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Trennklassen a bis d nach DIN EN 50174-2

Wie weit müssen Datenleitung und Stromleitung auseinanderliegen — und wovon hängt der Abstand ab?

Die Frage, wie weit eine Datenleitung von einer Stromleitung entfernt bleiben muss, hat keine feste Antwort in Zentimetern. Sie hat eine Antwort in drei Größen: Wie gut ist das Datenkabel gegen Einstreuung geschützt, wie ist die Kabelführung gebaut, und wie viele Energiestromkreise laufen parallel. Die erste dieser Größen fasst die Verkabelungsnorm DIN EN 50174-2 in vier Trennklassen — a, b, c und d — zusammen.

Strom- und Datenleitungen mögen sich nicht. Wie viel Platz dazwischen gehört, hängt aber davon ab, was Du verlegst: Ein sehr gut geschirmtes Datenkabel darf fast direkt daneben liegen, ein einfaches ungeschirmtes braucht eine Handbreit Abstand oder mehr. Ein Blech zwischen beiden ersetzt einen Teil des Abstands, und je mehr Stromkreise parallel laufen, desto mehr Abstand kommt dazu. Das ist die eigentliche Nachricht dieser Norm: Du kannst Abstand gegen Kabelqualität tauschen — und in einer engen Wand ist das oft der einzige Weg, überhaupt normgerecht zu bleiben.

Ausführliche Erklärung

Die Einordnung eines Kabels in eine Trennklasse erfolgt über zwei gemessene Größen. Die Kopplungsdämpfung beschreibt, wie stark ein Kabel als Ganzes gegen ein äußeres Feld abgeschottet ist — sie fasst die Wirkung des Schirms und die der Symmetrie des Aderpaars in einer Zahl zusammen. Die Schirmdämpfung betrachtet nur den Schirm. Beide werden im Bereich zwischen 30 MHz und 100 MHz bewertet, also dort, wo Einstreuung aus der Umgebung typischerweise stattfindet.

Daraus ergibt sich die Staffelung:

TrennklasseKopplungsdämpfungWas daraus folgt
d≥ 80 dBDie höchste Stufe, in der Praxis von Kabeln der Kategorie 7 und 7A erreicht. Sie erlaubt die gemeinsame Führung mit Energieleitungen auf engstem Raum — der Ausweg in Bestandsschächten, in denen es den Abstand schlicht nicht gibt.
c≥ 55 dBDie Klasse der üblichen geschirmten Installationskabel der Kategorien 5, 6 und 6A. Sie ist der Normalfall im Wohnhaus und braucht rund fünf Zentimeter Grundabstand.
b≥ 40 dBDeutlich schwächer geschützte Kabel. Der Grundabstand verdoppelt sich gegenüber Klasse c, was in einer Installationswand schon spürbar wird.
a< 40 dBAlles, was die 40 dB nicht erreicht — überwiegend ungeschirmte Bauformen. Mit dreißig Zentimetern Grundabstand ist das in engen Schächten und Kanälen praktisch nicht unterzubringen.

Zugeordnet werden die Klassen über die Kabelnormen der Reihe EN 50288: Kabel nach EN 50288-4-1 und -9-1 (Kategorie 7 und 7A) fallen in Klasse d, Kabel nach EN 50288-2-1, -5-1 und -10-1 (Kategorie 5, 6 und 6A) in Klasse c. Die Klasse steht damit im Datenblatt und ist keine Größe, die auf der Baustelle geschätzt wird.

Vom Grundabstand zum tatsächlichen Abstand

Die Trennklasse liefert nur den Ausgangswert. Die Norm nennt ihn S und staffelt ihn zusätzlich nach der Bauart der Kabelführung: Ohne metallische Trennung gilt der volle Wert, eine offene metallische Kabelwanne senkt ihn, eine perforierte weiter, und eine geschlossene metallische Trennung führt auf null. Für die Klassen d bis a werden ohne Trennung Werte von 10 mm, 50 mm, 100 mm und 300 mm genannt.

Der zweite Faktor ist die Zahl der Energiestromkreise, die parallel laufen. Die Norm führt ihn als P und staffelt ihn von 0,2 bei ein bis drei Stromkreisen über 1,0 bei dreizehn bis fünfzehn bis 2,0 bei sechzehn bis dreißig. Der einzuhaltende Abstand ergibt sich als

text A = S · P

A = einzuhaltender Trennabstand S = Grundabstand aus Trennklasse und Bauart der Kabelführung P = Faktor aus der Zahl der parallel geführten Energiestromkreise

Diese Multiplikation ist der eigentliche Kern der Norm, und sie erklärt zwei Beobachtungen aus der Praxis. Erstens: Eine einzelne Zuleitung neben einem Cat-6A-Kabel ist unkritisch — 50 mm mal 0,2 sind 10 mm, und die hat jeder Kabelkanal. Zweitens: Dieselbe Datenleitung neben dem Steigestrang eines Mehrfamilienhauses mit zwanzig Stromkreisen braucht 100 mm, und die hat der Schacht meistens nicht. Der Unterschied liegt allein im Faktor P.

