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Bass-Extension in-room (Performance Level Ton)
Bis zu welcher Frequenz muss mein System im eigenen Raum tatsächlich noch spielen — und was unterscheidet dabei Level 3 von Level 5?
Ein Subwoofer, für den der Hersteller 18 Hz angibt, spielt in einem konkreten Wohnzimmer vielleicht bis 24 Hz und in einem anderen bis 16 Hz. Bewertet wird hier die zweite Zahl: die untere Grenzfrequenz, die sich am Sitzplatz messen lässt, nachdem das System im Raum steht und eingestellt ist.
Im Zusatz „in-room" steckt die eigentliche Aussage dieser Kategorie. Bewertet wird die Kette aus Gerät, Aufstellung, Raum und Bassmanagement zusammen — dieselbe Logik wie in den übrigen Ton-Kategorien, die das fertige System messen und nicht den unbehandelten Raum.
Im Kino spürst Du bei einer Explosion mehr, als Du hörst. Dieses Spüren beginnt erst weit unter dem, was Musik normalerweise verlangt, und ob Deine Anlage dort noch etwas liefert, hängt an zwei Dingen: was der Basslautsprecher kann und was Dein Zimmer daraus macht. Ein geschlossener Kellerraum verstärkt ganz tiefe Töne von selbst, ein Wohnzimmer mit großer Fensterfront lässt sie einfach nach draußen. Bewertet wird deshalb, was bei Dir ankommt, und nicht, was auf der Verpackung steht.
Was gemessen wird
Gemessen wird die Frequenz, unterhalb derer der Pegel des Systems um 3 dB unter die Zielkurve fällt. Gemessen wird am Referenzsitzplatz, mit dem eingestellten System, im laufenden Betrieb. Je tiefer diese Frequenz liegt, desto höher die Stufe. In der Planung wird dieselbe Stufe prognostiziert, aus Gerätedaten, Raumvolumen und Aufstellung — die Leiter gilt für beide Anlässe, für die Prognose vorab wie für die Abnahme am fertigen System. Die übrigen Bass-Kategorien bewerten Abweichungen in Dezibel; hier ist der Kennwert eine Frequenz.
Diese Marke lag zuvor bei 6 dB. Sie war damals ohne äußeren Beleg gesetzt worden; RP22 liest bei 3 dB ab, und AVITECT folgt dem jetzt. Praktisch heißt das: Dieselbe Anlage bekommt eine höhere Grenzfrequenz zugeschrieben als vorher, weil der Abfall früher als erreicht gilt. Die Hertz-Werte der Leiter bleiben davon unberührt — sie stammen ohnehin aus RP22 und sind dort für genau diese Marke gedacht. Im Heimkino und in der HiFi-Wiedergabe gilt sie ab sofort; für Multiroom und Außenbereich steht der Wechsel noch aus, sodass ein Tiefgangswert derzeit die Angabe braucht, aus welchem Bereich er kommt.
Ein zweiter Vorbehalt begrenzt den Wert nach oben: Die Grenzfrequenz zählt nur, wenn das System an dieser Frequenz auch den Referenzpegel erreicht, ohne die Grenze für den Klirrfaktor aus der Pegelfähigkeit zu reißen. Eine Tiefe, die es nur bei Zimmerlautstärke gibt, beschreibt keine Fähigkeit der Anlage — sie beschreibt eine Messung.
Zwei Effekte trennen die Messung von der Datenblattangabe, und sie zeigen in verschiedene Richtungen.
Der erste hilft. In einem geschlossenen, kleinen und massiv gebauten Raum steigt der Pegel unterhalb der tiefsten Raummode wieder an — der Druckkammereffekt erklärt, warum. Das verlängert die nutzbare Tiefe eines Subwoofers oft um mehrere Hertz gegenüber seiner Angabe im Freifeld.
