Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

Symmetrie links/rechts am Hörplatz (Performance Level Akustik)

Wie gleich müssen linke und rechte Raumhälfte am Hörplatz sein — und ab welcher Pegeldifferenz liegt der Raum auf welchem Performance Level?

Kaum ein Wohnraum ist links und rechts gleich gebaut. Auf der einen Seite steht eine massive Wand, auf der anderen öffnet sich der Raum zur Küche; hier hängt ein Vorhang, dort steht ein Regal. Die Symmetrie links/rechts, im Register AKU-SYM, bewertet, was davon am Hörplatz ankommt: die Pegeldifferenz zwischen dem, was von links, und dem, was von rechts eintrifft. Gemessen wird sie als geglätteter Verlauf über der Frequenz — die Rohkurve zeigt an jeder einzelnen Frequenz Zacken aus Interferenzen, die niemand als Seitenungleichheit hört, deshalb wird über Frequenzbänder gemittelt, bevor die Differenz gebildet wird.

Bewertet wird dabei der Raum, nicht die Anlage: gleiche Lautsprecher, gleicher Abstand, gleiche Pegel vorausgesetzt. Was übrig bleibt, ist die Geometrie.

Deine beiden Ohren vergleichen ständig, was von links und was von rechts kommt. Daraus baut das Gehirn die Bühne vor Dir zusammen. Wenn der Raum auf einer Seite anders gebaut ist als auf der anderen, stimmt dieser Vergleich nicht mehr: Die Stimme, die genau in der Mitte stehen sollte, rutscht ein Stück zur Seite, und beim Film passen Bild und Ton nicht mehr recht zusammen. Deshalb schaut AVITECT darauf, wie ähnlich sich die beiden Raumhälften am Sitzplatz verhalten.

Warum die Zahl zählt

Stereo und Mehrkanalton stellen Klänge über den Vergleich beider Seiten in den Raum. Eine Stimme in der Mitte gibt es physikalisch gar nicht — sie entsteht daraus, dass links und rechts dasselbe Signal gleich laut ankommt. Ist eine Seite systematisch lauter, wandert die Mitte dorthin. Die Bühne steht dann schief, und zwar unabhängig davon, wie gut die Lautsprecher sind.

Der zweite Effekt ist unangenehmer, weil er nicht wie ein Fehler aussieht. Läuft die Differenz über der Frequenz auseinander — unten stimmt es, oben ist die rechte Seite leiser —, dann wandert die Abbildung je nach Instrument, statt geschlossen an einem Ort zu stehen. Das Ergebnis klingt diffus, und viele Hörer suchen die Ursache danach bei den Geräten.

Im Heimkino kommt die Bindung ans Bild dazu. Ein Dialog gehört zum Mund auf der Leinwand, ein Schwenk von links nach rechts soll gerade durchlaufen. Eine schiefe Bühne verschiebt beides gegen das Bild, und weil das Auge die Richtung vorgibt, fällt hier schon eine kleine Differenz auf. Mit 6 von 100 Punkten liegt die Symmetrie damit im unteren Mittelfeld der Akustik-Domäne — vorläufig, bis die Kalibrierung an Projekten den Wert bestätigt. Als kritische Kategorie wird sie nicht geführt: Eine asymmetrische Abbildung verschiebt das Ergebnis, sie verhindert die Nutzung des Raums nicht.

Was diese Kategorie nicht meint

Der Begriff Symmetrie steht im Ton für zwei verschiedene Dinge, und die Verwechslung ist die häufigste Rückfrage dazu. Gemeint ist hier allein die raumakustische Symmetrie: was die Geometrie und die Einrichtung mit dem Schall machen, bevor irgendein Gerät eingreift.

Davon getrennt bewertet AVITECT die Symmetrie der Kalibrierung — also ob Pegel, Laufzeiten und Entzerrung der Kanäle sauber aufeinander abgeglichen sind. Das ist eine Kategorie der Ton-Domäne und wird eigenständig gemessen. Die Trennung hat einen praktischen Grund: Ein Kanalpegel ist in Sekunden korrigiert, eine offene Raumseite nicht. Würde beides in einer Zahl stecken, ließe sich ein gebauter Mangel per Einmessung wegrechnen — auf dem Papier.

Die Leiter L1 bis L5

Angegeben ist jeweils die Pegeldifferenz zwischen linker und rechter Seite am Hörplatz, energetisch gemittelt über das Band 200 Hz bis 8 kHz und mit Terzglättung ausgewertet. Kalibriert an eigenen Projekten sind die Werte noch nicht.

LevelKriterium
L5höchstens 1,0 dB ◦ am Referenzsitz und höchstens 2,0 dB ◦ als P90 über alle Sitzplätze
L4höchstens 2 dB ◦ am Referenzsitz
L3höchstens 3 dB ◦
L2höchstens 4 dB ◦
L1über 4 dB oder nicht gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Die 4 dB auf L2 haben keinen eigenen Beleg. Sie entstehen, indem die Ein-Dezibel-Schrittweite nach unten fortgeschrieben wird, und gelten, bis die Kalibrierung an Projekten sie bestätigt.

