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Fortgeschritten

Multischalter, Quattro-LNB und Quad-LNB

Was macht ein Multischalter in einer Satellitenanlage — und warum passt dazu nur ein Quattro-LNB und kein Quad-LNB?

Ein Multischalter ist ein aktives Verteilgerät, das die vier Ebenen eines Satelliten gleichzeitig vorhält und jedem angeschlossenen Empfangsteil einzeln die Ebene aufschaltet, die es gerade anfordert. Gespeist wird er von einem Quattro-LNB, dessen vier Ausgänge die vier Ebenen fest führen. Ein Quad-LNB sieht genauso aus, arbeitet aber anders: Seine vier Ausgänge gehen direkt an bis zu vier Empfangsteile.

Deine Schüssel bekommt viel mehr Programme herein, als durch ein einzelnes Kabel passen. Der Empfänger sagt deshalb an, welches Viertel des Angebots er gerade sehen will, und bekommt nur dieses geschickt. Solange höchstens vier Geräte anfragen, macht das der Kopf an der Schüssel selbst. Sobald es mehr werden — und ein Fernseher mit Aufnahmefunktion zählt schon als zwei —, kommt ein Kasten im Technikraum dazu, der alles vorrätig hat und jede Dose einzeln bedient. Welchen Kopf Du an der Schüssel brauchst, hängt an dieser Entscheidung, und beide Köpfe sehen von außen gleich aus.

Ausführliche Erklärung

Ein Satellit sendet viermal so viel, wie ein Kabel führen kann: zwei Frequenzbänder mal zwei Polarisationsebenen, zusammen vier Ebenen. Der LNB am Spiegel setzt jeweils eine davon auf die Zwischenfrequenz um, die das Koaxialkabel überträgt. Welche das ist, bestimmt das angeschlossene Gerät über zwei Steuersignale auf derselben Leitung: die Höhe der Speisespannung wählt die Polarisation, ein aufgesetztes Signal von 22 Kilohertz wählt das Band. Wie diese Umsetzung zustande kommt und warum das Kabel dafür bis 2150 Megahertz durchlassen muss, steht bei der Antennen- und SAT-Verteilung.

Daraus folgen zwei Bauarten des LNB, die im Katalog nebeneinander stehen und sich um einen Buchstaben unterscheiden.

Quad und Quattro: gleiche Bauform, gegensätzliche Aufgabe

Ein Quad-LNB enthält vier vollständige Empfangszüge. An jedem seiner vier Ausgänge liegt die Ebene an, die das dort angeschlossene Gerät angefordert hat, und die vier Ausgänge sind voneinander unabhängig. Vier Ausgänge bedeuten vier Empfangsteile, und dabei bleibt es: Ein Verteiler hinter einem Quad-Ausgang bringt keinen fünften Teilnehmer, weil beide Geräte dann dieselbe Ebene sehen und sich gegenseitig umschalten.

Ein Quattro-LNB enthält dieselben vier Empfangszüge, nur fest verdrahtet: Ausgang eins führt dauerhaft vertikal/unteres Band, Ausgang zwei vertikal/oberes Band, und so weiter. Er reagiert auf keine Anforderung. An einen Empfänger angeschlossen liefert er deshalb eine Handvoll Programme und den Rest nicht — ein Fehlerbild, das nach einem defekten LNB aussieht und keiner ist. Sein Gegenüber ist der Multischalter, dessen Eingänge ab Werk genau auf diese vier Ebenen eingestellt und mit V/L, V/H, H/L und H/H beschriftet sind.

Umgekehrt gilt das genauso. Ein Multischalter braucht alle vier Ebenen gleichzeitig, und ein Quad-LNB gibt sie nie gleichzeitig heraus; AXING schreibt für seine Geräte ausdrücklich, dass der Betrieb an einem Quad-LNB nicht funktioniert. Die beiden Bauarten gehören damit zu zwei verschiedenen Anlagenkonzepten; die eine ist keine größere Ausführung der anderen.

