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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026

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Fortgeschritten

Cresnet (Crestron)

Was ist Cresnet, wie wird ein Cresnet-Strang geplant, und wo liegen seine Grenzen?

Cresnet ist Crestrons verdrahteter Steuerbus. Er verbindet den Steuerprozessor mit den Geräten, die keine Ethernet-Geschwindigkeit brauchen: Taster, Dimmer, Präsenzmelder, Thermostate, Beschattungsantriebe. Ein vieradriges Kabel bringt jedem dieser Geräte 24 Volt Versorgung und die Daten. Geplant wird ein Cresnet-Strang über drei Größen: wie viele Geräte daran hängen, wie lang er insgesamt ist und wie viel Leistung am Ende noch ankommt.

Ein Taster an der Wand muss zwei Dinge können: Er braucht Strom, und er muss der Steuerung melden, dass Du gedrückt hast. Bei Crestron kommt beides durch dasselbe Kabel. Mehrere Taster und Sensoren hängen hintereinander an diesem Kabel wie Perlen an einer Schnur. Weil auf dem Weg dorthin Spannung verloren geht, muss vorher ausgerechnet werden, wie lang die Schnur sein darf.

Das Problemviele kleine Geräte, die Strom und eine Leitung brauchen

In einem Haus mit Steuerung sitzen Dutzende Bedienstellen und Sensoren an den Wänden. Jedes dieser Geräte braucht nur wenig Leistung und schickt nur kurze Meldungen. Ein eigener Netzwerkanschluss mit Switchport wäre für einen Zweifachtaster überdimensioniert, und eine eigene Steckdose hinter jedem Taster gibt es selten. Cresnet bringt beides über eine Leitung, die von Gerät zu Gerät weitergeführt werden kann.

Warum Hersteller dafür eigene Busse bauen und was die Bindung an einen Hersteller für die Planung bedeutet, erklärt die Seite Proprietäre Steuerbusse. Hier geht es um Cresnet selbst.

Funktionsweise

Server und Clients

Crestron unterscheidet zwei Rollen. Der Cresnet-Server ist der Anschluss am Steuersystem, meist der Cresnet-Port des Prozessors; er speist den Bus und spricht mit allen Geräten daran. Die Clients sind die Geräte am Strang. Jedes bekommt eine eigene Adresse, die NET ID. Der Server hat immer die ID 02, die Clients bekommen IDs von 03 bis FE, also 3 bis 254 dezimal. Jede ID darf am Netz nur einmal vorkommen; Crestron empfiehlt, sie mit dem Einrichtungswerkzeug Crestron Toolbox zu vergeben, damit keine doppelt entsteht.

Das Kabel

Ein Cresnet-Kabel besteht aus zwei verdrillten Adernpaaren und einer Beidraht-Ader:

AderFunktionWas daraus folgt
rot, 18 AWG (0,82 mm²)24 V DCAllein dieses Paar bestimmt, wie weit die Versorgung reicht.
schwarz, 18 AWG (0,82 mm²)MasseGehört mit Rot zur Leistungsrechnung; bei mehreren Netzteilen ist es das gemeinsame Bezugspotential.
blau, 22 AWG (0,33 mm²), geschirmtDaten YZählt nicht in der Leistungsrechnung; an diesem Paar hängt die Längengrenze, die Crestron mit der Datenübertragung begründet.
weiß, 22 AWG (0,33 mm²), geschirmtDaten Z—
Beidraht, 24 AWGSchirmanschlussWird nur am speisenden Ende zusammen mit der schwarzen Masseader aufgelegt und am Gerät abgeschnitten.

Die Tabelle zeigt die Festlegung, die Crestron für sein Standardkabel veröffentlicht; eine herstellerübergreifende Norm gibt es für Cresnet nicht. Welche Klemme ein Gerät dafür hat, steht am Gerät.

