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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2026
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infiNET EX (Crestron)
Was ist infiNET EX, wie funktioniert Crestrons Funkstrecke für Taster, Sensoren und Beschattung — und was musst Du dafür planen?
infiNET EX ist die Funkstrecke, über die eine Crestron-Anlage Geräte erreicht, zu denen keine Steuerleitung führt: Taster, Dimmer, Präsenzmelder, Thermostate, Rollomotoren, Türschlösser und Handfernbedienungen. Sie funkt im 2,4-GHz-Band und bildet ein vermaschtes Netz, in dem die Geräte einander Nachrichten weiterreichen. Ein Gateway verbindet dieses Funknetz mit dem Steuerprozessor, und von dort aus sind die Funkgeräte Teil derselben Anlage wie alles, was am Kabel hängt.
Manchmal liegt an der Stelle, wo ein Schalter hin soll, kein Kabel für die Steuerung. Dann funkt der Schalter seinen Befehl. Bei Crestron heißt dieses Funknetz infiNET EX. Die Geräte reichen sich die Nachrichten gegenseitig weiter, wie Eimer in einer Menschenkette, bis sie bei einem Empfangsgerät ankommen, das mit der Steuerung verbunden ist. Weil Dein WLAN in demselben Funkbereich arbeitet, muss jemand vorher festlegen, wer auf welchem Kanal funkt.
Das Problemeine Bedienstelle ohne Steuerleitung
In einer Crestron-Anlage hängen Taster und Sensoren normalerweise am verdrahteten Steuerbus Cresnet, der Daten und Versorgung in einer Leitung führt. Diese Leitung entsteht im Rohbau. Wird ein Haus im Bestand nachgerüstet, kommt ein Taster an eine Wand, in der keine solche Leitung liegt, oder ein Gerät soll sich bewegen dürfen wie eine Handfernbedienung, dann braucht die Anlage einen zweiten Weg. Diesen Weg bietet infiNET EX, innerhalb derselben Gerätewelt: Ein Funktaster bedient über das Gateway und den Steuerprozessor Licht, Beschattung und Ton der ganzen Anlage.
Wie die Funkstrecke arbeitet
Band und Kanäle. infiNET EX funkt im 2,4-GHz-ISM-Band und nutzt die Kanaleinteilung nach IEEE 802.15.4: 16 Kanäle mit den Nummern 11 bis 26, die sich gegenseitig nicht überlappen. Ab Werk steht ein Gateway auf Kanal 15. Das Gateway legt den Kanal für sein ganzes Netz fest, und alle Geräte darin funken auf diesem Kanal.
Vermaschung. Jedes Gerät, das dauerhaft am Strom hängt, leitet die Nachrichten anderer Geräte weiter. Eine Nachricht kann so in mehreren Sprüngen vom Gateway bis zum entferntesten Gerät laufen, und fällt ein Weiterleiter aus, sucht sich das Gerät einen anderen Weg. Crestron lässt höchstens sechs Sprünge zu und empfiehlt höchstens drei. Wie ein vermaschtes Netz grundsätzlich funktioniert, steht unter Mesh.
Batteriegeräte. Schloss, Funksensor und Handfernbedienung laufen auf Batterie. Sie leiten nichts weiter und brauchen in der Nähe ein netzversorgtes Gerät, das sie als Weiterleiter aufnimmt. Jeder Weiterleiter kann nur eine begrenzte Zahl solcher Batteriegeräte führen. Gibt es in einem Bereich mehr Batteriegeräte als Plätze, verdrängen sie sich gegenseitig, und Crestron beschreibt die Folgen: Ein Tastendruck schaltet das Licht verzögert, ein Befehl geht verloren und muss wiederholt werden, und die Batterie leert sich schneller. Wo Weiterleiter fehlen, setzt der Fachbetrieb einen Expander: ein Gerät, das nur weiterleitet und zusätzliche Plätze für Batteriegeräte schafft. Je Netz sind bis zu fünf Expander zulässig.
