Der Centerkanal ist der mittlere der drei Frontkanäle eines
Mehrkanalsystems. Auf ihm liegen fast der gesamte Dialog und alles,
was mittig im Bild passiert. Er existiert, damit die vordere Abbildung
ihre Richtung behält, auch wenn jemand außerhalb der Mittelachse
sitzt — ein Anspruch, den die Rundfunkempfehlung ITU-R BS.775
ausdrücklich über die Zweikanal-Stereofonie hinaus formuliert.
Im Film reden die Leute meistens in der Bildmitte. Damit ihre
Stimmen genau von dort kommen, gibt es einen eigenen Lautsprecher
unter oder über dem Bild. Ohne ihn müssen die beiden äußeren
Lautsprecher die Mitte gemeinsam vortäuschen. Das klappt gut,
solange Du genau in der Mitte sitzt — nur sitzt beim Filmabend
selten jemand allein. Wer außen auf dem Sofa Platz nimmt, hört die
Stimmen bei diesem Vortäuschen zum näheren Lautsprecher wandern,
weg vom Gesicht auf dem Bild. Der mittlere Lautsprecher nagelt die
Stimme fest, für jeden Platz gleichermaßen. Deshalb ist er im
Heimkino der Lautsprecher, an dem sich Sparen am schnellsten
bemerkbar macht.
Die ITU-Empfehlung BS.775 beschreibt seit 1992 ein einziges
Mehrkanalsystem für Rundfunk und Fernsehen: drei Frontkanäle, zwei
Seiten- oder Rückkanäle, dazu ein optionaler Kanal für tieffrequente
Effekte. In der Referenzanordnung der aktuellen Ausgabe von Dezember
2022 steht der Center bei 0 Grad, Links und Rechts bei 30 Grad, alle
drei auf 1,2 Metern Höhe. Was der dritte Frontkanal leisten soll,
steht als erste Grundanforderung in Anhang 2: Die Richtungsstabilität
der vorderen Abbildung ist über eine Hörfläche zu halten, die größer
ist als die der Zweikanal-Stereofonie.
Damit ist der Zweck benannt, und er ist nicht die Lautstärke der
Sprache. Es geht um die Fläche, auf der die Abbildung noch stimmt.
CEDIA und die CTA halten in ihrer aktuellen Planungsempfehlung für
immersiven Ton fest, dass der größte Teil aller Geräusche
und nahezu der gesamte Dialog von den Lautsprechern an der Bildwand
kommt — und dass der Center in Film und Fernsehen über weite Strecken
als einziger Lautsprecher arbeitet. Dazu kommen mittige Effekte:
alles, was sich auf der Bildachse ereignet, vom zuschlagenden Türblatt
bis zum Motor eines Autos, das frontal auf die Kamera zufährt.
Daraus folgt eine Konsequenz, die auf keinem Datenblatt steht: Über
die Spieldauer eines Films gerechnet läuft der Center länger als jeder
andere Lautsprecher der Front, und in vielen Passagen ohne Hilfe von
Links und Rechts. Was er an Pegel, Frequenzumfang und gleichmäßiger
Abstrahlung kann, begrenzt deshalb, was die ganze Front kann.
Dieselbe Empfehlung stellt die Dialogverständlichkeit an die erste
Stelle ihrer neun Leistungsziele und zählt auf, wovon sie abhängt:
Frequenzgang, Bündelungsmaß,
Schallleistung und Abdeckung der Zuhörerfläche des Lautsprechers,
seine Montage und Aufstellung, die Raumakustik und der
Störgeräuschpegel. Vier dieser sieben Größen sind Eigenschaften des
Center-Lautsprechers, eine fünfte ist die Art, wie er montiert und
aufgestellt wird.
Zwei Lautsprecher, die dasselbe Signal abstrahlen, erzeugen ein
Hörereignis zwischen sich — die
Phantomschallquelle erklärt, wie das
funktioniert und woran es hängt. Für die Planung zählt daran vor allem
die Empfindlichkeit gegenüber der Sitzposition: Schon ein
halber Meter seitlicher Versatz verschiebt die Ankunftszeiten so weit,
dass die Mitte zum näheren Lautsprecher kippt.
Im Heimkino kommt das Bild dazu. Die
Ton-Bild-Kohärenz hält die Stimme
so lange am Mund des Sprechers, wie der seitliche Versatz rund zehn
Grad nicht überschreitet. Eine wandernde Phantommitte verlässt diesen
Bereich auf den Außenplätzen zuverlässig, und dann hört der Zuschauer
zwei Orte: das Gesicht vorn, die Stimme daneben. Ein realer Center
kennt dieses Problem nicht, weil seine Richtung von der Sitzposition
unabhängig ist.
