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Kabelkategorien (Cat 5e bis Cat 8)

Welche Kabelkategorie brauche ich — und was unterscheidet Cat 5e, Cat 6, Cat 6A, Cat 7 und Cat 8 voneinander?

Die Angabe „Cat 6A" auf einem Kabelmantel bewertet ein Bauteil, nicht Deine Leitung. Kategorien stufen einzelne Komponenten ein — das Kabel, das Anschlussmodul in der Dose, den Stecker. Was die fertig verlegte Strecke von der Dose bis zum Verteiler tatsächlich leistet, heißt Klasse und ergibt sich erst aus allen Bauteilen zusammen.

Netzwerkkabel gibt es in Stufen, und die Zahl auf dem Mantel sagt, wie viel dieses eine Kabel kann. Am Ende zählt aber nicht das Kabel, sondern die ganze Leitung von der Dose bis zum Schrank — mit allen Anschlüssen dazwischen. Das schwächste Teil bestimmt, was herauskommt, und deshalb bringt ein teures Kabel nichts, wenn die Dose daran gespart wurde. Die höchste Stufe ist im Wohnhaus fast nie die richtige Wahl; entscheidend ist, dass alles zusammenpasst und dass die Leitung noch reicht, wenn Du in fünfzehn Jahren neue Geräte anschließt.

Kategorie und Klasse sind zwei verschiedene Angaben

Die Verkabelungsnormen führen beide Größen getrennt, und das ist keine Formsache. Die Komponentenkategorie beschreibt ein Produkt, das man kaufen kann. Die Streckenklasse beschreibt eine Übertragungsstrecke, die es erst gibt, wenn sie verlegt und aufgelegt ist — geprüft entweder als feste Gebäudestrecke oder als Gesamtstrecke einschließlich der Patchkabel an beiden Enden.

KomponentenkategorieStreckenklassebis Frequenz
Cat 5eKlasse D100 MHz
Cat 6Klasse E250 MHz
Cat 6AKlasse E<sub>A</sub>500 MHz
Cat 7Klasse F600 MHz
Cat 7AKlasse F<sub>A</sub>1000 MHz
Cat 8.1Klasse I2000 MHz
Cat 8.2Klasse II2000 MHz

International steht das in ISO/IEC 11801, in Europa in der weitgehend deckungsgleichen EN 50173. Die nordamerikanische Reihe ANSI/TIA-568 kennt die Klassenbuchstaben nicht und benennt Strecken nach der Kategorie ihrer Komponenten — schon deshalb reden zwei Datenblätter gelegentlich aneinander vorbei.

Aus der Trennung folgt die einzige Regel, die man sich merken muss: Die Klasse einer Strecke richtet sich nach ihrem schwächsten Glied. Ein Cat-7-Verlegekabel, aufgelegt auf Cat-6A-Module, ergibt keine Klasse F. Es ergibt bestenfalls Klasse E<sub>A</sub>, und ob auch die erreicht wird, zeigt erst die Messung.

Was die Stufen tatsächlich leisten

Megahertz sind die Prüfgröße, nicht die Planungsgröße. Interessant ist, welche Übertragungsverfahren über welche Strecke laufen.

  • 1 Gbit/s (1000BASE-T) läuft über Klasse D, also über Cat-5e-Technik, bis 100 m. Das deckt jede Audio- und Videoanwendung im Haus ab — warum Bandbreite dort selten der Engpass ist, führen die Heimnetzwerk-Grundlagen aus.
  • 2,5 und 5 Gbit/s kamen 2016 mit IEEE 802.3bz dazu, ausdrücklich für vorhandene Verkabelung: 2,5 Gbit/s über Cat 5e, 5 Gbit/s über Cat 6, jeweils bis 100 m. Bestandsleitungen reichen dadurch deutlich weiter, als ihr Alter vermuten lässt.
  • 10 Gbit/s ist der Punkt, an dem Cat 6A entstanden ist. Über Klasse E<sub>A</sub> sind 100 m gesichert. Über ungeschirmte Klasse-E-Strecken waren in der Vorbereitung des Standards 55 m ohne weitere Maßnahmen vorgesehen, 100 m nur mit Maßnahmen gegen das Übersprechen zwischen benachbarten Strecken; geschirmte Klasse-E-Strecken wurden mit 100 m geführt.
  • 25 und 40 Gbit/s über Kupfer sind Kategorie 8. Die 2000 MHz stehen einem Kanal von 30 m mit zwei Steckverbindern gegenüber — eine Rechenzentrumslösung für die Strecke vom Schrank zum Nachbarschrank, kein besseres Cat 6A.

Das Stichwort im dritten Punkt ist das entscheidende: Fremdübersprechen, also die Einkopplung zwischen dicht nebeneinander liegenden Strecken. Es ist der eigentliche Grund für die Stufe Cat 6A, und es ist zugleich der Grund, warum eine Strecke im Bündel schlechter dasteht als dieselbe Strecke allein — eine Eigenschaft der Installation, nicht des Kabels.

Häufiges Missverständnis

„Höhere Zahl gleich besser" ist der Irrtum, der im Baumarkt und im Onlinehandel den Umsatz macht. Die Reihe ist keine Qualitätsleiter, sondern eine Reihe von Einsatzprofilen mit jeweils eigenen Grenzen. Cat 8 ist nicht das bessere Cat 6A, sondern eine Kurzstreckentechnik; wer damit ein Haus verkabelt, bezahlt Bandbreite, die er nicht abrufen kann, und handelt sich ein steiferes Kabel mit größerem Biegeradius ein.

