Micro Pleated Diaphragm ist Monitor Audios Name für einen gefalteten
Folienhochtöner — einen Wandler, dessen Membran wie eine Ziehharmonika
gefaltet ist und die Luft zwischen ihren Falten herauspresst, statt sie
kolbenförmig vor sich herzuschieben. Das Prinzip dahinter heißt Air
Motion Transformer und ist über fünfzig Jahre alt; der deutsch-amerikanische
Physiker Oskar Heil meldete es 1969 zum Patent an, erteilt wurde es 1972.
Die dritte Ausführung von Monitor Audio entstand 2022 für die
Jubiläumsstudie Concept 50 und sitzt heute in Hyphn, Platinum Series 3G,
Gold Series 6G und Studio 89.
In einfachen Worten
Die meisten Hochtöner arbeiten wie ein winziger Kolben: Eine kleine
Kuppel schiebt Luft vor sich her. Dieser hier ist stattdessen gefaltet
wie ein Fächer und drückt die Luft aus seinen Falten heraus. Dadurch
muss er sich selbst kaum bewegen und kommt trotzdem sehr schnell in
Gang. Was Du davon hörst, hängt weniger an dieser Bauart als daran, wie
breit er den Ton in den Raum verteilt — und das entscheidet mit, wo im
Raum Du gut sitzt.
Ausgeführt ist das Wirkprinzip beim
Air Motion Transformer — dort steht
auch, warum die verstärkerfreundliche Impedanz zur
Bauart gehört und warum ein solcher Wandler trotz seiner Übersetzung kein
automatischer Wirkungsgradgewinn ist.
Was ein AMT von Haus aus mitbringt, ist eine hohe obere Grenze und eine
Abstrahlung, die der Bauform folgt: breit über die schmale Achse, eng
über die lange. Bei den üblichen hohen, schmalen Bauformen heißt das
horizontal breit und vertikal eng — und genau an dieser Stelle setzt
Monitor Audios eigener Beitrag an.
Eine quadratische Abstrahlfläche. Nach Herstellerangabe ist die
strahlende Fläche des MPD III quadratisch, damit sich die Bündelung
horizontal und vertikal ähnlich verhält. Das ist der bewusste Bruch mit
der schmalen Zeile, die man von Bändchen und den meisten AMTs kennt: Wer
horizontal und vertikal denselben Verlauf will, darf die Fläche nicht in
eine Richtung strecken.
Eine eigene Schallführung. Der Wandler sitzt in einem
Waveguide , das für die dritte Generation
überarbeitet wurde. Erklärtes Ziel ist eine kontrollierte Richtwirkung,
die in beiden Ebenen gleich bleibt.
Ein abgestimmtes rückwärtiges Volumen. Die Kammer hinter der Membran
soll nach Herstellerangabe so ausgelegt sein, dass im hörbaren Bereich
möglichst wenig Welligkeit entsteht.
Ein hoher Übertragungsbereich. Monitor Audio gibt den Durchlassbereich
mit über 60 kHz an und stellt das ausdrücklich einem üblichen AMT mit
rund 40 kHz gegenüber. In den Datenblättern der Gold Series 6G steht
entsprechend 60 kHz als obere Grenze des Freifeld-Frequenzgangs.
Die Fläche selbst ist die gemeinsame Größe aller MPD-Generationen: Der
Hersteller beziffert sie schon für die erste Ausführung mit etwa dem
Achtfachen einer üblichen Kalotte.
Für die Hyphn liegt eine unabhängige Labormessung vor — nach heutigem
Belegstand die einzige, die den MPD III in einem fertigen Lautsprecher
erfasst. Paul Miller hat für Hi-Fi News auf der Hochtönerachse gemessen:
Größe Messwert Frequenzgangfehler ±2,2 dB und ±2,4 dB (200 Hz bis 20 kHz) Kanalgleichheit des Paars 0,7 dB Hochtonausdehnung 44,1 und 44,5 kHz (−6 dB bezogen auf 10 kHz) Hauptmode im Hochton 33,1 kHz Klirr bei 10 kHz 0,60 Prozent
Die vierte Zeile verdient eine Erläuterung, weil sie leicht als
Widerlegung der 60-kHz-Angabe gelesen wird. Sie ist keine: Hersteller und
Labor messen gegen verschiedene Bezugsgrößen — Monitor Audio nennt einen
Freifeld- beziehungsweise Raumwert, Hi-Fi News bezieht die −6-dB-Grenze
ausdrücklich auf den Pegel bei 10 kHz. Zwei Zahlen zu derselben Sache,
und beide sind für sich genommen richtig. Für die Beratung zählt eine
dritte Feststellung, die in beiden Fällen gilt: Oberhalb von etwa 20 kHz
hört niemand mehr etwas. Der Wert sagt etwas über die Konstruktion aus,
nicht über den Hörgewinn.
Aufschlussreicher ist die Zeile darunter. Eine ausgeprägte Eigenmode bei
33,1 kHz liegt weit außerhalb des Hörbereichs, und Miller ordnet sie
entsprechend als unkritisch ein — aber sie zeigt, dass auch dieser
Wandler eine Resonanz hat. Sie liegt nur an einer Stelle, an der sie
nicht stört.
Serie Rolle Hyphn ein MPD III je Lautsprecher, Mittelpunkt des M-Array Platinum Series 3G Hochtöner aller Modelle, Trennung bei 3 kHz Gold Series 6G Hochtöner aller Modelle außer dem On-Wall, Trennung bei 2,5 bis 2,7 kHz Studio 89 Hochtöner zwischen zwei Mitteltönern
Die Trennfrequenzen der beiden mittleren Zeilen sind der praktisch
wichtigste Wert dieser Tabelle: Bei 2,5 bis 3 kHz übernimmt der MPD III
und arbeitet damit tiefer, als es die schmalen Bauformen anderer AMTs
zulassen.
