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Klangprogramme und Sound Modes
Was ist ein Klangprogramm — und was ändert sich, wenn ich im Menü von Movie auf Direct umschalte?
Ein Klangprogramm — im Menü meist Sound Mode oder Sound Program — legt fest, wie ein AV-Receiver oder Prozessor die ankommende Tonspur aufbereitet, bevor sie auf die Lautsprecher geht. Es entscheidet, welche Lautsprecher überhaupt Signal bekommen und wie viel das Gerät dem Original hinzurechnet. Was es nicht anfasst, ist die Einmessung: Pegel, Abstände und Trennfrequenzen kommen aus dem Preset und stehen in jedem Programm gleich da.
In der Fernbedienung Deines Verstärkers gibt es Tasten mit Namen wie „Movie", „Music" oder „Direct". Sie ändern nicht die Lautstärke und auch nicht, was für ein Film läuft. Sie ändern, wie viel Arbeit das Gerät mit dem Ton macht: ob es die zwei Spuren einer Musikaufnahme auf alle Lautsprecher im Raum verteilt, ob es einen Hall dazurechnet, der nach großem Saal klingt, oder ob es alles Rechnen weglässt und nur weiterreicht, was hereinkommt. Das letzte klingt nach der ehrlichsten Wahl und ist es in einer eingerichteten Anlage oft gerade nicht — denn zu dem, was das Gerät dann weglässt, gehört auch die Einrichtung selbst.
Ausführliche Erklärung
Die Programmliste eines Geräts sieht aus wie eine Geschmacksauswahl und ist in Wahrheit eine gemischte Liste. Vier Arten von Einträgen stehen dort nebeneinander, und sie unterscheiden sich fundamental darin, was sie mit dem Signal machen.
Die Dekodierung des anliegenden Formats. Liegt eine mehrkanalige Tonspur an, muss sie zunächst ausgepackt werden. Diese Einträge sind keine Wahl im eigentlichen Sinn: Sie richten sich danach, was die Quelle liefert, und das Gerät stellt sie selbst ein. Bei objektbasierten Tonspuren rechnet dabei ein Renderer die Objekte auf Deine Lautsprecher um, wie es der Beitrag zum objektbasierten Ton beschreibt.
Die Upmix-Verfahren. Bei zu wenigen Kanälen im Material stehen sie unter ihren Handelsnamen im selben Menü und lassen sich wie ein Klangprogramm auswählen — was regelmäßig den Eindruck erzeugt, sie seien eine Klangfarbe. Ein Upmixer verteilt vorhandenes Material auf alle Lautsprecher, ohne Anteile zu erfinden; Arbeitsweise und Grenzen stehen im Upmixer-Eintrag.
Die hauseigenen Effektprogramme. Hier fangen die Namen an, nach Orten zu klingen: Multikanal-Stereo gibt dasselbe Stereosignal über alle Lautsprecher aus, andere Programme rechnen die Reflexionsmuster einer Arena, eines Jazzclubs oder eines Kinosaals hinzu. Diese Einträge fügen dem Signal Anteile hinzu, die in der Aufnahme nicht vorkommen. Genau das ist ihr Zweck, und genau deshalb sind sie in einer auf Neutralität ausgelegten Anlage die seltenste Wahl.
Die Direktwege. Sie gehen in die andere Richtung und schalten Verarbeitung ab. Weil sie in einer eingemessenen Anlage die größten Folgen haben, bekommen sie unten einen eigenen Abschnitt.
Auf welcher Ebene ein Klangprogramm sitzt
Ein Klangprogramm arbeitet innerhalb des aktiven Presets. Das Preset beschreibt den eingemessenen Zustand — welche Lautsprecher es gibt, wie laut jeder ist, wann er einsetzt, welche Korrekturfilter laufen. Das Klangprogramm entscheidet, was in dieser Anlage mit der Tonspur geschieht, bevor sie dort ankommt. Wer das Programm wechselt, hört dieselbe Anlage mit anderer Aufbereitung; wer das Preset wechselt, hört dieselbe Aufbereitung in einer anders eingestellten Anlage.
Diese Ebenentrennung ist der Grund, warum sich ein Klangprogramm gefahrlos ausprobieren lässt. Es speichert nichts, es verstellt nichts an der Einmessung, und ein zweiter Tastendruck nimmt es zurück. Die Geräte merken sich lediglich, welches Programm zuletzt für welche Quellenart aktiv war.