Ein zweiter Unterschied wirkt auch auf dem mittigen Platz. Bei der
Phantommitte erreicht jedes Ohr beide Lautsprecher, und die
Überlagerung der leicht verschobenen Signale färbt den oberen
Mittelton ein — also genau den Bereich, in dem die Sprachverständlichkeit
entsteht.
Fehlt der Lautsprecher ganz, verschwindet sein Inhalt nicht. Die
ITU-Empfehlung gibt für den Weg von 3/2 auf reines Stereo eine feste
Rechnung vor: Der Center kommt mit dem Faktor 0,7071 — also um 3 dB
abgesenkt — auf Links und Rechts. Wie das im Detail abläuft und welche
Wahlmöglichkeiten die Geräte dabei haben, steht beim
Downmix. Für den Hörer bedeutet es: Der Dialog
liegt ab jetzt in einer Phantommitte und hängt an der Symmetrie des
Sitzplatzes.
Der zu kleine Center ist der häufigere Fall und der schwerer zu
erkennende. Drei Wirkungen überlagern sich:
Die Klangfarbe bricht in der Bildmitte. Ein Center aus einer
anderen Baureihe hat andere Chassis, eine andere Weiche und eine
andere Bündelung als Links und Rechts. Ein Geräusch, das von links
über die Mitte nach rechts wandert, ändert dabei hörbar seinen
Charakter. Welche Grenzwerte dafür gelten und warum die frontalen
Kanäle der wichtigste Fall sind, steht beim
Timbre Matching.
Die Pegelreserve fehlt dort, wo sie am meisten gebraucht wird.
Weil der Center über weite Strecken allein arbeitet, erreicht er seine
Grenze früher als die beiden anderen Frontkanäle, obwohl er im
Datenblatt neben ihnen kleiner aussieht. Hörbar wird das als
Verhärtung von Stimmen in lauten Szenen.
Die Abstrahlung passt zur falschen Ebene. Der Center muss unter
oder über die Bildfläche passen und wird deshalb fast immer liegend
gebaut. Bei der verbreiteten Bestückung mit zwei Tieftönern links und
rechts eines Hochtöners liegt die eingeschnürte, ungleichmäßige
Abstrahlrichtung damit in der Waagerechten — dort, wo die Zuschauer
nebeneinandersitzen. Die Herleitung dazu steht bei der
D'Appolito-Anordnung; die
Gegenentwürfe sind ein liegender Dreiweger oder ein
Koaxialchassis.
Die ITU-Empfehlung legt das akustische Zentrum der Frontlautsprecher
auf Ohrhöhe und benennt gleich die Voraussetzung dafür: eine
akustisch transparente
Leinwand, hinter der
Lautsprecher stehen dürfen. Ist die Bildfläche undurchlässig — ein
Fernseher, eine gewöhnliche Leinwand —, gehört der Center unmittelbar
über oder unter das Bild. Die Planungsempfehlung von CEDIA und CTA
präzisiert das: Die akustischen Zentren der Bildwandlautsprecher
sollen im mittleren Drittel der Bildhöhe liegen. Passt der Center
nicht auf die Ebene von Links und Rechts, entscheiden über oben oder
unten der Abstand zu Begrenzungsflächen, ein freier Schallweg zu den
Sitzplätzen, die Größe und Lage des Bildes und die Abdeckung, die der
Lautsprecher schafft.
Zwei Punkte ergänzen sich dazu aus derselben Quelle und der ITU:
Der Referenzsitzplatz soll auf der Mittelachse des Centers liegen, und
wenn die drei Frontlautsprecher auf einer geraden Linie stehen statt
auf einem Kreisbogen, gehört der Center zeitlich verzögert, weil er
sonst näher am Hörer ist als Links und Rechts.
„Der Center ist der Dialoglautsprecher, also darf er der kleinste
sein." Die Zuordnung stimmt, der Schluss daraus nicht. Gerade weil
der Dialog dort liegt, arbeitet dieser Lautsprecher über weite
Strecken allein und liefert über einen Film gerechnet die meiste
Energie der Front. Die verbreitete Aufteilung — große Standboxen
außen, flaches Modell in der Mitte — dreht die Belastung genau um.
„Mit Center brauche ich mich um die Sitzplätze nicht mehr zu
kümmern." Der Center stabilisiert die Mitte, und das ist viel. Klar,
er hilft aber nur dem, was auf ihm liegt: Alles, was zwischen den
Kanälen erscheint — Musik, Atmosphären, seitliche Effekte —, bleibt
eine Phantomabbildung und bleibt damit an die Sitzposition gebunden.