Der zweite schadet. Leichte Trockenbauwände, große Glasflächen und undichte Türen lassen tiefe Energie abfließen, und eine Mode kann ausgerechnet dort einen Einbruch erzeugen, wo die Kette sonst noch Reserve hätte. In solchen Räumen fällt die gemessene Grenzfrequenz höher aus als das Datenblatt vermuten lässt.
Den äußeren Anker liefert die CEDIA/CTA-Empfehlung RP22 mit ihrem Parameter 18, nachzulesen in Abschnitt 7.5 auf Seite 89 und wiederholt auf Seite 124. Die vier Hertz-Werte stimmen dort Zahl für Zahl mit der Leiter unten überein, und mit dem Entscheid vom vergangenen September auch das Ablesekriterium. Bei der Pegelbedingung stimmen beide ohnehin überein: RP22 verlangt die Grenzfrequenz beim Mindestpegel des LFE-Parameters, ohne wahrnehmbare Verzerrung und ohne hörbare mechanische Resonanzen. Damit steht diese Kategorie vollständig auf der Empfehlung — Zahlen, Marke und Pegelbedingung.
Warum das zählt — und warum nur mit Gewicht 5
Die Kategorie gilt nicht als kritisch und geht mit 5 Prozent in die Ton-Domäne ein. In der Sache ist sie die am besten abgesicherte Ton-Kategorie überhaupt: Über Messgröße, Verfahren und Gewicht gibt es hier keinen Streit.
Die niedrige Gewichtung hat einen sachlichen Grund. Tiefgang allein sagt wenig über die Qualität der Wiedergabe: Ein System, das bis 18 Hz hinunterreicht, dabei aber über die Sitzfläche stark streut oder lange nachschwingt, klingt schlechter als ein sauberes System mit 30 Hz Grenzfrequenz. Der Tiefgang öffnet nur den Bereich, in dem die anderen Kategorien überhaupt etwas zu bewerten haben.
Hörbar wird er trotzdem, und zwar an einer präzisen Stelle. Filmton legt tiefe Effekte im LFE-Kanal bis in den Bereich um 20 Hz an. Fehlt dieser Bereich, bleibt der hörbare Bass da; weg ist der körperlich spürbare Anteil darunter — Türknall, Erdbeben, tiefe Raumatmosphären wirken dann kleiner, ohne dass sich etwas falsch anhört. Genau deshalb fällt der Mangel im Vorführraum selten auf und im eigenen Kino nach zwei Wochen doch.
Die Leiter L1 bis L5
| Stufe | Untere Grenzfrequenz im Raum, abgelesen bei 3 dB Abfall |
|---|---|
| L5 | bis 18 Hz hinunter |
| L4 | bis 20 Hz hinunter |
| L3 | bis 30 Hz hinunter |
| L2 | bis 35 Hz hinunter |
| L1 | Grenzfrequenz oberhalb von 35 Hz, oder nicht gemessen |
Jede Stufe verlangt zusätzlich, dass der Referenzpegel an der Grenzfrequenz innerhalb dieser Klirrgrenze erreicht wird.
Die Leiter ist ungleichmäßig gestuft, und das ist Absicht. Zwischen L3 und L4 liegen zehn Hertz, zwischen L4 und L5 nur zwei. Der große Sprung in der Mitte markiert den Punkt, an dem ein einzelner Standard-Subwoofer in einem normalen Wohnraum an seine Grenze kommt; darunter wird Verdrängung gebraucht, also mehr oder größere Treiber. Die letzten zwei Hertz an der Spitze sind dagegen fast nur noch eine Frage des Verstärkungsreservoirs und der Raumdichtheit.
So lässt sich das planen
Diese Kategorie hängt in der Vorhersage an einer einzigen Zahl aus dem Datenblatt. Gebraucht werden die untere Grenzfrequenz des Subwoofers, abgelesen bei 3 dB Abfall, die Zahl der Geräte und die Auskunft, ob der Hörraum geschlossen ist oder zum Wohnbereich hin offen steht. Mehr geht in die Rechnung nicht ein.
