Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

MMP II (Metal Matrix Polymer)

Woraus besteht MMP II, und warum verwendet Monitor Audio dafür einen Kunststoff statt eines Metalls wie C-CAM?

MMP II steht für Metal Matrix Polymer in der zweiten Ausführung: eine Polypropylen-Basis, in die Monitor Audio Metallpartikel einbringt, gepresst im Spritzguss zu einer Membran mit gezielt unterschiedlicher Wanddicke. Der Werkstoff sitzt in Tiefmittel- und Basstreibern quer durch die Produktpalette — von Einbaulautsprechern bis zu den Satelliten der Gartenlinie Climate Garden.

Eine Lautsprechermembran muss leicht sein, damit sie schnell reagiert, und trotzdem steif, damit sie sich nicht verbiegt. Reiner Kunststoff ist leicht, aber weich. Monitor Audio mischt deshalb winzige Metallteilchen in den Kunststoff — wie Splitt in Beton. Das Ergebnis bleibt fast so leicht wie reiner Kunststoff, wird aber deutlich steifer. Diesen Werkstoff findest Du in vielen Monitor-Audio-Lautsprechern, meist im Bass- und Mitteltonbereich.

Woraus er besteht

Monitor Audio beschreibt den Aufbau so: „Metal Matrix Polymer driver cones have a polypropylene base loaded with metallic particles to offer a rigid and responsive structure.“ Die Basis ist ein thermoplastischer Kunststoff — Polypropylen —, dem Metallpartikel beigemischt sind. Gefertigt wird im Spritzguss, mit gezielt variierender Wanddicke: „a sophisticated high-pressure injection process, which modulates cone thickness at critical points to optimise stiffness and consistency.“

Eingeführt hat Monitor Audio den Werkstoff 2003 als MMP, zunächst für die Radius-Serie. 2011 folgte die überarbeitete zweite Generation MMP II, die der Hersteller als Verbesserung der Steifigkeit und Ansprechfreudigkeit gegenüber der ersten Fassung führt.

Welche Eigenschaften daraus folgen

Die Metallpartikel wirken wie eine Verstärkung: Sie erhöhen den Biegewiderstand, ohne annähernd so viel Gewicht hinzuzufügen wie ein durchgehendes Metallblech. Für den Konstrukteur ist das die Antwort auf dieselbe Aufgabe wie bei C-CAM, Monitor Audios Metallwerkstoff für Hochtöner und die oberen Serien — eine steife Membran verschiebt den Membranaufbruch nach oben, statt ihn zu bedämpfen —, nur mit anderer Werkstofflogik: MMP II bleibt ein Kunststoff mit Zuschlagstoff, kein Metall mit Beschichtung.

Die variable Wanddicke kommt dazu: An Stellen mit hoher Beanspruchung — etwa am Übergang zur Sicke, der beweglichen, gewellten Aufhängung am Membranrand — ist die Membran gezielt dicker, in der Fläche dünner und leichter. Die zweite Generation verbesserte gegenüber der ersten nach Herstellerangabe „improved dynamic performance and extended bandwidth“ bei den Basstreibern der Radius-HD-Serie.

Wer ihn verwendet

MMP II ist der Werkstoff, den Monitor Audio für Tiefmittel- und Basstreiber dort einsetzt, wo C-CAM zu aufwendig oder nicht nötig ist — in Einbaulautsprechern, in Kompaktserien wie Radius und in wetterfesten Außenlinien wie Climate Garden. Beide Werkstoffe ergänzen sich eher, als dass einer den anderen ablöst: MMP II für Tiefmittel- und Basstreiber, C-CAM vor allem für Hochtöner und für Membranen der Serien mit höherem Anspruch.

Abgrenzung

MMP II ist kein Metall. Trotz des Namensteils „Metal“ ist die Matrix ein Kunststoff; die Metallpartikel sind ein Zuschlagstoff, keine durchgehende Legierung wie bei C-CAM. Wer beide Werkstoffe unter „Metallmembran“ zusammenfasst, verwischt genau den Unterschied, der die Materialwahl erklärt.

MMP II ist nicht dasselbe wie RST II oder RDT III. Die geprägten Oberflächenmuster RST II und die Sandwichbauweise RDT III sind Bauweisen, die Monitor Audio auf C-CAM-Membranen anwendet — nicht auf MMP II. Beide Begriffe beschreiben, wie ein Material geformt und aufgebaut ist; MMP II beschreibt, woraus es besteht.

Grenzen

Ein gefülltes Polymer erreicht bei gleicher Steifigkeit nicht dieselbe Festigkeit wie eine Metallmembran — deshalb bleibt der Werkstoff auf Tiefmittel- und Basstreiber beschränkt, wo tiefere Frequenzen und größere Membranflächen ohnehin einen anderen Kompromiss aus Masse und Steifigkeit verlangen als ein Hochtöner. Zweitens veröffentlicht Monitor Audio keine Kennwerte — kein E-Modul, keine Dichte, kein Verlustfaktor —, und auch die Verbesserung von MMP auf MMP II bleibt unbeziffert: „improved dynamic performance and extended bandwidth“ ohne Zahl, an der sich die Aussage prüfen ließe.

Verknüpfte Inhalte

Der Hersteller hinter dem Werkstoff ist Monitor Audio; das zweite Membranmaterial des Hauses ist C-CAM. Die Prägungen und Sandwichbauweisen, mit denen Monitor Audio C-CAM-Membranen versteift, stehen unter RST II und RDT III. Für die zugrundeliegenden Begriffe: der Membranaufbruch als das Verhalten, das ein steifer Werkstoff nach oben verschiebt, Dämpfung und Verlustfaktor als Maß für die innere Bedämpfung, die Resonanz und die Belastbarkeit eines Treibers. Als andere technische Antwort auf dieselbe Konstruktionsaufgabe: DALIs Holzfasermembran, die Steifigkeit über eine Naturfaser statt über ein Metallpartikel-Polymer erreicht.

Quellen

Datenstand 8. August 2026. Zusammensetzung, Fertigungsverfahren und Wirkungsaussagen sind Herstellerangaben; unabhängige Werkstoffkennwerte liegen nicht vor.

  1. Monitor Audio, Custom Install Guide/Brochure — Definition, Zusammensetzung, Spritzgussverfahren, damaliger Serieneinsatz.
  2. Monitor Audio, Timeline — Our History — Einführung von MMP 2003 und MMP II 2011.
  3. Monitor Audio, Heritage — Radius HD Series, 2008 — MMP II als Weiterentwicklung der Basstreiber.
  4. Monitor Audio, Heritage — Radius Series 1G, 2004 — erste MMP-Generation.
  5. Monitor Audio, Basics — aktueller Einsatz von MMP-II-Basstreibern.
  6. Monitor Audio, CLG140 — MMP-II-Tiefmitteltöner in Climate Garden.
Tastaturkürzel