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Grundgeräuschpegel im Betriebszustand (Performance Level Akustik)

Wie leise muss ein Heimkino- oder Hörraum im laufenden Betrieb sein — und ab welchem Ruhepegel liegt der Raum auf welchem Performance Level?

Der Grundgeräuschpegel im Betriebszustand, im Register AKU-NOISE, bewertet eine Größe, die man erst bemerkt, wenn nichts spielt: wie laut der Raum von sich aus ist, während Lüftung, Klimatisierung, Heizung und die übrige Haustechnik in Betrieb sind. Genau das meint „Betriebszustand" — der Raum arbeitet, die Anlage schweigt. Was ein Grundgeräuschpegel ist und warum er sich anders als der Nachhall nicht wegdämpfen lässt, steht im Glossareintrag; wie aus einem ganzen Geräuschspektrum die eine Kennzahl NR 20 oder NCB 22 wird, erklären die Bewertungskurven für Grundgeräusch. Hier geht es darum, welcher gemessene Wert welches Level bedeutet.

Jeder Raum hat ein leises Rauschen, das immer da ist — die Lüftung, die Heizung, das, was durch die Wand kommt. Solange Musik oder ein Film läuft, hörst Du es nicht bewusst. Es schluckt aber alles, was leiser ist als dieses Rauschen: den Atem vor einem Satz, das ferne Geräusch am Bildrand, die letzte Sekunde eines ausklingenden Tons. Je stiller der Raum ist, desto mehr von dem, was in der Aufnahme steckt, kommt bei Dir überhaupt an — ohne dass die Anlage etwas anderes tun müsste.

Warum der Ruhepegel im Kino kritisch ist

Der erste Grund ist die Dynamik. Eine Filmmischung nutzt den Abstand zwischen der leisesten hörbaren Regung und dem lautesten Einschlag. Der Spitzenpegel hängt an Lautsprechern und Verstärkern, das untere Ende dagegen allein am Raum: Jedes Dezibel Ruhepegel schneidet ein Dezibel unten weg. Ein Raum bei NR 30 verschenkt gegenüber einem Raum bei NR 20 rund zehn Dezibel Dynamik, und zwar bei identischer Anlage.

Der zweite Grund ist die Stille als Gestaltungsmittel. Regie und Tonmischung arbeiten mit Pausen — der Moment vor dem Schnitt, das Anhalten des Atems, das Verklingen eines Raums in der Aufnahme. Solche Passagen leben davon, dass währenddessen wirklich nichts passiert. Liegt ein hörbares Lüftungsrauschen darunter, bleibt von der Pause eine Unterbrechung übrig, und die Spannung fällt in sich zusammen. Dasselbe gilt beim leisen Hören: Wer abends auf halber Lautstärke Musik hört, verliert genau die Details zuerst, für die die Anlage angeschafft wurde.

Der dritte Grund wiegt am schwersten und erklärt, warum diese Kategorie mit 11 von 100 Punkten der Domäne als kritisch geführt wird: Der Ruhepegel lässt sich nachträglich kaum verbessern. Absorber wirken auf den Nachhall, ein DSP wirkt auf das Signal — auf ein zu laut ausgelegtes Lüftungssystem wirkt beides nicht. Was hier fehlt, wird in der Rohplanung entschieden: Kanalquerschnitte, Luftgeschwindigkeit, Schalldämpfer, Lage der Geräte. Danach ist es teuer.

Der Raum und nicht die Anlage

AKU-NOISE bewertet ausschließlich den Raum samt seiner Gebäudetechnik. Das Eigengeräusch der Anlage selbst — Lüfter in Endstufen und Projektoren, Netzteilbrummen, Trafogeräusche — gehört zu einer eigenen Kategorie der Ton-Domäne, im Register TON-NOISE-SYS, und wird dort getrennt bewertet. Die Trennung hat einen praktischen Grund: Beide Anteile addieren sich am Hörplatz zwar zu einem einzigen Messwert, sie haben aber verschiedene Verantwortliche und verschiedene Hebel. Der eine liegt beim Gebäude und bei der Lüftungsplanung, der andere bei der Gerätewahl und dem Aufstellort. Ein Raum kann also bei der Haustechnik ausgezeichnet abschneiden und trotzdem hörbar rauschen, weil die Endstufen im Hörraum stehen.

