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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026

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Fortgeschritten

DM NAX (Crestron)

Wie verteilt Crestron mit DM NAX Ton über das Hausnetz — und was muss das Netzwerk dafür können?

DM NAX ist Crestrons Verfahren, Ton über das Ethernet im Haus auf viele Räume zu verteilen. Jedes Gerät im System kann Quellen als Netzströme aussenden und Ströme anderer Geräte empfangen. Eine Zone spielt den Strom, dem sie zugeordnet ist, egal wo im Haus die Quelle steckt. Die Grundlage ist der Standard AES67. Welche Geräte zur Familie gehören und welches wohin passt, steht auf der Seite der Gerätereihe Crestron DM NAX.

Früher stand für Musik im ganzen Haus ein großer Verstärker im Keller, und von dort lief zu jedem Raum ein eigenes Lautsprecherkabel. Bei DM NAX läuft die Musik durch dasselbe Netzwerkkabel, das auch Computer und Fernseher verbindet. Jedes Gerät kann Musik ins Netz schicken und Musik aus dem Netz abholen, ähnlich wie Radiosender und Radios. Für Dich heißt das: Ein neuer Raum braucht keinen neuen Kabelweg in den Keller, aber das Netzwerk im Haus muss dafür gut eingerichtet sein.

Das zugrunde liegende Problem

Eine klassische Tonverteilung hat einen festen Mittelpunkt. Ein Matrixverstärker im Technikraum nimmt alle Quellen auf, schaltet sie auf seine Ausgänge, und von jedem Ausgang führt eine Lautsprecherleitung in eine Zone. Damit liegen zwei Grenzen fest: Die Zahl der Zonen ist die Zahl der Ausgänge, und jede Quelle muss bis zum Technikraum kommen. Der Plattenspieler im Wohnzimmer braucht eine Leitung in den Keller, damit er in der Küche zu hören ist.

DM NAX verlegt die Aufgabe der Matrix in das Netzwerk. Quelle und Lautsprecher hängen jeweils an einem Gerät in ihrer Nähe, und welche Quelle in welcher Zone spielt, ist eine Zuordnung im Netz statt einer Leitung. Was Ton über Netzwerke grundsätzlich verlangt, erklärt Audio over IP.

Funktionsweise

Quellen werden zu Netzströmen

Ein DM-NAX-Gerät arbeitet als Sender, als Empfänger oder als beides zugleich. Ein Zonenverstärker etwa kann seine analogen und digitalen Eingänge und die Musik seiner eingebauten Streaming-Player ins Netz schicken und gleichzeitig Ströme anderer Geräte für seine eigenen Zonen abholen. Eine Wandplatte schickt das Signal einer Quelle im Raum ins Netz, ein Verstärker in einem anderen Stockwerk spielt es ab.

Jeder Sendestrom bekommt eine eigene Gruppenadresse im Netz, eine sogenannte Multicast-Adresse. Ein Empfänger meldet sich für die Adresse an, die er hören will, und der Switch liefert den Strom nur an die angemeldeten Ports. Wie diese Anmeldung funktioniert, steht unter Multicast und IGMP. Doppelt vergeben werden darf keine Adresse. Die Vergabe übernimmt die Einrichtungsfunktion in der Weboberfläche der Geräte oder, in einer Anlage mit Crestron Home, der Steuerprozessor für das ganze System.

Zonen hören den Strom, den sie brauchen

Eine Zone ist bei DM NAX ein Ausgang mit eigener Lautstärke, an dem Lautsprecher hängen. Jede Zone hat ihren eigenen Streaming-Player, sodass in jedem Raum ein anderer Dienst laufen kann, ohne dass dafür ein Zuspieler im Technikraum steht. Zonen lassen sich fest koppeln, etwa benachbarte Zonen, die immer zusammen spielen sollen, oder vorübergehend zu einer Gruppe zusammenfassen, die dasselbe spielt. Gruppieren ist dabei eine Handlung: Die Zonen bleiben getrennt, bis jemand sie zusammenlegt.