Nicht jede Serie mit einem MPD-Hochtöner hat einen MPD III. Der Wandler ist
sieben Jahre älter als seine dritte Ausführung: Monitor Audio hat ihn im
Dezember 2015 mit der Platinum Series II vorgestellt und dort schlicht MPD
genannt, ohne Ziffer. Er löste in dieser Serie das Bändchen ab, mit dem das
Haus bis dahin gearbeitet hatte, und der Hersteller führte ihn ausdrücklich als
eigene Entwicklung ein.
Die Flächenangabe steht seit damals unverändert im Katalog: etwa das Achtfache
einer üblichen Kalotte. Die zweite Zahl von 2015 hat der Hersteller dagegen
zurückgenommen — die Bedienungsanleitung der Platinum Series II nennt eine
gleichmäßige Abgabe bis über 100 kHz, für den MPD III stehen heute über 60 kHz
im Katalog. Wer aus der Generationsziffer eine durchgehende Steigerung der
Datenblattwerte liest, liegt an dieser Stelle also falsch; welche der beiden
Angaben unter welchen Bedingungen gilt, sagt keines der beiden Dokumente.
Genannt wird 2015 außerdem die bessere Wärmeabfuhr der größeren Fläche.
Wo der Unterschied zur dritten Ausführung liegt, lässt sich damit nur teilweise
sagen. Belegt ist der Zugewinn an der Geometrie: die quadratische
Abstrahlfläche und die überarbeitete Schallführung, beides Neuerungen von 2022.
Nicht belegt ist eine Zwischenstufe — ein MPD II ist in keinem erreichbaren
Herstellerdokument benannt. Ob es die Bezeichnung intern gab, ob eine Stufe
übersprungen wurde oder ob die Ziffer erst mit der dritten Ausführung eingeführt
wurde, sagt keine Quelle.
Die Kinoserie Cinergy ist der Fall, an dem das praktisch wird. Die
Ankündigung zur Vorstellung 2022 nennt für sie einen „MPD high-frequency
transducer", die heutigen Produktseiten der Modelle führen einen „MPD
Transducer" — beide Male ohne Ziffer, während dieselbe Ankündigung die
Basstreiber sehr wohl als RDT II bezeichnet. Der Hochtöner der Cinergy ist
damit ein MPD, dessen Generation der Hersteller nicht angibt.
Gegen die C-CAM-Goldkalotte. In den Serien Bronze und Silver arbeitet
Monitor Audio mit einer Metallkalotte hinter dem
UD Waveguide II . Der
Wechsel auf den MPD III in der Gold-Serie ist ein Wandlerwechsel und
keine höhere Ausbaustufe derselben Bauart — mit anderem
Abstrahlverhalten und anderem Charakter. Wer denselben Klang eine Nummer
größer erwartet, sucht das Falsche.
Gegen das Bändchen. Beim Bändchen ist der Leiter selbst die Membran,
die Impedanz liegt im Bruchteil-Ohm-Bereich und ein Übertrager gehört
zwingend dazu. Beim MPD III liegen Leiterbahnen auf einer gefalteten
Folie; er hängt direkt am Verstärker.
Gegen andere Hersteller-AMTs. Die Bauart ist verbreitet, die
Ausführungen unterscheiden sich in Faltgeometrie, Fläche, Schallführung
und Trennfrequenz. Der Vergleich zweier AMTs über die Bezeichnung führt
zu nichts; er läuft über Kennschalldruck, Trennfrequenz und
Abstrahlwinkel.
Die vertikale Abstrahlung bleibt eine Planungsfrage. Auch eine
quadratische Fläche bündelt oberhalb einer bestimmten Frequenz, und eine
ansteigende zweite Reihe verlangt, dass Ohrhöhe und Aufstellhöhe
zusammenpassen. Wie eng das Fenster tatsächlich ist, veröffentlicht
Monitor Audio nicht.
Nach unten ist früh Schluss. Die Faltung kann sich nur begrenzt weit
zusammenziehen. Die Trennfrequenzen von 2,5 bis 3 kHz sind niedrig für
diese Bauart, aber sie bleiben höher als bei einer großen Kalotte in
einem tiefen Waveguide.
Der Hochtöner allein entscheidet den Lautsprecher nicht. Am Übergang
zählt, ob die Bündelung des Hochtöners zu der des Mitteltöners passt.
Springt das Bündelungsmaß an dieser Stelle,
hilft der beste Wandler nichts.
Das Wirkprinzip steht beim
Air Motion Transformer , die Abgrenzung
zu den verwandten Bauarten bei
Elektrostat und Magnetostat und
beim Flächenwandler . Warum eine
Schallführung überhaupt vor einem Hochtöner sitzt, klärt
Horn und Waveguide ; Monitor Audios eigene
Ausführung davon steht unter
UD Waveguide II . Die
Anordnung, in der ein MPD III von sechs Mitteltönern umgeben ist, steht
unter M-Array .
Die Herkunft des Prinzips ist über die Patentschrift von Oskar Heil
belegt, am Objekt gelesen. Herkunft, Schallführung und Einordnung des
MPD III stammen aus dem Testbericht zur Hyphn und aus dem zur Platinum
300 3G, die Messwerte aus dem Laborbericht von Paul Miller im
erstgenannten. Übertragungsbereich, quadratische Abstrahlfläche und
rückwärtiges Volumen sind Herstellerangaben, wiedergegeben in
Testberichten; die Flächenangabe gegenüber einer Kalotte steht in der
Bedienungsanleitung der Platinum Series II. Trennfrequenzen und
Modellzuordnung der Gold Series 6G stammen aus deren Produkthandbuch.