Was der Multischalter daraus macht

Im Multischalter liegt hinter jedem Teilnehmerausgang eine eigene Schaltmatrix. Sie liest Speisespannung und 22-Kilohertz-Signal des dort angeschlossenen Tuners, wählt eine der vier Eingangsebenen aus und legt sie auf diesen Ausgang — für jeden Ausgang unabhängig. Zwei Teilnehmer dürfen dieselbe Ebene anfordern, und keiner merkt vom anderen etwas. Weil das Gerät die Signale dabei verstärkt, kostet die Verteilung nicht so viel Pegel wie bei einem passiven Verteiler.

Meist kommt der terrestrische Empfang mit hinein: Ein eigener Eingang nimmt Antenne, DAB oder Kabel auf, und der Schalter gibt beide Frequenzbereiche gemeinsam auf jede Teilnehmerleitung. Am Ende der Leitung trennt eine Antennendose sie wieder.

Die Zahl der Ausgänge legt fest, wie viele Empfangsteile die Anlage versorgt — und Empfangsteile sind die Planungsgröße, nicht Geräte. Ein Fernseher mit Twin-Tuner belegt zwei Ausgänge, ein Rekorder mit vier belegt vier. Wer im Rohbau Zimmer zählt statt Tuner, plant zu knapp, und zwar dauerhaft: Die Leitung fehlt dann in der Wand.

Kaskade: warum die Anlage später wachsen kann

Reichen die Ausgänge nicht, kommt keine zweite Antenne dazu. Multischalter haben Kaskadenausgänge, die die vier Ebenen — und getrennt davon die Terrestrik — an die nächste Einheit durchreichen. Die zweite Einheit bedient ihre eigenen Teilnehmer und gibt weiter, bis eine letzte Einheit die Kette abschließt.

Diese letzte Einheit braucht Abschlusswiderstände auf den offenen Ausgängen, und dasselbe gilt für jeden unbenutzten Anschluss unterwegs. Der Grund ist derselbe wie bei jeder anderen Hochfrequenzleitung: Ein offenes Ende wirft das Signal zurück, und die Reflexion läuft in die Anlage zurück. Warum ein Abschluss zum Kabel passen muss, steht beim Wellenwiderstand.

Wer im Rohbau plant, nimmt daraus mit: Die Kaskade ist der Grund, warum eine Sternverkabelung mit Reserveleitungen sinnvoll bleibt, auch wenn der Schalter heute klein ausfällt. Leitungen liegen nach dem Rohbau fest, Schalter lassen sich tauschen und erweitern.

Häufiges Missverständnis

„Quad und Quattro ist dasselbe, einmal englisch und einmal italienisch." Der Wortsinn stimmt, die Technik nicht. Beide LNB haben vier Ausgänge, und genau das macht die Verwechslung so haltbar: Man sieht sie einem verbauten Gerät nicht an. Der Quad bedient Empfänger, der Quattro bedient einen Multischalter, und keiner von beiden kann die Aufgabe des anderen übernehmen.

„Der Multischalter ist ein Verteiler mit mehr Ausgängen." Ein Verteiler teilt ein einziges ankommendes Signal auf und schwächt es dabei um einen festen Betrag. Der Multischalter hat vier verschiedene Signale am Eingang und wählt je Ausgang aus, welches dort erscheint. Beide sind silberne Kästen mit vielen F-Buchsen, und der eine ersetzt den anderen an keiner Stelle.

„Mehr Ausgänge am Schalter heißt mehr Programme." Die Zahl der Ausgänge ändert am Angebot nichts. Sie ändert, wie viele Empfangsteile gleichzeitig unabhängig voneinander etwas anderes sehen dürfen. Wer Programme vermisst, hat ein Problem mit der Ebene oder mit dem Kabel und keines mit dem Schalter.

