Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Performance

MIMO (Audio)

Was bedeutet MIMO in der Audiotechnik?

MIMO steht für „Multiple Input, Multiple Output" — Systeme mit mehreren Eingängen und mehreren Ausgängen, die als Ganzes optimiert werden. In der Raumakustik heißt das: Mehrere Lautsprecher und mehrere Messpositionen werden nicht einzeln, sondern gemeinsam berechnet.

Die meisten Einmesssysteme behandeln jeden Lautsprecher für sich: Einer wird gemessen und eingestellt, dann ist der nächste dran. Der hier beschriebene Ansatz rechnet stattdessen alle Lautsprecher und alle Sitzplätze in einem Zug zusammen. Der Unterschied ist derselbe wie zwischen Ampeln, die jede für sich schalten, und Ampeln, die als grüne Welle aufeinander abgestimmt sind: dieselben Geräte, ein ganz anderes Ergebnis. So lässt sich etwas erreichen, das einzeln unmöglich ist, etwa guter Bass auf mehreren Plätzen gleichzeitig. Zaubern kann aber auch das nicht — was Deine Lautsprecher nicht abgeben können, bringt keine Rechnung in den Raum.

Ausführliche Erklärung

Der Begriff stammt aus der Regelungs- und Nachrichtentechnik. Übertragen auf Audio beschreibt er einen Denkwechsel: Klassische Einmessung betrachtet jeden Lautsprecher für sich — ein Kanal, ein Filter. Ein MIMO-Verfahren betrachtet stattdessen die gesamte Matrix: Jeder Lautsprecher wirkt auf jeden Sitzplatz, und alle diese Wege werden zusammen optimiert.

Ein Bild dafür: Ein Achter-Ruderboot wird nicht schneller, wenn jeder Ruderer für sich möglichst kräftig zieht — sondern wenn alle im abgestimmten Takt arbeiten. Genauso können Lautsprecher im Verbund Dinge leisten, die einzeln unmöglich sind: gezielt Raumresonanzen gegenphasig bedämpfen oder den Bass über mehrere Sitzplätze gleichmäßig halten, statt nur an einem.

Praktisch begegnet Dir MIMO in Verfahren wie Dirac Live ART und Trinnov WaveForming. Der Preis des Ansatzes: Er braucht Rechenleistung, viele Messungen und Lautsprecher, die im relevanten Frequenzbereich mitarbeiten können. Und er bleibt an die Physik gebunden — MIMO verteilt vorhandene Fähigkeiten klüger, es erschafft keine neuen.

Nicht zu verwechseln mit

  • MIMO im WLAN oder Mobilfunk: derselbe Systembegriff, aber ein völlig anderes Anwendungsfeld (Funkantennen statt Lautsprecher).
  • Mehrkanal-Wiedergabe an sich: 7.1.4 ist erst einmal nur „viele Kanäle" — MIMO beginnt dort, wo diese Kanäle gemeinsam gegen den Raum optimiert werden.

Praxisbeispiel

Du vergleichst zwei Prozessoren: Beide messen Deinen Raum ein, beide glätten den Frequenzgang. Der Unterschied zeigt sich im Bass über mehrere Sitzplätze: Das Einzelkanal-System muss Kompromisse mitteln, das MIMO-basierte System lässt Deine Subwoofer und tieffähigen Lautsprecher aktiv zusammenarbeiten. Ob dieser Unterschied den Aufpreis wert ist, hängt davon ab, wie viele Plätze Dir wichtig sind — für den Einzelsessel ist der Gewinn kleiner als für drei Sitzreihen.

Verknüpfte Inhalte

Konkrete Umsetzungen: Dirac Live ART und WaveForming; Einordnung unter „Aktive Basskontrolle".

Quellen

Systemtheoretische Grundlagenliteratur; produktbezogene Aussagen auf den verknüpften Technologieseiten.

Tastaturkürzel