Direct und Pure Direct — was wirklich abgeschaltet wird
Die Direktwege sind die einzigen Klangprogramme, bei denen sich der Verzicht auf Verarbeitung auf die Einmessung selbst erstreckt. Ein verbreiteter Mehrkanalreceiver führt ausdrücklich auf, was sich in Direct und Pure Direct nicht mehr einstellen lässt: die Klangsteller, den Dialoganheber, die Restaurationsschaltung für komprimierte Quellen, die beiden Einmesssysteme des Geräts samt ihren pegelabhängigen Zusatzfunktionen und den grafischen Entzerrer. Die Filter der Raumkorrektur sind damit still, und mit ihnen die Zielkurve, an der die Anlage ausgerichtet wurde. Pure Direct schaltet zusätzlich die Anzeige des Geräts ab, was der Hersteller mit der Unterdrückung von Störquellen begründet. Ein zweiter Hersteller beschreibt für seinen Direktweg dasselbe Bild: stillgelegt werden Verarbeitungen und Teile der Schaltung außerhalb der reinen Wiedergabe, und währenddessen lässt sich weder ein Klangprogramm wählen noch eine zweite Zone bedienen.
Der schwerwiegendere Teil betrifft den Bass. In Direct und Pure Direct gibt das Gerät je Kanal des Eingangssignals ein Signal aus — eine Stereoquelle bespielt also die beiden Frontlautsprecher, mehr nicht. Ob der Subwoofer dabei überhaupt Signal bekommt, hängt an einer einzigen Menüeinstellung. In der Voreinstellung bekommt er die LFE-Spur und den Bass, den die Trennfrequenzen ihm zuweisen; erst die zweite Einstellung schickt ihm zusätzlich eine Kopie der tiefen Anteile aus allen breitbandig betriebenen Lautsprechern. Der Hersteller schreibt den Fall selbst hin: Stehen die Trennfrequenzen für Front und Center auf Breitband und der Subwoofer-Ausgang in der Voreinstellung, kann je nach Eingangssignal oder gewähltem Klangprogramm gar kein Ton aus den Subwoofern kommen.
Damit steht die Folge für eine eingemessene Anlage fest. Deine Frontlautsprecher spielen im Direktweg das, was ihnen das Bassmanagement sonst abnimmt — bis unter ihre Übergangsfrequenz hinunter, in einen Bereich, für den sie nicht ausgelegt sind. Kompaktlautsprecher klingen dünn, weil der Tiefton verschwindet; große Standlautsprecher verzerren früher, weil sie ihn mit vollem Hub übernehmen. Beides sind Verschlechterungen gegenüber dem eingemessenen Zustand, und beide entstehen an einem Bedienelement, das nach Verbesserung klingt.
Häufiges Missverständnis
„Movie, Music und Game sind drei Klangfarben — ich nehme, was zum Inhalt passt." Diese drei Tasten wählen kein Programm, sie rufen Speicherplätze auf: Jede merkt sich, welches Klangprogramm zuletzt unter ihr aktiv war, und ruft es beim nächsten Druck wieder auf. Was sich dahinter verbirgt, hat der Vorbesitzer, der Einrichter oder der Werkszustand festgelegt — es kann ein Upmixer sein, ein Effektprogramm oder eine reine Dekodierung. Wer den Klang beurteilen will, schaut zuerst nach, was unter der Taste liegt.
„Pure Direct ist der reinste Weg, also der beste." In einem Stereoverstärker ist das eine nachvollziehbare Rechnung: Dort umgeht der Schalter einen Klangzug und ein paar Bauteile, wie es der Eintrag zur Klangregelung ausführt. In einem eingemessenen Mehrkanalsystem umgeht er die Arbeit, für die jemand einen halben Tag im Raum stand. Der Gewinn ist ein etwas kürzerer Signalweg, der Verlust umfasst Korrekturfilter, Pegelabgleich und je nach Einstellung den Subwoofer. Sinnvoll ist der Direktweg dort, wo es nichts zu umgehen gibt: an einem Stereopaar, das breitbandig ohne Subwoofer spielt und in einem Raum steht, der keine Korrektur braucht.
„Das Klangprogramm sagt mir, was für ein Format läuft." Die Anzeige nennt das Verfahren, das gerade rechnet. Steht dort der Name eines Upmixers, war das Ausgangsmaterial kanalbasiert und hatte weniger Kanäle als Deine Anlage. Welches Format die Quelle liefert, steht in der Signalinformation des Geräts oder im Menü des Zuspielers.
Nicht zu verwechseln mit
- Preset: der gespeicherte eingemessene Zustand. Das Klangprogramm läuft darin und ändert ihn nicht — mit der oben beschriebenen Ausnahme der Direktwege, die Teile davon stilllegen.
