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Gehörrichtige Lautstärke (Loudness-Regelung)
Was macht die Loudness-Taste am Verstärker — und ist sie sinnvoll?
Die gehörrichtige Lautstärke ist eine Korrektur im Wiedergabegerät, die bei geringer Abhörlautstärke den Bass und meist auch die Höhen anhebt. Auf Verstärkern steht dafür seit Jahrzehnten eine Taste mit der Aufschrift „Loudness"; in AV-Prozessoren heißt dieselbe Funktion pegelabhängige Entzerrung oder Loudness-Kompensation.
Wenn Du abends leise hörst, fehlt der Musik plötzlich das Fundament und der Glanz — sie klingt flach, obwohl sich an der Anlage nichts geändert hat. Das liegt nicht an der Technik, sondern an Deinen Ohren: Sie nehmen die tiefsten und die höchsten Töne bei kleiner Lautstärke deutlich schlechter wahr als bei großer. Genau dagegen gibt es eine Taste, die beim leisen Hören unten und oben etwas zulegt. Sie gleicht damit eine Eigenheit Deines Gehörs aus und schönt nichts. Ob der Ausgleich gut zu Deiner Anlage passt, ist die zweite Frage — und die entscheidet Dein Ohr.
Ausführliche Erklärung
Der Grund für die Funktion ist eine Eigenheit des Gehörs. Es bewertet Frequenzen ungleich, und diese Ungleichheit ist pegelabhängig: Je leiser Du hörst, desto stärker fallen die tiefen und die sehr hohen Anteile in der Wahrnehmung zurück. Beschrieben wird das durch die Kurven gleicher Lautheit, die in ISO 226 genormt sind. Warum das so ist und was sonst noch daran hängt, führt die Wissensseite Menschliches Hören und Lautheit aus; hier genügt die Folge daraus. Dieselbe Aufnahme klingt bei Zimmerlautstärke anders zusammengesetzt als bei Referenzpegel, nicht bloß leiser.
Eine Kompensation kehrt diesen Effekt um: Sie legt genau so viel im Bass und im Hochton zu, wie das Gehör bei diesem Pegel unterbewertet. Damit soll die Klangbalance über den ganzen Lautstärkebereich gleich bleiben.
Die klassische Schaltung und ihre Schwäche
In der Praxis gibt es die Funktion in zwei Bauformen, und der Unterschied zwischen ihnen ist der eigentliche Streitpunkt.
Die ältere Umsetzung ist eine feste Filterkurve, die mit der Taste ein- und ausgeschaltet wird. Etwas aufwendigere Geräte koppeln sie an den Lautstärkesteller, sodass die Anhebung mit steigender Lautstärke zurückgeht und bei Vollaussteuerung verschwindet. Das ist der Sinn des deutschen Begriffs: gehörrichtig ist die Einstellung nur, wenn sie sich mit dem Pegel ändert.
Ihre Schwäche folgt aus dem, was die Schaltung nicht weiß. Nötig wäre der tatsächliche Schalldruck am Hörplatz, denn davon hängen die Kurven gleicher Lautheit ab. Die Stellung des Lautstärkestellers sagt darüber wenig, weil zwischen ihr und dem Hörplatz der Ausgangspegel der Quelle, die Verstärkung, der Wirkungsgrad des Lautsprechers und der Hörabstand stehen. Dieselbe Reglerstellung kann an zwei Anlagen deshalb sehr verschiedene Schalldrücke bedeuten. Die feste Kurve ist damit eine Schätzung ohne Bezugsgröße — und wo sie zu kräftig ausfällt, entsteht der dicke, schwammige Bass, dem die Funktion ihren schlechten Ruf verdankt.
Die pegelabhängige Kompensation im Prozessor
Ein eingemessener AV-Prozessor kennt die Größe, die der klassischen Schaltung fehlt: Nach der Kalibrierung ist bekannt, welcher Schalldruck am Hörplatz zu welcher Anzeige gehört. Die Lautstärkeanzeige lässt sich damit als Abstand zum Referenzpegel lesen, und die Korrektur folgt diesem Abstand rechnerisch statt geschätzt. Dieselbe Anlage kann so bei zehn Dezibel unter Referenz anders entzerren als bei dreißig.
Das macht die Umsetzung sauberer, aber nicht beliebig. Sie bleibt auf die gemittelten Kurven eines normalhörenden Menschen bezogen, und der eigene Höreindruck weicht davon ab. Ein Regelbereich, mit dem sich die Stärke der Korrektur einstellen lässt, ist deshalb die ehrlichere Bauform — er gibt dem Hörer die Entscheidung zurück, die ein Mittelwert offenlässt.
Wo die Grenze liegt
Angehoben werden kann nur, was der Lautsprecher überhaupt wiedergibt. Wo unten nichts ist, verstärkt die Korrektur nichts — sie schickt dann lediglich mehr Leistung in einen Bereich, in dem das Chassis keinen Schalldruck mehr erzeugt, und treibt es dabei näher an seine Auslenkungsgrenze. Aus demselben Grund kostet jede Anhebung Reserve: Bei Zimmerlautstärke fällt das nicht ins Gewicht, aber wer anschließend aufdreht und die Funktion eingeschaltet lässt, fährt ein System mit angehobenem Bass in seinen Grenzbereich.
