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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026

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Fortgeschritten

DM NVX (Crestron)

Wie verteilt Crestrons DM NVX Bild, Ton und USB über ein gewöhnliches Gigabit-Netz — und was verlangt das vom Netzwerk im Haus?

DM NVX ist Crestrons Verfahren, Bild, Ton und USB über ein gewöhnliches Gigabit-Netz zu verteilen. An jeder Quelle sitzt ein Encoder, der das HDMI-Signal in Netzwerkpakete umsetzt, an jedem Bildschirm ein Decoder, der daraus wieder ein HDMI-Signal macht. Dazwischen steht ein Switch. Welche Quelle auf welchem Bildschirm läuft, entscheidet die Steuerung, indem sie dem Decoder sagt, welchem Strom er zuhören soll.

Stell Dir vor, der Blu-ray-Player, die Spielkonsole und die Fernsehbox stehen alle im Technikraum. Jeder Fernseher im Haus soll sich aussuchen können, was er zeigt. DM NVX schickt das Bild dafür über die Netzwerkkabel, die ohnehin in jedem Raum liegen. An jedem Gerät sitzt ein kleiner Kasten, der übersetzt. Damit das zuverlässig klappt, muss der Verteiler im Technikschrank aber genau dafür eingerichtet sein, sonst ruckelt es oder das Bild bleibt schwarz.

Das zugrunde liegende Problem

Bis DM NVX kam, verteilte Crestron Bild mit DigitalMedia: einer Kreuzschiene im Technikraum und einer eigenen Leitung zu jedem Ziel. Die Strecke dorthin, DigitalMedia 8G+, baut auf der HDBaseT-Spezifikation auf und überträgt Full HD bis 4K unkomprimiert, über Kupfer bis 100 Meter, über Glasfaser deutlich weiter. Das Bild kommt so an, wie es die Quelle verlassen hat. Die Anlage hat dafür eine feste Größe: Das Gehäuse der Kreuzschiene bestimmt, wie viele Quellen und Ziele es gibt, und der nächste Bildschirm kostet unter Umständen eine größere Kreuzschiene.

DM NVX löst diese Größengrenze, indem es die Schaltaufgabe ins Netz verlegt. Ein weiteres Ziel ist ein weiterer Decoder an einem weiteren Switchport. Dafür muss das Bild in einen Gigabit-Anschluss passen, und das geht nur komprimiert. Warum das so ist und welche Verfahrensklassen es gibt, steht bei AV over IP und Videokompression im Transport.

Funktionsweise

Encoder und Decoder. Viele Geräte der Familie lassen sich wahlweise als Encoder oder als Decoder betreiben; die Betriebsart wird am Gerät, im Browser oder über die Steuerung umgestellt. Daneben gibt es reine Encoder und reine Decoder, Einschubkarten für Gehäuse und eine Software, die einen Rechner zum Encoder oder Decoder macht. Ein Decoder wählt, welchen Encoder im Netz er zeigt; Geräte mit eigenen HDMI-Eingängen schalten im Decoderbetrieb zusätzlich zwischen Netzstrom und diesen Eingängen um.

Kompression und Verzögerung. Den Standard-Stromtyp der 4K-Geräte nennt Crestron Pixel Perfect Processing. Für diesen Weg gibt Crestron eine Ende-zu-Ende-Verzögerung von weniger als einem Vollbild an; das ist eine Herstellerangabe, eine unabhängige Messung liegt nicht vor. Die Geräte verarbeiten nach Crestron bis 4K mit 60 Hz und voller Farbauflösung (4:4:4). Welches Kompressionsverfahren dahinter steckt, nennt Crestron in der Gerätedokumentation nicht. Die Bitrate stellt der Fachbetrieb am Encoder ein. Wie weit sie für 4K mit 60 Hz mindestens reichen muss und was unterhalb davon passiert, steht bei AV over IP.

Jeder Strom ist Multicast. Ein Encoder sendet seinen Strom an eine Gruppenadresse, und jeder Decoder, der diese Quelle zeigen soll, meldet sich dort an. Crestron legt DM NVX grundsätzlich so aus, auch wenn nur ein einziger Decoder zuhört. Was das für den Switch heißt, erklärt Multicast und IGMP. Für die Anlage folgt daraus ein Adressplan: Jeder Encoder bekommt eine eigene Gruppenadresse, und Geräte, die zusätzlich Ton, eine Mehrbildansicht oder einen Zweitstrom senden, belegen weitere Adressen direkt dahinter.

Ton und USB. Der Ton läuft im Bildstrom mit und lässt sich zusätzlich als eigener AES67-Strom abgreifen. Darüber kommt der Ton eines Zuspielers in Crestrons Tonverteilung DM NAX oder an andere Geräte, die AES67 sprechen. USB lässt sich mit dem Bild oder getrennt davon schalten. So arbeiten Maus und Tastatur an einem Bildschirm in einem anderen Raum mit einem Rechner im Technikraum.