Gerechnet wird vorsichtig. Die Datenblattfrequenz kommt unverändert auf die Leiter. Was ein geschlossener Raum unterhalb von 30 Hz von sich aus beisteuert — je nach Bauweise drei bis sechs Dezibel, in offenen Wohnräumen kaum etwas —, wird daneben als Aussicht notiert und nicht eingerechnet. Es kann die Stufe im fertigen Raum anheben; kaufen kann man sie damit nicht. Dieselbe Zurückhaltung gilt für die Kopplung an die Pegelfähigkeit: Ein Tiefgang, den es nur bei Zimmerlautstärke gibt, geht in die Vorhersage nicht ein.
An der Kategorie stehen zwei Kennzeichen. Planbar heißt hier mittel — es gibt eine dokumentierte Rechenregel, deren Unsicherheit bekannt ist, in diesem Fall die Streuung der Herstellerangaben und der ausgelassene Raumanteil. Messbar heißt ebenfalls mittel: Für den Nachweis braucht es ein Messmikrofon mit Auswertung am Rechner, aber kein Sondergerät. Aus der mittleren Planbarkeit folgt die Obergrenze der Vorhersage — L4. Die oberste Stufe verlangt den Nachweis im fertigen Raum und lässt sich aus keinem Prospekt herleiten. Nennt das Datenblatt gar keine Grenzfrequenz oder verschweigt es das Ablesekriterium, bleibt das Feld im Planungsprofil leer. Es erscheint der Vermerk „nicht prognostizierbar", und daneben steht, welche Angabe gefehlt hat. Geraten wird nicht.
Für die Abnahme bedeutet die mittlere Messbarkeit, dass diese Kategorie im Messpaket der Ton-Domäne liegt. Sie wird zusammen mit den anderen Kennwerten erhoben, die dasselbe Mikrofon brauchen, und kostet dann keinen eigenen Termin. Im Angebot steht zunächst der geplante Wert; der gemessene tritt an seine Stelle, sobald der Kunde die Abnahme beauftragt.
Wie sicher die Zahlen sind
Die vier Frequenzwerte stehen unverändert in RP22, dort als Parameter 18 auf Seite 89 und noch einmal in der Gesamttabelle auf Seite 124. Gelesen wurde die Fassung 1.2 im Volltext. Eine Referenz, die unterhalb von 18 Hz noch etwas verlangt, hat sich nicht finden lassen. RP22 führt daneben eine empfohlene Zeile mit 30, 25, 18 und 15 Hertz, die AVITECT nicht übernimmt.
Auch das Abfallkriterium ist geklärt: Es sind 3 Dezibel, wie in RP22. Vorher standen dort 6 Dezibel aus einer Hausfestlegung, die keinen äußeren Beleg hatte. Die Kopplung an den Referenzpegel deckt sich ebenfalls mit RP22. Damit trägt kein Wert dieser Kategorie mehr die Kennzeichnung als vorläufig.
Ein Anschlusspunkt bleibt: Multiroom- und Außenbereich-Systeme lesen den Tiefgang weiterhin bei 6 Dezibel ab. Solange das so ist, sind ihre Zahlen nicht unmittelbar mit den hier genannten vergleichbar.
Verknüpfte Inhalte
Wie Gehäusebauart und Abstimmung den Tiefgang eines Geräts festlegen, steht bei Bassreflex und geschlossenem Gehäuse und beim Subwoofer. Warum der Raum die Zahl verschiebt, erklären die Raummoden; wie tief Filmton überhaupt reicht, steht beim LFE-Kanal.
Wo diese Kategorie in der Gesamtwertung der Ton-Domäne steht, klärt Performance Level: Ton Mehrkanal. Die Bedeutung der Stufen L1 bis L5 erklärt Performance Level.
Quellen
Frequenzwerte, Abfallkriterium und Pegelkopplung folgen RP22 Parameter 18 (Seite 89 und 124, Fassung 1.2, im Volltext geprüft). Die Gewichtung kommt von AVITECT; sie wird derzeit geprüft.