnlich aussehenden Produkten.
Häufiges Missverständnis
„Motorleinwand" wird oft mit „automatisch plane Fläche" gleichgesetzt. Der Motor fährt die Bahn nur aus und ein; ob sie dabei plan bleibt, entscheidet allein die Spannmechanik. Ohne Seilspannung bleibt die Fläche eine frei hängende Bahn — für viele Einsatzzwecke ausreichend, für ein anspruchsvolles Bild aber die schwächere Wahl gegenüber der Rahmen- oder der gespannten Ausführung.
Nicht zu verwechseln mit
- Motorleinwand ohne Spannung: Eine einfache, aufgerollte Bahn ohne seitliche Führung — günstiger, aber mit sichtbarer Wellenbildung bei größeren Bildbreiten.
- Rahmenleinwand mit Kedersystem: Das Tuch ist dort dauerhaft und umlaufend gespannt, nicht beweglich — der eigene Eintrag führt den Unterschied aus.
- Bodenscherenleinwand: Spannt ebenfalls, allerdings über ein Scherengestänge von unten statt über Seile von der Kassette.
In der Planung
Eine geplante Bildbreite von 3 Metern in einem Wohnzimmer, in dem die Leinwand tagsüber unsichtbar bleiben soll. Bei dieser Breite macht sich eine fehlende Seitenspannung im Bild deutlich bemerkbar — die Entscheidung für eine Ausführung mit Seilspannung fällt hier eher aus der Bildbreite als aus dem Budget. Kleiner dimensionierte Flächen unter etwa zwei Metern Breite kommen eher ohne aus, ohne dass die Wellenbildung sofort auffällt.
Verknüpfte Inhalte
Wie eine Motorleinwand generell im Raum untergebracht wird, führen die Leinwandbauformen aus. Wie viel schwarzer Rand oberhalb des Bildes bleibt und wie er eingestellt wird, behandelt der Eintrag zu Vorlauf und schwarzem Rand; die Steuerung des Ausfahrens per Fernbedienung, Trigger oder Bussystem führt die Seite zur Steuerung von Motorleinwänden aus.
Quellen
Die Beschreibung der Seilführung folgt allgemeinem Herstellersprachgebrauch und ist als solche gekennzeichnet.