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Schirmungsnotation
Was bedeuten U/UTP, F/UTP, U/FTP, F/FTP, S/FTP und SF/UTP?
Der Schrägstrich in U/UTP oder S/FTP ist keine Verzierung, sondern die Anweisung, wie das Kürzel zu lesen ist. Vor dem Schrägstrich steht, was um das ganze Kabel liegt; dahinter, was um die einzelnen verdrillten Paare darin liegt. Drei Buchstaben reichen für beide Positionen aus: U für ungeschirmt, F für Folie, S für Geflecht.
Auf Netzwerkkabeln stehen Kürzel wie U/UTP oder S/FTP. Sie sagen genau zwei Dinge: ob eine Metallhülle um das ganze Kabel liegt, und ob zusätzlich jedes Adernpaar im Inneren eine eigene bekommen hat. Der Teil vor dem Schrägstrich meint das ganze Kabel, der Teil dahinter die Paare darin. Mehr steht da nicht — nicht, wie schnell das Kabel kann, nicht, wie gut die Hülle ist, und schon gar nicht, ob es für Dein Haus das richtige ist. Mehr Buchstaben heißt also nicht automatisch besseres Kabel.
Ausführliche Erklärung
Die Schreibweise stammt aus der internationalen Verkabelungsnorm ISO/IEC 11801 und existiert aus einem sehr praktischen Grund: Gesamt- und Paarschirm lassen sich frei kombinieren, und ohne feste Konvention beschreibt jeder Hersteller dieselbe Bauart anders. Der Aufbau ist immer derselbe.
text XX / Y TP
XX = Gesamtschirm um alle Adern U, F, S oder SF Y = Schirm um jedes einzelne Paar U, F oder S TP = twisted pair (bei Sternvierern stattdessen TQ, quad)
Daraus ergeben sich die sechs Bauarten, die im Handel tatsächlich vorkommen:
| Kürzel | Gesamtschirm | Schirm je Paar | Im Handel oft auch genannt |
|---|---|---|---|
| U/UTP | keiner | keiner | „UTP" |
| F/UTP | Folie | keiner | „FTP", „STP" |
| U/FTP | keiner | Folie | „PiMF" |
| F/FTP | Folie | Folie | „PiMF", fälschlich „S/FTP" |
| S/FTP | Geflecht | Folie | „SSTP", „SFTP" |
| SF/UTP | Geflecht über Folie | keiner | „S/FTP", „SFTP" |
Die letzte Spalte ist der eigentliche Grund, warum dieser Eintrag gebraucht wird. Fast jede der sechs Bauarten hat im Handel mindestens einen zweiten, unpräzisen Namen, und mehrere dieser Namen bezeichnen mehr als eine Bauart.
Die beiden Positionen haben verschiedene Aufgaben
Der Code wirkt beliebig, solange man ihn als Qualitätsstufe liest. Er wird sofort einleuchtend, sobald man weiß, wogegen die beiden Schirme jeweils arbeiten.
Der Gesamtschirm steht zwischen dem Kabel und allem, was außerhalb davon liegt: der Stromleitung im selben Kanal, dem Frequenzumrichter im Keller, und auch dem Nachbarkabel im dicht gepackten Bündel. Er wirkt in beide Richtungen, hält also auch das eigene Signal drinnen.
Der Paarschirm arbeitet innerhalb des Kabels. Vier verdrillte Paare liegen dort auf engstem Raum nebeneinander, und sie sprechen gegenseitig übereinander — je höher die Frequenz, desto stärker. Ein Schirm um jedes Paar trennt sie voneinander. Deshalb sind Kabel für hohe Kategorien häufig paargeschirmt, und deshalb ist F/UTP etwas grundsätzlich anderes als U/FTP, obwohl beide „einfach geschirmt" sind.
Beides zusammen — S/FTP oder F/FTP — deckt beide Wege ab und ist der Aufbau, den man in anspruchsvollen Installationen findet. Welche Schirmbauart dabei was leistet und warum Folie und Geflecht unterschiedliche Schwächen haben, steht bei der Schirmung.
Was der Code nicht sagt
Hier liegt der praktische Nutzen dieses Eintrags, und die Liste ist kurz genug, um sie sich zu merken.
Er sagt nichts über die Kategorie. Schirmung und Übertragungseigenschaften sind zwei unabhängige Achsen: Ein U/UTP kann Cat 6A sein und ein S/FTP nur Cat 5e. Welche Kategorie welche Streckenklasse ergibt, gehört zu den Kabelkategorien.
Er sagt nichts über die Güte des Schirms. Zwei Kabel mit demselben Kürzel können sich in Bedeckungsgrad, Folienstärke und Kopplungswiderstand deutlich unterscheiden. Der Code beschreibt die Topologie, nicht die Leistung.
Und er sagt vor allem nichts über die Strecke. Ein geschirmtes Kabel wird erst dann zu einer geschirmten Installation, wenn Dose, Anschlussmodul, Patchfeld, Patchkabel und Potentialausgleich den Schirm durchgehend mitführen. Genau das steht nirgends auf der Kabeltrommel — und genau daran scheitern geschirmte Installationen.