Die Schritte betragen durchgehend ein Dezibel, und das ist die Untergrenze des Sinnvollen: Eine Differenzmessung zwischen links und rechts streut im Feld um etwa ein halbes Dezibel, je nach Mikrofonposition und Glättung. Halbe-Dezibel-Schritte ließen sich damit nicht mehr auseinanderhalten.

Band und Glättung sind entschieden: 200 Hz bis 8 kHz, Terzglättung. Diese Festlegung ist keine Nebensache — ohne sie ergibt dieselbe Messung je nach Auswertung verschiedene Zahlen, und zwei Messberichte lassen sich nicht vergleichen. Wer eine Differenz aus einem älteren Bericht mitbringt, braucht deshalb dessen Angaben zu Band und Glättung, bevor die Zahl in diese Leiter übertragen wird.

Wie sicher die Zahlen sind

Keine Stufe dieser Leiter hat eine Zahl aus einer Norm. L3 mit 3 Dezibel und L4 mit 2 Dezibel sind inzwischen ausdrücklich zu Setzungen von AVITECT erklärt worden; L2 schreibt die Ein-Dezibel-Schrittweite nach unten fort, L5 folgt mit 1,0 Dezibel dem strengeren der konkurrierenden Vorschläge.

Der frühere Anker für L3 und L4 ist dabei entfallen. Er verwies auf EBU Tech 3276 Abschnitt 2.5, und die dortige Zahl regelt etwas anderes: Sie begrenzt auf einen Dezibel die Differenz zwischen zwei eingemessenen Kanalpegeln, breitbandig und A-bewertet — also genau die elektroakustische Kalibrierung, die diese Kategorie ausklammert. Die raumakustische Anforderung des Dokuments steht in Anhang 2 Abschnitt 3 a) auf Seite 12 und kommt ohne Zahl aus: Der Raum soll genügend akustische Symmetrie zur Hörrichtung zeigen, wobei neben der Form auch die Absorption der Flächen zählt und die Flächen nahe den Lautsprechern am wichtigsten sind.

So lässt sich das planen

Symmetrie ist die billigste aller Akustikmaßnahmen, solange sie im Plan entsteht. Drei Größen entscheiden darüber, und alle drei stehen lange vor der ersten Messung fest: der Grundriss mit der Lage von Türen, Fenstern und Durchgängen zur Mittelachse, die Möblierung mit Regalen, Sofas und Vorhängen, und die Verteilung der Absorber, die auf beiden Raumseiten spiegelgleich sitzen sollte. Wer diese drei spiegelgleich hält, kommt ohne zusätzliche Bauteile in die Nähe der oberen Stufen — deshalb gilt die Kategorie als leicht planbar. Im Bestandsraum kippt das: Ist eine Seite offen, lässt sich die Symmetrie oft gar nicht mehr herstellen.

Wie die Zuordnung am Plan aussieht: Ein spiegelgleicher Grundriss mit spiegelgleich verteilter Absorption ergibt „L4 (geplant)"; ein Fenster oder eine Tür auf der einen Seite gegen eine geschlossene Wand auf der anderen ohne Ausgleich ergibt L2; wird die reflektierende Seite mit Absorbern ausgeglichen, L3. Weil die Stufe im Grundriss steht, hat die Prognose keine Obergrenze — die oberste Stufe mit 1,0 dB auf neun Plätzen von zehn bleibt trotzdem der Messung vorbehalten, denn sie hängt an Toleranzen, die kein Plan zeigt.

Zu messen ist sie mittelschwer. Nötig sind zwei getrennte Kanalmessungen an derselben Mikrofonposition und davor ein geprüfter Pegelabgleich der Endstufen. Ohne diesen Abgleich erscheint eine ungenaue Einmessung als Raumasymmetrie, und die Zahl bewertet dann das Falsche. Der Nachweis ist Teil des Messpakets Akustik; im Regelfall steht die Symmetrie als geplantes Level im Angebot.

Verknüpfte Inhalte

Wo die Symmetrie unter den zehn Akustik-Kategorien steht und mit welchem Anteil sie ins Domänenergebnis eingeht, zeigt die Übersicht Performance Level Akustik. Was ein Level überhaupt aussagt und was es bewusst offenlässt, steht bei Performance Level. Warum seitliche Rückwürfe im Kino gedämpft und im Stereo-Hören erhalten werden, behandeln die frühen Reflexionen; warum im Tiefton derselbe Sitzplatzunterschied aus Resonanzen statt aus der Seitengeometrie entsteht, die Raummoden.

Quellen

Schwellenwerte und Gewicht stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Im Original nachgeschlagen sind ITU-R BS.1116-3 (§ 8.3.4.1 und § 8.2.2.2) und EBU Tech 3276 (§ 2.5 und Anhang 2 § 3 a). Keines der beiden Dokumente belegt eine Stufe dieser Leiter: Alle fünf sind Setzungen von AVITECT.

Tastaturkürzel