Verschlüsselung. Die Ströme sind verschlüsselt, die Geräte authentifizieren sich mit Zertifikaten, und am Switch-Port lässt sich eine Anmeldung nach 802.1X verlangen. Kopiergeschützte Inhalte durchlaufen die Strecke mit HDCP.

Verwaltung. Bei mehr als etwa 20 Endpunkten empfiehlt Crestron eine eigene Verwaltungseinheit, den DM NVX Director. Er zeigt alle Quellen und Ziele in einer Übersicht, teilt sie in Domänen für Räume oder Etagen und vermittelt zwischen Steuerprozessor und Endpunkten. In einem Wohnhaus übernimmt die Steuerung, etwa unter Crestron Home, das Umschalten; der Director betrifft vor allem große Anlagen.

Voraussetzungen

Crestron formuliert die Anforderungen an das Netz als Pflichtliste. Die Prinzipien dahinter stehen in den verlinkten Einträgen, hier steht, was Crestron für DM NVX konkret verlangt:

  • Ein Gigabit-Port je Gerät an einem Switch mit nichtblockierender Backplane und Layer-3-Funktion. Der Switch muss die volle Gigabit-Last in beide Richtungen auf allen Ports gleichzeitig verarbeiten können. Crestron warnt ausdrücklich davor, das bei einem Switch oder seiner Werkseinstellung vorauszusetzen.
  • IGMP-Snooping, ein Querier und Fast-Leave. Snooping in der Fassung 2 ist der Standard, Fassung 3 wird unterstützt, eingeschaltet auf allen Switches. Mindestens ein Switch im DM-NVX-Netz arbeitet als Querier; sind es mehrere, übernimmt der mit der niedrigsten IP-Adresse. In großen Netzen verlangt Crestron zusätzlich PIM Sparse Mode.
  • Ein eigenes Netzsegment. Der DM-NVX-Verkehr wird über eigene Hardware, ein VLAN mit eigenem Subnetz oder MPLS vom übrigen Netz getrennt. Das Segment braucht trotzdem Zugang zu Adressvergabe, Namensauflösung und gegebenenfalls zur Anmeldung nach 802.1X; wo eine IT-Abteilung zuständig ist, wird das mit ihr abgestimmt.
  • Priorität. DM-NVX-Ströme und IGMP-Verkehr bekommen eine hohe 802.1p-Priorität, übriger Verkehr eine niedrigere; Crestron nennt als Beispiel 5, 6 oder 7 gegen 0 bis 4. Der IGMP-Verkehr bekommt die höchste Stufe, und jede Verkehrsart im Netz gehört in die Einstellung (QoS).
  • Uplinks nach Rechenregel. Zwischen Switches plant Crestron 1 Gbit/s je Gerät ein. Für den Kern zählt die kleinere der beiden Zahlen aus Encodern und Decodern, für den Randswitch die größere; jeder USB-Extender kommt mit einem weiteren Gigabit dazu, weil USB 2.0 allein bis zu 480 Mbit/s belegen kann. Crestrons eigenes Beispiel: Ein Switch mit 48 Ports und 40 Gbit/s Uplink, einem oder vier zu je 10 Gbit/s, bedient höchstens 40 DM-NVX-Geräte ohne Engpass.
  • Leitung. Kupfer ab Cat 5e mit RJ-45 nach den Regeln der strukturierten Verkabelung, also 90 Meter fest verlegt plus 10 Meter Patchkabel, oder Glasfaser mit LC-Steckern über einen SFP-Transceiver. Einige Geräte lassen sich über PoE versorgen.

Für eine Reihe von Switches stellt Crestron geprüfte Konfigurationsdateien bereit. Welche Switches dazugehören, ändert sich mit dem Angebot der Netzwerkhersteller und gehört in die Geräteplanung.

In der Planung

Ein Haus mit sechs Quellen im Technikraum und zehn Bildschirmen; an zwei Arbeitsplätzen sollen Maus und Tastatur einen Rechner im Technikraum bedienen. Die Encoder hängen am Kernswitch im Technikraum, alle zehn Decoder und die beiden USB-Extender an einem Randswitch im Etagenverteiler.

Nach Crestrons Rechenregel braucht der Kern 6 × 1 Gbit/s für die kleinere Seite, die Encoder, plus 2 × 1 Gbit/s für die USB-Extender, also 8 Gbit/s. Für den Randswitch zählt die größere Seite, die Decoder: 10 × 1 Gbit/s plus 2 × 1 Gbit/s, also 12 Gbit/s (eigene Rechnung nach Crestrons Regel). Eine einzelne 10-Gbit/s-Verbindung zwischen Technikraum und Etagenverteiler reicht dafür schon rechnerisch nicht; es braucht zwei davon oder eine schnellere. Das entscheidet, wie viele Glasfasern beim Rohbau ins Leerrohr kommen, oder ob die Decoder auf zwei Randswitches verteilt werden.