- Upmixer: ein Verfahren, das im Menü als Klangprogramm erscheint. Jeder Upmixer ist dort ein Programm, aber längst kein Programm ist ein Upmixer.
- Klangregelung: Bass- und Höhensteller als Handbedienung. Sie wirkt in vielen Programmen zusätzlich und wird von den Direktwegen mit abgeschaltet.
- Szene, Aktivität, Makro: Begriffe der Steuerungsebene. Eine Szene kann ein Klangprogramm aufrufen, so wie sie Licht dimmt und Leinwände fährt.
- Tonformat der Quelle: was auf dem Datenträger oder im Stream liegt. Das Gerät kann es nur dekodieren, das Klangprogramm bestimmt die Behandlung danach.
- Gehörrichtige Lautstärke: eine pegelabhängige Korrektur, die in manchen Geräten an das Einmesssystem gekoppelt ist. Sie folgt dem Pegel, während ein Klangprogramm unabhängig davon arbeitet.
In der Planung
Ein Wohnzimmer-Heimkino ist eingemessen und übergeben. Zwei Wochen später meldet der Kunde, der Ton sei „bei Musik plötzlich dünn und ohne Bass". Am Gerät steht Direct — er hatte in einem Forum gelesen, das sei für Musik die bessere Wahl.
Zu klären ist zuerst der Anspruch an diese Anlage, denn daran hängt alles Weitere: Soll sie in jeder Betriebsart neutral spielen, oder soll sie dem Hörer eine zweite, bewusst andere Klangwelt anbieten? Im ersten Fall lautet die Antwort: ein einziges, für alle Quellen gültiges Programm, das die Einmessung durchlaufen lässt. Im zweiten Fall gehört die zweite Welt sauber eingerichtet, statt über einen Schalter zu entstehen, der Verarbeitung wegnimmt.
Steht der Anspruch fest, ist das Verfahren an der Reihe. Das Bassmanagement entscheidet, ob der Subwoofer im Direktweg überhaupt Signal bekommt — die Einstellung mit der zusätzlichen Kopie der tiefen Anteile ist hier der Unterschied zwischen stummem und spielendem Subwoofer. Sie hat allerdings ihren Preis: Im normalen Betrieb bekommen die Frontlautsprecher ihre tiefen Anteile dann weiterhin und der Subwoofer zusätzlich, was den Übergangsbereich in vielen Räumen aufdickt. Die saubere Lösung geht deshalb meist andersherum — die Einmessung bleibt eingeschaltet, und der Kunde bekommt gezeigt, welches Programm für Musik gedacht ist.
Erst am Ende steht das Gerät, und die Frage an es ist knapp: Lässt sich das Klangprogramm je Eingang fest hinterlegen, damit die Anlage nach dem Einschalten in dem Zustand ist, in dem sie eingemessen wurde? Wo eine Steuerung im Haus arbeitet, erledigt das die Szene gleich mit.
Verknüpfte Inhalte
Der eingemessene Zustand, in dem jedes Klangprogramm läuft, steht beim Preset; was darin gespeichert ist, führen Raumkorrektur, Zielkurve, Bassmanagement, Übergangsfrequenz und Delay einzeln aus. Wie ein Upmixer arbeitet und warum sein Ergebnis keine Objekte sind, klärt der Upmixer; was Objekte überhaupt sind, der Beitrag zum objektbasierten Ton. Die Ziffernschreibweise der Lautsprecheraufbauten erklärt die Kanal-Notation, die Handbedienung für Bass und Höhen die Klangregelung und die pegelabhängige Korrektur die gehörrichtige Lautstärke. Welches Gerät die Programme überhaupt anbietet, steht bei AV-Prozessor, AV-Receiver und Endstufe.
Quellen
Die Aufteilung der Menüliste in Dekodierung, Upmix-Verfahren, hauseigene Effektprogramme und Direktwege folgt der Programmübersicht in der Bedienungsanleitung eines verbreiteten Mehrkanalreceivers, die für diese Seite am Objekt gelesen wurde. Von dort stammen auch die Angaben zu den Direktwegen: die Liste der Funktionen, die sich in Direct und Pure Direct nicht einstellen lassen, die Ausgabe je Eingangskanal und die Bedingung, unter der der Subwoofer-Ausgang in diesen Programmen Signal bekommt. Der Fall des stummen Subwoofers bei breitbandig gesetzten Trennfrequenzen steht ebenfalls dort. Die Beschreibung eines zweiten Direktwegs — stillgelegte Verarbeitung und Schaltungsteile, gesperrte Programmwahl und Zonenbedienung — stammt aus der Bedienungsanleitung eines zweiten Herstellers.