Nicht zu verwechseln mit

  • Verteiler und Abzweiger: passive Bauteile ohne Auswahlfunktion. Der Verteiler teilt gleichmäßig auf, der Abzweiger koppelt einen kleinen Teil aus und lässt den Rest weiterlaufen. Beide dämpfen, und beide reichen immer nur die eine Ebene weiter, die gerade ankommt.
  • DiSEqC-Schalter: wählt zwischen mehreren Antennen oder Satellitenpositionen für einen Empfänger. Die Ebenenauswahl bleibt Sache des LNB dahinter.
  • Einkabel-Umsetzer: verteilt keine Ebenen. Er setzt einzelne Transponder in schmale Frequenzfenster um, die sich mehrere Empfänger auf einer Leitung teilen — siehe Einkabelsystem. Viele heutige Geräte beherrschen beides und heißen trotzdem Multischalter.
  • Netzwerk-Switch: vermittelt Datenpakete im Ethernet. Die Namensähnlichkeit ist rein zufällig, und beide Geräte stehen im selben Technikraum nebeneinander.
  • Wideband-LNB: gibt statt vier Ebenen zwei sehr breite Signale aus (je Polarisation eines) und arbeitet nur an Multischaltern, die dafür eingerichtet sind. Er ist der übliche Weg zu mehreren Satellitenpositionen an einer Einheit.

In der Planung

Ein Neubau, vier Räume mit Fernsehanschluss, im Wohnzimmer ein Rekorder mit zwei Empfangsteilen. Die Bauherrin fragt, ob ein Quad-LNB reicht — auf dem Papier sind es ja vier Anschlüsse.

Zuerst ist zu zählen: Wie viele Empfangsteile sollen unabhängig voneinander laufen, heute und in zehn Jahren? Nach dem LNB fragt sie noch nicht. Vier Räume plus ein zweites Empfangsteil im Wohnzimmer ergeben fünf, und damit erledigt sich der Quad-LNB, bevor irgendein Gerät ausgesucht wurde.

Mit den fünf steht der Aufbau: Quattro-LNB, ein Multischalter im Technikraum, sternförmig eine Leitung je Empfangsteil. Wer an dieser Stelle Reserveleitungen mitzieht, kauft sich die Erweiterung für den Preis von Kabel — die Kaskade nimmt sie später auf. Die Alternative, mit vorhandenen Einzelleitungen zu arbeiten, ist das Einkabelsystem; im Neubau ist sie die schwächere Wahl, weil sie jedes künftige Endgerät auf ein Verfahren festlegt.

Erst zuletzt das Gerät: Ausgangszahl, Kaskadierbarkeit, Terrestrik-Eingang, unterstützte Einkabelnorm und Pegelreserve. Das sind Katalogfragen, und sie lassen sich beantworten, sobald die beiden Zahlen oben feststehen.

Verknüpfte Inhalte

Wie die vier Ebenen entstehen und was die Verkabelung im Rohbau daraus lernen muss, steht bei der Antennen- und SAT-Verteilung. Was die Leitung dorthin können muss, erklären Koaxialkabel, Wellenwiderstand und Schirmung. Der andere Weg zu vielen Teilnehmern — über eine gemeinsame Leitung statt über viele — steht beim Einkabelsystem. Wo der Schalter im Haus sitzt, ordnet der Technikraum für die AV-Technik ein.

Quellen

Dass die Satelliteneingänge eines Multischalters ab Werk auf einen Universal-Quattro-LNB eingestellt sind, dass Kaskadenausgänge für Satellit und Terrestrik getrennt geführt werden, dass die letzte Einheit einer Kaskade und jeder unbenutzte Anschluss mit Abschlusswiderständen zu belegen sind und dass der Anschluss an den Potentialausgleich nach EN 60728-11 gefordert wird, steht in der Betriebsanleitung des AXING SES 5532-19 vom November 2016. Dass ein Betrieb an einem Quad-LNB nicht funktioniert, schreibt derselbe Hersteller in der Produktinformation zu seiner Multischalter-Erweiterung. Die Steuerung des LNB über Speisespannung und 22-Kilohertz-Signal sowie die Abgrenzung von Quad und Quattro stammen aus enzyklopädischen Sekundärquellen; der Zusammenhang zwischen offenem Leitungsende und Reflexion ist bei den Einträgen zum Wellenwiderstand und zum Koaxialkabel hergeleitet.

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