Im Kinoraum stellt sich zusätzlich die Frage, ob der Projektor überhaupt am Netz hängen muss oder eine direkte Strecke bekommt; die Abwägung steht bei Videokompression im Transport.

Abgrenzung

Gegen DigitalMedia. DigitalMedia schaltet in einer Kreuzschiene und überträgt unkomprimiert über eine Punkt-zu-Punkt-Strecke auf HDBaseT-Grundlage; die Größe der Anlage steht mit dem Gehäuse fest. DM NVX schaltet im Netz, komprimiert und wächst mit der Zahl der Switchports. Welche Wege es gibt, eine bestehende DigitalMedia-Anlage mit DM NVX zu verbinden, ist eine Frage an die Gerätedaten beider Familien.

Gegen HDBaseT. Eine einzelne HDBaseT-Strecke verbindet genau zwei Geräte und lässt sich nicht über einen Switch führen. DM NVX ist Netzwerkverkehr und braucht den Switch.

Gegen DM NAX. DM NAX verteilt nur Ton, auf AES67-Grundlage. DM NVX verteilt Bild und gibt seinen Ton als AES67-Strom an DM NAX weiter. Beide können im selben Netz laufen, ihre Netzregeln unterscheiden sich aber: DM NAX priorisiert nach DSCP und braucht eine gemeinsame Uhr, DM NVX nach 802.1p. Was im gemeinsamen Netz gilt, steht bei DM NAX.

Gegen andere AV-over-IP-Verfahren. Crestron beschreibt das Zusammenspiel nur innerhalb der eigenen Familie, und selbst dort nicht für jede Gerätekombination (siehe Grenzen). Wie sich die Verfahren am Markt nach Kompressionsklasse sortieren, steht bei AV over IP.

Grenzen

Nicht jedes Gerät der Familie spricht mit jedem. Ältere und kleinere Encoder und Decoder der Familie arbeiten mit einem eigenen Stromtyp. Soll ein 4K-Encoder einen solchen Decoder beliefern, muss der Encoder auf dessen Stromtyp umgestellt werden, und die Auflösung darf die des Decoders nicht übersteigen. Damit sieht in diesem Fall jeder Decoder an diesem Encoder nur noch das kleinere Format. Welche Geräte zusammenpassen, ist eine Frage an die Gerätedaten.

Das Netz ist Teil der Bildkette. Ein Switch ohne Snooping schickt jeden Strom an alle Ports und kann so alle Verbindungen auslasten; warum auch ein fehlender Querier zu Ausfällen führt, steht bei Multicast und IGMP. Ein zu knapper Uplink wird zum Engpass. Ein Fehler in der Switch-Konfiguration zeigt sich als Bildfehler. Wer DM NVX betreibt, braucht deshalb jemanden, der Switch und Bildverteilung gemeinsam betreut.

Die Bildqualität ist nur vom Hersteller beschrieben. Bei der Einführung von Pixel Perfect Processing 2019 erklärte Crestron, das Bild sei von einer direkten Leitung nicht zu unterscheiden. Das ist eine Herstellerangabe. Ob der Unterschied auf einer großen Leinwand bei kurzem Sitzabstand sichtbar wird, beantwortet nur ein Vergleich am Objekt.

Kompatible Produkte und Plattformen

DM NVX lässt sich unter Crestron Home und in frei programmierten Crestron-Anlagen steuern. Zur Familie gehören Encoder, Decoder, umschaltbare Geräte, Einschubkarten, ein Software-Endpunkt und die Verwaltungseinheit.

Verknüpfte Inhalte

Die Grundlagen der Bildverteilung über das Netz stehen bei AV over IP, die Kompressionsverfahren und ihre Verzögerung bei Videokompression im Transport. Wie Gruppenströme im Switch verteilt werden, erklärt Multicast und IGMP, wie man ein Netz trennt, VLAN und Subnetz. Die Tonverteilung von Crestron behandelt DM NAX, die Gerätefamilie dazu die Serie DM NAX. Die Voraussetzung im Haus beschreibt Heimnetzwerk-Grundlagen, die Unterbringung von Switches und Encodern Technikraum für AV-Technik. Zur Marke führt Crestron.

Quellen

Stand Oktober 2026. Funktionsweise, Verzögerungsangabe, Ton und USB stammen aus Crestrons Übersicht zu DM NVX, die Netzanforderungen und die Rechenregel für Uplinks aus Crestrons Leitfaden zum Netzwerkdesign, Betriebsarten, Stromtypen und Verschlüsselung aus der Spezifikation eines 4K-Geräts der Familie. Die Angaben zu DigitalMedia 8G+ stammen von Crestrons Produktseite einer DigitalMedia-Kreuzschiene, die zum Verwaltungsgerät aus Crestrons Blog vom Juli 2025. Die Aussage zur Bildqualität gibt Crestron in einem Fachpressebericht von 2019 wieder. Die Uplink-Zahlen im Planungsbeispiel sind mit Crestrons Regel gerechnet.

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