Häufiges Missverständnis
„S/FTP ist besser als U/UTP." So gestellt ist die Frage nicht entscheidbar, weil sie das Kabel mit der Installation verwechselt. Ein S/FTP, dessen Schirm an einem Ende offen bleibt, ist gegenüber einem sauber verlegten U/UTP kein Fortschritt; es bringt einen Leiter mit, der Störströme aufsammelt und bis ans Gerät führt. Die Notation beschreibt ein Potenzial, das die Ausführung einlösen muss.
Das zweite Missverständnis ist die Schreibweise selbst. Die Kürzel werden im Handel routinemäßig ohne Schrägstrich geschrieben, und dabei geht die einzige Information verloren, die sie enthalten. „SFTP" kann S/FTP meinen oder SF/UTP — zwei völlig verschiedene Aufbauten. „FTP" und „STP" stammen aus der Zeit vor der Konvention und bezeichnen je nach Hersteller F/UTP, F/FTP oder S/FTP. Der im deutschsprachigen Raum beliebte Begriff PiMF, für „Paare in Metallfolie", sagt korrekt etwas über den Paarschirm aus und lässt den Gesamtschirm offen; er trifft damit U/FTP und F/FTP gleichermaßen. Wer bestellt oder ausschreibt, schreibt deshalb den Schrägstrich mit — sonst ist die Lieferung nicht prüfbar.
Der dritte Irrtum koppelt Kategorie und Schirmung: „Cat 7 ist immer S/FTP." Verbreitete Cat-7-Verlegekabel sind tatsächlich paargeschirmt, aber das ist eine Marktbeobachtung und keine Festlegung. Die beiden Angaben stehen unabhängig voneinander auf dem Kabel, und beide gehören in die Bestellung.
Nicht zu verwechseln mit
- Kabelkategorie: Cat 5e, Cat 6, Cat 6A, Cat 7, Cat 8 — beschreibt die Übertragungseigenschaften des Kabels bis zu einer Grenzfrequenz. Unabhängig von der Schirmungsnotation; siehe Kabelkategorien.
- Streckenklasse: Klasse D, E, EA und darüber — eine Eigenschaft der fertigen, gemessenen Strecke, nicht des Kabels. Kabel und Anschlusstechnik zusammen entscheiden darüber, und das schwächste Glied gibt den Ausschlag.
- CPR-Klasse: Aca bis Fca mit den Zusätzen s, d und a beschreibt das Brandverhalten und steht ebenfalls auf dem Mantel. Sie hat mit der Schirmung nichts zu tun — siehe Brandverhalten von Kabeln.
- Schirmung als Bauart: Folie, Geflecht, Kombination und ihre Auflegung. Die Notation nennt nur, an welcher Stelle im Kabel eine Schirmung sitzt — siehe Schirmung.
- Leiterart: Massivleiter für die feste Verlegung, Litze für Patchkabel. Eine dritte, davon unabhängige Angabe — siehe Massivleiter und Litze.
In der Ausschreibung
Im Leistungsverzeichnis für ein Einfamilienhaus steht „Cat 7, S/FTP". Geliefert wird ein Kabel mit der Aufschrift „Cat 7 SFTP PiMF", und der Elektriker fragt, ob das passt. Nach der Notation ist das nicht zu beantworten — „SFTP PiMF" kann S/FTP oder SF/UTP sein, und PiMF sichert nur den Paarschirm zu.
Davor liegt allerdings eine andere Frage: Welche Streckenklasse sollen die Dosen erreichen? Die Klasse ergibt sich aus der gesamten Strecke und nicht aus dem Kabel allein. Ein Cat-7-Verlegekabel auf 8P8C-Modulen liefert am Ende die Klasse, für die diese Module spezifiziert sind — die höhere Kabelkategorie schreibt sich nicht auf die Strecke durch. Wer Klasse EA will, schreibt Klasse EA aus und lässt sie messen, statt eine Kabelkategorie zu bestellen und auf das Ergebnis zu hoffen.
Danach erst das Verfahren, und dort wird die Notation wieder wichtig: Gesamt- und Paarschirm eindeutig mit Schrägstrich benennen, dieselbe Angabe für Dosen, Module und Patchfeld fordern, den Anschluss an den Potentialausgleich als eigene Position aufnehmen und ein Messprotokoll über die fertige Strecke verlangen. Die Kabelbestellung ist dann der letzte und einfachste Schritt.
Verknüpfte Inhalte
Was Folie und Geflecht jeweils leisten und warum die Auflegung über die Wirkung entscheidet, steht bei der Schirmung; den Anschlusspfad eines Folienschirms beschreibt der Beilaufdraht. Warum die Paare überhaupt verdrillt sind, klärt Twisted Pair. Die zweite Angabe auf demselben Kabel führen die Kabelkategorien, die dritte das Brandverhalten von Kabeln. Warum die Erwärmung im Bündel bei Power over Ethernet noch einmal eine eigene Frage ist, steht dort. Was an Netzwerkinfrastruktur im Haus zusammenkommt, behandeln die Grundlagen des Heimnetzwerks, die Verteiler- und Erdungsseite der Technikraum für die AV-Technik.
Quellen
Die Kurzschreibweise ist in der Verkabelungsreihe ISO/IEC 11801 festgelegt, im deutschsprachigen Raum in der Entsprechung EN 50173.