Eine Uhr für alle Geräte

Damit zwei Räume dieselbe Musik gleichzeitig spielen, stellen alle Geräte ihre Uhr nach einer gemeinsamen Referenz, dem Precision Time Protocol (PTP). Wie das arbeitet, erklärt Word Clock und PTP. Die Geräte wählen untereinander einen Leader Clock nach einer Prioritätszahl. DM-NAX-Geräte stehen ab Werk auf 254 und werden nur Leader, wenn kein anderes Gerät eine niedrigere Zahl hat. Crestron empfiehlt, diesen Wert stehen zu lassen, damit eine eigene Taktquelle im Netz den Vorrang bekommt. Fällt der Leader aus, wählen die Geräte sofort einen neuen.

Die Taktpakete haben eine Lebensdauer von einem Netzabschnitt und überqueren keinen Router. Crestron verlangt deshalb, dass der gesamte DM-NAX-Verkehr in einem einzigen Subnetz liegt.

Voraussetzungen

Das Netzwerk ist bei DM NAX Teil der Tonkette. Crestron stellt diese Anforderungen an die Switche:

  • Gigabit an jedem Gerät und Switche mit nichtblockierender Backplane auf Layer 3.
  • IGMP-Snooping in Version 2 oder 3, genau ein IGMP-Querier im Netz und Fast-Leave, damit der Switch einen Strom beim Umschalten sofort abstellt. Auf Crestron-Steuerprozessoren mit eingebautem Router soll der IGMP-Proxy abgeschaltet sein.
  • Priorisierung nach DSCP: CS7 für die zeitkritischen Taktpakete, CS6 für den übrigen Taktverkehr, EF für den Ton. Crestron empfiehlt sie allgemein und verlangt sie, sobald DM NAX und DM NVX dasselbe Netz nutzen. Die Werte weichen leicht von denen des AES67-Standards ab. Was die Codepunkte bedeuten, steht unter QoS, DSCP und 802.1p.
  • Ein Subnetz für den ganzen DM-NAX-Verkehr. Dienste wie DHCP, DNS und mDNS müssen dieses Netz trotzdem erreichen. Vom übrigen Hausnetz getrennt wird der Tonverkehr über eigene Switche oder über VLANs. Die Geräte setzen selbst keine VLAN-Kennung. Auf einem gemeinsamen Switch lässt sich der Tonverkehr deshalb nur bei Geräten mit zwei Netzanschlüssen vollständig abtrennen: Ein Anschluss führt Steuerung und Streaming-Player und braucht dafür Internetzugang, der andere führt den Ton. Daraus folgern wir: Weil die Pakete keine Kennung mitbringen, ordnet der Switch jeden Anschluss über den Port, an dem er hängt, seinem VLAN zu.

Priorisierung schützt den Takt, wenn ein Port stark ausgelastet ist; Crestron nennt dafür eine Auslastung um 80 Prozent eines Gigabit-Ports. Zusätzliche Bandbreite entsteht durch sie nicht. Für den Kern eines Netzes mit mehreren Switchen gilt deshalb eine Rechenregel: Fabric und Uplink brauchen 1 Gbit/s mal die kleinere der beiden Zahlen aus sendenden und empfangenden Endpunkten. Für die Switche am Rand des Netzes setzt Crestron dieselbe Regel mit der größeren der beiden Zahlen an.

Ein Beispiel, eigene Rechnung mit angenommenen Zahlen: Im Haus senden sechs Geräte Ströme ins Netz, zwölf empfangen. Die kleinere Zahl ist sechs, der Kern braucht also 6 Gbit/s. Ein einzelner Gigabit-Uplink zwischen Technikraum und Unterverteiler bleibt weit darunter. Am Rand zählt die größere Zahl; nach dem Wortlaut der Regel ergibt das 12 Gbit/s, und dann reicht auch eine 10-Gigabit-Verbindung nicht. Diese Entscheidung fällt mit der Verkabelung im Rohbau, lange bevor ein Verstärker bestellt ist.

Eingerichtet wird DM NAX über die Weboberfläche der Geräte, über Crestrons Programmierumgebung SIMPL, über C# oder über eine Programmierschnittstelle. Das ist Arbeit für einen Fachbetrieb, der Ton und Netzwerk zusammen plant.