Für die Messung heißt das: Aufgenommen wird über das Oktavspektrum von 31,5 Hz bis 8 kHz, mit laufender Gebäudetechnik — Lüftung, Kühlung, Projektor, Netzteile, Beleuchtung — und mit eingeschalteter, aber stummgeschalteter Wiedergabekette. Ausgeschaltet wird sie nicht, denn im Betrieb steht sie ja auch an. Gewertet wird der Referenzhörplatz; die übrigen Sitzplätze werden mitgemessen und im Bericht dokumentiert.

Wie viel davon auf das Konto der Elektronik geht, zeigt eine zweite Messung: nach einer halben Stunde Betrieb unter Signal, mit den Lüftern im dann tatsächlichen Zustand. Die Differenz zur ersten Messung ist der Anteil der Anlage. Bleibt sie unter 0,5 Dezibel, ist der Anteil im Rauschen des Raums nicht mehr aufzulösen, und die Anlage erfüllt in ihrer eigenen Kategorie die beiden obersten Stufen. Was von außen hereindringt, hängt an der Schalldämmung des Raums und hat ebenfalls eine eigene Kategorie.

Diese Aufteilung in Raumanteil und Geräteanteil ist eine Konstruktion von AVITECT. Weder CEDIA/CTA-RP22 noch die Rundfunkdokumente kennen sie: Sie messen einen einzigen Raumgesamtwert mit allem in Betrieb. Wer eine AVITECT-Bewertung neben einen Messbericht nach diesen Dokumenten legt, vergleicht deshalb zwei verschieden zugeschnittene Größen.

In welcher Kennzahl bewertet wird

Für Grundgeräusch gibt es mehrere Kurvenfamilien, und sie ergeben für dasselbe Spektrum verschiedene Zahlen. Die Leiter führt die NR-Kennzahl, ausgewertet nach dem Tangentenverfahren über das Oktavspektrum.

Zwei Gründe sprechen dafür. Die strengsten belegten Stufen existieren nur in NR; für die oberen Stufen führt an der Kurvenfamilie ohnehin kein Weg vorbei. Und das Tangentenverfahren kommt mit einem gewöhnlichen Oktavspektrum aus, während NCB zusätzliche Prüfungen auf Dröhnen und Zischen verlangt.

NCB bleibt Alternativkennzahl für Messberichte aus dem Umfeld der CEDIA/CTA-RP22. Damit ein solcher Bericht einzuordnen ist, braucht es eine belegte Umrechnung; die Näherungswerte in der Tabelle unten sind Orientierung und ersetzen sie nicht.

Dass AVITECT überhaupt eine andere Kennzahlfamilie verwenden darf, hat inzwischen eine belegte Grundlage. Abschnitt 8.5 von RP22 auf Seite 99 verlangt zwar NCB nach ANSI S12.2-2008, lässt eine andere Kennzahl aber ausdrücklich zu — unter zwei Bedingungen: Sie muss über den Frequenzbereich üblicher Haushaltsgeräusche vergleichbar aussagen, und Verfahren wie Ergebnis müssen angemessen dokumentiert sein. Die zweite Bedingung ist eine Auflage an jeden Messbericht, der in NR ausgestellt wird.

Die Leiter L1 bis L5

Niedrigere Zahlen bedeuten leisere Räume:

LevelKriterium
L5NR 10
L4NR 15
L3NR 20 (rund NCB 22 ◦)
L2NR 25 (in der NCB-Familie rund NCB 26 ◦)
L1über NR 25 oder nicht gemessen

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Die Zahlen sind Kennzahlen von Bewertungskurven und keine einzelnen Pegelwerte: NR 20 heißt, dass das gemessene Spektrum in keinem Oktavband über der Kurve NR 20 liegt. Im Oktavband um 1 kHz nennt die Kennzahl unmittelbar den zulässigen Pegel, dort sind zehn NR-Punkte also zehn Dezibel; zu den Bandenden hin laufen die Kurven auseinander, und der Abstand fällt anders aus. Der Ankerpunkt der oberen Stufen kommt aus den Anforderungen an kritische Hörräume. Beide Zahlen stehen dort wörtlich: NR 10 und NR 15, bei der Internationalen Fernmeldeunion in ITU-R BS.1116-3 § 8.3.4.2 auf Seite 15, bei der Europäischen Rundfunkunion in EBU Tech 3276 § 2.6 auf Seite 8. Beide Dokumente liegen im Original vor; AVITECT zieht sie als Referenz für den Kinoraum heran.