Gateway und Prozessor. Das Gateway ist der Übergang vom Funknetz ins Hausnetz. Es gibt es als eigenständiges Gerät mit Netzwerkanschluss, das Daten und Versorgung über ein Kabel per PoE bezieht, und in einigen Steuerprozessoren ist es bereits eingebaut. Ein Gateway führt bis zu 100 infiNET-EX-Geräte; Crestron empfiehlt, höchstens die Hälfte davon zu nutzen. Die 100 gelten für ein Gateway, an dem nur infiNET EX läuft: Jedes Gerät des Funkverfahrens ER am selben Gateway senkt die Grenze um zehn. Eine Anlage kann mehrere Gateways haben, jedes mit eigenem Netz, dessen Kanal es selbst festlegt.
Verschlüsselung. Die Nachrichten sind auf Netzebene mit 128-Bit-AES verschlüsselt. Den Netzschlüssel erzeugt das Netz bei seiner Gründung zufällig, und ein Gerät erhält ihn beim Beitritt.
Anlernen. Ein Gerät kommt ins Netz, indem erst das Gateway und dann das Gerät in den Anlernmodus gehen. Ein Gerät gehört danach zu genau einem Gateway. Bei mehreren Gateways soll immer nur eines im Anlernmodus sein, damit feststeht, welches Gateway ein Gerät aufnimmt.
Was die Funkstrecke verlangt
Eine Kanalplanung vor dem ersten Gerät. Das 2,4-GHz-Band teilt sich infiNET EX mit dem WLAN, mit Bluetooth und mit Störern wie Mikrowellen und schnurlosen Telefonen. Funknetze verschiedener Art können einander nicht verstehen, wohl aber stören. Crestrons Empfehlung lautet deshalb: so viel WLAN-Verkehr wie möglich ins 5-GHz-Band. Wo WLAN im 2,4-GHz-Band bleiben muss, belegt es nur nicht überlappende Kanäle; in Europa nennt Crestron dafür die WLAN-Kanäle 1, 7 und 13. Vor der Installation steht eine Funkmessung vor Ort, die zeigt, welche Kanäle schon belegt sind, und danach ein Kanalplan für alle Funknetze im Haus. Die Kanäle am Rand des Bands haben bei infiNET EX eine geringere Reichweite, Kanal 26 bei den meisten Crestron-Geräten die kürzeste.
Abstand zum WLAN. Ein Kanalabstand reicht allein nicht. Crestron nennt für Gateways mindestens 15 Fuß, umgerechnet rund 4,6 Meter, Abstand zu WLAN-Zugangspunkten und zu anderen Gateways, gleich auf welchem Kanal sie funken. Der Wert bezieht sich auf einen kräftig sendenden Zugangspunkt; bei geringerer Sendeleistung lässt Crestron etwas weniger zu. Ein Funksensor gehört nicht neben einen Zugangspunkt.
Einen guten Platz für das Gateway. Das Gateway sitzt zentral, auf dem Geschoss seiner Geräte und über Möbelhöhe. Rack, Schaltschrank, die Nähe großer Metallteile und der Platz hinter einem Fernseher scheiden aus. Das kollidiert mit dem Wunsch, alle Technik im Verteiler zu sammeln, und ist der Grund, warum ein Gateway eine Netzwerkdose an einer Stelle braucht, an der sonst keine Technik sitzt.
Geräte nach Ort ordnen. Crestron rät, die Funkgeräte nach ihrem Standort auf die Gateways zu verteilen und nicht nach Gewerk: Licht, Beschattung und Klima eines Gebäudeteils gehören ins selbe Netz. Zwischen Geschossen reicht die Funkverbindung nach Herstellerangabe nur über eine Decke.