Der zweite Irrtum ist typisch deutsch, weil Cat-7-Verlegekabel hier seit Jahren der Regelfall im Wohnungsbau ist: Auf dem Mantel steht Cat 7, in der Dose sitzt ein RJ45-Modul, und beides zusammen ergibt eben keine Klasse F. Die Klassen F und F<sub>A</sub> verlangen Steckverbinder, die kein RJ45 sind — GG45 oder TERA —, und die haben sich außerhalb von Sonderfällen nie durchgesetzt. Das ist kein Grund, das Kabel zu verurteilen: Es ist paarweise geschirmt, mechanisch robust und liegt oberhalb dessen, was die Strecke am Ende leisten muss. Nur ist der Gewinn eine Reserve im Kabel und keine Klasse auf dem Messprotokoll.

Nicht zu verwechseln mit

  • Streckenklasse: Klasse D bis Klasse II. Beschreibt die verlegte Strecke, nicht das Bauteil, und ist das, was ein Messprotokoll bescheinigt.
  • Schirmungsnotation: U/UTP, F/FTP, S/FTP und die übrigen Kürzel sagen, ob und wie geschirmt ist. Kategorie und Schirmung sind unabhängige Angaben — es gibt ungeschirmtes Cat 6A ebenso wie geschirmtes Cat 5e.
  • Installations- und Patchkabel: dieselbe Kategorie, andere Bauform. Verlegekabel hat Massivleiter, Patchkabel Litze; siehe Massivleiter und Litze.
  • Übertragungsverfahren: 1000BASE-T oder 10GBASE-T sind Ethernet-Verfahren nach IEEE 802.3. Die Kategorie sagt, was die Leitung aushält, nicht, was die Geräte daran sprechen — HDBaseT etwa läuft über dieselbe Verkabelung und ist kein Ethernet.
  • Brandverhaltensklasse: Auf demselben Mantel steht meist auch eine Klasse wie Eca oder Dca. Sie gehört zu einem völlig anderen Nachweissystem, siehe Brandverhalten von Kabeln.

In der Planung

Ein Einfamilienhaus im Rohbau, Heimkino im Untergeschoss, Technikraum daneben. Auf der Leitungsliste stehen Access Points an drei Decken, ein Projektor, der über eine Category-Strecke angebunden wird, Fernseher in zwei Räumen und eine Handvoll Steuergeräte. Der Elektriker fragt, ob Cat 7 „wie immer" in Ordnung ist.

Vor dieser Frage steht eine andere, und sie lautet nicht „welches Kabel", sondern: Welche Anwendungen sollen über die feste Verkabelung laufen — heute und in den zwanzig, dreißig Jahren, die das Kabel in der Wand liegt? Zwei Antworten verschieben das Ergebnis regelmäßig. Erstens die Access Points, die ihren Strom über die Datenleitung ziehen und damit Wärme ins Bündel bringen. Zweitens die Projektorstrecke, weil Verfahren wie HDBaseT eigene Anforderungen an Kabel und Terminierung stellen und ihre Reichweite nicht aus der Kategorie folgt, sondern aus der Freigabe des Geräteherstellers.

Die Antwort dreht die übliche Reihenfolge um: Du legst die Streckenklasse fest, nicht das Kabel. Dazu gehören Anschlusskomponenten derselben Stufe, eine Abnahmemessung je Strecke — vereinbart, bevor gebaut wird, nicht nachverhandelt — sowie Bündelgrößen und Trassen, die zum späteren Stromtransport über die Datenleitung passen. Wo eine Strecke für ein bestimmtes Gerät gedacht ist, kommt dessen Freigabeliste dazu.

Erst danach die Auswahl. Cat 6A ist im Neubau die naheliegende Antwort, aber nicht wegen der Datenrate — die braucht im Haus praktisch niemand. Sie ist es, weil die Stufe die Reserve für spätere Nutzungen mitbringt, weil der bei Cat-6A-Verlegekabel übliche größere Leiterquerschnitt dem Stromtransport über die Datenleitung entgegenkommt und weil der Mehrpreis gegenüber der Handarbeit des Verlegens gering ausfällt. Im Bestand ohne neue Leitungswege gilt die Gegenrichtung genauso ruhig: Eine saubere Cat-5e-Strecke überträgt 2,5 Gbit/s über die volle Länge, und das reicht für jede Anwendung, um die es hier geht.

Verknüpfte Inhalte

Warum Bandbreite im Haus selten der Engpass ist und was stattdessen über Verlässlichkeit entscheidet, steht in den Heimnetzwerk-Grundlagen; dort ist Cat 6A bereits als übliche Wahl beim Neubau eingeordnet. Warum dieselbe Kategorie in zwei Bauformen kommt, klärt Massivleiter und Litze; was die AWG-Angabe auf dem Mantel bedeutet, Leiterquerschnitt und AWG. Stromversorgung über dieselbe Leitung behandelt Power over Ethernet, die Brandklassifizierung des Mantels Brandverhalten von Kabeln.

Quellen

Die Trennung von Komponentenkategorie und Streckenklasse und die Zuordnung beider Reihen stehen in ISO/IEC 11801-1 und der europäischen Fassung EN 50173-1; die Kategorie 8 und ihr 30-Meter-Kanal in ANSI/TIA-568.2-D. Die Reichweiten der Übertragungsverfahren gehören zu IEEE 802.3 — 802.3an für 10GBASE-T, 802.3bz für 2,5 und 5 Gbit/s. Die Angaben zu Klasse-E-Strecken unter 10GBASE-T stammen aus einer Vorlage an die IEEE-Arbeitsgruppe 802.3an vom Juli 2005, die für diese Seite im Volltext eingesehen wurde.

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