Für lange oder stark belastete Stränge gibt es ein Hochstromkabel, bei dem das Versorgungspaar 12 AWG (3,31 mm²) hat; das Datenpaar bleibt gleich. Für Geräte mit eigener Speisung gibt es ein reines Datenkabel ohne Versorgungspaar, für Luftkanäle eine Plenum-Ausführung. Was AWG in Quadratmillimetern bedeutet, steht unter Leiterquerschnitt und AWG, was der Beidraht leistet, unter Drain Wire.

Angeschlossen wird an vierpoligen Klemmleisten. Beim Weiterschleifen werden ankommende und abgehende Ader derselben Farbe an der Klemme miteinander verdrillt, Blau und Weiß nie untereinander. Verteiler mit RJ-11-Buchsen gibt es nur noch in älteren Anlagen.

Topologie

Crestron dokumentiert drei Formen und rät, die zu wählen, die zur Anlage passt:

  • Home-Run: Jedes Gerät bekommt seine eigene Leitung von einem zentralen Punkt, an dem ein Verteilerblock die Leitungen parallel auf den Server legt. Das passt, wenn alle Leitungen ohnehin im Technikschrank zusammenlaufen.
  • Daisy-Chain: Die Geräte hängen hintereinander am selben Kabel. Das spart Leitung, solange die Geräte in einer Reihe liegen.
  • Stern über Hub: Vom Server geht es zu einem Hub, von dort zweigen die Stränge in die Räume ab. Crestron nennt diese Form üblich, wenn ein Strang in einen anderen Raum geführt werden muss.

In jeder Form gilt: Keine Leitung darf zum Server zurückführen. Ein Ring ist im Cresnet nicht vorgesehen.

Die drei Grenzen eines Strangs

Gerätezahl. Ein Cresnet-Server versorgt bis zu 25 Geräte. Mehr Geräte verlangen in der Regel einen Hub mit getrennten Segmenten, von denen jedes wieder 25 Geräte aufnimmt. Für ein ganzes Cresnet-Netz gilt trotzdem eine Obergrenze von 90 Geräten, gleich wie viele Hub-Segmente verbaut sind. Wer mehr Geräte braucht, teilt die Anlage über Ethernet-zu-Cresnet-Bridges in mehrere Netze.

Länge. Je Server oder Hub-Segment sind höchstens 1500 Fuß (457 m) Kabel zulässig. Gerechnet wird die Summe aller Leitungen daran, auch in einer Daisy-Chain. Crestron begründet die Grenze mit der sicheren Datenübertragung; sie gilt deshalb auch für das Hochstromkabel.

Leistung. Auf dem Weg vom Netzteil zum Gerät fällt Spannung am Leitungswiderstand ab, und zwar umso mehr, je länger die Leitung und je größer die Summe der Geräteleistungen ist. Crestron fasst das in eine Bedingung: R < 40.000 / (L × PF). R ist ein Widerstandskennwert, den Crestron je Kabeltyp angibt, 6 Ω für das Standardkabel und 1,6 Ω für das Hochstromkabel. L ist die Länge des Strangs in Fuß ab dem Netzteil, PF die Summe der Leistungsaufnahmen aller Geräte daran. Zu wenig Versorgung nennt der Hersteller als häufige Ursache für Störungen im Cresnet. Die allgemeine Rechnung zum Spannungsfall steht auf der Formelseite Spannungsabfall auf Gleichstromleitungen.

Reicht die Versorgung des Servers nicht, wird ein Zusatznetzteil in den Strang gesetzt. Zwischen Server und Netzteil laufen dann nur noch Daten und Masse; die 24-Volt-Ader bleibt offen. Ab dem Netzteil liegen wieder alle vier Adern an, und die Längenrechnung beginnt dort neu.

Planung an einem Beispiel

Crestron rechnet selbst ein Beispiel vor: Zwölf Geräte mit je 2,4 Watt hängen in einer Kette, zusammen 28,8 Watt. Mit dem Standardkabel (18 AWG) darf diese Kette rund 231 Fuß lang sein, also etwa 70 Meter. Mit dem Hochstromkabel (12 AWG) sind es rund 868 Fuß, etwa 265 Meter.