Versorgung bleibt. Funk spart nur die Steuerleitung; die Stromversorgung braucht jedes netzbetriebene Gerät weiterhin. Ein Funktaster hängt am Netz und braucht je nach Gerät einen Neutralleiter, ein Rollomotor mit infiNET EX braucht eine 24-V-Versorgung über eine eigene Leitung zum Netzteil. Ohne Kabel auskommen nur die Batteriegeräte.
Einen Fachbetrieb mit Crestron-Werkzeugen. Kanalwahl, Anlernen, Funkmessung am Gateway und die Diagnose laufen über Crestrons Einrichtungssoftware. Das Diagnosewerkzeug zeigt für jedes Gerät die Zahl der Sprünge, die Verbindungsqualität und wie viele Batteriegeräte an jedem Weiterleiter hängen. Crestron empfiehlt, das Ergebnis der Abschlussprüfung mit dem Projekt abzulegen, weil es bei späteren Störungen den Vergleich mit dem Ausgangszustand erlaubt.
In der Planung
Ein Bestandshaus wird mit Crestron nachgerüstet. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss sollen zusammen 70 Funkgeräte laufen: Dimmer und Taster in allen Räumen, Rollomotoren, Thermostate, zwei Türschlösser und einige batteriebetriebene Präsenzmelder.
Mit der Empfehlung von höchstens 50 Geräten je Gateway ergeben sich überschlagen zwei Gateways: 70 geteilt durch 50 sind 1,4, aufgerundet zwei. Eines kommt ins Erdgeschoss, eines ins Obergeschoss, weil Crestron das Gateway auf dem Geschoss seiner Geräte vorsieht. Laufen am selben Gateway auch Geräte des Funkverfahrens ER, sinkt die Grenze, und die Rechnung ist neu zu machen. Beide bekommen verschiedene Kanäle aus dem Kanalplan, der nach der Funkmessung entsteht, und beide brauchen eine Netzwerkdose an einer zentralen Stelle ihres Geschosses, mit Abstand zu den WLAN-Zugangspunkten. Die batteriebetriebenen Melder und die Schlösser verlangen netzversorgte Geräte in ihrer Nähe; wo ein Flur oder Nebenraum keinen Dimmer hat, kommt ein Expander dazu. Am Ende steht die Prüfung, ob kein Gerät mehr als drei Sprünge vom Gateway entfernt ist.
Abgrenzung
Cresnet. Cresnet ist Crestrons verdrahteter Steuerbus: Daten und 24-Volt-Versorgung in einem Kabel, ohne Kanalplan und ohne Störung durch das WLAN. infiNET EX ist der Funkweg innerhalb derselben Gerätewelt, für Stellen ohne Leitung und für bewegliche Bedienteile. Was verdrahtete Steuerbusse allgemein ausmacht, steht unter proprietäre Steuerbusse.
Zigbee und Thread. Beide bauen ebenfalls auf IEEE 802.15.4 auf und nutzen im 2,4-GHz-Band dieselben Kanäle. Austauschbar werden die Geräte dadurch nicht: Ein infiNET-EX-Gateway nimmt die Geräte auf, die Crestron für infiNET EX vorsieht, und Zigbee- oder Thread-Geräte gehören nicht dazu. Gemeinsam ist die Funkgrundlage und damit die Möglichkeit, sich gegenseitig zu stören. Wer im selben Haus ein Zigbee- oder Thread-Netz betreibt, braucht es deshalb im Kanalplan.
Matter. Matter ist eine Anwendungsschicht über Thread, WLAN oder Ethernet, die Geräte verschiedener Hersteller zusammenbringt. infiNET EX ist eine geschlossene Funkstrecke für die Geräte, die Crestron dafür vorsieht; was über sie läuft, erreicht andere Systeme nur über den Crestron-Prozessor. Wie die offenen Funkstandards zueinander stehen, erklärt Funkstandards im Smart Home.
