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Audyssey

Was leistet die Audyssey-Einmessung in Denon- und Marantz-Geräten, worin unterscheiden sich ihre Stufen — und wie steht sie zu Dirac Live auf denselben Geräten?

Audyssey ist das Einmess- und Raumkorrektursystem, das in den AV-Receivern und AV-Vorstufen von Denon und Marantz serienmäßig steckt. Mit dem mitgelieferten Messmikrofon führt das Gerät durch eine Messung an mehreren Sitzplätzen, stellt daraus Abstände, Pegel und Übergangsfrequenzen ein und berechnet Korrekturfilter für jeden Kanal. Entwickelt hat es die Firma Audyssey Laboratories, eine Ausgründung der University of Southern California — Audyssey ist also keine Eigenentwicklung der Gerätehersteller, sondern eine Fremdtechnologie, die Denon und Marantz in Lizenz einbauen.

Jeder Raum verändert den Klang einer Anlage: Manche Töne kommen an Deinem Sofa zu laut an, andere fast gar nicht. Bei einem neuen Denon- oder Marantz-Gerät steckst Du deshalb zuerst ein kleines Messmikrofon ein und stellst es nacheinander an ein paar Sitzplätze. Das Gerät spielt Testtöne, hört sich das Ergebnis an und stellt sich dann selbst so ein, dass es zu Deinem Raum passt. Das kostet Dich einmal etwas Zeit und Ruhe im Raum — und ist der wichtigste einzelne Handgriff nach dem Aufbau der Anlage.

Das zugrunde liegende Problem

Was Raumkorrektur grundsätzlich leistet und wo jedes rechnende Verfahren an seine Grenze kommt, steht im Glossar unter Raumkorrektur. Diese Seite beschränkt sich auf die Umsetzung von Audyssey, und zwei Eigenheiten prägen sie.

Erstens der Ort: Audyssey sitzt in Geräten, die in großer Stückzahl in Wohnzimmer verkauft werden — nicht in Spezialprozessoren. Die Messung muss deshalb ohne Fachwissen durchführbar sein und trotzdem mehr leisten als eine Pegelwaage. Zweitens der Anspruch, einen ganzen Hörbereich statt eines einzelnen Platzes zu verbessern: Die Messung an mehreren Positionen soll die Korrektur davor bewahren, den einen Sweet Spot auf Kosten aller anderen Plätze zu optimieren — das Problem, das im Glossar als Sitz-zu-Sitz-Varianz beschrieben ist.

Funktionsweise

Die Messung. Das Gerät führt Schritt für Schritt durch eine Raummessung an bis zu acht Mikrofonpositionen; der Hersteller empfiehlt mindestens sechs. Die erste Messung gehört auf den Haupthörplatz in Ohrhöhe, die weiteren verteilen sich im Umkreis von etwa 60 cm — also über die Breite eines Sofas —, mit mindestens 50 cm Abstand zu den Wänden. Aus den Messungen bestimmt das System für jeden Lautsprecher Abstand, Pegel und Polarität, legt die Übergangsfrequenzen zum Subwoofer fest und berechnet die Korrekturfilter, die anschließend fest im Signalweg mitlaufen.

Die Korrektur. MultEQ korrigiert nach Herstellerangabe Zeit- und Frequenzverhalten im Hörbereich — neben der Lautstärke je Frequenz also auch Laufzeiteffekte. Drei Zielkurven stehen zur Wahl: „Reference“ mit einer leichten Höhenabsenkung für Filmton, „L/R Bypass", das die beiden Frontkanäle unkorrigiert lässt, und „Flat“ ohne Absenkung. Was eine Zielkurve ist und warum „linear gemessen“ nicht „neutral gehört“ bedeutet, steht im Glossar.

Die Stufen. Audyssey lizenziert die Korrektur in Ausbaustufen: MultEQ, MultEQ XT und MultEQ XT32. Sie unterscheiden sich in der Auflösung der Korrekturfilter — je höher die Stufe, desto feiner kann die Korrektur einzelne Fehler fassen. Die für die Planung wichtigste Eigenschaft der höchsten Stufe: Erst XT32 wendet die volle Filterauflösung auch auf die Subwooferkanäle an — also genau dort, wo Raummoden die größten Fehler verursachen. Dazu kommt in dieser Stufe Sub EQ HT, das mehrere Subwoofer einzeln einmisst und aufeinander abstimmt; die herstellerneutrale Einordnung mehrerer Bassquellen steht unter Multi-Sub.