Warum die Klasse nicht an der Schirmungsnotation hängt

Ein häufiger Kurzschluss ist die Gleichsetzung von Trennklasse und Schirmungsaufbau. Die Notation eines Kabels — U/UTP, F/FTP, S/FTP — sagt, was verbaut ist: Gesamtschirm als Folie oder Geflecht, Einzelschirm je Paar, oder gar keiner. Die Trennklasse sagt, wie gut es wirkt, und das ist ein Messergebnis. Zwei Kabel mit identischer Notation können verschiedene Klassen erreichen, weil Foliendicke, Überlappung, Beidrahtanbindung und die Symmetrie des Aderpaars alle mitspielen.

Umgekehrt gilt: Ein ungeschirmtes Kabel mit sehr guter Symmetrie kann in der Kopplungsdämpfung besser abschneiden als ein schlecht ausgeführtes geschirmtes. Das kommt in der Praxis vor und ist der Grund, warum die Norm überhaupt mit gemessenen Größen arbeitet statt mit Bauformen.

Häufiges Missverständnis

„Zwanzig Zentimeter Abstand, dann ist man auf der sicheren Seite." Die Zahl kursiert seit Jahrzehnten und stammt aus einer Zeit, in der es die Klassenstaffelung noch nicht gab. Sie ist an zwei Enden falsch: Bei einem gut geschirmten Kabel neben wenigen Stromkreisen verlangt sie Platz, den man anderswo dringender braucht — nach der Norm genügen dort Millimeter. Und bei einem ungeschirmten Kabel neben einem großen Steigestrang reicht sie nicht, weil dreihundert Millimeter Grundabstand mit einem Faktor über eins multipliziert werden.

Ein zweiter Irrtum steckt in der Richtung des Problems. Die Trennabstände schützen die Datenleitung vor der Energieleitung — die umgekehrte Wirkung ist zu vernachlässigen, weil das Nutzsignal auf einer Netzleitung um Größenordnungen stärker ist als alles, was ein Datenkabel abstrahlt. Wer einen Kanal plant, muss die Frage also nur einmal stellen und nicht für beide Seiten getrennt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Schirmungsnotation: Beschreibt den Aufbau (Gesamtschirm, Einzelschirm, Geflecht oder Folie), nicht die gemessene Wirkung.
  • Kabelkategorie: Sagt, welche Übertragungsklasse eine Strecke erreicht — also wie schnell, nicht wie störfest. Die beiden laufen parallel und werden von denselben Kabelnormen mitgeregelt.
  • Verlegeabstände aus dem Brandschutz: Andere Norm, anderes Schutzziel, andere Zahlen. Beide Anforderungen gelten nebeneinander.
  • Potentialausgleich und Erdung: Ein eigener Themenkreis. Ein korrekter Trennabstand ersetzt keinen Potentialausgleich, und umgekehrt.

In der Planung

Ein Reihenhaus bekommt nachträglich einen Kinoraum im Untergeschoss. Der einzige nutzbare Weg vom Hausanschlussraum nach oben ist ein vorhandener Installationsschacht, in dem bereits der Steigestrang der Wohnung liegt — nach Zählung acht Stromkreise. Für die Datenleitung bleiben rund vier Zentimeter Platz.

Zuerst ist zu klären, welche der drei Stellschrauben sich überhaupt bewegen lässt. Der Platz liegt fest, die Stromkreise auch — bleiben die Trennklasse und die Bauart der Führung. Genau in dieser Reihenfolge wird gerechnet, denn eine Kabelentscheidung vor der Abstandsrechnung ist eine Wette.

Gerechnet wird dann so. Bei acht Stromkreisen liegt P bei 0,6. Ein Kabel der Klasse c ergäbe 50 mm mal 0,6, also 30 mm — das passt in die vorhandenen vierzig. Wäre der Schacht enger oder der Strang größer, käme die zweite Stellschraube dazu: ein Kabel der Klasse d senkt den Grundabstand auf 10 mm, eine metallische Trennwand im Schacht senkt ihn weiter. Beide Wege sind normkonform, und welcher der günstigere ist, entscheidet der Rest der Baustelle — nicht das Datenblatt.

Die Gerätewahl spielt hier keine Rolle. Was am Ende der Leitung hängt, ändert an der Abstandsrechnung nichts; sie gilt für die Leitung, nicht für den Anschluss.

Verknüpfte Inhalte

Was ein Schirm überhaupt leistet und woran seine Wirkung hängt, steht bei der Schirmung und beim Kopplungswiderstand; wie die Bauformen bezeichnet werden, bei der Schirmungsnotation. Warum die Symmetrie des Aderpaars in die Kopplungsdämpfung eingeht, behandelt der Eintrag zu TCL, und was die Kategorien davon unabhängig regeln, die Kabelkategorien.

Quellen

Die Trennklassen, die Grundabstände und die Beziehung zwischen Abstand, Kabelklasse und Zahl der Energiestromkreise stehen in DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2) in der Ausgabe von Oktober 2018. Der Normtext ist kostenpflichtig und wurde hier nicht eingesehen; die wiedergegebenen Werte stammen aus zwei Fachbeiträgen der Zeitschrift de — das elektrohandwerk aus dem Jahr 2021, die die Tabellen der Norm für die Installationspraxis aufbereiten.

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