Andere Crestron-Funkwege. Crestrons Gateways sprechen neben infiNET EX auch die Funkverfahren ER und SG. ER arbeitet im selben Band, aber sternförmig, und ein ER-Gerät kann zwischen bis zu acht Gateways wechseln; SG funkt sternförmig unterhalb von 1 GHz. Beides sind eigene Verfahren mit eigenen Regeln. infiNET EX selbst kennt keinen Wechsel zwischen Gateways: Ein Gerät bleibt bei dem Gateway, an dem es angelernt wurde.
Grenzen
Ein Gateway je Gerät. Eine Handfernbedienung, die durch das ganze Haus mitgenommen wird, wechselt nicht automatisch zum nächstgelegenen Gateway. Ihr Bewegungsraum ist die Reichweite ihres eigenen Netzes einschließlich der Weiterleiter darin.
Reichweite ist eine Planungsannahme. Crestron nennt Reichweiten je Gerät und schreibt zugleich, dass sie nicht garantiert sind. Putz und Beton verkürzen die Reichweite stark, Metall am stärksten, weil es die Funkwellen zurückwirft; Holz und Glas verkürzen sie wenig. Für den Abstand zwischen zwei Geräten empfiehlt Crestron, höchstens drei Viertel der typischen Reichweite im Gebäude einzuplanen.
Das Band ist geteilt. Ein WLAN, das später im 2,4-GHz-Band auf einen ungünstigen Kanal wechselt oder einen neuen Zugangspunkt neben ein Gateway bekommt, kann ein funktionierendes Funknetz stören. Die Kanalplanung gilt deshalb für die Lebensdauer der Anlage und gehört bei jeder Änderung am Hausnetz wieder auf den Tisch.
Geschlossene Gerätewelt. An infiNET EX hängen nur Geräte, die Crestron dafür vorsieht, und eingerichtet wird die Funkstrecke mit Crestrons Werkzeugen. Wer die Anlage später ändern will, braucht dafür einen Betrieb mit diesem Zugang.
Kompatible Produkte und Plattformen
infiNET EX steckt in Crestrons Funktastern, Dimmern und Schaltaktoren, in Thermostaten, Präsenzmeldern, Rollomotoren, Türschlössern und Handfernbedienungen sowie in den Gateways und Expandern. Crestron Home führt die infiNET-EX-Gateways und den Expander in seiner Kompatibilitätsliste. Die Gateways gibt es zusätzlich in internationaler Ausführung.
Verknüpfte Inhalte
Das Prinzip des vermaschten Funknetzes erklärt Mesh. Den verdrahteten Gegenpart derselben Anlage beschreibt Cresnet, die Plattform, in der beide eingerichtet werden, Crestron Home. Wie Zigbee, Z-Wave, Thread und Matter zueinander stehen, steht unter Funkstandards im Smart Home; die Einzelheiten zu Z-Wave und den übrigen Verfahren stehen in deren Einträgen. Was ein Gateway in der Haussteuerung leistet, erklärt Gateway, und warum eine Anlage überhaupt eine Steuerungsinstanz braucht, Wann eine Anlage ein Steuerungssystem braucht. Weil das Gateway am Hausnetz hängt und sich das Band mit dem WLAN teilt, gehören die Heimnetzwerk-Grundlagen zur Planung dazu. Der Hersteller steht unter Crestron.
Quellen
Stand Oktober 2026. Funkverfahren, Kanalplanung, Abstände, Vermaschung, Batteriegeräte, Diagnose und Verschlüsselung stammen aus Crestrons Best Practices zur Installation von Funkprodukten (DOC. 6689H, 2018). Kanäle, Gerätezahlen je Gateway, die Zahl der Gateways je Anlage, PoE-Versorgung und das Anlernen sind zusätzlich in den aktuellen Handbüchern des Universal-Gateways und eines Steuerprozessors mit eingebautem Gateway belegt. Die Gerätefamilien stammen aus Crestrons Katalog- und Datenblattangaben zu Tastern, Rollomotoren und Türschlössern, die Einbindung in Crestron Home aus deren Kompatibilitätsliste.