Die Zusatzfunktionen. Auf der Korrektur bauen drei zuschaltbare Funktionen auf. Dynamic EQ passt Entzerrung und Surround-Anteil an die Abhörlautstärke an: Wer leiser hört als der Referenzpegel der Filmmischung, verliert zuerst Bass und Räumlichkeit — genau das gleicht die Funktion gehörrichtig aus, wahlweise mit einem Versatz von 0 bis 15 dB für Musik statt Film. Dynamic Volume glättet Pegelsprünge etwa zwischen Sendung und Werbung. LFC (Low Frequency Containment) begrenzt die tieffrequente Energie, die in Nachbarräume dringt — eine Rücksichtsfunktion, die bewusst Wiedergabequalität gegen Nachtruhe tauscht.

Die Nachbearbeitung. Zwei Werkzeuge öffnen die sonst automatische Korrektur: Die kostenpflichtige MultEQ Editor App der Gerätehersteller lässt Zielkurve und Korrekturbereich je Kanalpaar nachbearbeiten. Deutlich weiter geht MultEQ-X, eine Windows-Software von Audyssey selbst mit eigener Lizenz je Gerät, freien Zielkurven und manuellem Zugriff auf erkannte Parameter; dazu bietet Audyssey mit dem ACM1-X erstmals ein individuell kalibriertes Messmikrofon an.

Woher das System kommt

Audyssey Laboratories wurde 2002 als Ausgründung eines Forschungszentrums der University of Southern California gegründet — von den Professoren Chris Kyriakakis (Elektrotechnik) und Tomlinson Holman (Filmton) mit den USC-Forschern Sunil Bharitkar und Philip Hilmes. 2004 kam MultEQ in die ersten Heimkino-Receiver. Heute ist die Firma ein Lizenzgeber, dessen Verfahren nach eigener Darstellung auch in Fahrzeugen, Studios und Kinos arbeiten; sie ist privat gehalten und sitzt in Los Angeles.

Voraussetzungen

  • Ein Gerät mit Audyssey-Lizenz. Die Korrektur ist an das Gerät gebunden; welche Stufe ein Modell führt, entscheidet der Gerätehersteller je Preisklasse. Nachkaufen lässt sich eine höhere Stufe nicht.
  • Das mitgelieferte Messmikrofon und ein Stativ in Ohrhöhe. Ein Fotostativ genügt; die Messung vom Sofarücken oder aus der Hand verfälscht das Ergebnis.
  • Ein ruhiger Raum während der Messung. Lüftung, Spülmaschine und Gespräche verfälschen die Messungen — das Handbuch verlangt ausdrücklich Ruhe im Raum.
  • Betriebsarten, die die Korrektur zulassen. Im Direct- und Pure-Direct-Modus arbeitet die Korrektur nicht; bei Zuspielungen mit Abtastraten oberhalb von 48 kHz stehen Dynamic EQ und Dynamic Volume nicht zur Verfügung, und am Kopfhörerausgang ist die Raumkorrektur abgeschaltet.

Abgrenzung

Gegen Dirac Live — auf demselben Gerät. Das ist die Abgrenzung mit der größten Praxisfolge: Auf vielen aktuellen Denon- und Marantz-Geräten ist Audyssey MultEQ XT32 serienmäßig, Dirac Live als kostenpflichtiges Upgrade freischaltbar, und beide Systeme stehen danach nebeneinander zur Wahl. Die Entscheidung fällt damit innerhalb desselben Geräts, als Budget- und Anspruchsfrage statt als Markenfrage. Dirac Live misst mit frei wählbaren Positionen über den ganzen Raum, arbeitet mit eigener Software am Rechner und ist der Weg zu den Erweiterungen bis Dirac Live ART; Audyssey misst geführt am Gerät und ist ohne Aufpreis vollständig.

Gegen RoomPerfect, den Trinnov Optimizer und Anthem ARC Genesis. Alle drei sind an die Geräte jeweils eines Hauses gebunden und zielen auf eine andere Geräteklasse. Audyssey ist unter den Korrekturverfahren der Serienstandard: nicht das Verfahren mit den meisten Freiheiten, aber das mit der größten Verbreitung — es ist in jedem verkauften Gerät schon enthalten und braucht keinen Rechner.

