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HiVe II — das gezogene Bassreflexrohr
Was ist am HiVe-II-Port von Monitor Audio anders als an einem gewöhnlichen Bassreflexrohr — und was davon lässt sich belegen?
Hinter der Bezeichnung HiVe steht „High Velocity", und gemeint ist ein Detail am Bassreflexrohr: Seine Innenwand ist nicht glatt, sondern hat über die ganze Länge gezogene Rillen. Das Gehäuseprinzip bleibt dabei das gewöhnliche — eine abgestimmte Öffnung, durch die die Rückseite der Membran mitarbeitet, wie es der Eintrag Bassreflex und geschlossenes Gehäuse beschreibt. Die zweite Ausführung steckt heute in fast allen Passivserien des Hauses.
Am Bass eines Lautsprechers arbeitet nicht nur die Membran mit, sondern auch die Luft in der Öffnung an der Rückseite. Bei hoher Lautstärke schiebt sich diese Luft so schnell durch das Rohr, dass sie zu rauschen anfängt — ein Nebengeräusch, das im Musiksignal nichts zu suchen hat. Monitor Audio zieht deshalb Rillen in die Rohrwand und sagt, die Luft laufe dadurch ruhiger hindurch. Ob Du das hörst, hängt vor allem davon ab, wie laut Du hörst.
Das Problem, um das es geht
Dass eine zu knapp bemessene oder wandnahe Öffnung Strömungsgeräusche erzeugt, steht im Eintrag zum Gehäuseprinzip. Für diese Seite zählt die zweite, dort nicht behandelte Folge derselben Ursache: Reißt die Strömung an der Rohrmündung ab, verliert die Öffnung bei hohem Pegel an Wirksamkeit, und die Abstimmung wandert. Beides beginnt erst weit oberhalb der Zimmerlautstärke — aber genau dort, wo ein Heimkino betrieben wird.
Der übliche Weg dagegen ist Geometrie: ein größerer Querschnitt, gerundete Mündungen, ein sich aufweitendes Rohr. Alle drei kosten Bautiefe oder Gehäusevolumen, und beides ist in einem Wohnraumlautsprecher knapp.
Was Monitor Audio ändert — und wie weit der Beleg reicht
Die Bedienungsanleitungen des Herstellers beschreiben HiVe II gleichlautend über zwei Generationen hinweg: ein gerader Port mit gezogenen Rillen, der die Luftströmung beschleunigt und Verwirbelung verringert. Daraus soll ein schnellerer Luftaustausch folgen als bei einem gewöhnlichen Port und daraus wiederum ein kräftiger, schneller Bass mit besserem Einschwingverhalten.
Über diese Beschreibung hinaus gibt es nichts. Keine Herleitung, warum Rillen an einer Rohrwand die Strömung beruhigen sollen; keine Angabe, um wie viel; keine Messung, weder vom Hersteller noch von dritter Seite.
Ein Punkt gehört dazu, weil er in Verkaufsgesprächen regelmäßig auftaucht. Der Vergleich mit dem gezogenen Lauf einer Schusswaffe liegt bei diesem Bild nahe und wird auch gezogen — er stimmt in der Sache nicht. Drallzüge in einem Gewehrlauf versetzen ein festes Geschoss in Rotation und stabilisieren dessen Flugbahn; sie beschleunigen nichts, und mit einer Luftströmung in einem kurzen Rohr hat der Vorgang nichts gemeinsam. Wer den Vergleich benutzt, erklärt nichts, sondern setzt beim Kunden ein falsches Bild.
Wo HiVe II sitzt
| Serie | Ausführung |
|---|---|
| Silver Series 7G | rückwärtige HiVe-II-Ports; bei größeren Modellen zwei |
| Gold Series 6G | „HiVe II Ported", abgestimmt auf 50, 38, 35 und 33 Hz je nach Modell |
| Gold C250 6G | geschlossenes Gehäuse, kein Port |
| Gold On-Wall 6G | geportet, aber im Datenblatt ohne HiVe-II-Bezeichnung |
| Studio | zwei rückwärtige Ports oben und unten, zum Ausgleich des Innendrucks |
| Platinum Series 3G | rückwärtiger Reflexport, abgestimmt auf 32 Hz; ohne HiVe-II-Bezeichnung geführt |
Die beiden letzten Zeilen sind kein Schreibfehler. Weder für das On-Wall-Modell der Gold-Serie noch für die Platinum Series 3G nennt die verfügbare Dokumentation die Bezeichnung HiVe II — ob dort eine andere Portbauform sitzt oder ob die Bezeichnung nur weggelassen wurde, ist offen.