Daraus folgt der praktische Zusammenhang, der die Funktion mit der Systemplanung verbindet: Gerade beim leisen Hören zahlt sich ein System aus, das im Tiefton noch etwas anzubieten hat. Das ist der sachliche Kern der MultiRoom-Beobachtung, dass Bass auch und gerade bei niedriger Lautstärke gebraucht wird — ausgeführt unter Braucht es einen Subwoofer?.
Häufiges Missverständnis
„Loudness ist Schummelei." Das ist der Satz, mit dem die meisten Kunden ankommen, und er verwechselt zwei Dinge. Eine Schönung wäre eine Anhebung, die etwas hinzufügt, was im Signal nicht steht. Die gehörrichtige Lautstärke fügt nichts hinzu; sie gleicht aus, was das Gehör bei geringem Pegel selbst wegnimmt. Der Grundgedanke ist damit begründet, und die Kritik trifft die Umsetzung. Eine feste Kurve ohne Kenntnis des Hörpegels liegt daneben, sobald die Anlage nicht der stillschweigenden Annahme des Geräteherstellers entspricht. Wer die Taste einmal an einer wirkungsgradstarken Anlage gehört hat, hält seither das Prinzip für falsch, obwohl die Schätzung das Problem war.
„Wenn ich eingemessen habe, brauche ich das nicht." Die Einmessung korrigiert den Raum, und sie tut das für einen Pegel. Die Pegelabhängigkeit des Gehörs bleibt davon unberührt — auch ein perfekt eingemessenes System klingt bei Zimmerlautstärke dünner als bei Referenzpegel.
Nicht zu verwechseln mit
- Klangregelung: Die Bass- und Höhensteller am Verstärker. Sie wirken mit fester Stärke, unabhängig davon, wie laut Du hörst, und Du setzt sie selbst. Die gehörrichtige Lautstärke ändert ihre Wirkung mit dem Pegel — das ist der ganze Unterschied, und er entscheidet, welche der beiden bei Lautstärkeänderungen nachgestellt werden muss.
- Raumkorrektur: Sie misst, was der Raum mit dem Schall macht, und entzerrt dessen Fehler. Ihre Filter sind an eine Messung gebunden und ändern sich nicht mit der Lautstärke. Siehe Raumkorrektur.
- Zielkurve: Die Soll-Vorgabe, auf die eine Einmessung hinarbeitet — eine feste, raumbezogene Festlegung, keine pegelabhängige Korrektur.
- Lautheitsnormalisierung: Ein Pegelabgleich zwischen Produktionen, der auf der Verteilseite passiert und den Frequenzgang unangetastet lässt. Siehe Lautheitsnormalisierung.
- Dynamikbegrenzung oder Nachtmodus: Sie verkleinert den Abstand zwischen leisen und lauten Stellen. Das ist eine Antwort auf zu große Sprünge, nicht auf einen zu dünnen Klang; siehe Dynamikumfang.
- Bassmanagement: Es entscheidet, welcher Lautsprecher welchen Frequenzbereich bekommt, und hebt dabei nichts an. Siehe Bassmanagement.
In der Planung
Ein Wohnzimmer mit kompakten Einbaulautsprechern, gehört wird überwiegend abends und leise. Der Wunsch lautet: „Da fehlt Bass, wir brauchen größere Lautsprecher."
Die Frage davor lautet, bei welchem Pegel hier tatsächlich gehört wird. Wenn der übliche Pegel weit unterhalb dessen liegt, wofür die Anlage ausgelegt ist, ist der fehlende Bass zu einem guten Teil eine Eigenschaft des Gehörs und nicht der Geräte — und größere Lautsprecher lösen davon nichts, weil bei Zimmerlautstärke auch sie unten unterbewertet werden.
Das Verfahren folgt daraus in drei Schritten. Erstens die pegelabhängige Kompensation überhaupt einschalten, falls das Gerät sie kennt, und in der Stärke anpassen. Zweitens, wenn sie fehlt oder nicht reicht, ein zweites Preset mit eigener Zielkurve fürs leise Hören, statt die eine Einmessung dauerhaft zu verbiegen. Drittens ein nüchterner Blick auf das Grundgeräusch des Raums, denn beim leisen Hören begrenzt es mehr als die Anlage. Erst danach ist die Gerätefrage sinnvoll — und dann lautet sie nach Tieftonfähigkeit, nicht nach Baugröße.
Verknüpfte Inhalte
Die physikalische Grundlage — Kurven gleicher Lautheit, Pegel- und Zeitabhängigkeit des Gehörs — steht auf der Wissensseite Menschliches Hören und Lautheit, die Einheiten der empfundenen Lautstärke bei Phon und Sone. Wovon eine Einmessung ausgeht und worauf sie zielt, klären Raumkorrektur und Zielkurve. Der Pegelabgleich auf der Verteilseite ist die Lautheitsnormalisierung. Warum ein eigener Tieftonwiedergeber gerade beim leisen Hören spürbar ist, behandelt Braucht es einen Subwoofer?.
Quellen
Die Grundlage der Kompensation sind die Kurven gleicher Lautheit, heute in ISO 226 genormt und zuerst von Harvey Fletcher und Wilden Munson in den Bell Telephone Laboratories vermessen; beide Belege sind aus dem Bestand übernommen und für diese Seite nicht am Objekt gelesen. Für die Beschreibung der Geräteseite — Aufbau der klassischen Schaltung, Kopplung an den Lautstärkesteller, normative Herkunft des Begriffs — fehlen zitierfähige Fundstellen.