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Sprachverständlichkeit (Performance Level Akustik)
Ab welchem STI-Wert versteht man Dialoge in einem Raum sicher — und welche Performance-Level-Stufe steht hinter welcher Zahl?
Ein Dialog, den Du dreimal zurückspulst, ist der häufigste Grund, warum jemand über seinen Raum nachdenkt. Die Sprachverständlichkeit, im Register AKU-STI, beziffert genau das: wie klar Sprache am Hörplatz ankommt, bevor irgendein Gerät nachhilft. Bewertet wird allein, was der Raum mit der Sprache macht — Einmessung, Entzerrung und Center-Abstimmung gehören in die Ton-Domäne und dürfen eine Stufe nicht mit erkaufen.
Wenn in Deinem Wohnzimmer jedes Wort nachhallt und der Fernseher gleichzeitig leise ist, verstehst Du Dialoge schlechter — nicht weil die Anlage zu schwach wäre, sondern weil der Raum die Sprache verschmiert. Dafür gibt es eine Messzahl zwischen 0 und 1. Je höher sie liegt, desto sicherer verstehst Du auch geflüsterte Sätze, ohne lauter zu drehen. AVITECT ordnet diese Zahl fünf Stufen zu, damit Du weißt, wo Dein Raum steht und was der nächste Schritt bringt.
Was gemessen wird
Die Kennzahl ist der Sprachübertragungsindex STI, ergänzt um das Klarheitsmaß C50; beide erklärt der Eintrag zur Sprachverständlichkeit. Für die Einstufung zählt der STI am Hörplatz, angegeben zwischen 0 und 1.
Zwei Randbedingungen gehören zur Zahl, sonst ist sie nicht vergleichbar. Erstens der Zustand: gemessen wird der Raum ohne aktive Korrektur. Zweitens der Ort: Ein einzelner guter Messpunkt reicht auf den oberen Stufen nicht. Gemessen wird an allen Sitzplätzen der Hörzone, mindestens aber an fünf gleichmäßig verteilten Positionen. Hat der Raum weniger als zehn Plätze, entscheidet der schlechteste.
Warum die Zahl zählt
Sprachverständlichkeit entscheidet darüber, ob Du dem Film folgen kannst oder ihn nur laut hörst. Steigt der Pegel, steigen Nachhall und Reflexionen mit — der Raum verschmiert dann genauso stark, nur lauter. Deshalb hilft Lautstärke gegen einen schwachen STI kaum.
Der zweite Punkt betrifft die Stimmen selbst. Geflüsterte Passagen, Nebensätze im Off, Dialoge unter Musik: Sie liegen dicht über dem Grundgeräusch des Raums, und genau dort frisst schlechte Sprachverständlichkeit die Information weg. Ein Raum, der laute Dialogszenen sauber wiedergibt, kann bei leiser Stimme trotzdem durchfallen.
Das Gewicht der Kategorie liegt bei 4 von 100 Punkten der Domäne, vorläufig und noch in Prüfung. Als kritisch gilt sie nicht: Ein schwacher STI schmälert das Erlebnis deutlich, verhindert die Nutzung des Raums aber nicht. Die Nachhallzeit, die frühen Reflexionen und der Ruhepegel wiegen schwerer — sie sind zugleich die Größen, die den STI überhaupt erst nach oben bringen.
Die Leiter L1 bis L5
| Stufe | STI am Hörplatz | Was das im Raum heißt |
|---|---|---|
| L5 | ab 0,75 ◦ als P90 über alle Sitzplätze | Neun von zehn Plätzen erfüllen den Wert, nicht nur der Referenzplatz |
| L4 | ab 0,70 ◦ | Auch Geflüstertes und Sprache unter Musik bleibt klar |
| L3 | ab 0,60 ◦, dazu C50 größer als 0 dB ◦ | Dialoge sind durchgängig sicher verständlich — der Schwellenwert für ernsthafte Wiedergabe |
| L2 | 0,45 ◦ bis unter 0,60 ◦ | Laute Sprache kommt an, leise Stimmen bleiben Glückssache |
| L1 | unter 0,45 ◦ oder nicht gemessen | Dialoge verlangen dauernde Konzentration; leise Passagen gehen verloren |
◦ Wert wird derzeit geprüft.
L1 ist die Restmenge unter L2. Der Sprung von L4 auf L5 liegt zur Hälfte in der Fläche: „P90 über alle Sitzplätze" heißt, dass neun von zehn Plätzen die 0,75 erfüllen — und nicht nur der Referenzplatz.
Die Untergrenze von L4 liegt bei 0,70, weil eine STIPA-Messung im Feld auf etwa 0,03 genau wiederholbar ist und der Abstand zu den 0,75 auf L5 damit eine echte Stufe hergibt. Ob die Grenze dort richtig sitzt, wird derzeit an Projekten geprüft.