Die Basisbreite und die Anordnung der
Plätze bleiben also Planungsfragen.
„Ohne Center geht der Dialog verloren." Er wird heruntergemischt
und landet zu gleichen Teilen auf Links und Rechts. Hörbar ist der
Unterschied trotzdem, und zwar auf zwei Ebenen: Die Stimme wandert für
außen sitzende Zuschauer aus dem Bild, und die Front verliert die
Reserve, die ein eigener Lautsprecher für den lautesten Kanal
mitbringt.
- Phantommitte: Das Hörereignis zwischen zwei Lautsprechern. Sie
ist die Lösung ohne dritten Kanal und funktioniert nur um die
Mittelachse herum — siehe
Phantomschallquelle.
- Left/Right Center: Zusätzliche Kanäle zwischen Center und den
äußeren Frontlautsprechern in großen Bildwänden, mit eigener
Aufgabe. Erklärt bei den
Screenkanälen.
- Dialognormalisierung: Eine Pegelangabe in der Tonspur, die den
Wiedergabepegel steuert. Sie sagt nichts darüber, aus welchem
Lautsprecher die Stimme kommt.
- Center-Betrieb einer Soundbar: Der mittlere Kanal wird dort über
eigene Chassis in einem gemeinsamen Gehäuse wiedergegeben. Der Kanal
ist vorhanden, die Trennung zu Links und Rechts folgt aber der
Gehäusebreite.
Ein Wohnzimmer, Sofa für drei Personen, ein 75-Zoll-Fernseher auf
einem Sideboard. Angeboten sind zwei Standlautsprecher einer
gehobenen Serie und ein flacher Center aus der Einsteigerserie
desselben Herstellers, weil unter dem Fernseher nur 11 Zentimeter frei
sind.
Zuerst gehört geklärt, worauf dieser Raum ausgelegt wird. Es sitzen
regelmäßig drei Menschen nebeneinander, und zwei davon außerhalb der
Mittelachse — damit ist die Frage entschieden, ob es einen Center
geben soll. Sie hängt an der Nutzung des Raums und nicht am Gerät.
Das Verfahren folgt daraus: Der Center soll klanglich zu Links und
Rechts passen und in der Waagerechten gleichmäßig abstrahlen, weil
genau in dieser Ebene die drei Plätze liegen. Die Bauhöhe von 11
Zentimetern ist die harte Grenze, und sie steht gegen beides. Was hier
weiterhilft, ist eine Änderung am Möbel oder am Bildaufbau: den
Fernseher höher setzen, das Sideboard tauschen, den Center darunter
statt darauf stellen. Diese Entscheidung kostet nichts, solange sie
vor dem Kauf fällt.
Erst danach kommt die Geräteauswahl, und sie fällt anders aus als
angeboten: lieber zwei Nummern kleinere Standlautsprecher aus derselben
Serie wie ein passender Center als ein hochwertiges Paar mit einem
Fremdkörper in der Mitte. Gleiche Chassis und gleiche Weiche über alle
drei Frontkanäle halten die Bildmitte klanglich zusammen.
Was die Ziffern in Angaben wie 5.1.2 abzählen, steht bei der
Kanal-Notation; wie die Abbildung ohne
dritten Kanal entsteht, bei der
Phantomschallquelle. Warum alle
Kanäle dieselbe Klangfarbe haben sollen, erklärt das
Timbre Matching, und wie weit Ton und Bild
auseinanderliegen dürfen, die
Ton-Bild-Kohärenz. Was die Bauform des
liegenden Centers mit seiner Abstrahlung macht, behandelt die
D'Appolito-Anordnung; welche
Kanäle in großen Bildwänden dazukommen, die
Screenkanäle. Wie viele Wege ein
Lautsprecher hat und was daraus folgt, steht bei der
Wegezahl. Das Planungsdokument, aus
dem die Aufstellungsregeln stammen, ist unter
CEDIA/CTA-RP22 beschrieben.
Zweck und Referenzanordnung des dritten Frontkanals, die Anforderung
an die Hörfläche und die Downmix-Rechnung auf Stereo stammen aus der
Empfehlung ITU-R BS.775-4 vom Dezember 2022, die für diese Seite im
Volltext eingesehen wurde. Die Aussagen zu Dialogverständlichkeit,
zum überwiegend allein arbeitenden Center und zur vertikalen Lage der
Bildwandlautsprecher stammen aus der Planungsempfehlung CEDIA/CTA-RP22
in der Fassung 1.2 von September 2023.