Zusammenspiel mit Crestron Home

DM NAX läuft auch ohne Steuerung. In einer Anlage mit Crestron Home übernimmt der Steuerprozessor die Verwaltung: Er vergibt die Gruppenadressen für alle DM-NAX- und DM-NVX-Geräte im System und führt nach Crestrons Angabe bis zu 32 DM-NAX-Geräte mit bis zu 256 Ausgangszonen. Die Zonen erscheinen dann in derselben Bedienung wie Licht und Beschattung.

Abgrenzung

DM NVX. Crestrons Nachbarverfahren verteilt Bild über das Netzwerk und führt den Ton zusätzlich als AES67-Strom mit. Diesen Zweitstrom kann ein DM-NAX-Gerät empfangen. So wird der Ton einer Bildquelle aus der Videoverteilung zu einer Quelle für die Tonzonen. Beide Verfahren können sich ein Netz teilen; dann ist die Priorisierung nach DSCP Pflicht.

Dante und andere AES67-Geräte. DM NAX spricht AES67 und tauscht darüber Ströme mit Geräten anderer Hersteller aus. Dante-Geräte binden sich über ihren Kompatibilitätsbetrieb ein, der in der Software Dante Controller eingeschaltet wird, also auf der Seite der Dante-Geräte. Vor einer solchen Kopplung ist zu klären, welches Gerät die gemeinsame Uhr führt; was AES67 dabei regelt und was nicht, steht auf der Seite zu AES67.

Multiroom-Plattformen. Die Streaming-Player in jeder Zone erinnern an ein Multiroom-System aus fertigen Geräten. Der Unterschied liegt im Transport: Eine Multiroom-Plattform puffert großzügig und gleicht so Schwankungen im Netz aus, DM NAX überträgt Tonkanäle nach AES67 mit fest eingestellter Verzögerung und stellt dafür die Anforderungen an das Netz oben. Die drei Welten ordnet Streaming-Dienst, Multiroom-Plattform oder Audio over IP?.

Grenzen

Ein Subnetz, ein Takt. Weil die Taktpakete keinen Router überqueren, lässt sich ein DM-NAX-System nicht über geroutete Netzabschnitte verteilen. Ein Anwesen mit mehreren Gebäuden braucht einen durchgehenden Netzabschnitt für den Ton.

Eine Obergrenze je System. Crestron gibt bis zu 32 Geräte an, die miteinander synchron laufen.

Gemischte Anlagen brauchen einen gemeinsamen Plan. Die DSCP-Werte von DM NAX weichen leicht von AES67 ab. Hängen AES67-Geräte anderer Hersteller im selben Netz, gehört die Priorisierung für alle Geräte gemeinsam festgelegt.

Ohne Netz kein Ton. Der Weg zwischen Quelle und Zone ist das Netzwerk. Ein Switch, der falsch eingestellt ist oder ausfällt, betrifft jede Zone, deren Strom über ihn läuft.

Kompatible Produkte und Plattformen

Die Geräte der Familie stellt die Seite Crestron DM NAX vor. Gesteuert wird ein System über Crestron Home oder über frei programmierte Crestron-Steuerungen.

Verknüpfte Inhalte

Die Geräte stehen unter Crestron DM NAX, die Plattform unter Crestron Home, das Unternehmen unter Crestron. Den Rahmen für Ton über Netzwerke setzt Audio over IP, den für Bild und Ton gemeinsam AV over IP. Was ein Hausnetz grundsätzlich können muss, steht unter Heimnetzwerk-Grundlagen.

Quellen

Stand Oktober 2026. Netzanforderungen, Taktwahl, Adressvergabe und Bandbreitenregel stammen aus Crestrons Leitfaden zum Netzwerkdesign für DM NAX. Grundlage AES67, Einrichtungswege und die Einbindung von DM NVX und Dante stehen in Crestrons Überblick zu DM NAX und auf den Produktseiten; Zonen, Gruppierung und die Verwaltung durch Crestron Home im DM-NAX-Handbuch. Die Bandbreite im Beispiel ist eigene Rechnung nach Crestrons Regel.

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