Gegen die Einmessung als Begriff. Audyssey ist eine Umsetzung, nicht das Prinzip. Andere Hersteller setzen eigene Systeme mit ähnlichem Ziel ein; die herstellerneutrale Einordnung gehört zum Glossareintrag Raumkorrektur.

Grenzen

Die Grenzen jedes rechnenden Verfahrens. Was der Raum an Energie schluckt oder zu lange festhält, kann kein Filter ersetzen oder abholen: Zu lange Nachhallzeiten und Auslöschungen am Hörplatz bleiben eine Aufgabe für Raumakustik und Aufstellung, nicht für die Einmessung.

Die Messung ist der Flaschenhals. Das Ergebnis hängt an der Sorgfalt der kurzen Messphase: zu wenige Positionen, Messung ohne Stativ oder mit laufender Lüftung — und die Korrektur zementiert einen Messfehler. Die geführte Messung senkt die Hürde, sie beseitigt sie nicht.

Keine veröffentlichte Wirkzahl. Wie die anderen großen Korrekturverfahren beschreibt Audyssey, wie sein Verfahren arbeitet, beziffert aber dessen Wirkung nicht mit nachprüfbaren Messreihen.

Die Stufe entscheidet mit dem Gerät. Wer die volle Subwoofer-Korrektur von XT32 will, muss ein Gerät kaufen, das sie führt — ein Wechsel der Stufe ohne Gerätewechsel ist nicht vorgesehen. Die Einmess-Stufe gehört deshalb auf die Anforderungsliste, bevor die Modellklasse feststeht.

AVITECT-Einordnung

Welches der beiden Verfahren auf demselben Gerät passt, entscheidet sich an drei Größen: daran, wie stark der Raum im Bass eingreift, daran, ob die Einrichtung am Rechner mit frei gewählten Messpositionen stattfinden soll, und daran, welcher Anteil des Budgets neben Gerät, Lautsprechern und Raumakustik für die Einmessung übrig bleibt. Ist der Raum akustisch gutmütig und soll die Einrichtung geführt am Gerät bleiben, ist die serienmäßige Einmessung vollständig und braucht keinen Nachschlag. Verlangt der Raum deutliche Eingriffe im Bass, sollen Zielkurve und Messpositionen frei bestimmbar sein oder ist der Weg zu den Erweiterungen bis ART absehbar, liegt das Dirac-Live-Upgrade vorn. Eine Schwelle, ab der das Upgrade fällig wird, gibt es nicht — je genauer Raum, Nutzung und Vorlieben bekannt sind, desto klarer fällt die Wahl.

Verknüpfte Inhalte

Das Prinzip hinter allen Einmesssystemen steht unter Raumkorrektur, das Messverfahren ringsum unter Raummessung und Messmikrofon. Der wichtigste Vergleichsfall ist Dirac Live mit seiner Erweiterung Dirac Live ART; die gebundenen Verfahren Anthem ARC Genesis, RoomPerfect und Trinnov Optimizer zeigen den Gegenentwurf. Die Gerätehersteller stehen unter Denon und Marantz.

Quellen

Herkunft und Firmengeschichte — Gründung 2002 an der University of Southern California, die vier Gründer, Markteinführung 2004 — stammen von der Firmenseite von Audyssey und einer Pressemitteilung der Universität, am 19. August 2026 gelesen; die Domain des Anbieters war im selben Lauf zeitweise nicht erreichbar. Ablauf der Messung, Zielkurven, Zusatzfunktionen und deren Einschränkungen stammen aus dem Webhandbuch des AVR-X3800H von Denon. Dass Audyssey MultEQ XT32 und das Dirac-Live-Upgrade auf denselben Geräten nebeneinander stehen, belegen die Produktseiten des Denon AVR-A1H und des Marantz Cinema 50 Series 2. Die Angaben zu MultEQ-X und zum kalibrierten Mikrofon ACM1-X stammen von der Startseite von Audyssey, die zur MultEQ Editor App aus deren App-Store-Eintrag. Die Zahlen zur Filterauflösung der Stufen sind nur noch über das anmeldepflichtige Hilfecenter von Audyssey zugänglich und im Text entsprechend markiert. Für die Wirkung des Verfahrens nennt keiner der Beteiligten eine nachprüfbare Messreihe.

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