Das Beispiel zeigt, wie weit die Leistungsgrenze unter der Längengrenze liegen kann: Mit dem Standardkabel endet diese Kette bei rund 70 der zulässigen 457 Meter. Für die Planung heißt das: Erst wird festgelegt, welche Bedienstellen und Sensoren in welchem Raum sitzen; daraus folgt die Summe der Leistungen je Strang, daraus der Querschnitt oder der Ort eines Zusatznetzteils. Die Leistungsaufnahme der einzelnen Geräte steht an den Geräten selbst, die Rechnung führt Crestron als eigenes Werkzeug, den Cresnet Power Calculator.

Voraussetzungen

  • Ein Crestron-Steuersystem mit Cresnet-Anschluss, das als Server arbeitet. Auf Wohnprojekten ist das meist ein Prozessor für Crestron Home.
  • Das passende Kabel. Crestron empfiehlt ausdrücklich sein zertifiziertes Kabel. Wird ein anderes verlegt und geht ein Fehler auf die Verkabelung zurück, behält sich der Hersteller für Unterstützung vor Ort ein Entgelt vor.
  • Eine Leistungsrechnung je Strang vor dem Verlegen, sobald der Strang länger wird oder viele Geräte mit nennenswerter Leistungsaufnahme daran hängen.
  • Abstand zu Netzspannung. Cresnet-Kabel gehören nach Crestron nie in Anwendungen ab 60 Volt Wechsel- oder Gleichspannung. Wie Steuer- und Starkstromleitungen getrennt geführt werden, steht unter Kabelwege und EMV.
  • Ein Fachbetrieb mit den Werkzeugen. NET IDs, Hubs und Bridges werden mit Crestrons Software eingerichtet und geprüft.

Crestron empfiehlt außerdem Service-Schleifen, also etwas Kabelreserve an den Geräten, damit eine Leitung später erreichbar bleibt.

Wachsen über Hubs und Bridges

Ein Cresnet-Netz wächst in zwei Stufen. Ein Hub teilt den Bus in getrennte Segmente, jedes mit eigener Grenze von 25 Geräten und 457 Metern Kabel; die Hutschienen-Ausführung liefert je Segment bis zu 75 Watt. Über die 90 Geräte hinaus hilft eine Ethernet-zu-Cresnet-Bridge. Sie hängt am LAN und stellt vor Ort zwei getrennte Cresnet-Teilnetze bereit. Jedes davon verhält sich wie ein eigener Server mit eigenem Adressraum und bis zu 25 Geräten. Versorgt wird die Bridge über Power over Ethernet oder ein eigenes Netzteil; über PoE stehen für die Teilnetze nur 10 Watt zur Verfügung, über PoE+ bis 20 Watt, über ein Netzteil 75 Watt.

Cresnet führt dann nur noch von der Bridge zu den Geräten; zwischen Prozessor und Bridge läuft die Verbindung über das LAN.

Fremdgeräte am Cresnet

Am Cresnet hängen nicht nur Crestron-Geräte. Crestron führt in seiner Liste für Crestron Home Taster anderer Hersteller und vermerkt dazu, dass Taster mit der Kennzeichnung „Crestron Connected" unterstützt werden. Darunter sind die Taster der Basalte-Familien Sentido, Enzo und Fibonacci. Crestron beschreibt die Verbindung zu Basalte als zweiseitige Cresnet-Kommunikation: Jeder Tastenfunktion lässt sich ein Befehl zuweisen, und die Hintergrundbeleuchtung kann einen Zustand anzeigen. Basalte selbst beschreibt den Anschluss so, dass der Taster an den Cresnet-Bus angeschlossen und beim Einrichten der Anlage gefunden wird. Weitere Hersteller mit eigenen Cresnet-Serien stehen auf derselben Liste.

Für die Planung bedeutet das: Ein Designtaster eines anderen Herstellers ist am Cresnet ein Client wie jeder andere. Er braucht eine NET ID und zählt in die 25 Geräte des Strangs. Bezieht er seine Versorgung aus dem Bus, geht er auch mit seiner Leistungsaufnahme in die Rechnung ein.