Was das für die Planung heißt
Praktisch wichtiger als die Rillen ist, wo das Rohr sitzt. Alle genannten Serien porten nach hinten, und das setzt Abstand zur Wand voraus — der Hersteller nennt für die Gold-Serie je nach Modell 15 bis 61 cm. Diese Angaben sind Anhaltswerte für die Aufstellung, keine Grenzwerte: Wie viel Abstand ein Raum wirklich verlangt, entscheidet die Aufstellung im Zusammenspiel mit der Raummode, die an der Rückwand ohnehin am stärksten anregt.
Und eine Entscheidung nimmt der Port keinem ab: Ein geportetes Gehäuse gibt mehr Tiefgang bei gegebenem Volumen, ein geschlossenes ein gutmütigeres Ausschwingen und eine flachere Flanke nach unten. Dass der Center der Gold-Serie als einziges Modell geschlossen gebaut ist, folgt genau dieser Abwägung — ein Dialogkanal nah an der Wand profitiert von der Gutmütigkeit mehr als vom letzten Hertz.
Abgrenzung
Gegen das Gehäuseprinzip. Bassreflex ist ein herstellerneutrales Konstruktionsprinzip mit einer Theorie, die auf die Arbeiten von Thiele und Small zurückgeht. HiVe II ändert daran nichts; es ist eine Ausführung des Rohrs, kein anderes Prinzip.
Gegen die Passivmembran. Sie ersetzt die Öffnung durch eine antriebslose Membran und hat damit gar kein Strömungsproblem — sie bringt dafür eigene Grenzen mit. Beide Wege stehen im Glossareintrag zum Gehäuseprinzip nebeneinander.
Gegen aufgeweitete und gerundete Ports. Das ist der verbreitete Ansatz gegen dasselbe Problem, verfolgt über den Querschnittsverlauf. Was die Rillenlösung im Vergleich dazu leistet, ist nicht dokumentiert.
Grenzen
Der Effekt beginnt erst bei hohem Pegel. Bei Zimmerlautstärke gibt es kein Strömungsproblem, das eine Portbauform lösen müsste. Als Kaufargument für ein kleines Wohnzimmersystem taugt HiVe II deshalb wenig.
Ein Port bleibt ein Port. Auch die beste Innenwand ändert nichts daran, dass ein Reflexgehäuse unterhalb seiner Abstimmfrequenz steil abfällt und die Membran dort ungebremst arbeitet.
Die Belegkette ist die schwächste unter den Monitor-Audio-Technologien dieser Wellen. Für Membranen und Hochtöner gibt es Schnittzeichnungen, Zahlen und in einem Fall eine Labormessung. Hier gibt es zwei Sätze aus Bedienungsanleitungen.
Verknüpfte Inhalte
Das Gehäuseprinzip und die Abwägung gegen das geschlossene Gehäuse stehen unter Bassreflex; die Kenngrößen, mit denen eine Abstimmung berechnet wird, unter Thiele-Small-Parameter. Warum Pegelreserven bei hoher Last schwinden, ordnet Leistungskompression ein. Die Marke und ihre Serien stehen unter Monitor Audio.
Quellen
Bauform und beanspruchte Wirkung stammen aus den Bedienungsanleitungen der Platinum Series II und der Studio, die beide denselben Wortlaut führen. Die Einsatzorte und Abstimmfrequenzen der Gold Series 6G stehen in deren Produkthandbuch, die Portausführung der Silver Series 7G in deren Produktleitfaden. Für die Platinum Series 3G ist der rückwärtige Port mit 32 Hz Abstimmung über den Testbericht belegt, die Bezeichnung HiVe II dagegen nicht. Sämtliche Angaben zur Wirkung sind Herstellerangaben; eine Messung liegt weder vom Hersteller noch von dritter Seite vor.