Eine Verschiebung gegenüber den Quellen gehört dazu: In beiden Dokumenten ist NR 10 der Regelwert, den ein Abhörraum halten soll, und NR 15 die Grenze, die er „unter keinen Umständen" überschreiten darf. Diese Leiter macht daraus zwei aufeinanderfolgende Stufen. L4 ist damit keine gute Nachricht im Sinne der Rundfunkdokumente, sondern deren Untergrenze.

Wie die beiden Kurven aussehen, gibt EBU Tech 3276 in Tabelle 1 auf Seite 8 als Zahlen an — zulässiger Oktavbandpegel in Dezibel:

OktavbandNR 10 (L5)NR 15 (L4)
31,5 Hz62,265,6
63 Hz43,447,3
125 Hz30,735,0
250 Hz21,325,9
500 Hz14,519,4
1 kHz10,015,0
2 kHz6,611,7
4 kHz4,29,3
8 kHz2,37,4

Bei 1 kHz nennt die Kennzahl den Pegel unmittelbar — dort liegen genau fünf Dezibel zwischen den beiden Kurven. Im Bass rücken sie enger zusammen: Bei 31,5 Hz trennen sie noch 3,4 Dezibel. Ein Sprung um fünf NR-Punkte bedeutet also je nach Frequenzbereich verschieden viel.

Die Sprünge von Stufe zu Stufe sind im Aufwand ungleich verteilt: Von NR 25 auf NR 20 kommt man oft mit Schalldämpfern und einer langsameren Auslegung der Luftgeschwindigkeit. NR 10 dagegen liegt in einer Größenordnung, in der die Haustechnik das Gebäude praktisch verlassen muss und in der jede verbleibende Schallbrücke zählt.

So lässt sich das planen

Der Ruhepegel eines Raums steht in der Lüftungsplanung, lange bevor ein Mikrofon aufgestellt wird. In die Vorhersage gehen die Schallleistungspegel der Luftauslässe je Oktave aus dem Datenblatt, die Kanalführung mit ihren Schalldämpfern, das Lüftergeräusch des Projektors und der Endstufen und der Außenlärm, der über die Bauteildämmung hereinkommt. Aus all dem wird je Oktave der Summenpegel am Referenzsitz gerechnet, mit Abstandskorrektur je Quelle und der Dämpfung des Raums; die NR-Kurve, die dieses Spektrum gerade noch einhält, ergibt die Stufe. Zwei Faustwerte daraus: Ein Raum ohne Lüftung, ohne Projektor und ohne Außenlärm kommt rechnerisch auf NR 15 bis 20, also auf L3 bis L4. Ein Projektor im Raum kostet gegenüber der Aufstellung im Nebenraum eine Stufe, auch wenn sein Datenblatt unter 25 dB(A) bleibt.

Die Kategorie ist mittel planbar: Die Rechnung ist bekannt, aber viele Hersteller nennen nur einen A-bewerteten Einzelwert und kein Oktavspektrum, und dann bleibt die Zuordnung zur NR-Kurve unsicher. Weiter als L4 kommt die Prognose deshalb nicht; NR 10 verlangt die Messung im fertigen Raum. Fehlen die Spektren der Luftauslässe oder des Projektors, bleibt die Kategorie im Planungsprofil auf n/p, mit dem Hinweis, welche Angabe fehlt — die Oktavspektren der üblichen Auslässe und Projektoren sammelt AVITECT dafür in einer Kennwertliste. Messbar ist der Ruhepegel dagegen leicht: Ein Schallpegelmesser mit Oktavfilter am Referenzsitz genügt. Sein Nachweis gehört deshalb zum Standardumfang jeder Übergabe und braucht kein eigenes Messpaket. Im Regelfall steht der Grundgeräuschpegel im Planungsprofil auf L3 oder L4, jeweils als geplantes Level, und wird bei der Übergabe ohne Aufpreis nachgemessen — die einzige Akustik-Kategorie, bei der das gemessene Level fast von selbst entsteht.

Wie sicher die Zahlen sind

Diese Kategorie ist die bestbelegte der Akustik-Domäne. Keine ihrer Stufen ist aus einer Nachbarstufe fortgeschrieben.