Auf L3 kommt zum STI das Klarheitsmaß C50 dazu: Es muss über 0 dB liegen, die frühe Energie also überwiegen. Ein STI-Wert allein zeigt das nicht.
Für Räume, in denen praktisch nur Musik läuft, gilt die Kategorie als nicht anwendbar. Sie fallen nicht auf L1 — ein Raum ohne Sprachanteil kann bei einer Sprachkennzahl nicht durchfallen. Stattdessen sinkt die Höchstpunktzahl der Akustik-Domäne um das Gewicht dieser Kategorie; im Bericht steht dann, wie viele Kategorien überhaupt in die Wertung gegangen sind.
Eine Kategorie für alle Systemwelten
Sprachverständlichkeit wurde anfangs zweimal geführt: einmal für die Akustik, einmal als eigene Multiroom-Kategorie. Heute gibt es nur noch diese eine: AKU-STI ist die führende STI-Kategorie über alle Domänen hinweg.
Das ist keine Verwaltungsfrage. Ob Sprache in der Küche, im Bad oder im Kinoraum klar ankommt, hängt an denselben drei Größen: am Verhältnis von Direktschall und frühen Reflexionen zum späten Nachhall, am Grundgeräusch und an der Übertragung im Sprachbereich. Zwei Leitern für dieselbe physikalische Frage hätten für denselben Raum zwei verschiedene Antworten ergeben.
Für Multiroom-Räume verschiebt sich dabei nur der Anspruch, nicht das Verfahren: Ein Bad mit harten Flächen erreicht L3 selten, und das ist für seine Nutzung meist auch ausreichend.
So lässt sich das planen
Eigene Eingangsgrößen hat diese Kategorie nicht. Ihre Vorhersage entsteht aus zwei anderen Vorhersagen — der Nachhallzeit aus dem Akustikplan und dem Grundgeräusch aus der Lüftungsplanung — und dem Referenzpegel der Anlage. Die Rechnung dahinter stammt von Houtgast und Steeneken: Für jede Modulationsfrequenz wird bestimmt, wie viel von der Sprachmodulation Nachhall und Störgeräusch übrig lassen, und aus dieser Übertragung folgt der STI. Als Faustregel gilt: Bei einer Nachhallzeit unter 0,4 Sekunden und einem Störabstand über 20 dB liegt der STI über 0,7, also auf L4; bei 0,6 Sekunden um 0,6 und damit auf L3.
Mittel planbar heißt hier: Die Rechenregel ist dokumentiert, aber die Vorhersage kann nur so gut sein wie die beiden, aus denen sie entsteht. Steht eine davon auf n/p, weil etwa die Spektren der Lüftung fehlen, steht auch die Sprachverständlichkeit auf n/p. Die Prognose endet bei L4; ob neun von zehn Plätzen die 0,75 der obersten Stufe erreichen, zeigt erst die Messung. Nachgemessen wird mit einer STIPA-Messung am Hörplatz, mittlerer Aufwand, enthalten im Messpaket Akustik. Im Planungsprofil steht die Kategorie im Regelfall mit einem geplanten L3, in ruhigen Räumen mit kurzem Nachhall mit einem geplanten L4 — und sie ist die erste, die sich mitbewegt, wenn ein Akustikpaket die Nachhallzeit senkt.
Wie sicher die Zahlen sind
Ein Vorzug hat diese Leiter: Keine ihrer fünf Stufen ist aus einer Nachbarstufe fortgeschrieben, jede hat einen eigenen Wert.
Die Zahlen von L1 bis L3 und der 0,75er-Wert auf L5 stammen aus dem Klassenraster der IEC 60268-16, Anhang G. Diese Norm ist kostenpflichtig und liegt AVITECT bisher nicht im Volltext vor — sie ist damit die Schwachstelle der Leiter. Solange sie nicht am Original gelesen ist, werden alle STI-Werte dieser Leiter geprüft, und die Tabelle oben kennzeichnet sie entsprechend.
Die L4-Grenze und die C50-Bedingung auf L3 sind Setzungen von AVITECT und werden ebenfalls geprüft. Das Messraster für L5 dagegen steht: alle Sitzplätze der Hörzone, mindestens fünf gleichmäßig verteilte Positionen, und unter zehn Plätzen entscheidet der schlechteste. Damit ist die oberste Stufe prüfbar.
Verknüpfte Inhalte
Die Sprachverständlichkeit ist die Kategorie, die von den Ergebnissen der übrigen lebt — die vollständige Rechnung der Domäne steht bei Performance Level Akustik. Warum jede Domäne ihr eigenes Level behält, erklärt Performance Level. Die fachlichen Grundlagen zu STI und C50 stehen im Eintrag Sprachverständlichkeit.
Quellen
Stufenwerte, Gewicht und Messraster stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Die dort als Anker genannte Norm IEC 60268-16 ist nicht am Originaltext gelesen.