Abgrenzung

Gegen infiNET EX. infiNET EX ist Crestrons Funkverfahren für dieselbe Geräteklasse. Es arbeitet als Mesh im 2,4-GHz-Band ohne Steuerleitung; fast jedes Gerät leitet Meldungen weiter, batteriebetriebene nicht. Mehrere Tasterfamilien gibt es in beiden Ausführungen. Cresnet verlangt die Leitung im Rohbau und liefert dafür die Versorgung mit; infiNET EX kommt ohne Leitung aus, braucht dafür ein Gateway, Funkplanung und bei Batteriegeräten den Batteriewechsel. Crestrons Prozessoren haben teils beides, einen Cresnet-Anschluss und ein eingebautes infiNET-EX-Gateway, sodass in einer Anlage beide Wege nebeneinander laufen können.

Gegen KNX. KNX führt ebenfalls Daten und Versorgung in einer Leitung zu Tastern und Aktoren, ist aber ein offener Standard, an dem Geräte vieler Hersteller arbeiten. An Cresnet hängen Crestron-Geräte und die Geräte, die Crestron freigegeben hat.

Gegen PoE. Auch Power over Ethernet bringt Strom und Daten in einem Kabel, über genormte Netzwerktechnik und mit einem Switchport je Gerät. Cresnet schleift dagegen viele Geräte über eine Leitung und eine Speisung.

Grenzen

Die Leistung kann lange vor der Länge enden. Wer nur die 457 Meter im Kopf hat, plant womöglich Stränge, an deren Ende die Spannung nicht mehr reicht. Das Rechenbeispiel oben zeigt, wie früh das eintreten kann.

Für Steuerbefehle gedacht. Crestron beschreibt Cresnet für Geräte, die die höhere Geschwindigkeit von Ethernet nicht brauchen. Eine Datenrate veröffentlicht das Handbuch nicht.

Der Strang gehört zum System. Am Cresnet arbeiten Crestron-Geräte und die Geräte, die Crestron freigegeben hat. Wer sich einen späteren Systemwechsel offenhalten will, plant ein Leerrohr, durch das sich ein anderes Kabel nachziehen lässt.

Kompatible Produkte und Plattformen

Cresnet-Anschlüsse haben Crestrons Steuerprozessoren, darunter die Prozessoren für Crestron Home. Am Bus hängen Crestrons verdrahtete Tasterfamilien, Dimmer und Lichtmodule, Thermostate, Sensoren und Beschattungsantriebe sowie freigegebene Taster anderer Hersteller.

Verknüpfte Inhalte

Das gemeinsame Prinzip der Steuerbusse mit Versorgung im Kabel und die Frage der Herstellerbindung stehen unter Proprietäre Steuerbusse. Die Plattform, auf der Cresnet im Wohnhaus meist läuft, ist Crestron Home, der Hersteller Crestron. Wie ein Kabel mit mehreren Aufgaben in einem Mantel aufgebaut ist, erklärt Hybrid- und Composite-Kabel, warum Datenpaare verdrillt sind, Twisted Pair. Für die Lage der Taster im Raum hilft Wo Bedienstellen im Raum sitzen, für die Frage, ob eine Anlage überhaupt eine Steuerung braucht, Wann eine Anlage ein Steuerungssystem braucht. Der Taster-Hersteller aus dem Abschnitt über Fremdgeräte steht unter Basalte.

Quellen

Stand Oktober 2026. Rollen, Adressen, Topologien, Gerätezahlen, Längengrenze, Kabelaufbau, Hubs, Bridges, Leistungsbedingung und Rechenbeispiel stammen aus Crestrons Cresnet Network Design Guide. Die Freigabe von Tastern anderer Hersteller stammt aus Crestrons Kompatibilitätsliste für Crestron Home und Crestrons Partnerseite zu Basalte, die Anschlussbeschreibung des Tasters aus Basaltes Meldung vom Dezember 2020. Die Angaben zu infiNET EX stammen aus Crestrons Dokumentation zu den 4-Series-Prozessoren.

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