Für L4 und L5 liegen zwei Primärquellen im Original vor: ITU-R BS.1116-3 § 8.3.4.2 und EBU Tech 3276 § 2.6 nennen NR 15 und NR 10 wörtlich, in derselben Kurvenfamilie, mit derselben Messhöhe im Hörbereich. L2 und L3 sind ebenfalls belegt, allerdings aus anderer Quelle und in NCB: Die beiden Rundfunkdokumente führen nur die Kurven NR 10 und NR 15 und kennen NR 25 und NR 20 nicht. Zusammen mit der Sprachverständlichkeit ist das trotzdem die einzige Kategorie der Domäne, in der auch L2 einen belegten Wert hat.

Offen ist allein die Wahl der Kennzahlfamilie. Die NCB-Angaben in Klammern sind Orientierung ohne eigenen Beleg; sie ersetzen keine Umrechnung.

Die Gegenprobe an CEDIA/CTA-RP22 lässt sich seit dem 2026-09-04 führen. Dessen Parameter 15 setzt für den Raum NCB 35, 26, 22 und 18 als Höchstwerte, gemessen mit allen Geräten und der Gebäudetechnik in Betrieb. Verglichen mit der Leiter oben — NR 25, 20, 15 und 10 — stehen damit zwei Zahlenreihen in zwei Kurvenfamilien nebeneinander, und ob sie denselben Anspruch beschreiben, lässt sich ohne Umrechnung nicht sagen. RP22 selbst liefert sie nicht; seine NCB-Kurvenschar in Anhang C.2 liegt nur als Grafik vor. Der Widerspruch zur NC-Linie der Filmindustrie bleibt damit ebenfalls stehen: RP22 rechnet in NCB, SMPTE RP 141 in NC.

Die Filmindustrie bewertet dieselbe Größe in einer anderen Kurvenfamilie. Die SMPTE-Praxisempfehlung RP 141:2020 zum Ruhepegel in Kinosälen und Abnahmeräumen nennt NC-Kurven statt NR: NC-20 bis NC-25 für den Abnahmeraum, NC-25 oder besser für den regulären Kinosaal. Eine Umrechnungstabelle zwischen NC, NCB und NR enthält die Norm nicht — die drei Kurvenfamilien gewichten Frequenzen unterschiedlich und lassen sich deshalb nicht direkt ineinander übersetzen. Am NR-Entscheid dieser Leiter ändert das nichts; die SMPTE-Werte stehen als eigene Einordnung daneben, weder als Bestätigung noch als Widerspruch.

Als Daumenregel für den Mittenbereich zwischen 500 Hz und 2 kHz gilt NR ≈ NC + 2: NC-25 entspricht dort etwa NR 27, liegt also knapp oberhalb der L2-Schwelle dieser Leiter. Zu tiefen Frequenzen hin lässt NR mehr zu als NC, und dort stimmt die Regel nicht mehr. Sie ist eine Einordnung für den Blick auf einen fremden Messbericht und keine Umrechnung — die gehört aus den veröffentlichten Kurvendefinitionen gerechnet und steht noch aus.

Bei der Messbedingung kommt eine zweite Abweichung hinzu. RP 141 misst mit ausgeschalteter Wiedergabekette, diese Leiter dagegen mit eingeschalteter, aber stummgeschalteter Kette. Im Messwert steckt damit auch das Standby-Rauschen der Elektronik; herausgerechnet wird es über die zweite Messung nach 30 Minuten Betrieb. Beide Verfahren ergeben deshalb keine direkt vergleichbaren Zahlen, auch wenn sie dieselbe Größenordnung beschreiben.

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Mit 11 von 100 Punkten der Domäne steht der Ruhepegel im Mittelfeld der Akustik-Kategorien; diese Zahl wird derzeit geprüft, und die ganze Rechnung führt Performance Level Akustik. Warum jede Domäne ihr eigenes Level behält und es keinen Gesamtwert gibt, erklärt Performance Level. Die physikalische Grundlage liefern der Grundgeräuschpegel und die Bewertungskurven für Grundgeräusch.

Quellen

Schwellenwerte und Gewicht stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. ITU-R BS.1116-3 (§ 8.3.4.2, Seite 15, Kurven Fig. 3 und Fig. 4) und EBU Tech 3276 (§ 2.6 mit Tabelle 1, Seite 8) sind am Original gelesen; von dort stammen die Werte auf L4 und L5 sowie die Oktavbandtabelle oben. Die SMPTE-Praxisempfehlung RP 141:2020 zum Ruhepegel in Kinosälen und Abnahmeräumen ist ebenfalls im Volltext gelesen; von dort stammen die NC-Werte und die Angabe, dass sie mit ausgeschalteter Wiedergabekette gemessen sind.

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